Der größte Spaß, den wir je hatten

Buchseite und Rezensionen zu 'Der größte Spaß, den wir je hatten' von Claire Lombardo
3.2
3.2 von 5 (9 Bewertungen)

Vierzig glückliche Ehejahre: Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild – und eine ständige Provokation! Wendy, früh verwitwet, tröstet sich mit Alkohol und jungen Männern. Violet mutiert von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter. Liza, eine der jüngsten Professorinnen des Landes, bekommt ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Und Grace, das Nesthäkchen, bei dem alle Rat suchen, lebt eine Lüge, die niemand ahnt. Was die vier ungleichen Schwestern vereint, ist die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Dann platzt Jonah in ihre Mitte, vor fünfzehn Jahren von Violet zur Adoption freigegeben. Und Glück ist auf einmal das geringste Problem.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:720
EAN:9783423281980

Rezensionen zu "Der größte Spaß, den wir je hatten"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Jan 2020 

    Heile Welt

    In ihrem Debüt „Der größte Spaß, den wir je hatten“ erzählt die Autorin Claire Lombardo auf mehr als 700 Buchseiten die Geschichte einer Großfamilie, die zwar von Streitereien und modernen Neurosen geprägt ist, aber dennoch sehr gut funktioniert. Ganz nach dem Motto reine Harmonie ist langweilig und sowieso unrealistisch bereitet die Autorin das Parkett für die Auftritte von Marilyn und David sowie deren vier Töchtern Wendy, Violet, Liza und Grace. Dass es sich dabei eher um Unterhaltung statt großer Literatur handelt liegt dabei wohl in der Natur der Sache, und dass die Feiertage zu Thanksgiving am Ende des Buches Versöhnung und Familienfrieden nach vielen Querelen und Zerwürfnissen bringen wohl auch.

    Der Roman feiert letztlich die dauerhafte Ehe und lebenslange erotische Anziehung des Paares Marilyn und David, was allein schon diese Familie heutzutage zu etwas Besonderem und Schönem, aber auch Weichgezeichnetem und Märchenhaftem macht. Die Einhaltung der Traditionen - Mann als Versorger und Frau bekommt viele Kinder und verzichtet auf ihre berufliche Karriere - und das Familienglück, der feste Zusammenhalt und die Hilfe in allen Lebenslagen für die vier Töchter mit Netz und doppeltem Biden, durch das auch ein uneheliches und weggegebenes Kind einer der Töchter nicht durchfällt, sind für mich schon fast ein bisschen realitätsfern.

    In den USA hoch gelobt und gefeiert ist das Buch ein bisschen rosarote Brille gespickt mit vielen Problemchen und Problemen, die aber dank der Familie abgefedert und gelöst werden können.
    Es liest sich alles sehr gut und schnell weg, sprachlich bewegt sich das Buch auf einem durchaus literarischem Niveau, und offenbar hat die Autorin ihre Hausaufgaben hinsichtlich der großen Vorbilder des Amerikanischen Storytelling mit Bravour erledigt. Aber mir persönlich ist vieles in der Geschichte zu glatt und zu leichtgängig. Wirkliche Brüche und Verwerfungen gibt es nicht, und nach spätestens der Hälfte des Buches langweilt die Beschreibung der guten Ehe von Marilyn und David mit der neidisch machenden ständigen körperlichen Anziehung fast ein bisschen.
    Es ist ein lesenswertes Buch für alle, die gerne eine heile Welt mit garantiertem Sonnenschein nach Regen möchten, Unterhaltung auf sprachlich gutem Niveau, mit Spannung durch viele Blenden mit Cliffhangern und raffinierten zeitlichen Rückblicken. Das liest sich manchmal ein bisschen nach guter Schreibschule, nicht überfordernd und alles andere als stilistisch langweilig. Ich selbst bevorzuge allerdings die realistischeren unheilen und unrunden Geschichten.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Nov 2019 

    Nichts anderes als perfekt...

    Vierzig glückliche Ehejahre: Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild – und eine ständige Provokation! Wendy, früh verwitwet, tröstet sich mit Alkohol und jungen Männern. Violet mutiert von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter. Liza, eine der jüngsten Professorinnen des Landes, bekommt ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Und Grace, das Nesthäkchen, bei dem alle Rat suchen, lebt eine Lüge, die niemand ahnt. Was die vier ungleichen Schwestern vereint, ist die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Dann platzt Jonah in ihre Mitte, vor fünfzehn Jahren von Violet zur Adoption freigegeben. Und Glück ist auf einmal das geringste Problem.

    Die Überschrift der Rezension ('Nichts anderes als perfekt') soll nicht mein Empfinden hinsichtlich dieses Romans betiteln, sondern den Versuch der vier Sorenson-Schwestern, ihren Eltern nachzueifern. Die leben die große Liebe seit vierzig Jahren - wenn auch mit Hochs und Tiefs - und für jede einzelne der Schwestern scheint nichts weniger als ein eigenes perfektes Leben tolerierbar zu sein. Da ist Scheitern vorprogrammiert...

    In diesem Jahr scheine ich zielsicher zu amerikanischen Familiengeschichten zu greifen, wenn diese auch in unterschiedlichen sozialen Schichten spielen. Familie Sorenson gehört für mich dem Mittelstand an, der Vater Arzt, die Mutter nach abgebrochenem Studium über Jahrzehnte hinweg Vollzeit-Mutter und Hausfrau. Die ältesten Schwestern heirateten erfolgreiche Männer - Wendys Mann ist bereits verstorben, Violet tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und gibt ihren Beruf als Anwältin auf, um nur noch für ihre beiden Söhne da zu sein. Liza befindet sich in einer Beziehung mit einem depressiven Mann, der seine Tage im Bett oder vor dem PC verbringt, ist zudem schwanger von ihm und weiß nun nicht was sie tun soll. Und Grace spielt weit weg von ihrer Familie dieser etwas vor und verstrickt sich immer weiter in Lügen.

    Jeder hat sich mit seinem eigenen Status arrangiert, als Jonah auftaucht - ein fünfzehnjähriger Junge, der damals von Violet gleich nach seiner Geburt zur Adoption freigegeben wurde. Die älteste Tochter der Sorensons, Wendy, hat ihn ausfindig gemacht und treibt ihn nun, nachdem seine Adoptiveltern tödlich verunglückt sind, ihrer eigenen Familie zu. Obschon Jonah angesichts seiner Biografie sehr ruhig und gelassen erscheint und auch die Pubertät ihn nicht wie einen üblichen Teenager erscheinen lässt, bringt er das statische Gleichgewicht der Familie zunehmend ins Wanken.

    Stillschweigende Arrangements unter den Familienmitgliedern funktionieren plötzlich nicht mehr, zugewiesene bzw. angenommene Rollen werden hinterfragt, das bequeme, wenn auch leicht resignative 'So ist es eben' zeigt Risse in der Fassade. Durch Jonah bekommt jeder in der Familie einen ganz anderen Spiegel vorgehalten als gewohnt, er sorgt auf seine oft naive Art für Irritationen, und das ein oder ander Fettnäpfchen, in das er zielsicher tritt, löst einiges an Veränderungen aus.

    Die Erzählung wechselt laufend die Perspektive, so dass man als Leser alle Charaktere zunehmend besser kennenlernt. Durch den zudem steten Wechsel von Gegenwart und Rückblicken in die Vergangenheit treten einige Charakterzüge noch deutlicher hervor, werden ansonsten womöglich befremdliche Verhaltensweisen erklärlicher. Dabei kam mir allerdings keine der Personen wirklich nahe, obgleich mich die ein oder andere Situation durchaus emotional berührte.

    Der leicht zu lesende Schreibstil treibt den Leser zügig durch die Seiten, was angesichts der stolzen 720 Seiten auch gut ist. Zwar gibt es angesichts der vielen Charaktere auch zahllose Dramen, die in der Summe vielleicht etwas viel erscheinen, doch weist der Roman im Grunde wenig Highlights auf. Die Erzählung lässt sich gut weglesen, ich genoss es auch durchaus, den Personen immer wieder zu begegnen, doch hätte eine Straffung des Geschehens dem Roman m.E. gut getan. So gab es doch immer wieder einmal die ein oder andere langatmige Passage.

    Alles in allem eine typisch amerikanische Familiengeschichte, bei der sich mir der Kern der Aussage wohl nicht wirklich erschließen wollte, die ich aber auch nicht ungerne gelesen habe. Nett. Mehr war es für mich aber auch nicht.

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Nov 2019 

    Der Schein trügt

    Der Schein trügt

    Claire Lombardo - Der größte Spaß, den wir je hatten

    Marylin und David Sorenson sind 40 Jahre verheiratet, haben mittlerweile 4 erwachsene Töchter, und spiegeln nach außen hin eine glückliche Ehe wieder. Doch dieser Roman zeigt dem Leser, dass es auch in einer Ehe, die für andere glücklich wirkt, Höhen und Tiefen, ja sogar Schicksalsschläge gibt.

    Das Leben der Familie wird ziemlich auf den Kopf gestellt, als Wendy, die älteste der Töchter, den nach der Geburt zur Adoption freigegebenen Sohn der zweitältesten Tochter Violet, ausfindig macht. Jonah ist bereits im Teenageralter , keiner aus der Familie, außer Wendy und Violet, wissen überhaupt dass es ihn gibt. Durch unglückliche Zustände droht ihm das Waisenhaus, wenn er nicht bei einem der Sorensons aufgenommen werden kann. Da Violet mit ihrem Mann Matt und den beiden kleinen Jungen glücklich ist, und sie den Jungs keinen älteren Bruder, den sie nicht kennen, zumuten möchte, entschließt Wendy sich Jonah aufzunehmen.
    Wendy hat durch das Erbe ihres verstorbenen Mannes ein finanziell sorgenenloses Leben. Sie trinkt viel, lebt in den Tag hinein und hat viele wechselnde Männerbekanntschaften, dennoch nimmt sie Jonah auf. Will sie Violet damit kränken oder ist es reine Nächstenliebe? Dies bleibt eine der Fragen, die der Roman erst nach und nach offenbart.
    Ähnlich sieht es auch bei den anderen Schwestern aus, jede hat ihr Päcklein zu tragen. Liza war als Kind immer die angepasste und ist nun schwanger von einem psychisch krankem Mann, die Situation überfordert sie enorm. Grace, die jüngste, das wohlbehütete Nesthäkchen kommt gar nicht klar. Sie hat ihr Studium ohne Wissen der Familie geschmissen und hat große Geldnöte, sie traut sich nicht sich jemandem anzuvertrauen.
    Die Mädchen sehen fast alle zu ihren Eltern auf, die sich auch jetzt noch um ihre Kinder sorgen.
    Marylin und David sind früh Eltern geworden. Marylin gab zum Wohl von Wendy ihr Studium auf und bekam die ersten drei Mädchen recht schnell aufeinander. David ist Arzt und war beruflich stark eingespannt, konnte Marylin bei der Arbeit mit den Mädchen selten helfen. Die Autorin beschreibt hier ganz gut das Leben einer viel beschäftigten Mutter.

    Die grundlegende Handlung um Jonah, der in das Leben der großen Familie tritt und nacheinander alle kennenlernt und alles gehörig aufmischt, hat mir gut gefallen. Die einzelnen Probleme der Familienmitglieder arten allerdings teilweise ein wenig aus, driften in Übertreibungen ab, weniger wäre mehr gewesen, sowohl bei der Menge an Problemen, als auch beim Umfang des Familiendramas. Dennoch ist es ein sehr unterhaltendes Buch, was ich im Großen und Ganzen gerne gelesen habe.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Nov 2019 

    Eine amerikanische Familie

    Der größte Spaß, den wir je hatten - dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es geht um die Familie Sorensen und ihre vier Töchter. Das Buch beleuchtet in Rückblenden, die es nicht immer leicht machen in der Geschichte zu bleiben, das Familienleben im Zeitraum vom 1975 bis in das Jahr 2017.

    Gerade am Anfang wird dem Leser suggeriert, wie glücklich und zufrieden alle in der Familie sind und wie liebevoll der Umgang miteinander ist. Das es dann so nicht ist, erfährt man in den teilweise für mich ungeordneten Rückblenden. Aufgerüttelt wird die Familie durch das Auftauchen von Jonah, einem verwaisten Adoptivkind. Wie und warum Jonah plötzlich im Mittelpunkt der Familie steht und vor allem warum gerade Jonah die Familie so komplett durcheinander bringt, das sollte jeder selbst lesen.
    Am Anfang fiel es mir nicht leicht, mich in der Familie zurecht zu finden. Die häufigen Rückblenden zu den verschiedenen Familienmitgliedern erschwerten es zusätzlich.

    Jedoch erfährt man dadurch sehr viel mehr zu den einzelnen Protagonisten. Ihre Ängste und Sorgen, ihre persönlichen Momente werden in diesen Abschnitten sehr ausführlich beleuchtet. Das wiederum ermöglichte mir als Leser dann doch einen sehr viel tieferen Einblick in die Familie zu erhalten. Die Geheimnisse, die dabei offenbart wurden, trugen entscheidend zum Gesamtverständnis bei.

    Selten hat man so einen tiefen, intensiven Einblick in die Geschehnisse einer amerikanischen Familie. Mir hat es gut gefallen, ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und verdiente vier Lesesterne.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Nov 2019 

    Zu schön, um wahr zu sein

    Marilyn und David Sorenson präsentieren sich nach außen hin als Traumpaar, seit sie sich in den 1970er-Jahren ineinander verliebt haben. Aus ihrer Ehe sind vier Töchter entstanden. Wendy Eisenberg wurde schon früh zur Witwe und tröstet sich über den Tod ihres Mannes mit Alkohol und jungen Kerlen hinweg. Violet Sorenson-Lowell ist von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter geworden. Liza ist mit 32 Jahren eine der jüngsten Professorinnen des Landes und erwartet ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Grace, das Nesthäkchen, lebt eine Lüge, die niemand kennt. Die vier ungleichen Schwestern eint die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Und dann platzt plötzlich der 15-jährige Jonah Bendt in ihr aller Leben, das Kind, das Violet vor 15 Jahren heimlich zur Adoption freigegeben hat...

    „Der größte Spaß, den wir je hatten“ ist der Debütroman von Claire Lombardo.

    Meine Meinung:
    Der Roman beginnt mit einem Prolog, auf den vier Teile folgen, die nach den Jahreszeiten benannt und wiederum in einzelne Kapitel untergliedert sind. Zum Schluss folgt eine Art Epilog. Erzählt wird aus der Sicht unterschiedlicher Figuren. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den Schwestern, den Eltern und Jonah. Dabei wird nicht chronologisch erzählt. Neben dem aktuellen Geschehen gibt es Rückblenden, sodass die Handlung mehrere Jahrzehnte umfasst. Jahreszahlen erleichtern dabei die Orientierung.

    Der Schreibstil ist sehr detailliert und ausschweifend, aber auch flüssig. Die Geschichte kommt nur sehr langsam in Fahrt und plätschert auch im weiteren Verlauf in eher gemächlichem Tempo daher, was mir den Einstieg erschwert hat.

    Auffallend ist, dass der Roman über viele Protagonisten verfügt. Die Figuren sind psychologisch gut ausgearbeitet und reizvoll gestaltet. Aber vor allem zu Beginn macht die Vielzahl an Charakteren – in Kombination mit den häufigen Perspektivwechseln – den Roman verwirrend. Wer sympathische, liebenswürdige Personen erwartet, wird enttäuscht. Obwohl sich die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten nachverfolgen lässt, fällt mir eine Identifikation schwer.

    Inhaltlich geht es um die unterschiedlichen Facetten der Liebe – nicht nur in romantischer Hinsicht, sondern vor allem auch innerhalb einer Familie, was ich als ein interessantes Thema empfinde. Die Autorin bezeichnet ihren Roman als die Chronik einer Ehe. Dargestellt werden auch die Entwicklung einer Familie und die individuellen Lebenswege ihrer Mitglieder. Das macht die Handlung ziemlich komplex. Sie ist gespickt mit allerlei Geheimnissen und persönlichen Dramen, die mir an der einen oder anderen Stelle zu übertrieben und unrealistisch vorkamen. Zwar bedient sich der mit mehr als 700 Seiten recht umfassende Roman immer wieder Cliffhangern. Dennoch ist die Geschichte bisweilen langatmig und enthält einige Wiederholungen, sodass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass in diesem Fall weniger sicherlich mehr gewesen wäre.

    Das Cover, das sich am amerikanischen Original orientiert, greift das Symbol des Ginkgo-Baumes mit seinen Blättern auf, der im Roman eine nicht unwichtige Rolle spielt. Obwohl das Motiv thematisch stimmig ist, spricht mich die optische Gestaltung leider gar nicht an. Ähnlich verhält es sich mit dem deutschen Titel, der sehr wörtlich aus dem Englischen („The most fun we ever had“) übersetzt wurde, aber meiner Ansicht nach nicht besonders gut zum Inhalt passt.

    Mein Fazit:
    Mit „Der größte Spaß, den wir je hatten“ hat Claire Lombardo eine Familien-Saga geschrieben, die dem Leser einen langen Atem abverlangt. Trotz der interessanten Grundthematik konnte mich der Roman nicht durchweg gut unterhalten, weshalb ich ihn nur eingeschränkt empfehlen kann.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Nov 2019 

    Ausnahmezustand Familie

    Seit 40 Jahren sind Marilyn und David Sorenson verheiratet. Vier Töchter haben sie groß gezogen, kleine und größere Schicksalsschläge überstanden. Doch dann taucht plötzlich ein neues Familienmitglied auf, das das bisherige Familiengefüge gehörig uns Wanken bringt.
    Claire Lombardo hat mit ihrem Debütroman „Der größte Spaß, den wir je hatten“ eine üppig erzählte Familiengeschichte vorgelegt. Marilyn und David sind beide Studenten in den 1970ern, als sie sich kennen und lieben lernten. Es kommt wie so oft im Leben ein Kind, dann noch eines, zuerst Wendy, dann Violet. Für Marilyn ist statt irischer Lyrik plötzlich das Mutter- und Hausfrauendasein „der größte Spaß, den sie je hatte“, während David Arzt wird. Auch nach zwei weiteren Töchtern, Liza und der Nachzüglerin Grace, hat die Ehe jedoch Bestand, ist Maßstab für das eigene Glück der Töchter.
    Es sind viele Höhen und Tiefen, die die Familie Sorenson in diesen 40 Jahren erlebt haben, viele alltägliche Menschlichkeiten, kleine Dramen und große Verluste. Die guten und die schlechten Zeiten gab es im Eheleben von Marilyn und David genau so, auch wenn die schlechten Zeiten manches Mal in sentimentaler Erinnerung etwas verklärt werden.
    Wendy, die Älteste, heiratet nach einer rebellischen Jugend reich. Doch kein Geld der Welt schützt vor Krankheit und Verlust. Wendy ist die Zynikerin in der Familie für mich in der Familie und für mich die authentischste Person der ganzen Geschichte.
    Violet ist die Perfektionistin, mit Bilderbuchfamilie und einem großen Geheimnis, während Liza gerade eine Kind erwartet, aber keinen Mann dazu vorzuweisen hat.
    Und Grace, das Nesthäkchen. Mir scheint hier schreibt Claire Lombardo ein bisschen um ihr Leben (Wenn man die dürftigen biografischen Angaben zur Autorin aus dem Klappentext mit Graces Leben vergleicht.)
    Dann taucht unerwartet Jonah auf, das Kind, das Violet vor 15 Jahren zur Adoption freigegeben hat. Ein lang unterdrückter Konflikt zwischen Wendy und Violet bricht aus. Aber gleichzeitig bringt Jonah, der Jugendliche mit eigentümlicher Altersweisheit, bringt auch viel Dinge wieder ins Lot, die vorher in Schieflage waren.
    Familie kann man sich nicht aussuchen, aber wie man miteinander in der Familie umgeht sehr wohl. Diese Erfahrung können die Sorensons bis zum Schluss immer wieder machen. Und ich habe sie auf den vorliegenden über 700 Seiten auch recht gerne begleitet, hatte manchmal schon fast das Gefühl, dazuzugehören. Was man aushalten sollte, ist das „amerikanisch dramatische“ und den Hang zu Kosenamen und der inflationären Verwendung der Bezeichnung „Süße“ oder „Kleine“. Generell könnte ich mir eine Verfilmung der Geschichte gut vorstellen, mit Jennifer Aniston in allen fünf weiblichen Hauptrollen, da ist enorm viel Stoff für Gefühle. Der Schluss selbst war mir dann noch einen Tick zu sehr harmonisch und gefällig. Ein bisschen wie bei den Waltons. Alle haben sich lieb. Gute Nacht!

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Okt 2019 

    Was für ein Spaß!???

    Ja, was für ein Spaß!??? Wobei ich beim Lesen dieser Familiengeschichte von Claire Lombardo weniger Spaß entdeckt habe, mehr im Fokus standen eher die Probleme in dieser Familie, wobei ich auch diesen Blick etwas einseitig betrachtet finde. Von 1975 bis 2017 wird das Entstehen und Bestehen der Familie Sorenson beleuchtet, einer Familie im mittleren Westen der USA, einer Familie, die in einer vergangenen Zeit/in einem anderen Land entsteht und besteht. Einer Zeit, die den Personen der Familie auch Kompromisse abfordert, wobei diese Kompromisse in meinen Augen etwas einseitig platziert sind. Aber dies empfinde ich nicht als unglaubwürdig. Ich glaube durchaus, dass es solche Familienkonstellationen gab und ich glaube auch durchaus, dass genau solche Entscheidungen dann von den Betroffenen gut geredet werden und irgendwann sogar zum größten Spaß werden, obwohl sie weiter an den Betroffenen nagen. Dadurch, dass dieser Spaß kein Spaß ist, gibt man natürlich auch Negatives weiter und dadurch, dass wir Menschen sind, passieren auch Fehler. Bis hierher ist alles erklärbar und nachvollziehbar. Der Fokus des Romans liegt auf negativen Geschehnissen und ihren Folgen, das Positive in dieser Familie wird etwas außer Acht gelassen, wobei die negativen Geschehnisse und die Folgen auch nicht lösungsorientiert in der Familie besprochen werden, eher wird hier weggeschaut/bzw. auch gar nicht wahrgenommen und alles für schön befunden. Wobei es solche Konstellationen durchaus gibt, definitiv! Aber will ich das lesen? Nein! Will ich nicht. Warum ich es trotzdem getan habe? Nun, ich habe mir hier definitiv etwas anderes versprochen/vorgestellt. Wobei man sagen könnte mein Fehler. Und damit hat man durchaus recht!
    Wer sich plätschernd unterhalten lassen möchte, ist bei der Familiengeschichte der Sorensons vollkommen richtig. Wer miterleben möchte wie sich die Eltern Marilyn und David kennenlernen und miteinander vier Töchter haben und wer lesen möchte wie die Töchter Wendy, Violet, Liza und Grace aufwachsen, ist hier vollkommen richtig. Denn dieses Buch gefällt vielen und erhält tolle Kritiken, dass sollte man nicht außer Acht lassen.
    Aber wer ein komplexeres Umgehen mit den Widrigkeiten des Lebens erwartet, wird hier enttäuscht werden. Einerseits war es die nicht differenzierte Handlung, die mich enttäuscht hat und andererseits war es die Sprache, die enttäuscht. Die Schreibe kommt schon recht einfach daher, manches Geschriebene klingt schon nach gewissen Serien im TV. Was nicht schlecht ist, aber definitiv nicht jedem gefallen kann/muss. Es kommt hier auf die eigene Erwartungshaltung an, die man an ein Buch/Lesevergnügen hat. "Der größte Spaß, den wir je hatten." ist ein schöner Unterhaltungsroman, nicht mehr. Für mich war er aber auch eine Enttäuschung. Schade!

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 14. Okt 2019 

    Ein neuer Stern am Seifenopernhimmel

    Mein Gott, ich erkenne mich nicht wieder. Ich habe mir sonst nie etwas aus (amerikanischen) Familiengeschichten gemacht und nun habe ich gleich zwei davon hintereinander gelesen. Waren „Die Altruisten“ von Andrew Ridker mit 3* fragwürdig, aber noch im Bereich des Erträglichen, habe ich mich mit „Der größte Spaß, den wir je hatten“ von Claire Lombardo ziemlich in die Nesseln gesetzt.

    Claire Lombardo erzählt uns in ihrem 720-seitigen Debütroman die Geschichte der Familie Sorenson – Vater David, Mutter Marilyn sowie die Töchter Wendy, Violet, Liza und Grace (sortiert von alt nach jung – die ersten drei Töchter mit Zweitnamen gesegnet, nur die arme Grace muss mit einem Namen leben – wie furchtbar…).

    Seifenopernregisseure würden wahrscheinlich schon mit diesem Trauma drei Staffeln á 10 Folgen á 90 Minuten füllen, aber es geht ja noch weiter: jede der vier Töchter hat es so unsagbar schwer in ihrem Leben (ja, einige Traumata sind traurig und zwei/ drei der angesprochenen Themen kenne ich auch aus eigener Erfahrung), aber alle drehen sich nur um sich selbst und die eigene Achse ohne wirklich etwas zu ändern bzw. ändern zu wollen – stattdessen zerfließen sie in Selbstmitleid oder im Alkohol, suchen die Schuld nur bei anderen – hach, herrlich. Wenn ich Seifenopernfan wäre, würde ich mich auf eine Laufzeit ähnlich der „Lindenstraße“ freuen.

    Denn natürlich haben auch die Eltern ihre lieben Problemchen. Ach nein: die sind ja seit 40 Jahren glücklich verheiratet, haben ihre Lust auf- und aneinander nie wirklich verloren, turteln vor den Augen ihrer Kinder wie frisch verliebte, äh, Turteltäubchen und lassen sich auch nach einem Herzinfarkt (der natürlich trotz Wiederbelebung ohne großartige Einschränkungen überlebt wird) nicht davon abhalten, sich an markanten Körperstellen zu berühren (ein bisschen Spaß muss ja schließlich sein, gell!?)

    Na, merkt ihr was? Ich hatte nicht wirklich Spaß am größten Spaß – neben der angesprochenen Story fand ich auch die Sprache und ergo die Dialoge in diesem Roman über weite Teile platt und belanglos…Wenn ich das Buch nicht für eine Leserunde gelesen hätte, hätte ich es auch gar nicht bis zum Ende gelesen. Aber gut – ich hab´s geschafft, hab´s überlebt, setze einen Haken an die Geschichte und Claire Lombardo und wünsche (nein, das ist jetzt im Gegensatz zum Rest dieser Rezension keine Ironie!) dem Buch Erfolg bei allen Seifenopernstofffans – davon gibt es ja schließlich auch mehr als genug :-).

    2*

    © kingofmusic

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 20. Sep 2019 

    Was für eine Familie

    „Der größte Spaß den wir je hatten“ ist eine amüsant und empathisch erzählte Familiengeschichte. Marilyn und David sind seit 40 Jahren glücklich verheiratet, sie haben ihre Verliebtheit bewahren können, durch Lebenstürme und den unendlichen Alltag. Vier Töchter haben sie bekommen und jede hat einen anderen Charakter.

    Wendy, knapp 40, ist seit 3 Jahren Witwe, ihr einziges Kind war eine Totgeburt und sie begegnet ihrer unendlichen Trauer mit Alkohol und jüngeren Verehrern. Von ihren Schwestern ist sie enttäuscht, vielleicht ist da auch ein wenig Neid dabei. Violet hat sich nach einer Tragödie vor 15 Jahren ein Leben als erfolgreiche Anwältin aufgebaut und findet nun als Vollzeitmutter zweier Kinder ihre Erfüllung. An ihre Vergangenheit will sie nicht mehr erinnert werden, doch dann platzt Jonah in ihr Leben, das Kind, das sie damals zur Adoption freigegeben hat. Liza hat eine Karriere als Universitätsprofessorin vor sich und ist schwanger, unsicher ob sie den Mann oder das Kind will. Das Nesthäkchen Gracie hat ihren Weg noch nicht richtig gefunden, sie gaukelt einen erfolgreichen Studienbeginn vor, hat aber von allen Unis nur Absagen kassiert. Aus ihrer Lüge kommt sie einfach nicht mehr raus.

    Diese Familiengeschichte bietet genug Stoff für Dramen, Streitereien und große Versöhnungen, wie das Leben eben so spielt. Das alles wird in vielen Rückblenden erzählt und mit jeder Rückschau werden die Figuren lebendiger. Alle Schwestern haben etwas Liebenswertes an sich, an wenn sie sich dessen selbst manchmal nicht bewusst sind. Alle haben auch das harmonische Eheglück ihrer Eltern vor Augen und leiden daran, dass ihnen selbst das nicht so recht gelingen will. Aber sie merken dabei nicht, dass auch sie nur die Oberfläche sehen.

    Claire Lombardo hat einen flüssigen, unterhaltsam-heiteren Ton mit der Geschichte getroffen, sie schreibt witzig und kann auch die Dramen ihrer Protagonisten mit einem Augenzwinkern beschreiben. Durch die vielen Rückblenden werden die Ereignisse auch aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und so kann sich der Leser ein eigenes Bild der jeweiligen Wahrheit machen. Dabei bleibt es auch nicht aus, dass sich manches wiederholt. Das hat mich mitunter zum Überfliegen verleitet. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Roman etwas gestraffter mir noch besser gefallen hätte. Zu den vier Töchtern konnte ich wenig Nähe aufbauen, manchmal ging es mir wie ihnen untereinander: sie haben genervt. Aber der unangestrengte Erzählstil der Autorin hat das immer wieder mit einer witzigen Szene abgefedert.

    Diese amüsante Familiengeschichte die ich mit guten 3 Sternen bewerte.