Der größte Spaß, den wir je hatten: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der größte Spaß, den wir je hatten: Roman' von Claire Lombardo
3.15
3.2 von 5 (8 Bewertungen)

Wie hält man das Glück der eigenen Eltern aus?

Vierzig glückliche Ehejahre: Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild – und eine ständige Provokation! Wendy, früh verwitwet, tröstet sich mit Alkohol und jungen Männern. Violet mutiert von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter. Liza, eine der jüngsten Professorinnen des Landes, bekommt ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Und Grace, das Nesthäkchen, bei dem alle Rat suchen, lebt eine Lüge, die niemand ahnt. Was die vier ungleichen Schwestern vereint, ist die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Dann platzt Jonah in ihre Mitte, vor fünfzehn Jahren von Violet zur Adoption freigegeben. Und Glück ist auf einmal das geringste Problem.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:720
EAN:

Rezensionen zu "Der größte Spaß, den wir je hatten: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Nov 2019 

    Der Schein trügt

    Der Schein trügt

    Claire Lombardo - Der größte Spaß, den wir je hatten

    Marylin und David Sorenson sind 40 Jahre verheiratet, haben mittlerweile 4 erwachsene Töchter, und spiegeln nach außen hin eine glückliche Ehe wieder. Doch dieser Roman zeigt dem Leser, dass es auch in einer Ehe, die für andere glücklich wirkt, Höhen und Tiefen, ja sogar Schicksalsschläge gibt.

    Das Leben der Familie wird ziemlich auf den Kopf gestellt, als Wendy, die älteste der Töchter, den nach der Geburt zur Adoption freigegebenen Sohn der zweitältesten Tochter Violet, ausfindig macht. Jonah ist bereits im Teenageralter , keiner aus der Familie, außer Wendy und Violet, wissen überhaupt dass es ihn gibt. Durch unglückliche Zustände droht ihm das Waisenhaus, wenn er nicht bei einem der Sorensons aufgenommen werden kann. Da Violet mit ihrem Mann Matt und den beiden kleinen Jungen glücklich ist, und sie den Jungs keinen älteren Bruder, den sie nicht kennen, zumuten möchte, entschließt Wendy sich Jonah aufzunehmen.
    Wendy hat durch das Erbe ihres verstorbenen Mannes ein finanziell sorgenenloses Leben. Sie trinkt viel, lebt in den Tag hinein und hat viele wechselnde Männerbekanntschaften, dennoch nimmt sie Jonah auf. Will sie Violet damit kränken oder ist es reine Nächstenliebe? Dies bleibt eine der Fragen, die der Roman erst nach und nach offenbart.
    Ähnlich sieht es auch bei den anderen Schwestern aus, jede hat ihr Päcklein zu tragen. Liza war als Kind immer die angepasste und ist nun schwanger von einem psychisch krankem Mann, die Situation überfordert sie enorm. Grace, die jüngste, das wohlbehütete Nesthäkchen kommt gar nicht klar. Sie hat ihr Studium ohne Wissen der Familie geschmissen und hat große Geldnöte, sie traut sich nicht sich jemandem anzuvertrauen.
    Die Mädchen sehen fast alle zu ihren Eltern auf, die sich auch jetzt noch um ihre Kinder sorgen.
    Marylin und David sind früh Eltern geworden. Marylin gab zum Wohl von Wendy ihr Studium auf und bekam die ersten drei Mädchen recht schnell aufeinander. David ist Arzt und war beruflich stark eingespannt, konnte Marylin bei der Arbeit mit den Mädchen selten helfen. Die Autorin beschreibt hier ganz gut das Leben einer viel beschäftigten Mutter.

    Die grundlegende Handlung um Jonah, der in das Leben der großen Familie tritt und nacheinander alle kennenlernt und alles gehörig aufmischt, hat mir gut gefallen. Die einzelnen Probleme der Familienmitglieder arten allerdings teilweise ein wenig aus, driften in Übertreibungen ab, weniger wäre mehr gewesen, sowohl bei der Menge an Problemen, als auch beim Umfang des Familiendramas. Dennoch ist es ein sehr unterhaltendes Buch, was ich im Großen und Ganzen gerne gelesen habe.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Nov 2019 

    Eine amerikanische Familie

    Der größte Spaß, den wir je hatten - dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es geht um die Familie Sorensen und ihre vier Töchter. Das Buch beleuchtet in Rückblenden, die es nicht immer leicht machen in der Geschichte zu bleiben, das Familienleben im Zeitraum vom 1975 bis in das Jahr 2017.

    Gerade am Anfang wird dem Leser suggeriert, wie glücklich und zufrieden alle in der Familie sind und wie liebevoll der Umgang miteinander ist. Das es dann so nicht ist, erfährt man in den teilweise für mich ungeordneten Rückblenden. Aufgerüttelt wird die Familie durch das Auftauchen von Jonah, einem verwaisten Adoptivkind. Wie und warum Jonah plötzlich im Mittelpunkt der Familie steht und vor allem warum gerade Jonah die Familie so komplett durcheinander bringt, das sollte jeder selbst lesen.
    Am Anfang fiel es mir nicht leicht, mich in der Familie zurecht zu finden. Die häufigen Rückblenden zu den verschiedenen Familienmitgliedern erschwerten es zusätzlich.

    Jedoch erfährt man dadurch sehr viel mehr zu den einzelnen Protagonisten. Ihre Ängste und Sorgen, ihre persönlichen Momente werden in diesen Abschnitten sehr ausführlich beleuchtet. Das wiederum ermöglichte mir als Leser dann doch einen sehr viel tieferen Einblick in die Familie zu erhalten. Die Geheimnisse, die dabei offenbart wurden, trugen entscheidend zum Gesamtverständnis bei.

    Selten hat man so einen tiefen, intensiven Einblick in die Geschehnisse einer amerikanischen Familie. Mir hat es gut gefallen, ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Nov 2019 

    Zu schön, um wahr zu sein

    Marilyn und David Sorenson präsentieren sich nach außen hin als Traumpaar, seit sie sich in den 1970er-Jahren ineinander verliebt haben. Aus ihrer Ehe sind vier Töchter entstanden. Wendy Eisenberg wurde schon früh zur Witwe und tröstet sich über den Tod ihres Mannes mit Alkohol und jungen Kerlen hinweg. Violet Sorenson-Lowell ist von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter geworden. Liza ist mit 32 Jahren eine der jüngsten Professorinnen des Landes und erwartet ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Grace, das Nesthäkchen, lebt eine Lüge, die niemand kennt. Die vier ungleichen Schwestern eint die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Und dann platzt plötzlich der 15-jährige Jonah Bendt in ihr aller Leben, das Kind, das Violet vor 15 Jahren heimlich zur Adoption freigegeben hat...

    „Der größte Spaß, den wir je hatten“ ist der Debütroman von Claire Lombardo.

    Meine Meinung:
    Der Roman beginnt mit einem Prolog, auf den vier Teile folgen, die nach den Jahreszeiten benannt und wiederum in einzelne Kapitel untergliedert sind. Zum Schluss folgt eine Art Epilog. Erzählt wird aus der Sicht unterschiedlicher Figuren. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den Schwestern, den Eltern und Jonah. Dabei wird nicht chronologisch erzählt. Neben dem aktuellen Geschehen gibt es Rückblenden, sodass die Handlung mehrere Jahrzehnte umfasst. Jahreszahlen erleichtern dabei die Orientierung.

    Der Schreibstil ist sehr detailliert und ausschweifend, aber auch flüssig. Die Geschichte kommt nur sehr langsam in Fahrt und plätschert auch im weiteren Verlauf in eher gemächlichem Tempo daher, was mir den Einstieg erschwert hat.

    Auffallend ist, dass der Roman über viele Protagonisten verfügt. Die Figuren sind psychologisch gut ausgearbeitet und reizvoll gestaltet. Aber vor allem zu Beginn macht die Vielzahl an Charakteren – in Kombination mit den häufigen Perspektivwechseln – den Roman verwirrend. Wer sympathische, liebenswürdige Personen erwartet, wird enttäuscht. Obwohl sich die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten nachverfolgen lässt, fällt mir eine Identifikation schwer.

    Inhaltlich geht es um die unterschiedlichen Facetten der Liebe – nicht nur in romantischer Hinsicht, sondern vor allem auch innerhalb einer Familie, was ich als ein interessantes Thema empfinde. Die Autorin bezeichnet ihren Roman als die Chronik einer Ehe. Dargestellt werden auch die Entwicklung einer Familie und die individuellen Lebenswege ihrer Mitglieder. Das macht die Handlung ziemlich komplex. Sie ist gespickt mit allerlei Geheimnissen und persönlichen Dramen, die mir an der einen oder anderen Stelle zu übertrieben und unrealistisch vorkamen. Zwar bedient sich der mit mehr als 700 Seiten recht umfassende Roman immer wieder Cliffhangern. Dennoch ist die Geschichte bisweilen langatmig und enthält einige Wiederholungen, sodass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass in diesem Fall weniger sicherlich mehr gewesen wäre.

    Das Cover, das sich am amerikanischen Original orientiert, greift das Symbol des Ginkgo-Baumes mit seinen Blättern auf, der im Roman eine nicht unwichtige Rolle spielt. Obwohl das Motiv thematisch stimmig ist, spricht mich die optische Gestaltung leider gar nicht an. Ähnlich verhält es sich mit dem deutschen Titel, der sehr wörtlich aus dem Englischen („The most fun we ever had“) übersetzt wurde, aber meiner Ansicht nach nicht besonders gut zum Inhalt passt.

    Mein Fazit:
    Mit „Der größte Spaß, den wir je hatten“ hat Claire Lombardo eine Familien-Saga geschrieben, die dem Leser einen langen Atem abverlangt. Trotz der interessanten Grundthematik konnte mich der Roman nicht durchweg gut unterhalten, weshalb ich ihn nur eingeschränkt empfehlen kann.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Nov 2019 

    Ausnahmezustand Familie

    Seit 40 Jahren sind Marilyn und David Sorenson verheiratet. Vier Töchter haben sie groß gezogen, kleine und größere Schicksalsschläge überstanden. Doch dann taucht plötzlich ein neues Familienmitglied auf, das das bisherige Familiengefüge gehörig uns Wanken bringt.
    Claire Lombardo hat mit ihrem Debütroman „Der größte Spaß, den wir je hatten“ eine üppig erzählte Familiengeschichte vorgelegt. Marilyn und David sind beide Studenten in den 1970ern, als sie sich kennen und lieben lernten. Es kommt wie so oft im Leben ein Kind, dann noch eines, zuerst Wendy, dann Violet. Für Marilyn ist statt irischer Lyrik plötzlich das Mutter- und Hausfrauendasein „der größte Spaß, den sie je hatte“, während David Arzt wird. Auch nach zwei weiteren Töchtern, Liza und der Nachzüglerin Grace, hat die Ehe jedoch Bestand, ist Maßstab für das eigene Glück der Töchter.
    Es sind viele Höhen und Tiefen, die die Familie Sorenson in diesen 40 Jahren erlebt haben, viele alltägliche Menschlichkeiten, kleine Dramen und große Verluste. Die guten und die schlechten Zeiten gab es im Eheleben von Marilyn und David genau so, auch wenn die schlechten Zeiten manches Mal in sentimentaler Erinnerung etwas verklärt werden.
    Wendy, die Älteste, heiratet nach einer rebellischen Jugend reich. Doch kein Geld der Welt schützt vor Krankheit und Verlust. Wendy ist die Zynikerin in der Familie für mich in der Familie und für mich die authentischste Person der ganzen Geschichte.
    Violet ist die Perfektionistin, mit Bilderbuchfamilie und einem großen Geheimnis, während Liza gerade eine Kind erwartet, aber keinen Mann dazu vorzuweisen hat.
    Und Grace, das Nesthäkchen. Mir scheint hier schreibt Claire Lombardo ein bisschen um ihr Leben (Wenn man die dürftigen biografischen Angaben zur Autorin aus dem Klappentext mit Graces Leben vergleicht.)
    Dann taucht unerwartet Jonah auf, das Kind, das Violet vor 15 Jahren zur Adoption freigegeben hat. Ein lang unterdrückter Konflikt zwischen Wendy und Violet bricht aus. Aber gleichzeitig bringt Jonah, der Jugendliche mit eigentümlicher Altersweisheit, bringt auch viel Dinge wieder ins Lot, die vorher in Schieflage waren.
    Familie kann man sich nicht aussuchen, aber wie man miteinander in der Familie umgeht sehr wohl. Diese Erfahrung können die Sorensons bis zum Schluss immer wieder machen. Und ich habe sie auf den vorliegenden über 700 Seiten auch recht gerne begleitet, hatte manchmal schon fast das Gefühl, dazuzugehören. Was man aushalten sollte, ist das „amerikanisch dramatische“ und den Hang zu Kosenamen und der inflationären Verwendung der Bezeichnung „Süße“ oder „Kleine“. Generell könnte ich mir eine Verfilmung der Geschichte gut vorstellen, mit Jennifer Aniston in allen fünf weiblichen Hauptrollen, da ist enorm viel Stoff für Gefühle. Der Schluss selbst war mir dann noch einen Tick zu sehr harmonisch und gefällig. Ein bisschen wie bei den Waltons. Alle haben sich lieb. Gute Nacht!

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Okt 2019 

    Was für ein Spaß!???

    Ja, was für ein Spaß!??? Wobei ich beim Lesen dieser Familiengeschichte von Claire Lombardo weniger Spaß entdeckt habe, mehr im Fokus standen eher die Probleme in dieser Familie, wobei ich auch diesen Blick etwas einseitig betrachtet finde. Von 1975 bis 2017 wird das Entstehen und Bestehen der Familie Sorenson beleuchtet, einer Familie im mittleren Westen der USA, einer Familie, die in einer vergangenen Zeit/in einem anderen Land entsteht und besteht. Einer Zeit, die den Personen der Familie auch Kompromisse abfordert, wobei diese Kompromisse in meinen Augen etwas einseitig platziert sind. Aber dies empfinde ich nicht als unglaubwürdig. Ich glaube durchaus, dass es solche Familienkonstellationen gab und ich glaube auch durchaus, dass genau solche Entscheidungen dann von den Betroffenen gut geredet werden und irgendwann sogar zum größten Spaß werden, obwohl sie weiter an den Betroffenen nagen. Dadurch, dass dieser Spaß kein Spaß ist, gibt man natürlich auch Negatives weiter und dadurch, dass wir Menschen sind, passieren auch Fehler. Bis hierher ist alles erklärbar und nachvollziehbar. Der Fokus des Romans liegt auf negativen Geschehnissen und ihren Folgen, das Positive in dieser Familie wird etwas außer Acht gelassen, wobei die negativen Geschehnisse und die Folgen auch nicht lösungsorientiert in der Familie besprochen werden, eher wird hier weggeschaut/bzw. auch gar nicht wahrgenommen und alles für schön befunden. Wobei es solche Konstellationen durchaus gibt, definitiv! Aber will ich das lesen? Nein! Will ich nicht. Warum ich es trotzdem getan habe? Nun, ich habe mir hier definitiv etwas anderes versprochen/vorgestellt. Wobei man sagen könnte mein Fehler. Und damit hat man durchaus recht!
    Wer sich plätschernd unterhalten lassen möchte, ist bei der Familiengeschichte der Sorensons vollkommen richtig. Wer miterleben möchte wie sich die Eltern Marilyn und David kennenlernen und miteinander vier Töchter haben und wer lesen möchte wie die Töchter Wendy, Violet, Liza und Grace aufwachsen, ist hier vollkommen richtig. Denn dieses Buch gefällt vielen und erhält tolle Kritiken, dass sollte man nicht außer Acht lassen.
    Aber wer ein komplexeres Umgehen mit den Widrigkeiten des Lebens erwartet, wird hier enttäuscht werden. Einerseits war es die nicht differenzierte Handlung, die mich enttäuscht hat und andererseits war es die Sprache, die enttäuscht. Die Schreibe kommt schon recht einfach daher, manches Geschriebene klingt schon nach gewissen Serien im TV. Was nicht schlecht ist, aber definitiv nicht jedem gefallen kann/muss. Es kommt hier auf die eigene Erwartungshaltung an, die man an ein Buch/Lesevergnügen hat. "Der größte Spaß, den wir je hatten." ist ein schöner Unterhaltungsroman, nicht mehr. Für mich war er aber auch eine Enttäuschung. Schade!

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 17. Okt 2019 

    Die Probleme der Familie Sorenson

    Marilyn und David sind seit 40 Jahren glücklich verheiratet. Die Erotik war immer ein wichtiger Stützpfeiler ihrer Ehe und sie können sich daran erfreuen, dass das auch heute noch so ist.

    Vier mittlerweile erwachsene Töchter sind aus der Ehe hervorgegangen. Wendy hat harte Schicksalsschläge erdulden müssen, die sie zum Alkohol und mitunter in die Arme junger Liebhaber treiben. Violet war bis zur Geburt ihrer zwei Söhne als Anwältin tätig. Jetzt kümmert sie sich um ihre Familie und übernimmt ehrenamtliche Aufgaben. Liza war schon immer sehr ehrgeizig und gehört zu den jüngsten Professorinnen des Landes, was die Eltern sehr stolz macht. Ihr Partner Ryan hat allerdings eine schwierige Phase. Er ist antriebslos und depressiv. Die Beziehung steckt in einer ernsten Krise. Über Nesthäkchen Grace erfahren wir nicht ganz so viel. Aber sie hat ihre Eltern über ihre Ausbildung belogen und leidet sehr darunter.

    Das Auftauchen von Jonah bringt das Familiengefüge ordentlich ins Wanken. Jonah ist der 15-jährige, einst zur Adoption freigegebene, Sohn von Violet. Seine Adoptiveltern sind bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Junge wanderte von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, bis Wendy ihn aufstöberte und ins Sorenson-Nest legt. Der Teenager ist überraschend weitsichtig und sympathisch, trotzdem reißen durch ihn alte Konflikte wieder auf, die zu neuen führen.

    Der Roman liest sich sehr leicht, es gibt viele Dialoge. Der Erzähler verändert die Erzählebenen und springt in der Zeit. Dabei übernimmt er die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten. Man weiß aber relativ schnell, wo man sich befindet, zumal die Jahreszahlen über den Kapiteln stehen.

    Alle Familienmitglieder sind sexuell sehr aktiv, darüber gibt es auch zu lesen. Die Art der Beschreibung war mir vielfach zu gewöhnlich: „Und selbst da hatte sie in ihrem Körper das Verborgene gespürt, das weiche Pochen in dem Schlitz zwischen ihren Schenkeln, die Lust auf ihren Mann, den sie am liebsten noch oben ins Schlafzimmer gezerrt hätte, am helllichten Tag, damit er sie nahm, seine sanfte Kraft, sein verlockender Mund.“ (S. 338). Zurückhaltung ist auch nicht Sache der Sorensons. Wenn es mal jugendliche Zuschauer gibt, dann ist das eben so.

    Diese Darstellungen kann man mögen, muss man aber nicht. Mein Haupt-Kritikpunkt liegt woanders: Die Charaktere wirken mir zu unecht, zu aufgesetzt. Sie scheinen amerikanischen Langzeit-Serien entsprungen zu sein. Ihre mitunter harten Schicksalsschläge führen aus meiner Sicht zu völlig abstrusen, theatralischen Verhaltensweisen. Niemand hat ernsthaft Interesse am Anderen, die Beziehungen erscheinen sehr oberflächlich, auch wenn das „Wir sind eine Familie“, sehr betont wird.

    Marilyn und David werden als fürsorgliche, verständnisvolle Eltern gezeichnet. Dennoch werden ihnen von den Töchtern bedeutsame Erlebnisse und Misserfolge verschwiegen. Warum? Alles für den schönen Schein.

    Aus meiner Sicht typisch amerikanisch tauchen viele Themen auf wie zum Beispiel Herkunft/Zugehörigkeit, Tod, uneheliche Kinder, Umgang mit Drogen, Bulimie, Depression, Alkoholismus, usw. Für mich eindeutig zu viel, zumal sich manches auf wunderbare Weise auch schnell wieder auflöst.

    Im Roman gibt es zahlreiche Aktionen und Reaktionen, die für mich so nicht nachvollziehbar sind. Kaum jemand hat Verantwortung für das eigene Tun übernehmen wollen, viel lieber wird die Schuld bei anderen gesucht, so dass man sich in Vorwürfen ergehen und auf eine Entschuldigung hoffen kann… Die Eltern, so sie denn Bescheid wissen, fungieren lediglich als gutmütige Zuschauer, die sich allerdings gerne um Jonah kümmern, als das notwendig wird.

    Ich hätte dieses Buch nicht lesen sollen. Es ist eindeutig nicht meine Kragenweite und weicht von meinem üblichen Lesestoff ab. Die Sprache ist süffig bis einfach, gegen Ende wollte ich auch wirklich kein „Süße“ oder „Kleine“ mehr lesen. Es sträubten sich die Nackenhaare. Für mich waren die 720 Seiten definitiv kein Spaß, aber auch keine Arbeit, denn im Großen und Ganzen liest sich das Buch flott weg.

    Wer also thematisch gerne etwas Drama hat und es schätzt, sich zur Unterhaltung mit Problemen einer schwierigen Familie auseinanderzusetzen, ist hier sicher gut bedient. Man hat eine kurzweilige Geschichte vor der Nase, in der immer was Neues passiert. Ich brauche keine Identifikationsfiguren, aber nachvollziehen können möchte ich Handlungsweisen schon. Das war mir hier selten möglich.
    Vielleicht bin ich einfach zu kritisch? Oder zu alt?
    Wie auch immer: von mir nur eine eingeschränkte Lese-Empfehlung.

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 14. Okt 2019 

    Ein neuer Stern am Seifenopernhimmel

    Mein Gott, ich erkenne mich nicht wieder. Ich habe mir sonst nie etwas aus (amerikanischen) Familiengeschichten gemacht und nun habe ich gleich zwei davon hintereinander gelesen. Waren „Die Altruisten“ von Andrew Ridker mit 3* fragwürdig, aber noch im Bereich des Erträglichen, habe ich mich mit „Der größte Spaß, den wir je hatten“ von Claire Lombardo ziemlich in die Nesseln gesetzt.

    Claire Lombardo erzählt uns in ihrem 720-seitigen Debütroman die Geschichte der Familie Sorenson – Vater David, Mutter Marilyn sowie die Töchter Wendy, Violet, Liza und Grace (sortiert von alt nach jung – die ersten drei Töchter mit Zweitnamen gesegnet, nur die arme Grace muss mit einem Namen leben – wie furchtbar…).

    Seifenopernregisseure würden wahrscheinlich schon mit diesem Trauma drei Staffeln á 10 Folgen á 90 Minuten füllen, aber es geht ja noch weiter: jede der vier Töchter hat es so unsagbar schwer in ihrem Leben (ja, einige Traumata sind traurig und zwei/ drei der angesprochenen Themen kenne ich auch aus eigener Erfahrung), aber alle drehen sich nur um sich selbst und die eigene Achse ohne wirklich etwas zu ändern bzw. ändern zu wollen – stattdessen zerfließen sie in Selbstmitleid oder im Alkohol, suchen die Schuld nur bei anderen – hach, herrlich. Wenn ich Seifenopernfan wäre, würde ich mich auf eine Laufzeit ähnlich der „Lindenstraße“ freuen.

    Denn natürlich haben auch die Eltern ihre lieben Problemchen. Ach nein: die sind ja seit 40 Jahren glücklich verheiratet, haben ihre Lust auf- und aneinander nie wirklich verloren, turteln vor den Augen ihrer Kinder wie frisch verliebte, äh, Turteltäubchen und lassen sich auch nach einem Herzinfarkt (der natürlich trotz Wiederbelebung ohne großartige Einschränkungen überlebt wird) nicht davon abhalten, sich an markanten Körperstellen zu berühren (ein bisschen Spaß muss ja schließlich sein, gell!?)

    Na, merkt ihr was? Ich hatte nicht wirklich Spaß am größten Spaß – neben der angesprochenen Story fand ich auch die Sprache und ergo die Dialoge in diesem Roman über weite Teile platt und belanglos…Wenn ich das Buch nicht für eine Leserunde gelesen hätte, hätte ich es auch gar nicht bis zum Ende gelesen. Aber gut – ich hab´s geschafft, hab´s überlebt, setze einen Haken an die Geschichte und Claire Lombardo und wünsche (nein, das ist jetzt im Gegensatz zum Rest dieser Rezension keine Ironie!) dem Buch Erfolg bei allen Seifenopernstofffans – davon gibt es ja schließlich auch mehr als genug :-).

    2*

    © kingofmusic

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 20. Sep 2019 

    Was für eine Familie

    „Der größte Spaß den wir je hatten“ ist eine amüsant und empathisch erzählte Familiengeschichte. Marilyn und David sind seit 40 Jahren glücklich verheiratet, sie haben ihre Verliebtheit bewahren können, durch Lebenstürme und den unendlichen Alltag. Vier Töchter haben sie bekommen und jede hat einen anderen Charakter.

    Wendy, knapp 40, ist seit 3 Jahren Witwe, ihr einziges Kind war eine Totgeburt und sie begegnet ihrer unendlichen Trauer mit Alkohol und jüngeren Verehrern. Von ihren Schwestern ist sie enttäuscht, vielleicht ist da auch ein wenig Neid dabei. Violet hat sich nach einer Tragödie vor 15 Jahren ein Leben als erfolgreiche Anwältin aufgebaut und findet nun als Vollzeitmutter zweier Kinder ihre Erfüllung. An ihre Vergangenheit will sie nicht mehr erinnert werden, doch dann platzt Jonah in ihr Leben, das Kind, das sie damals zur Adoption freigegeben hat. Liza hat eine Karriere als Universitätsprofessorin vor sich und ist schwanger, unsicher ob sie den Mann oder das Kind will. Das Nesthäkchen Gracie hat ihren Weg noch nicht richtig gefunden, sie gaukelt einen erfolgreichen Studienbeginn vor, hat aber von allen Unis nur Absagen kassiert. Aus ihrer Lüge kommt sie einfach nicht mehr raus.

    Diese Familiengeschichte bietet genug Stoff für Dramen, Streitereien und große Versöhnungen, wie das Leben eben so spielt. Das alles wird in vielen Rückblenden erzählt und mit jeder Rückschau werden die Figuren lebendiger. Alle Schwestern haben etwas Liebenswertes an sich, an wenn sie sich dessen selbst manchmal nicht bewusst sind. Alle haben auch das harmonische Eheglück ihrer Eltern vor Augen und leiden daran, dass ihnen selbst das nicht so recht gelingen will. Aber sie merken dabei nicht, dass auch sie nur die Oberfläche sehen.

    Claire Lombardo hat einen flüssigen, unterhaltsam-heiteren Ton mit der Geschichte getroffen, sie schreibt witzig und kann auch die Dramen ihrer Protagonisten mit einem Augenzwinkern beschreiben. Durch die vielen Rückblenden werden die Ereignisse auch aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und so kann sich der Leser ein eigenes Bild der jeweiligen Wahrheit machen. Dabei bleibt es auch nicht aus, dass sich manches wiederholt. Das hat mich mitunter zum Überfliegen verleitet. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Roman etwas gestraffter mir noch besser gefallen hätte. Zu den vier Töchtern konnte ich wenig Nähe aufbauen, manchmal ging es mir wie ihnen untereinander: sie haben genervt. Aber der unangestrengte Erzählstil der Autorin hat das immer wieder mit einer witzigen Szene abgefedert.

    Diese amüsante Familiengeschichte die ich mit guten 3 Sternen bewerte.