Der freie Hund

Buchseite und Rezensionen zu 'Der freie Hund' von Wolfgang Schorlau
3.65
3.7 von 5 (3 Bewertungen)

Wolfgang Schorlau überrascht: Zusammen mit Claudio Caiolo legt er einen Venedig-Krimi vor – und es bleibt hochpolitisch.

Commissario Antonio Morello, genannt »Der freie Hund«, hat in Sizilien korrupte Politiker verhaftet und steht nun auf der Todesliste der Mafia. Um ihn zu schützen, wird er nach Venedig versetzt. Er hasst die Stadt vom ersten Augenblick an. Zu viele Menschen, trübes Wasser, Kreuzfahrtschiffe, die die Luft verpesten und die Stadt gefährden – selbst der Espresso doppio, ohne den er nicht leben kann, schmeckt ihm in Sizilien besser. Doch Venedig ist eine große Verführerin. Unaufhaltsam entwickelt sie ihre Anziehungskraft. Als Silvia, die schöne Nachbarin, ihm ihr persönliches, verborgenes Venedig zeigt, werden Morellos Widerstandskräfte auf eine harte Probe gestellt. Da wird der junge Anführer einer Bürgerinitiative gegen die Kreuzfahrtschiffe ermordet, und der freie Hund hat seinen ersten Fall, der ihn tief in die Verstrickungen von italienischer Politik und Verbrechen führt.

Wolfgang Schorlau, Erfinder des Privat­­ermittlers Georg Dengler, und Claudio Caiolo, in Sizilien geboren und in Venedig zum Schauspieler ausgebildet, werfen einen neuen Blick auf ein altes italienisches Desaster. Die beiden Freunde tun dies heiter, gelassen und gekonnt – inmitten der aufregenden Kulisse einer großen Stadt.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:336
EAN:

Rezensionen zu "Der freie Hund"

  1. Der freie Hund beißt wieder zu

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Mär 2020 

    Antonio Morello gelang in Sizilien ein Schlag gegen die Mafia. Danach hatte er die Wahl zwischen einem bewachten Leben in einer Kaserne oder die Versetzung ans andere Ende Italiens. Venedig gefällt ihm nicht, die Menschenmassen, die stinkenden Kanäle, die Vorurteile, die ihm an seiner Dienststelle entgegen gebracht werden, aber da muss er durch.
    Gleich sein erster Fall hat es in sich, ein Student wurde erstochen. Er hat sich vehement gegen die Gefährdung der Lagunenstadt durch die Kreuzfahrtriesen ausgesprochen. Francesco Grittieri stammte aus einer vermögenden Familie und wie weit deren Einfluss reicht, erkennt Morello schon daran, dass der Questore die Freigabe der Leiche an die Familie verfügte, bevor eine pathologische Untersuchung erfolgen konnte. Aber der Commissario hat nicht umsonst den Namen „Der freie Hund“, Weisungen haben Morello noch nie aufgehalten, wenn er Verflechtungen zwischen Politik und Mafia vermutete.
    Der Krimi ist ohne Zweifel spannend. Er greift auch ganz aktuelle Probleme auf, wie die Kreuzfahrtschiffe, die die Luft verpesten und die Stadt mit Tagestouristen überschwemmen. Wie der immer weniger werdende Wohnraum, der alt eingesessene Venezianer ins Umland zwingt und die steigenden Preise überall. Das macht den Plot aktuell.
    Geschrieben ist der Roman sehr flott, fast würde ich sagen: zu gefällig. Kurze Sätze und viele Dialoge machen das Lesen wirklich einfach. Manchmal ist es mir fast mit Klischee überfrachtet. Der junge Taschendieb, der durch Morello geläutert und anschließend für ihn durchs Feuer geht, ist schon nah am Kitsch. Die sympathische Nachbarin, die in Morello wieder Gefühle weckt und ihn den Tod seiner Frau leichter werden lässt, bedient die Romantik.
    Dass für die taffe und wehrhafte Kollegin, die nicht grade wie eine Elfe gebaut ist, der Name Anna Klotze gewählt wurde, finde ich etwas unpassend. Im Gegensatz dazu lese ich den Namen der Journalistin, die Morello für sich einnehmen kann, als eine kleine Geste an die Journalistin Petra Reski, die auch im Nachwort erwähnt wird.
    Kleine eingestreute italienische Redewendungen, Grüße und Flüche sorgen für das Ambiente, genauso wie die abgedruckten Songtexte, die Morello ganz besonders gern hört.
    Das alles ist nicht neu und originell, aber gut gemacht und im Ergebnis ein unterhaltsamer Venedig-Krimi, der wohl der Auftakt einer Reihe sein wird. Der freie Hund wird also wieder beißen.

  1. Mafiamord in Venedig

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Mär 2020 

    Bereits die Dengler-Romane von Wolfgang Schorlau haben mir sehr gut gefallen. Exzellent recherchiert und spannend bis zur letzten Seite. Genau das hat meine Erwartungen an „Der freie Hund“ sehr hochgestellt. Claudio Caiolo hat sich mit Wolfgang Schorlau zusammengeschlossen und ein tollen Team gebildet. Meine hohen Erwartungen an diesen Roman haben diese beiden nicht enttäuscht.

    Antonio Morello ist ein sizilianischer Polizist der gegen Verbrechen und Korruption kämpft. Dabei schreckt er auch nicht vor der Mafia zurück. Doch das hat Konsequenzen die sein Leben beeinflussen, denn er hat es geschafft dass er auf der Schwarzen Liste der Mafia steht und so wird er vom Jäger zum Gejagten.
    Zu seiner eigenen Sicherheit wird er nach Venedig versetzt. Das passt ihm gar nicht in den Kram und er will auf keinen Fall dort bleiben. Alles an Venedig widert ihn an.
    Da ihm erstmal nichts andere übrig bleibt, nimmt er einen Fall an in dem es um einen Mord an einem jungen Studenten geht. Je mehr Morello in den Fall verstrickt wird, umso deutlicher wird eine Verbindung zur Mafia. Und auch die Politik mischt ordentlich mit. Hier sieht Morello seine Chance. Er gibt alles um den hinterhältigen Machenschaften der Mafia das Handwerk zu legen. Auch wenn er dabei sein eigenes Leben aufs Spiel setzt und gegen viel Widerstand ankämpfen muss.
    Hinzu kommen verführerische Nachbarinnen, persönliche Schicksale und die große Last und Wichtigkeit der Kreuzfahrtindustrie und des Tourismus für Venedig. Man erfährt viel über Morellos Hintergrundgeschichte und seine persönlichen Laster.

    Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo haben es geschafft einen wunderbar rasanten Krimi vor der anschaulichen Kulisse Venedigs zu schreiben. Der Schreibstil fesselte mich direkt und auch die guten Hintergrundinformationen machten alles sehr anschaulich. Zu jeder Zeit konnte ich mir die Szenen sehr gut vorstellen und den Dialogen folgen. Die Charaktere sind sehr gut beschrieben, ebenso wie die Handlungsplätze. Ich hatte teilweise das Gefühl direkt vor Ort zu sein.

    Ich freue mich schon auf weitere Bände von dem Autorenduo.

  1. Der Zugereiste

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Feb 2020 

    Commissario Antonio Morello aus Sizilien hat den Kampf gegen die Mafia aufgenommen. Seinen Fall hat er gelöst, allerdings ist seine Sicherheit gefährdet. Deshalb wird er ins ruhigere Venedig versetzt. Dort ist er noch nicht ganz angekommen als er den jungen Taschendieb Claudio auf frischer Tat ertappt. Auf der Flucht kommt der junge Mann nicht weit. Morelli schnappt den Dieb, auch wenn er dafür in den nächsten Kanal springen muss. Und so ist seine Ankunft an der neuen Dienststelle derangiert, aber irgendwie auch spektakulär.

    Das neue Autorengespann Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo legt hier seinen ersten Kriminalroman vor. Schorlau ist bekannt von seinen Dengler-Krimis und Caiolo hat in verschiedenen Produktionen als Schauspieler mitgewirkt. Gemeinsam schicken sie ihren Kommissar auf einen vermeintlich ruhigeren Posten nach Venedig. Doch auch diese schöne Stadt ist vor Verbrechen nicht gefeit. Schon bald nachdem Morello mitbekommen hat, dass er seinen einheimischen Kollegen vor die Nase gesetzt wurde, wird ein junges Mitglied einer Protestorganisation tot aufgefunden. Der junge Mann hat sich dafür eingesetzt, die vielen großen Kreuzfahrtschiffe aus der Stadt zu verbannen.

    Nicht ganz leicht macht es sich Antonio Morello in seinem neuen Betätigungsfeld und nicht ganz leicht hat er es. Schließlich ist es im Kollegenkreis nicht ganz einfach, wenn sich vielleicht ein anderer Hoffnung auf eine Beförderung gemacht hat. Und Antonio will eigentlich am liebsten wieder zurück. Doch bald schon entwickelt sich ein spannender und brisanter Fall. Je näher man Antonio Morello kennenlernt, desto sympathischer wird er. Wie es so ist unter Neuen, tut sich das Team zunächst etwas schwer, was wohl nicht nur in Romanen so ist, sondern auch im richtigen Leben. Solch eine Situation ist wahrscheinlich für die Meisten gut nachvollziehbar. Dies haben die Autoren gut getroffen und sie scheuen sich nicht, unliebsame Wahrheiten auszusprechen. Eine unserer liebsten Touristenidyllen wird vom Verbrechen nicht verschont. Zum Glück kommt bei aller Brisanz auch der Humor nicht zu kurz. Und auch ein besonderer Blick auf die Architekturschönheiten Venedigs eröffnet sich dem Leser.

    Dieser erste Teil einer neuen Reihe um Commissario Morello ist zwar nicht ganz so bissig wie Schorlaus Dengler, aber seine Leichtigkeit besticht und inhaltlich ist der Roman spannend und lehrreich.

    Italienische Ausdrücke werden meistens direkt übersetzt. Das Wort, welches gefühlt am häufigsten im Roman vorkommt, erfährt keine Übersetzung, dafür hat es einen eigenen Wikipedia Eintrag.