Der Funke des Lebens

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Funke des Lebens' von Jodi Picoult
3.15
3.2 von 5 (8 Bewertungen)

Zwei Väter, zwei Töchter und die Frage nach dem Wert des Lebens An einem warmen Herbsttag wird der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Frauenklinik in Jackson, Mississippi, gerufen. Ein verzweifelter Schütze war in die Klinik eingedrungen, hatte das Feuer eröffnet und die Anwesenden als Geiseln genommen. Als McElroy im Begriff ist, mit dem Geiselnehmer zu verhandeln, kommt auf seinem Handy eine schockierende Nachricht an: Seine 15-jährige Tochter Wren befindet sich in der Klinik. McElroy setzt alles daran, Wren und die anderen Geiseln zu befreien - Frauen in Not, engagierte Ärzte und Krankenschwestern, bedroht von einem fanatischen Abtreibungsgegner, selbst Vater einer Tochter im Teenageralter, der Amok läuft, um sich Gehör zu verschaffen ...

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:448
EAN:9783570104002

Rezensionen zu "Der Funke des Lebens"

  1. Ein durchaus interessantes Thema, leider unbefriedigend umgesetz

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 30. Jun 2020 

    Inhalt (Klappentext):

    An einem warmen Herbsttag wird der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Frauenklinik in Jackson, Mississippi, gerufen. Ein verzweifelter Schütze war in die Klinik eingedrungen, hatte das Feuer eröffnet und die Anwesenden als Geiseln genommen. Als McElroy im Begriff ist, mit dem Geiselnehmer zu verhandeln, kommt auf seinem Handy eine schockierende Nachricht an: Seine 15-jährige Tochter Wren befindet sich in der Klinik. McElroy setzt alles daran, Wren und die anderen Geiseln zu befreien - Frauen in Not, engagierte Ärzte und Krankenschwestern, bedroht von einem fanatischen Abtreibungsgegner, selbst Vater einer Tochter im Teenageralter, der Amok läuft, um sich Gehör zu verschaffen ...

    Meine Meinung:

    Die Geschichte wird stundenweise rückwärts erzählt. Warum die Autorin diese Erzählweise benutzt hat, ist mir ehrlich gesagt bis zum Ende nicht klar geworden. Da das Schicksal der meisten Beteiligten bekannt ist (bis auf einen kleinen Cliffhanger, der sich erst am Schluss auflöst) kommt es zu keinen größeren Überraschungen. Jedes Kapitel beschreibt eine Stunde des gleichen Tages und innerhalb dieser Kapitel kommen die Geschichten, Gedanken und Gefühle der Protagonisten ans Licht. Hier hätte ich mir eine stärkere Fokussierung gewünscht, durch den ständigen Wechel zwischen den Personen konnte keine nähere Bindung entstehen. Vielleicht wollte Picoult dadurch die verschiedenen Standpunkte und Meinungen zu dem umstrittenen Thema Abtreibung stärker zum Ausdruck bringen. Der Leser erhält eine Unmenge an medizinischen und rechtlichen Informationen, es werden aber auch persönliche Schicksale geschildert, von den die Autorin im Zuge ihrer Recherchen gehört hat. Sie selbst bezieht keine klare Meinung zu diesem Thema, vielleicht um nicht einen Teil ihrer Leserschaft zu verprellen. In den USA ist die Frage "Abtreibung - ja/nein" viel stärker mit religiösen Standpunkten belastet, so dass ein Vergleich mit den Verhältnissen in Deutschland eher schwerfällt. Auch die Gewalt gegen die Abtreibungskliniken sowie den dort tätigen Ärzten und Personal, ist in den USA ein viel größeres Thema.

    Fazit:

    Durch die vielen Informationen und ständigen Wechsel zwischen den Protagonisten konnte mich das Buch nicht fesseln, auch der Aufbau hat mir nicht gefallen.

  1. Hervorragende Recherche, mäßige Spannung

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 21. Jun 2020 

    Ein warmer Tag im Herbst in Jackson, Mississippi, ein Tag wie jeder andere. Der Polizist Hugh wird zu einem Einsatz an einer Abtreibungsklinik gerufen. Ein Amokläufer hat sich Zutritt zu der Klinik verschafft und die Menschen, die sich dort befinden, in seine Gewalt gebracht.
    Hugh ist Experte für Unterhandlungen in derartigen Krisensituationen. Alles sieht so aus, als würde es ein Einsatz wie so mancher andere werden, bis zu dem Moment, als sich herausstellt, dass sich seine eigene Tochter in dem Gebäude befindet….
    Einmal mehr hat Jodi Picoult sich eines brisanten Themas – hier: die Abtreibungsproblematik - angenommen und mittels akribischer Recherche einen umfassenden Überblick über die gesellschaftlichen, sozialen und juristischen Aspekte – natürlich alles vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Umstände – geschaffen.
    Es gefällt mir jedes Mal, wie die Autorin es schafft, Spannung aufzubauen und gleichzeitig Wissen zu vermitteln. Ihre Romane vermögen es in der Regel, eine emotionale Beziehung zwischen den Protagonisten der Handlung und dem Leser herzustellen. Ihr Erzählstil ist leicht und wenig anspruchsvoll, jedoch sind ihre Romane normalerweise nie trivial, was sicherlich dem umfassend recherchierten und vermittelten Hintergrundwissen geschuldet ist.
    Dieser Roman fällt jedoch meines Erachtens weit hinter den vorherigen zurück. Die Autorin führt eine Vielzahl an Charakteren ein, die auf die eine oder andere Weise mit den Themen „ungewollte Schwangerschaft“ bzw. „Abtreibung“ verbunden sind, seien es Ärzte, Krankenschwestern, Familienangehörige, Demonstranten etc. Jeder einzelne Fall für sich bringt sicherlich neue, interessante Aspekte zu dem Thema in die Handlung hinein, jedoch verliert sich das Interesse des Lesers angesichts der zahllosen Schicksale im Nirgendwo und zu keinem Charakter kann eine tiefere Beziehung aufgebaut werden. Auf diese Weise schleicht sich, trotz des hohen Niveaus des Informationsangebotes, eine gewisse Oberflächlichkeit ein, die das Thema meines Erachtens nicht verdient hat. Hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen.
    Ein zweites Manko ist aus meiner Sicht das Stilmittel der chronologisch rückwärts laufenden Erzählung: Das Buch beginnt mit dem Ende der Handlung und arbeitet sich fortlaufend in die Vergangenheit zurück. Der Leser weiß also zu jeder Zeit, wer überlebt hat, wer gestorben ist bzw. verletzt wurde. Teilweise kommt Verwirrung auf, weil der Leser im Laufe der Handlung mehr Informationen hat als die Protagonisten und sich immer wieder den Grund dafür bewusstmachen muss. Zumindest ging es mir so. Abgesehen von der damit noch – neben den zahlreichen Charakteren und Schicksalen - zunehmenden Unübersichtlichkeit nimmt dieses Stilmittel dem Roman auch einen guten Teil der Spannung. Zwar weist das Ende noch die eine oder andere Überraschung auf, jedoch hätte für mich ein wenig mehr „Unwissenheit“ den Lesegenuss erheblich gesteigert.
    Insgesamt möchte ich vom Lesen dieses Buches jedoch nicht abraten. Der Roman hat durchaus Spannungsmomente und gewinnt durch die hervorragende Recherche. Jedoch wurden meines Erachtens zu viele verschiedene Aspekte der Problematik um das Thema Abtreibung verarbeitet, was zu einer gewissen „Informationsüberflutung“ führte. Für mich hat die Autorin es dadurch nicht geschafft, mich mit dem Thema zu packen. Zu viele Informationen auf zu engem Raum haben dazu geführt, dass das Gesamtthema unübersichtlich wurde und damit nach Beendigung des Lesens schnell in Vergessenheit geriet.

  1. Über den Wert des Lebens

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Jun 2020 

    Eine Frauenklinik in Jackson im US-Bundesstaat Mississippi: Dort, wo sonst Abtreibungen vorgenommen werden, herrscht jetzt ein Ausnahmezustand. Ein Mann ist in das Center eingedrungen, schießt um sich und nimmt Geiseln. Hugh McElroy wird als Unterhändler der Polizei hinzugerufen. Er soll mit dem Amokläufer verhandeln, um die Geiseln zu befreien. Zu seinem Entsetzen muss er erfahren, dass sich auch seine 15-jährige Tochter Wren in der Klinik befindet...

    „Der Funke des Lebens“ ist ein Roman von Jodi Picoult.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus zehn Kapiteln, die in mehrere Abschnitte unterteilt sind. Zudem gibt es einen Epilog. Der Aufbau ist recht ungewöhnlich: Erzählt wird in umgekehrter Reihenfolge. Die Handlung wird in Ein-Stunden-Schritten rückwärts dargestellt: von 17 bis 8 Uhr. Der Epilog springt dann zu 18 Uhr. Diese Struktur nimmt zwar einiges an Spannung aus dem Geschehen, rückt aber die Personen und ihre Hintergründe in den Fokus.

    Der Schreibstil ist anschaulich und eindringlich. Der Autorin gelingt es, mit wenigen Worten sehr viel zu vermitteln.

    Im Mittelpunkt der Geschichte stehen gleich mehrere, ganz unterschiedliche Charaktere. Sie werden detailliert und vielschichtig dargestellt, was sie zu lebensnahen Protagonisten macht, deren Gedanken und Gefühle sehr gut deutlich werden. Durch die Vielzahl an Hauptfiguren gelingt es, verschiedene Facetten des Themas zu beleuchten. Allerdings wirkt die Geschichte überfrachtet und liest sich etwas mühsam, da der Fokus häufig von einer Person zu anderen wechselt.

    Die Debatte um Abtreibungen hat mich an der Geschichte besonders gereizt und ist die Stärke des Romans. Die kontroverse Thematik wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Argumente von sowohl Gegnern als auch Befürwortern werden ausführlich dargelegt. Dabei bezieht die Autorin nicht klar Stellung und schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern lässt dem Leser Raum, selbst nachzudenken und sich eine eigene Meinung zu bilden. Ein weiterer Pluspunkt.

    Positiv fällt außerdem auf, dass viel Recherche in dem Roman steckt. Dafür sind nicht nur das interessante Nachwort und die Bibliografie ein Indiz. Auch die Lektüre des Romans an sich ist gleichsam unterhaltsam und wegen der eingebetteten Fakten lehrreich.

    Das Cover der gebundenen Ausgabe gefällt mir mit seiner modernen, ansprechenden Optik sehr gut. Weswegen der amerikanische Originaltitel („A Spark of Light“) nicht wörtlicher übersetzt wurde, erschließt sich mir nicht.

    Mein Fazit:
    „Der Funke des Lebens“ von Jodi Picoult ist ein interessanter, aber auch etwas überladener Roman, der wichtige Denkimpulse zu einem spannenden Thema liefert.

  1. Zu viel gewollt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 31. Mai 2020 

    Zwei Töchter im Teenageralter, zwei alleinerziehende Väter, ein Showdown in einer Frauenklinik in Jackson, im Bundesstaat Mississippi: Ein militanter Abtreibungsgegner dringt in die Klinik ein, eröffnet das Feuer und nimmt Geiseln. Polizeiunterhändler Hugh McElroy soll den Geiselnehmer davon überzeugen, sich zu ergeben. Während McElroy mit dem Täter verhandelt, wird offenbar, dass sich seine eigene Tochter in der Klinik befindet. Das absolute No-go in der Polizeiarbeit. Im Lauf des nervenaufreibenden Gesprächs erkennen die beiden Männer, dass sie einiges gemeinsam haben: Beide sind alleinerziehende Väter. Und beide Töchter haben ein Anliegen, das sie in Lebensgefahr gebracht hat…

    Eigentlich ein toller Ansatz für einen spannenden Roman, der sich außerdem auch noch der in den USA heiklen Frage rund um die Abtreibungsproblematik widmet. Eine Geiselnahme, ein zu allem entschlossener Täter, ein Unterhändler der Polizei, der mit dem Fall betraut wird - und seine unerwartete persönliche Verstrickung in den Fall, als er merkt, dass sich seine eigene Tochter in der Frauenklinik befindet.

    Doch zwei Faktoren sorgten in meinen Augen dafür, dass dies nicht das von mir erhoffte Lese-Highlight wurde. Da wäre zum einen die Tatsache, dass die Autorin sich entschieden hat, die Geschichte rückwärts zu erzählen - also von einem bestimmten Punkt in der Gegenwart immer weiter zurück in die Vergangenheit. Und zum anderen wäre da die schiere Unzahl an Charakteren, die Jodi Picoult in diese Erzählung eingeflochten hat.

    Zu Beginn des Romans war ich neugierig, wohin mich die Rückwärtserzählung letztlich führen würde. Ich merkte jedoch, dass mich die Geschichte dadurch im Laufe der Lektüre irgendwie verlor. Wenn ich beispielsweise bereits wusste, dass die Person xy ihren Schussverletzungen erlegen war, konnte ich im darauffolgenden Abschnitt, der z.B. eine Stunde davor spielte, nicht mehr mit ihr mitfiebern, ob sie der Bedrohung noch irgendwie entkommen könnte. Dieses Stilmittel der Rückwärtserzählung ging hier eindeutig zu Lasten der Spannung - das mag von der Autorin gewollt sein, um dadurch das Augenmerk vermehrt auf die Abtreibungsproblematik zu lenken, für mich ging der Schuss dadurch aber nach hinten los.

    Jodi Picoult kann einfühlsam schreiben, mit verblüffender Leichtigkeit gelingt es ihr auch, dem Leser ihre Charaktere näher zu bringen. Nur hat das in diesem Roman nicht wirklich funktioniert. Das liegt vor allem daran, dass hier einfach zu viele Personen eine Rolle spielen, denen die Autorin im Verlauf der Erzählung eine Vita verleiht, eine Vergangenheit, die die jeweilige Position zum Thema Abtreibung nachvollziehbar werden lässt. Dadurch hat Jodi Picoult dafür gesorgt, dass nahezu alle Argumente für und gegen eine Abtreibung in den USA im Roman einen Stellvertreter erhalten, so dass das umstrittene Thema sich hier in möglichst allen Facetten präsentiert. Darüber gehen jedoch die einzelnen Figuren verloren - sie treten kurz ins Rampenlicht und verschwinden dann gleich wieder hinter dem Vorhang. Mir jedenfalls fiel es dadurch schwer, zu den Charakteren überhaupt einen Bezug zu bekommen.

    "Eine Zygote, ein Embryo, ein Fötus, ein Baby - sie alle waren menschlich. Aber ab welchem Punkt benötigte dieses menschliche Wesen legalen Schutz? (...) Vielleicht sollte man nicht fragen 'Wann wird ein Fötus zu einer Person?', sondern: 'Wann hört eine Frau auf, eine zu sein?' " (S. 362 f.)

    Das Engagement der Autorin für das heikle Thema 'Abtreibung in den USA' mit den so unterschiedlichen Gesetzesvorlagen je nach Bundesstaat, den oft militanten Befürwortern und Gegnern, der nicht zu unterschätzenden Gewaltbereitschaft von Abtreibungsgegnern und der Rolle des kirchlichen Einflusses ist hier in jeder einzelnen Zeile zu spüren. Auch in ihrem Nachwort macht Jodi Picoult deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem Thema ist und wie intensiv und sorgfältig ihre Recherchen im Vorfeld dieses Romans ausfielen - aber für mich ist dies in der Form doch ein sehr amerikanisches Thema.

    Obgleich ich Jodi Picoult als Autorin sehr schätze, hat sie für mich in diesem Fall zu viel gewollt. Hinsichtlich der Abtreibungsproblematik sollte alles beleuchtet und kein Argument pro oder contra verschwiegen werden. Nur ging dies zulasten der Spannung und der Bindung des Lesers zu den Figuren des Romans. Ein wichtiges Thema, zweifelsohne, die Umsetzung jedoch hat mich leider nicht ganz überzeugt...

    © Parden

  1. Viele Facetten um ein heikles Thema

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Mai 2020 

    Viele Facetten um ein heikles Thema

    Der Funke des Lebens von Jodi Picoult

    Hugh McElroy wird zu einem Einsatz in die Frauenklinik , das Center genannt, gerufen. Ein Mann hat das Center gestürmt und die Anwesenden als Geiseln genommen. Hughes Tochter Wren ist eine von ihnen, doch trotz dieser Tatsache will Hugh seinen Job als Unterhändler antreten, oder gerade deshalb. Er hält diese Angelegenheit daher geheim und versucht alles mögliche die Geiseln heil herauszubekommen, doch es fallen Schüsse......die Angst sitzt ihm und allen anderen im Nacken.

    Dieser Roman befasst sich mit einem immer noch heiß diskutierten Thema: Abtreibung.
    Das Center in Jackson, Mississippi ist das einzige in dem Abtreibungen bis zu einer bestimmten Woche noch möglich sind in diesem Staat. Der Zwiespalt, dass nicht einmal in jedem Staat die gleichen Gesetze vorherrschen, wird schnell deutlich. Doch im Großen und Ganzen ist der Roman eher so aufgebaut, dass der Leser anhand der handelnden Personen viel über die unterschiedlichen Meinungen erfährt. Jeder im Buch hat seine eigenen Erfahrung mit der Thematik gemacht, und sich eine eigene Meinung gebildet. Erlebnisse und Schicksalsschläge spielen zumeist eine große Rolle. Oft ist es so, dass man durchaus die Argumente beider gegensätzlichen Parteien nachvollziehen kann. Es scheint kein richtig oder falsch zu geben, dennoch denken viele Menschen, sie müssen ihre Ansichten anderen aufzwängen.
    Im Roman erfahren wir zum Beispiel die Sicht eines verzweifelten jungen Mädchens, dass durch den Urlaub eines Richters die Genehmigung für den Abbruch nicht mehr bekam, und deshalb mit Medikamenten selbst abgetrieben hat. Das hat zur Folge, dass ihr nun eine Gefängnisstrafe droht. Auch der Abtreibungsarzt kommt zu Wort und schildert warum er diesen Beruf gewählt hat, was ihn dazu bewogen hat bei Frauen Abtreibungen vorzunehmen.
    Eine Abtreibungsgegnerin, die sich in der Klinik befand, als der Vater eines Mädchens, welches dort abgetrieben hat, Amok läuft, erzählt von ihren Erlebnissen und der Überzeugung das Abtreibung Mord ist.
    Dies ist nur eine kleine Auswahl der Menschen, dessen Lebensgeschichte in den Roman einfließen, durch sie wird fast jedes Detail aufgegriffen welches für ein dafür oder dagegen steht. Die einzelnen Verbindungen zu den Personen aufzuzählen würde in meinen Augen den Rahmen dieser Rezension sprengen, daher beschränke ich mich auf das wenige.

    Interessant an dem Buch ist die rückwärts gerichtete Perspektive, die es zu Beginn etwas unübersichtlich machte. Nach kurzer Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt und konnte mitfiebern, hoffen, dass Hugh den Täter in den Griff bekommt, die meisten Geiseln befreien kann, denn die Schüsse zu Anfang fanden ein Ziel. Wie Hugh als Vater sich in dieser schwierigen Situation fühlt. Wie es überhaupt dazu kam, dass das Center gestürmt wurde, was die Geiseln erlebten. Dies alles rundet den Roman ab.
    Das Bestreben der Autorin alle Aspekte zur Abtreibungsdebatte loszuwerden, schien manchmal einen größeren Raum einzunehmen als die Geiselnahme an sich. Da liegt auch mein einziger Kritikpunkt. Weniger Schicksale die sich an dem Drama anlehnen, hätten mir besser gefallen.
    Da Jodi Picoult das meiste für mich dennoch zufriedenstellend und interessant umgesetzt hat, vergebe ich 4 von 5 Sternen!

  1. Thematik gut, aber die Umsetzung hat mir nicht gefallen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 24. Mai 2020 

    Als der Polizeiunterhändler Hugh McElroy zu einer Geiselnahme in der Frauenklinik in Jackson, Mississippi gerufen wird, ahnt er nicht was ihn dort erwartet. Der Schütze, der in die Klinik eingedrungen ist, hat dort wild um sich geschossen. In der Phase der Aufregung und Anspannung für die beteiligten Polizisten erreicht ihn ein Hilferuf seiner 15jährigen Tochter. Was er nicht ahnte, sie ist unter den Geiseln hat große Angst und fürchtet um ihr Leben. Aber sie ist nicht allein, der Geiselnehmer hat auch noch andere Frauen als Geiseln und einige sind bereits verletzt.

    Es war die Thematik dieses Buches, die mich angesprochen hat. Schwangerschaftsabbruch in den USA ist nicht einfach. Es gibt Bundesstaaten, in denen der Abbruch nach wie vor illegal ist. In anderen wiederum ist es erlaubt, dann mit einem Aufklärungsgespräch und einem obligatorischen Ultraschall. Aber das Bild was sich vor den Kliniken zeigt, ist fast überall gleich. Die Abtreibungsgegner, die die Frauen versuchen von ihrem Vorhaben abzuhalten bzw. umzustimmen. Dabei gehen sie auch nicht unbedingt immer behutsam vor. Auch das wird in diesem Buch dargestellt und mit in die Handlung eingearbeitet.

    Soweit zum Inhalt des Buches. Aber ich muss eben auch schreiben, dass mir die Umsetzung des Buches überhaupt nicht gefallen hat. Ich weiß nicht, was sich die Autorin dabei gedacht hat, die Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge zu schreiben. Das heißt das Buch beginnt mit dem Ende und arbeitet sich zum Anfang durch. In jedem Abschnitt erfährt man einiges über die Protagonisten, ihre Gefühle und Beweggründe, warum sie sich in der Klinik befinden. Aber es ist eben auch so, dass ich bereits am Anfang weiß, wer alles stirbt und dann erst lese, was diesen Menschen bewegt. Meiner Meinung nach verliert sich die Autorin dann aber zum Teil auch in den Schilderungen der einzelnen Schicksale. Damit vergibt sie sich jede Chance sich intensiver mit den Lebensereignissen der Protagonisten zu beschäftigen.

    Das es zum Ende dann noch einiges an Überraschungen gab hat mich überrascht. Ich empfehle dieses Buch eingeschränkt, denn die Thematik dieses Buches ist auf jeden Fall lesenswert.

  1. Ein interessantes Thema - leider enttäuschend umgesetzt

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 24. Mai 2020 

    Jodi Picoult ist eine amerikanische Bestseller-Autorin, deren Romane der Unterhaltungsliteratur zugeordnet werden. Unterhaltungsliteratur - das kann man so oder so sehen. Bücher, die ich mag, haben mich in der Regel gut unterhalten. Sei es durch das Thema, oder die Art, wie die Geschichte erzählt wird, oder Humor oder Spannung. Doch nicht jede Unterhaltung ist gute Unterhaltung, womit wir wieder bei Jodi Picoult wären. Bei ihr trennen sich die Geister. Einige Leser stempeln ihre Romane als seichte Literatur ab, andere wiederum wissen die unterschiedlichen gesellschaftskritischen Themen, die sie in ihren Romanen in fesselnde Geschichten zu verpacken versteht, zu schätzen. Bisher gehörte ich zu letzteren Lesern. Doch nachdem ich ihren aktuellen Roman "Der Funke des Lebens" gelesen habe, muss ich meine Einstellung ernsthaft überdenken.

    In "Der Funke des Lebens" greift die Autorin das Thema "Abtreibung" auf, insbesondere den Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit dieser kontroversen Thematik. Schauplatz der Geschichte ist eine Frauenklinik in Jackson, Mississippi. Diese Klinik ist u. a. eine Anlaufstelle für Frauen, die mit ihrer Schwangerschaft in eine Notlage gekommen sind und die Möglichkeit haben, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Genauso finden sich hier demonstrationswütige Abtreibungsgegner, die mit der permanenten Belagerung dieser Klinik ein Zeichen setzen wollen. In dieser Klinik kommt es zu einer Geiselnahme durch einen Vater, dessen Tochter abgetrieben hat. Als ehemaliger Soldat hat er Zugang zu Waffen, die er bei der Geiselnahme auch einsetzt. Es kommt zu Verletzten und Toten. Der Roman beginnt, als die Geiselnahme bereits seit etlichen Stunden im Gange ist. Nicht nur der Geiselnehmer sondern auch die Geiseln und der Verhandlungsführer der Polizei schildern die Ereignisse und vermitteln dadurch einen Eindruck über die spannungsgeladene Situation. Der Anfang ist also schon mal vielversprechend und macht neugierig auf das, was noch geschehen wird. Der Roman hätte also richtig gut werden können, wenn sich die Autorin nicht an einen ambitionierten stilistischen Kniff herangewagt hätte. Denn Jodi Picoult erzählt die Geschichte rückwärts gerichtet. Im Stundentakt (jedes Kapitel = eine Stunde) erleben wir also, was unmittelbar vor dem bereits Gelesenen passiert ist und erfahren so, wie es zu dieser Tragödie in der Klinik gekommen ist. Was vermutlich als originelle Spannungssteigerung gedacht war, erweist sich leider als gefühlte Endlosschleife, denn die Handlung verbleibt in dem Geiselszenario, bei denselben Beteiligten und unter denselben Bedingungen. Bestenfalls werden die Räume oder Druckverbände gewechselt, es wird der eine oder andere angeschossen, von dem wir bereits wissen, ob und wie er überleben wird. Und natürlich gibt es das eine oder andere Telefonat zwischen dem Unterhändler und Geiselnehmer. Ein bisschen Würze erhält die Geschichte durch den Aspekt, dass der Unterhändler der Polizei Vater einer der Geiseln ist. Weitere positive Effekte bieten die Einblicke in den Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit dem Thema "Abschreibung" bis hin zur Gesetzeslage und der Uneinigkeit in der Rechtssprechung. Hinzu kommen die persönlichen Geschichten aller Beteiligten. Durch deren Erinnerungen und Gedanken erfahren wir, warum sie in der Klinik sind. Denn nicht jede der anwesenden Frauen ist schwanger. Doch auch hier hat es Jodi Picoult übertrieben. Wenn man die Vielzahl der Charakter betrachtet, die in diesem Roman vorkommen, gewinnt man den Eindruck, dass die Autorin sämtliche Standpunkte, die in Verbindung mit dem Thema "Abtreibung" betrachtet werden können, auf ihre Charaktere übertragen hat. Nahezu jede Figur steht stellvertretend für irgendeine Meinung pro oder contra "Abtreibung". Daher heißt hier die Devise: viele Meinungen - viele Charaktere. Die Einzelschicksale berühren in diesem Roman, doch die Summe dieser Einzelschicksale sorgt für ein nerviges Durcheinander an Charakteren und Perspektiven.

    Mein Fazit:
    Ein sehr interessantes Thema - leider auf enttäuschende Weise umgesetzt.

    © Renie

  1. Ein Plädoyer für die Rechte der Frauen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 16. Mai 2020 

    In einer Frauenklinik in Mississippi, in der vornehmlich Abtreibungen nach gesetzlicher Vorschrift durchgeführt werden, ist am Morgen eines Herbsttages der radikalisierte Abtreibungsgegner George Goddard eingedrungen. Er ist bewaffnet und schießt relativ wahllos um sich, es gibt Tote und Verletzte. Die Überlebenden nimmt er als Geiseln. Zum Glück kann die Polizei alarmiert werden, die sich sofort vor dem Gebäude postiert. Zur Einsatztruppe gehört auch Unterhändler Hugh McElroy, der die Verhandlungen mit dem Geiselnehmer führen soll. Delikat: Seine eigene 15-jährige Tochter Wren befindet sich zusammen mit ihrer Tante Bex im Gebäude. Gemäß Vorschrift müsste McElroy seinen Job wegen Befangenheit abgeben, was er jedoch nicht tut, will er doch seine Tochter selbst retten. Vor der Klinik postieren sich täglich fanatische Abtreibungsgegner, die sowohl die Angestellten der Klinik als auch die Patientinnen anpöbeln und zu beeinflussen versuchen. Viele von ihnen sind religiös motiviert.

    Der Roman beginnt um 17.00 Uhr und endet an eben jenem Tag um 8.00 Uhr in der Frühe, ein kurzer Epilog schließt sich an. Das Ende steht quasi am Anfang und ich will es gleich vorwegnehmen, dass ich meine Schwierigkeiten mit diesem Schreibkonzept hatte. Es fehlt der für eine Geiselnahme typische Spannungsbogen, weiß man doch schon am Anfang des Romans, wie das Drama ausgeht und was mit den einzelnen Figuren passiert.
    Die Spannung des Romans muss sich folglich auf andere Weise ergeben. Die Klinik ist der Mikrokosmos, in dem völlig unterschiedliche Menschen aufeinander treffen. Dazu kommt ein ideologisch verblendeter Attentäter, der gewaltbereit ist und immensen Druck aufbaut. Die Nerven aller Beteiligten liegen blank, Verletzte müssen versorgt werden. Von außen wird versucht, Kontakt zum Geiselnehmer aufzubauen, der die Kooperation jedoch nahezu komplett verweigert. Zudem müssen schwer Verletzte versorgt werden. Das ist der Rahmen eines Romans, der sich leidenschaftlich und vielschichtig mit dem Thema Abtreibung auseinandersetzt. Das eigentliche Gewaltverbrechen ist der Aufhänger, um sich mit dem Thema Abtreibung, das zweifellos in den USA eine weit höhere gesellschaftliche Sprengkraft besitzt als bei uns, auseinanderzusetzen.

    Jodie Picoult beschäftigt sich in ihrem schriftstellerischen Werk oft mit kontrovers diskutierten und aktuellen gesellschaftlichen Spannungsfeldern. Ihr gelingt es auch hier, die beiden unvereinbaren Positionen dezidiert darzustellen, ihre Widersprüche aufzudecken und logische Konsequenzen zu beleuchten. Dazu benutzt sie ihre Figuren, deren Leben und Hintergrund dem Leser sehr genau vorgestellt werden. Warum hat sich der farbige Arzt Louie gerade für diese medizinische Fachrichtung entschieden? Was hat dazu geführt, dass Joy ihre Schwangerschaft beenden will? Was macht die über 60-jährige Olive in der Klinik? Mit welchem Anliegen sind Wren McElroy und ihre Tante dorthin gekommen? Dann gibt es die überaus zupackende und hilfsbereite Krankenschwester Izzy, die selbst der Arzt noch nicht kennt und die Probleme mit ihrem Freund hat. Natürlich wird auch der schrecklichen Motivation des Täters nachgespürt: Was veranlasste einen liebenden Vater zu solch einer grausamen Tat?

    Picoult zeigt Sequenzen aus dem Leben ihrer Protagonisten, wir lernen ihr bisheriges Leben, ihre Brüche, Beziehungen und Erfahrungen kennen. Man kann sich gerade in die Frauenschicksale gut einfühlen, von denen keine für ihr Tun verurteilt wird. Bezug zum Thema Abtreibung haben fast alle, doch keine Frau wird eine Abtreibung leichtfertig vornehmen: „Die Abtreibung ist der letzte Ausweg. (…) Ich habe es getan. Ich bedaure es nicht. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht jeden Tag meines Lebens daran denken werde.“ (S. 177)

    Gerade im Süden der USA wird der Schwangerschaftsabbruch in Politik und Gesellschaft kontrovers diskutiert und vielfach verurteilt. Nicht in jedem Bundesstaat darf eine Abtreibung vorgenommen werden, in denen, wo es möglich ist, werden komplizierte Rechtsvorschriften erlassen, die es betroffenen Frauen schwer machen, die Voraussetzungen für einen legalen Eingriff zu erfüllen. Das wiederum kann dazu führen, dass sich Frauen gezwungen sehen, auf illegale, mitunter lebensgefährliche Methoden zurückzugreifen, die allerdings empfindliche Freiheitsstrafen nach sich ziehen können. Es gibt Widersprüche und juristische Feinheiten.
    Durch die verschiedenen Perspektiven gelingt es, das Thema umfassend in vielen Schattierungen aufzuzeigen. Sowohl die Positionen der Abtreibungsbefürworter als auch die der Gegner werden beleuchtet. Zentrale Frage: Wann beginnt das schützenswerte Leben, ab wann muss ein Ungeborenes unter den Schutz des Gesetzes gestellt werden? Wie gut ist es dabei um die Rechte der werdenden Mutter bestellt? Darf sie über ihren eigenen Körper bestimmen oder nicht?

    Wie sich auch aus dem Nachwort ergibt, muss die Autorin sehr viel Recherchearbeit geleistet haben. Picoult hat ein wichtiges, ein aktuelles Thema aufgegriffen. Ein Thema, an dem sich die Geister scheiden, und das in den USA eine große Brisanz besitzt. Als deutsche Leserin war es mir mitunter der juristischen Feinheiten zu viel. Mancher Rückblick, mancher Sachverhalt führte mich zudem weg von den Dingen, die mich am Fortgang der Handlung interessierten. Auch manches Schicksal wirkte auf mich zu dick aufgetragen, da kam zu vieles auf einmal zusammen: kaputte Familie, Gewalt, Vergewaltigung, Drogen… Ein bisschen wie im Drehbuch. Allerdings geht die Armutsschere in den USA auch viel weiter auseinander, so dass möglicherweise manches realistischer ist, als es mir scheinen will.

    Trotz des wichtigen Plädoyers für die Selbstbestimmung der Frau ist „Der Funke des Lebens“ aus meiner Sicht eines der schwächeren Bücher der Autorin. Insofern gibt es auch nur eine eingeschränkte Leseempfehlung von mir.