Der Flussregenpfeifer

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Flussregenpfeifer' von Tobias Friedrich
2.8
2.8 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Flussregenpfeifer"

Ulm, im Mai 1932: Mit nicht viel mehr als etwas Proviant und dem kühnen Plan, nach Zypern zu paddeln, lässt Oskar Speck sein Faltboot zu Wasser. In sechs Monaten will er zurück sein. Aber alles kommt anders. Gepackt von sportlichem Ehrgeiz, begleitet von Jazzmusik und Mark Twains weisem Witz, gejagt von den Nationalsozialisten, die aus dem Faltbootfahrer einen deutschen Helden machen wollen, fährt der schweigsame Einzelgänger von Zypern aus immer weiter in die Welt. Ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Gili, die sich, wie er, den Widrigkeiten der Zeit entgegenstellen muss. Doch das Schicksal gibt Oskar eine letzte Chance. »Der Flussregenpfeifer«, Tobias Friedrichs literarisches Debüt, basiert auf der unglaublichen, aber wahren Geschichte des Hamburgers Oskar Speck, der über sieben Jahre lang mit seinem Faltboot 50.000 Kilometer zurücklegte. So erstaunlich wie dessen Reise ist auch dieser humorvolle, dramatisch wie rasant erzählte Roman um wahre Freundschaft und Freiheitsliebe, starke Frauen und den Zufall als Wegweiser des Lebens.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
EAN:9783570104330

Rezensionen zu "Der Flussregenpfeifer"

  1. Zäh und irritierend

    Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte bildet das Fundament des Romans ,,Der Flussregenpfeifer“.
    Der Hamburger Oskar Speck verlässt im Jahr 1932 Ulm mit einem Faltboot und dem kühnen Plan, nach Zypern zu paddeln. Geplant ist die wagemutige Reise für 6 Monate, aber alles kommt anders. Am Ende dauert die Reise sieben Jahre und Speck kommt nach diversen Abenteuern sogar bis nach Australien, wo er als Deutscher aber ins Internierungslager gesteckt wird. Nach seiner Flucht schafft es der Einzelgänger, sich ein neues Leben aufzubauen.
    Soweit hört sich die Geschichte nach einem wahren Abenteuer an, mit Höhen und Tiefen, man erwartet malerische Landschaftsbeschreibungen und authentische Schilderungen diverser Kulturen, so farbenfroh wie es das Cover verspricht.
    Doch leider verliert sich der Roman in einzelnen Handlungssträngen, die mal ausufernd, mal nur sehr knapp erzählt werden, wobei nicht immer nachvollziehbar wird, warum gerade diese Passage so ausführlich gehalten ist oder jene nur angerissen wird. Man trifft viele interessante Figuren, die Oskar Speck auf seinem Weg behindern oder auch begleiten, doch auch hier wird manchen Figuren sehr viel Raum gegeben, obwohl sie im weiteren Verlauf keine Rolle mehr spielen. Häufig bekommt man den Eindruck, der Autor springt von einer Episode zur anderen, das Dazwischenliegende erfährt man nicht. Die Handlung mäandriert wie die Donau, auf der Oskar Speck seine Reise im Faltboot beginnt. Doch diese Erzählweise nimmt den Leser nicht mit. Man amüsiert sich gelegentlich, langweilt sich aber auch häufig. Die Reise und das Leben Oskar Specks sind wirklich erstaunlich, der Romans eher nicht.
    Der laut Klappentext ,,humorvolle, dramatisch wie rasant erzählte Roman um wahre Freundschaft und Freiheitsliebe, starke Frauen und den Zufall als Wegweiser des Lebens“ entpuppt sich leider als sehr zähe und eher irritierende Lektüre. Schade! Hier hatte ich mir deutlich mehr versprochen.

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  1. Wie bin ich nochmal hier gelandet?

    Was hatte ich mich darauf gefreut, Oskar Speck auf seiner Reise im Faltboot auf seiner außergewöhnlichen Reise von Ulm nach Australien begleiten zu dürfen! Nicht nur die Reise an sich, auch der Zeitpunkt – die Dreißiger Jahre – erschienen mir als zeitliches Setting sehr verlockend. Und dann noch die Tatsache, dass es sowohl Oskar Speck als auch diese Reise wirklich gegeben hatte! Was konnte da noch schiefgehen und uneingeschränktem Leseglück im Wege stehen?

    Die Antwort ist leider: doch so einiges. „Der Flussregenpfeifer“ scheint aus Platzgründen entweder sehr viel weggekürzt zu haben oder auf zahlreiche Episoden und Zusammenhänge schlichtweg einfach zu verzichten. Ist der Beginn noch relativ ausführlich, findet man sich zack auf Ceylon wieder und hopps ist man auch schon in Surabaya und - oh Schreck – wie bin ich eigentlich in Australien gelandet? Natürlich ist episodisches Erzählen ein adäquates Mittel, um umfangreiche Stoffe zu kürzen, allerdings geht dies beim „Flussregenpfeifer“ zu Lasten der Tiefe, des Verständnisses und des mitreißenden Leseerlebnisses. Kaum gerät man als Leser in den rechten Lesefluss, beginnt Interesse an Nebenfiguren oder Settings zu entwickeln, wird man auch schon wieder aus der Situation herausgerissen. Dazu kommt ein starkes Ungleichgewicht in der Ausbalancierung von ausformulierten, angerissenen und gar nicht erzählten Passagen. Einige Episoden - wie zum Beispiel die Lagerhaft in Australien oder die Schlusspassage – werden ins Unendliche gedehnt, durch immer noch eine weitere Verwicklung oder einen weiteren (meist sehr konstruierten) Zufall ergänzt, während anderes, durchaus relevantes, gar keine Erwähnung findet.

    Hinzu kommen zwei weitere Aspekte, die sicherlich Geschmackssache sind, aber in meinem persönlichen Fall die Lesefreude deutlich schmälern. Der Roman ist in einem Ton ironisch-humorvoller Distanz geschrieben, der sich bereits nach einigen Seiten abnutzt, noch dazu, weil ich ihn teilweise unbeholfen fand (Oskar Spack in Ermangelung anderer Attribute beständig als „den Hamburger“ oder „den Deutschen“ zu betiteln, weckt bei mir leider Assoziationen an unelegante Sportkommentare). Der Stil ist durchaus für humoreske Stoffe geeignet, für einen faktenbasierten, historischen Roman, der eigentlich auch die Leistung von Oskar Speck würdigen will, jedoch eher nicht, denn es entsteht der nachhaltige Eindruck von Albernheit und dadurch leider auch Herabsetzung.

    Ähnliches trifft auf die Figurenkonzeption zu. Vielfach wirken die zumeist nur kurz die Handlung bevölkernden Figuren wie Karikaturen. Besonders die Lagerinsassen scheinen nur der Komödie und dem Slapstick zu dienen. Selbst in Bezug auf Oskar und Gili kann man nur konstatieren, dass der Autor seine Figuren offensichtlich nicht sonderlich ernst nimmt – etwas, was für mich im historischen Roman fehl am Platz ist.

    Apropos historischer Roman: da es sich um die Geschichte einer abenteuerlichen Reise, angesiedelt in den Dreißiger Jahren und während des Zweiten Weltkriegs handelt, hätte ich mir einfach deutlich mehr Zeitkolorit und vor allem auch Lokalkolorit gewünscht. Ein völlig überzeichneter, inkompetenter und überforderter Nazi, der schließlich seine grausame Seite entdeckt, macht für mich noch kein historisches Setting.

    Insgesamt kann ich den Roman nur Menschen mit sehr viel Humor und großer Toleranz für außergewöhnliche Zufälle empfehlen. Für mich fehlte es – trotz einiger durchaus sehr lesbarer und unterhaltsamer Passagen – an Ernsthaftigkeit, Tiefe und Zusammenhang.

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  1. 3
    04. Mai 2022 

    Ist das eine Reisegeschichte?

    Oskar Speck ist der Held des Romans „Der Flussregenpfeifer“ von Tobias Friedrich und gleichzeitig war Oskar auch eine reale Person, auf deren Geschichte sich der Autor für diesen Roman gestützt hat. Dabei handelt es sich um eine unglaubliche Geschichte von Abenteuerlust, exotischen Handlungsorten und überraschenden Verwicklungen in Geschichte.
    In der Zeit der aufkommenden Macht der Nationalsozialisten macht sich Oskar Speck von Ulm aus auf der Donau auf den Weg in die weite Welt, indem er ein Faltboot nutzt, ein Gefährt also, dass normalerweise für überschaubare Touren auf heimischen Flüssen und Seen konzipiert und gedacht ist. Doch Oskar hat Größeres, d.h. Weiteres im Sinn: er will nach Zypern, denn dort erwartet er für sich die im Deutschen Reich fehlenden berufliche Perspektiven in den Minen des südlichen Landes. Doch nach Zypern kommt man nicht über heimische Flüsse und Seen, auf dem Weg dorthin warten härtere und gefährlichere Streckenabschnitte auf ihn und bald muss er nicht nur auf die Gefahren des Weges achten, sondern muss sich auch sputen, denn organisiert in der Heimat ist aus der „Schnapsidee“ dieser Reise plötzlich eine Wettfahrt geworden, mit der Ruhm, Ehre und Geld gewonnen werden können. Doch da tauchen auch Konkurrenten auf, die Oskars Anstrengungen nutz- und sinnlos zu machen drohen.
    Und als Oskar dann nach vielen Strapazen in Zypern ankommt, wird er tatsächlich zwar freundlich empfangen und aufgenommen, doch die Trophäe erhält (ungerechtfertigterweise) ein anderer. Zudem zerplatzt der Traum über die erhoffte Zukunft in dieser für Oskar neuen Welt, wie er sie sich zusammen mit seinem besten Freund erträumt hat, wie eine Seifenblase, denn der aufkommende Nationalsozialismus in Deutschland treibt den Freund nicht nach Zypern sondern ins Versteck, aus dem heraus Zypern unerreichbar ist. Und dann auch noch das: Oskars Verlobte hat nicht auf ihn gewartet, sondern in der Zwischenzeit einen anderen Verehrer gefunden und geheiratet. So zerplatzen nacheinander in kurzer Zeit alle Zukunftsmodelle für Oskar und auf der Suche nach Alternativen bleibt ihm nur sein Faltboot und die große weite Welt. Wer es nach Zypern geschafft hat schafft es auch weiter: Australien wird das neue Ziel.
    Als Oskar tatsächlich kurz vor Erreichen dieser Etappe steht, hat allerdings sein fernes Heimatland einen Krieg angezettelt und ist zum Feind der ganzen Welt geworden. Und mit ihm auch Oskar als einer seiner Vertreter. Nun ist er nicht mehr als exotischer Reisender willkommen in den fernen Ländern, sondern wird mit anderen Deutschstämmigen in einem Lager interniert und eingesperrt.
    Von diesem Schicksal, von dem Lageraufenthalt, von Flucht und Leben im fernen Land handelt der zweite Teil des Romans von Tobias Friedrich.
    Mein Fazit:
    Sehr überraschend für mich scheint der Autor wenig Freude und Interesse an Oskars Reisegeschichte zu haben. Er gibt den Lesern erstaunlich wenig Einblicke in die abenteuerlichen Etappen und Erlebnisse Oskars über Fluss, Land und Meer. Zudem erzählt er irgendwie unkonzentriert über diese Wochen, fügt merkwürdige Sprünge über Zeit und Raum ein, die ein Miterleben der Faltbootfahrt, aber auch des im Hintergrund ablaufenden Strippenziehens rund um den ausgerufenen Wettbewerb erheblich erschweren. Nachdem dann Oskar die Reise beendet hat und persönlich die Auswirkungen des menschenverachtenden Verhaltens der Regierung seines Landes zu spüren bekommt, wird der Roman deutlich stärker, der Autor konzentriert sich sehr viel mehr auf das Geschehen und bleibt beim Helden und seiner Geschichte.
    Deshalb ist das Buch für mich schwer zu bewerten. Der erste Teil ließ mich als Leserin häufig ärgerlich und nicht zufriedengestellt zurück. Ich hätte so gern etwas über diese Reise erfahren und habe diesem Interesse auch die Zeit für einige Hundert Seiten gewidmet, aber mein Interesse wurde nicht wirklich angemessen befriedigt. Der zweite Teil dann hat mich immer wieder bewegt und in den aktuellen Zeiten, in denen wir wieder einen von einem Land ausgehenden Krieg erleben müssen, auch sehr bewegt. Was bedeutet dieses Verhalten des Staates für die einzelnen Bürger des Landes? Welche Folgen haben sie zu gewärtigen? Dazu hat der Roman mir interessante historische Einblicke aus ziemlich parallelen, realen Situationen geben können.
    Aus diesem gebrochenen Blick auf den Roman fällt mir meine Bewertung nicht ganz leicht. Ich war im ersten Teil eher bei 2 denn bei 3 Sternen, bin aber im zweiten Teil eher bei 4 denn bei 3 angelangt. Daraus werden gute 3 Sterne, die ich mit immer noch großer Verwunderung über dieses Buch vergebe.

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  1. Weltreise, ausgebremst

    Die Titelzeichnung des wunderschön aufgemachten Buches verspricht einen spannenden Abenteuerroman: Ein Mann paddelt in einem viel zu kleinen Kanu todesmutig einer viel zu großen Welle entgegen. Den Mann hat es, wie der Klappentext verrät, tatsächlich gegeben. Er hieß Oskar Speck, stammte aus Hamburg und ging 1932, nachdem sein Elektrikergeschäft pleite gegangen war, von Ulm aus per Faltboot auf die Reise nach Zypern. Dort angekommen, zog es ihn immer weiter; er paddelte durch den Persischen Golf und an den verschiedenen Küsten entlang bis nach Australien, wo er wegen seiner deutschen Herkunft zuerst interniert wurde und sich nach Kriegsende als Opalhändler niederließ.

    Ein Porträt dieses Menschen, der mit einem für solche Fahrten völlig ungeeigneten Boot immer wieder zu neuen Ufern aufbrach, müsste spannend und interessant zu lesen sein. Der Autor hat gründlich recherchiert und eine Menge Material zusammengetragen: die Hamburger Freunde Oskar Specks, die ihm die Unterstützung einer Brauereifirma als "Sponsor" sicherten, haben ebenso ihren Auftritt wie der eine oder andere stramme Jungnazi, der Oskar als "deutschen Helden" vereinnahmen will. Es gibt eine Liebesgeschichte mit einer deutschen Auswanderin vor dem exotischen Hintergrund einer Hafenstadt auf Java; es gibt Mord und Totschlag, Unwetter und einen abenteuerlichen Gefängnisausbruch - alle Zutaten für ein tolles Buch sind vorhanden. Aber so richtig geschmeckt hat mir das Menü trotzdem nicht.

    Der Autor erzählt in mehreren Strängen. Der erste (wenn wir den anreißerischen Prolog weglassen) beginnt mit Oskar in Ulm, wo er sein Gepäck ein letztes Mal durchsieht und sein Boot zu Wasser lässt, und wird über seine Reisestationen fortgeführt. Der zweite präsentiert uns Oskars unsympathischen Antagonisten, den Industriellensohn Konstanty, der sich von einer geschickt eingefädelten Werbekampagne mit Oskar als Hauptfigur dicken Profit verspricht. In einem dritten Strang begegnen wir Oskar auf Java während einer Zwangspause auf seiner Reise, wo er der deutschen Exilantin Gili von seinen bisherigen Erlebnissen erzählt. Möglicherweise hat der Autor diese Struktur gewählt, um dem wortkargen Oskar ein wenig Gelegenheit zur Selbstdarstellung zu geben: er gehört "nicht zu den Leuten, die Buchstabensuppe frühstücken", sagte Oskar von sich selbst. Leider funktioniert das nicht recht: Die Situationen, in denen wir ein wenig Einblick in Oskars Gefühlswelt bekommen, sind derart rar, dass man beinahe glauben mag, dass er gar keine hat. Und auch sonst erfahren wir über das eigentliche Thema des Buches, die abenteuerliche Faltbootreise, bemerkenswert wenig aus erster Hand. Große Abschnitte werden übersprungen, und auch dort, wo etwas erzählt wird, lässt es uns der Autor meistens durch Briefe und Berichte Oskars wissen, statt uns unmittelbar teilhaben zu lassen. Sich auf einen Berichterstatter zu verlassen, dessen Buchstabensuppe kaum Buchstaben enthält, taugt nicht für eine dramatische Atmosphäre. Die vielen Auslassungen und harten Schnitte sind an sich ärgerlich genug, aber noch ärgerlicher ist, dass der Autor uns gleichzeitig mit einer Vielzahl völlig belangloser Szenen füttert mit Personen, die weder interessant sind noch die Handlung voranbringen. Kurz gesagt, die Erzählökonomie des Romans entspricht absolut nicht dem, was ich für sinnvoll und angemessen halten würde.

    Man sollte die Kritik nicht übertreiben. Es kommen durchaus nette und interessante Leute in dem Buch vor, und der Autor hat Sinn für spritzige Dialoge. Trotzdem: ich habe mehrmals während des Lesens heftig bedauert, wie hier ein vielversprechender und anregender Stoff - für mein Empfinden - versenkt wurde. Das Bootchen schwimmt, die Geschichte geht unter. Sehr, sehr schade!

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  1. Abenteuer ohne Schwung

    Kurzmeinung: Aus der Ichperspektive hätte dieser Roman besser funktioniert.

    Oskar Speck, (1907 – 1995) ist der Held des Romans. Es hat ihn tatsächlich gegeben. Er war ein selbständiger Elektrikermeister mit einigen Angestellten, der durch die Weltwirtschaftskrise in den frühen 1930er Jahren in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wurde. Danach begab er sich auf eine mehr als siebenjährige Flussfahrt mit einem Faltboot der Firma Pionier, die ihn unterstützte, auf der Donau entlang bis er eines fernen Tages nach Australien kommt und dort interniert wird.

    Die Recherche zum Leben von Oskar Speck und die Vermittlung der entsprechenden Resultate, selbst wenn nicht alle Details historisch exakt sind und die schriftstellerische Freiheit einiges erfunden und anderes ausgelassen hat, ist das Beste, was ich von diesem Roman mitnehme. Möglicherweise wollte dieser Roman zu vieles auf einmal sein, Biographie, Reisebericht, Abenteuerroman. Von allem ein bisschen, heißt aber, es wird Stückwerk.

    Harte Brüche, unvermittelte Cuts, vermögen es, die natürliche Stofffülle in ein Korsett zu zwängen und einigermaßen zu bändigen, verderben aber weitgehend den Lesespaß, den man wohl hätte haben können. Der Lesefluß wird ständig unterbrochen, so wird man nicht warm mit einem Roman.

    „Show, don’t tell“ ist nicht ohne Grund das Schreibe-ABC. Wie gerne hätte man Durst und Hunger unterwegs miterlebt oder mit Oskar Speck gegen den Drang zu schlafen angekämpft, wenn er 16 Stunden auf dem Wasser paddelt. Dass ein Faltboot keine Ruhephasen verträgt und umkippt, wenn es „still steht“ erfährt der Leser leider nur dadurch, dass Oskar Speck es auf einem Empfang erzählt. Dabeisein hätte man wollen! So ist es leider mit allem, was spannend zu werden verspicht . Man geht in die australischen Minen und erfährt von mörderischer Hitze. Wer sich nun auf Abenteuer freut, wird enttäuscht. Cut. Und Oskar Speck ist wohlhabend. Wärs in meinem Leben nur auch so. Cut. Und ich bin Millionär. Die indirekte, oft durch Briefe oder witzlose Dialoge vermittelte, rückwärtsgewandte Erzählweise nimmt die Spannung aus dem Roman und macht ihn langweilig und tröge.

    Letztlich haben auch die erzählerischen Mittel nicht ausgereicht, den Stoff spannend zu präsentieren und mit authentischen Charakteren zu versehen. Radka Denemarková schreibt richtig: „Obwohl längst aus der Mode gekommen, macht der Stil den Wert der Literatur aus.“ Stilistisch ist der Roman eine Katastrophe, stilistisch rückt er an die Trivialliteratur heran. Holzschnittartige Charaktere geben dem Ganzen den Rest.

    FAZIT: Biographische Details aus dem Leben des Oskar Speck sind die Stärken des Flussregenpfeifers, wobei der echte Flussregenpfeifer übrigens ein sehr possierliches Tierchen ist. Es lohnt sich, ihn zu googeln.

    Kategorie: Unterhaltung
    Verlag: C. Bertelsmann, 2022

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