Der Fledermausmann

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Fledermausmann' von Jo Nesbø
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Vierzigtausend Jahre lebten die Aboriginies isoliert in ihrer Heimat. Bis die ersten Engländer kamen, das unbebaute Land verächtlich als Terra nullius bezeichneten und es an sich rissen. Damit war der Friede vorbei und die Zeiten unzähliger Ungerechtigkeiten begannen.

Der alkoholkranke Polizist Harry Hole wird aus Norwegen nach Australien geschickt, um den Mord an einer jungen Norwegerin aufzuklären. Er bekommt Unterstützung von seinem australischen Kollegen Andrew, ein Aboriginie. Andrew führt Harry durch Sydney, er lernt den homosexuellen Otto und Toowoomba kennen, der für Andrew beinahe wie ein Sohn ist –- wie Andrew sind die beiden Aboriginies. Die Nachforschungen zeigen, daß der Mord an der Norwegerin kein Einzelfall war, sondern daß es die Polizisten mit einem Serientäter zu tun haben, der eine Vorliebe für blonde Frauen hat. Für Harry ist der Hauptverdächtige der Ex–Freund der Norwegerin, ein Drogendealer. Doch erst viel zu spät erkennt er, daß sein Partner bemüht ist, ihn auf die eigentlich richtige Spur zu bringen. Bei der Suche nach dem Täter verliert Harry sein Herz an die Schwedin Brigitta. Nach langer Zeit kann er sich endlich wieder öffnen. Bis die große Katastrophe ihren Lauf nimmt.

Sehr gefühlvoll und weich erzählt der norwegische Autor diesen Thriller. In fast lyrischen Passagen beschreibt er die Schönheiten Australiens und die Liebesgeschichte zwischen seinem Helden und Brigitta. Doch genauso sensibel, wie Nesbø es versteht, kleine Paradiese entstehen zu lassen, versteht er es, seine Hauptfiguren in die Katastrophe zu stürzen. Sehr intelligent vermischt Jo Nesbø den Krimi mit Betrachtungen über die Aboriginies, ermöglicht Einblicke in ihre Kultur, Philosophie und ihre Probleme.

Schritt für Schritt wird der Leser –- ebenso wie Harry Hole –- in die Tiefen und Geheimnisse des Landes und des rätselhaften Mordfalles geführt. Man wird hin– und hergerissen zwischen einer traumhaften Welt der australischen Mythologie aus der uralten "Zeit der Träume" und den Abgründen blutiger und brutaler Realität. Was fast sanft und ruhig beginnt, endet in einem unglaublich spannenden, zerstörerischen Strudel. --Susanne Solau

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:432
EAN:9783548253640

Rezensionen zu "Der Fledermausmann"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Jun 2017 

    Spannendes und Wissenswertes aus und über Australien

    Harry Hole, Hauptfigur einer Krimireihe von Jo Nesbø, untersucht in diesem ersten Fall den Mord an einer jungen Norwegerin in Australien. Dort ist Hole Andrew zugeordnet, einem Aboriginie-Kollegen, mit dem ihm bald ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Was zu Beginn wie ein Routineverbrechen aussieht, scheint sich jedoch zusehends als das Werk eines Serienmörders und -vergewaltigers zu entpuppen. Und Andrews Verhalten wird immer merkwürdiger...
    Die neue Hauptfigur ist bemerkenswert untypisch für einen ,Kriminaler'. Zwar auch geplagt von schweren Problemen in der Vergangenheit (wie viele seiner nordischen Kollegen), verliert Hole sich dennoch nicht in Depressionen und tiefer Schwermut. Lieber versäuft er seinen Verstand :-)
    Ebenfalls untypisch sind die ausgesprochen langen Exkurse zu Themen wie Geschichte der Aboriginies, deren Mythen und Sagen, der Vergangenheit der Ermittler usw. So werden einem nicht nur die handelnden Personen des Buches sehr nahe gebracht, sondern man erfährt zusätzlich viel Neues und Unbekanntes über das Land und dessen Vergangenheit (zumindest mir ging das so).
    Die Story selbst ist verzwickt und mit viel psychologischer Raffinesse aufgebaut, die Spannung bleibt wirklich bis zur letzten Seite erhalten (Wäre am Schluß des Buches keine Leseprobe einer späteren Folge enthalten, wüsste man nicht ob Hole nun die Reißleine seines Fallschirms zieht oder nicht...).
    Ein spannender und interessanter Erstling einer Krimireihe, die Lust auf mehr macht.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Mai 2015 

    Solide

    Ich habe das Buch auch gelesen, damlas aber keine Rezi geschrieben sondern nur Gedanken notiert:
    Der Schreibstil ist nüchtern, aber ich würde mal sagen nciht so typisch skandinavisch und Harry Hole ist ein ruhiger Vertreter seiner Art, aber nicht der selbstmitleidische, depressive Mensch. Das macht ihn sympatisch.
    Der Krimi hat Tiefgang und Raffinesse und hält einen gut bei der STange.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Okt 2014 

    Harry Holes 1. Fall...

    Nachdem ich ungewöhnlicherweise die Reihe um Harry Hole von Jo Nesbø sozusagen von hinten angefangen habe mit den letzten drei Bänden "Leopard", "Die Larve" und "Koma", habe ich mir schließlich die komplette Reihe um Harry Hole zugelegt.

    Das vorliegende Werk ist also das erste Buch der Reihe um Harry Hole, den alkoholkranken Polizisten aus Oslo. Hier allerdings liegt die ganze Handlung in Australien, denn dort wurde eine junge Norwegerin ermordet - und Harry Hole wird aus Norwegen zur Unterstützung geschickt. Wirklich gewartet haben die Australier zwar auch nicht auf ihn, aber dennoch kann er die ganze Zeit an den Ermittlungen mitwirken.
    In Australien steht ihm sein Kollege Andrew Kensington, ein Aborigine, zur Seite. Die beiden unkonventionellen Polizisten freunden sich schnell an. Von Andrew erfährt Hole eine Menge über Australien, seine Geschichte und das Leben in Sydney. Doch der Mord an der Norwegerin Inger Holter ist kein Einzelfall! Im gesamten Westen von Australien werden junge, blonde Frauen vergewaltigt, mitunter auch erwürgt. Vielleicht suchen sie gar einen psychopathischen Frauenmörder...

    Das Buch hat gute und auch einige schlechtere Seiten. So sind z.B. stilistisch noch einige Schwächen auszumachen. Jo Nesbø ist noch nicht ganz zu der Form aufgelaufen, die ich bei "Leopard" so faszinierend fand. Sprachlich ist das Buch auch noch eher als durchschnittlich (aber keineswegs als schlecht) zu bezeichnen. Eine Schwäche erlaubt sich Nesbø auch beim Vorantreiben der Handlung - da gibt es dann schon mal Längen, vor allem in der ersten Hälfte des Buches.

    Anfangs wirkte die Figur des Harry Hole sehr flach und eher angepasst. Nach und nach gewann die Personenzeichnung aber an Tiefe, so dass selbst bei dem hier noch jungen Hole (Anfang 30) schon der Ermittler durchblitzt, dem wir bei "Leopard" begegnen: intuitiv, entschlossen und draufgängerisch in seinem Beruf ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit; voller Ängste, Zweifel und Schuldgefühle als Person - bis hin zur Verzweiflung, aber letztlich dennoch mit einem großen Lebenswillen.
    Das Alkoholproblem taucht bereits hier auf mit all seinen Facetten, und mit anderen Drogen kommt Hole hier erstmals auch in Kontakt. Also bereits im ersten Band der Reihe ein Antiheld, mit dem man aber in jedem Fall sympathisiert.

    Sehr schön verwebt Nesboe auch Erzählungen über die ursprüngliche Kultur der Aboriginies und deren Legenden mit der Handlung - für einen Krimi oder Thriller eher ungewöhnlich, letztlich aber für das Verständnis der Hintergründe auch wichtig.
    Trotz einiger Schwächen des Buches bin ich froh, es gelesen zu haben - denn so wird die Entwicklung des Ermittlers Harry Hole erst deutlich.

    Die anderen Bände folgen bestimmt!

    © Parden