Der Frauenchor von Chilbury: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Frauenchor von Chilbury: Roman' von Jennifer Ryan
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

»Der Frauenchor von Chilbury« erzählt von den Kämpfen, Affären, Enttäuschungen und Erfolgen eines Chors während des Zweiten Weltkriegs.
Als England in den frühen Tagen des zweiten Weltkriegs in das Kriegsgeschehen eingreift und die Männer in der Ferne kämpfen, schmieden die Frauen des Dorfes Chilbury einen ungewöhnlichen Plan. Sie widersetzten sich der Entscheidung des Vikars den Chor aufzulösen. Stattdessen singen sie weiter und lassen sich als Frauenchor von Chilbury wieder auferstehen.
Tauchen Sie ein in die Schicksale fünf außergewöhnlicher Chormitglieder:Eine ängstliche Witwe ist am Boden zerstört als ihr Sohn in den Kampf zieht; die ältere Tochter des Brigadegenerals fühlt sich hingezogen zu einem mysteriösen Künstler; ihre jüngere Schwester ist unmöglich verliebt, eine Jüdin, geflohen aus der Tschechoslowakei, hütet ein Familiengeheimnis; und eine Hebamme schmiedet Pläne, um ihrer zwielichtigen Vergangenheit zu entkommen.
Jennifer Ryans Debütroman ist eine zauberhafte Geschichte voller Intrigen, Romantik und den wichtigen Fragen des Lebens. Sie beleuchtet spannend die wahre Stärke der Frauen an der Heimatfront.

Format:Kindle Ausgabe
Seiten:475
EAN:

Rezensionen zu "Der Frauenchor von Chilbury: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 03. Nov 2019 

    Homefront

    England ist eine Insel. Trotzdem hat der zweite Weltkrieg sie und auch das Dörfchen Chilbury erreicht. Viele Söhne des Ortes sind in der Armee und einige sind auch schon gefallen. Im Jahr 1940 soll der Chor von Chilbury geschlossen werden, weil es nicht mehr genügend männliche Stimmen gibt. Warum eigentlich? Die Frauen beschließen alleine weiter zu machen. Die regelmäßigen Chorproben geben ihnen Halt und die gelegentlichen Auftritte erfreuen die Gemeinde und machen Mut in einer schweren Zeit. Auch ohne den Krieg hätten die Bewohner des Dorfes genug Probleme. Halt hergebrachte Traditionen brechen auf und nicht jeder ist davon begeistert.

    Dieser Roman besteht aus einer Sammlung von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Zeitungsausschnitten. Aus Sicht der sehr unterschiedlichen Schreiberinnen und selten auch Schreiber kann er Leser sehr nah teilhaben am dörflichen Leben in den schweren Kriegstagen. Der Krieg ist allgegenwärtig. Besonders im Fehlen der Lieben, die Kriegsdienste leisten. Doch auch die Daheimgebliebenen sind gefordert, Lücken zu füllen und ihren Teil zu leisten. Dabei geht es nicht ohne die alltäglichen Sorgen und Nöte ab. Die Liebe lässt sich vom Krieg nicht aufhalten, den Kummer hat sie manchmal mit im Gepäck. Strukturen verändern sich mitunter und bleiben manchmal auch erhalten. Und der Chor übersteht den Wandel.

    Sehr warmherzig und doch authentisch wird die schwere Zeit geschildert. Man spürt die immerwährende Sorge um die Lieben. Und auch die Grausamkeit eines plötzlichen Bombenangriffs wird eindringlich vergegenwärtigt. Dass auch während eines Krieges eine Art normales Leben weitergeht, macht einen großen Teil des Romans aus. Da gibt es die große Liebe, Leidenschaft, Intrigen, Lügen und auch eine kleine Liebe. Der Chor ist es, der alles auf wunderbare Weise zusammenhält. Am Ende des Sommers 1940 hat sich viel verändert in Chilbury. Ein schwerer Sommer, der einige Dorfbewohner hat wachsen lassen. Klug, gefühlvoll und doch auf eine Art geschrieben, dass man sich vorstellt, so könnte es gewesen sein.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 05. Feb 2018 

    Die Stärke von Englands Frauen im 2. Weltkrieg

    Cover und Gestaltung
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    Den Titel ziert das Foto eines typisch englischen Dorfes. Anhand des Oldtimers kann man sehen, dass es schon älter sein muss. Optisch erinnerte es mich an die Reihe "Der Doktor und das liebe Vieh". Es passt zum Titel, dennoch hätte ich das englische Cover, auf dem die 5 Protagonistinnen abgebildet sind, passender gefunden.
    Als Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen ist das Buch einfach ein tolles Schmuckstück im Regal.

    Inhalt:
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    Chilbury, ein englisches Dorf in Zeiten des 2. Weltkrieges. Die meisten Männer sind im Krieg und wegen Sängermangel will der Dorfpfarrer den Chor auflösen. Doch dann kommt Musikprofessorin Primrose Trent aus London in den Ort. Sie beschließt, den Chor ausschließlich mit Sängerinnen wieder zu eröffnen. Mit dieser Entscheidung verändert sie entscheidend das Leben der Frauen und letztendlich des ganzen Dorfes.

    Mein Eindruck:
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    Als erstes fiel mir der Sprachstil positiv auf: Man spürt sofort den gewissen, britischen Flair und obwohl die Geschichte in Kriegszeiten spielt, ist immer wieder der typisch britische Humor, manchmal auch Sarkasmus zu spüren. Die Handlung hat mich angenehm überrascht: ich hatte eine Geschichte erwartet, die sich ausschließlich um den Chor und die Musik dreht. Aber es wird viel über den Alltag der Frauen und ihre Gefühle berichtet. Die 5 weiblichen Hauptfiguren kommen mittels ihrer Briefe und Tagebücher abwechselnd zu Wort: Die dreizehnjährige Kitty Winthrop und ihre achtzehnjährige Schwester Venetia, das zehnjährige tschechische Flüchtlingsmädchen Silvie, sowie die verwitwete Mrs. Tilling und die leicht verbitterte Hebamme Mrs. Paltry. Diese persönlich formulierten Passagen wurden von der Autorin so geschickt eingeflochten, dass sich im Ganzen eine höchst spannende Handlung ergibt. Man erlebt tragische, komische, rätselhafte und aufregende Momente mit den 5 Frauen: Jeder im Dorf hat etwas zu verbergen, jeder tratscht über jeden und der Chor ist letztendlich der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Geschehens, der alle Frauen auf gewisse Art zusammen schweißt.

    "Dinge, die man sich merken sollte, bevor die Menschen in den Krieg ziehen
    - Die Form ihres Körpers - so sieht die Lücke aus, die Menschen reißen, wenn sie uns verlassen
    - Die Art, wie sie sich bewegen, wie sie gehen, wie schnell sie sich umwenden
    - Alle Gerüche und der persönliche Duft, der langsam vergeht
    - Ihre Farbe, die alles überstrahlt, sogar ihren Tod." (Auszug aus Kittys Tagebuch, S.30)

    Besonders Kittys Gedanken fand ich sehr beeindruckend, erscheinen sie für eine 13-Jährige sehr reif und sind gut und treffend formuliert. Aber auch insgesamt ist es interessant, die Entwicklung der Frauen zu beobachten. Viele entdecken durch den Chor, welche Stärken in ihnen schlummern und dass sie durch die Abwesenheit der Männer Talente entfalten können, die sich vorher unterdrückt hatten.
    Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit: Die Autorin hat es auf Erzählungen ihrer Großmutter und deren Bekannten begründet, aber einen Teil auch dazu gedichtet. Ich war erstaunt, wie lebensnah diese Geschichte auf mich wirkte. Ich hatte den Eindruck, live dabei zu sein. Mir ging das Buch sehr nahe und ich hab bis zum Schluss mitgefiebert - ein echter Page­tur­ner! In den Tagebucheinträgen und Briefen finden sich viele schöne Gedanken, weswegen ich das Buch noch öfter zur Hand nehmen und darin blättern werde.

    Fazit:
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    Komisch, traurig, philosophisch und spannend bis zur letzten Seite: Ein phantastisches Beispiel für Stärke und Zusammenhalt von Frauen

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Okt 2017 

    Bewegender und spannender Kriegsroman

    Es ist das Jahr 1940 in einem kleinen Ort nahe der Südküste von England. Immer mehr Männer werden in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. Während die Frauen um sie bangen und jede nur erdenkliche Abwechslung brauchen können, beschließt der Pfarrer, den Chor aufzulösen. Doch nicht mit den Frauen von Chilbury! Auf Initiative der Musikprofessorin Prim gründen sie einen eigenen Chor und wollen sogar an einem Wettbewerb teilnehmen.

    Mir hat es gut gefallen, dass auch einmal die Geschichten der Daheimgebliebenen thematisiert werden. Ich mochte auch, dass diese aus den Perspektiven mehrerer Frauen erzählt werden - in Form von Tagebucheinträgen, Notizen und Briefen. Ihnen allen gibt der Chor Halt und schafft ein verbindendes Element. Doch in der Geschichte geht es längst nicht nur um das gemeinsame Singen an sich, sondern auch um die Schicksale und Leben der unterschiedlichen Frauen und Mädchen. Es geht um Liebe, Angst und Trauer, aber auch um Lügen und Betrug. Deshalb fand ich das Buch nicht nur bewegend, sondern auch spannend. Humorvolle wie traurige Momente werden erzählt, sodass beim Lesen keine Langeweile aufkam.

    Jennifer Ryan zeichnet ganz unterschiedliche Charaktere und deren Entwicklung - und zwar mit solcher Klarheit, dass man der Geschichte gut folgen kann und sich gut in die Figuren hineinversetzen kann.

    Nicht zuletzt hat mir der Schreibstil gefallen. Es liest sich sehr flüssig - was sicherlich auch der Brief- beziehungsweise Tagebuchform geschuldet ist. Die Passagen der Frauen unterscheiden sich stilistisch deutlich voneinander. Das wirkte größtenteils auch authentisch. Einen Punkt Abzug muss ich leider dennoch geben, weil ich es etwas unglaubwürdig fand, dass einige Zitate und Schilderungen zu ausführlich und ungewöhnlich für diese Art der Erzählform waren.

    Mit "Der Frauenchor von Chilbury" ist Jennifer Ryan ein gefühlvoller, abwechslungsreicher Roman gelungen. Ich bin gerne in die Handlung eingetaucht und kann das Buch allen weiterempfehlen, die mal eine etwas andere Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs lesen möchten.