In der Finsternis: Thriller

Rezensionen zu "In der Finsternis: Thriller"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Jun 2016 

    Dante Torre

    In der Finsternis-Sandrone Dazieri

    Dieser Thriller wirbt mit diesem Satz um das Interesse der Leser: Dante Torre kann Menschen lesen, aber er hat teuer dafür bezahlt.

    Der 6 jährige Dante wird entführt und in einem Silo gefangen gehalten. Ganze 11 Jahre lang verbringt der Junge dort, abhängig von der Gunst eines Mannes den er selbst den Vater nennt. Dante wird für die Kleinsten Verfehlungen bestraft, hat keinen Kontakt zur Außenwelt, ein schlimmes Schicksal. Doch nach 11 Jahren gelingt Dante die Flucht, doch das Grauen nimmt kein Ende. Er leidet an extremen psychischen Störungen, unter anderem an stark ausgeprägter Klaustrophobie. Nun als Erwachsener schafft er es nur mit Hilfe von Medikamenten sein Leben im Griff zu haben. Aber eines hat er in der Zeit im Silo gelernt, er kann Menschen sehr gut einschätzen, da es im Silo alles leichter machte die Launen des Vaters richtig zu deuten. Dante hilft nun als Berater bei einigen schwierigen Fällen, viele Anwälte legen großen Wert auf seine Meinung.

    Als die beurlaubte Polizistin Colomba Caselli von Ihrem Vorgesetzten Rovere gebeten wird verdeckt zu ermitteln, lässt diese sich nur zögerlich darauf ein. Es geht ihr nach einem schlimmen Vorfall, der auch zu ihrer Beurlaubung geführt hat, gar nicht gut. Da Rovere ihr aber immer geholfen hat, kann sie ihm diese Bitte nicht abschlagen. Auf dessen Rat, wendet Colomba sich an Dante Torre. Die beiden merken schnell, dass das Verbrechen das Colomba untersuchen soll, nicht vom Vater des vermissten Jungen begangen wurde. Nein, Dante und Colomba sind sich schnell sicher, dass der Vater wieder zugeschlagen hat.

    Dieser Thriller hat mir sehr gut gefallen. Ich war zu Beginn eher skeptisch, da ich leider wenig Gutes gehört hatte, doch nach den ersten Kapiteln war mir klar, dass dieser Thriller sehr spannend und fesselnd ist.
    Dante Torres ist ein außergewöhnlicher Charakter, wie ich ihn bisher noch nicht erlebt habe. Auf der einen Seite verspürte ich Mitleid mit ihm, da er doch soviel erleiden musste. Auf der anderen Seite stand die Bewunderung darüber, dass er zum Wohl anderer gegen seine Ängste kämpft.
    Colomba ist eine engagierte und ehrgeizige Polizistin gewesen, bis zu diesem schlimmen Ereignis in Paris, wo sie fast gestorben wäre. Sie hatte vor, sich ganz von der Polizei abzuwenden, doch die Loyalität Rovere gegenüber ist groß. Colomba lässt sich von Dante soweit beeinflussen, dass sie um das Ziel zu erreichen, den Vater zu schnappen, sogar alle Hemmungen über Bord wirft und dem Gesetz die kalte Schulter zeigt.

    Die Geschichte ist sehr spannend, der Leser ist direkt am Anfang der Geschichte mitten im Geschehen. Dieser Thriller langweilte mich zu keinem Zeitpunkt. Die Handlung brachte zum Ende hin noch einige Wendungen mit denen ich so nicht gerechnet hatte. Alles in allem ein Leseerlebnis!

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 09. Mai 2015 

    Eingesperrt...

    Colomba Caselli ist nach einem schrecklichen Erlebnis vom Polizeidienst suspendiert und kämpft darum, psychisch wieder in die Normalität zurückzufinden. Sehr erstaunt ist sie daher, als sie von ihrem Vorgesetzten gebeten wird, trotz dieser Umstände bei einem Fall behilflich zu sein. Ein Kind ist verschwunden, und Colomba begreift zunächst überhaupt nicht, weshalb ausgerechnet sie an den Ermittlungen beteiligt sein soll.
    Ein noch weniger gutes Gefühl hat sie allerdings, als sie erfährt, dass auch Dante Torre mit hinzugezogen werden soll. Dante Torre, der schon mehrfach bei kniffligen Fällen als Ratgeber gute Dienste geleistet hat, der aber psychisch noch viel labiler ist als Colomba selbst.

    Obwohl die offiziell ermittelnde Polizei und Staatsanwaltschaft davon ausgehen, dass der verschwundene Junge von seinem leiblichen Vater ermordet wurde, mehren sich doch die Anzeichen, dass etwas ganz anderes dahinter stecken könnte. Dante Torre ist sich sicher, dass der gleiche Täter, der seinerzeit ihn als Kind entführt und elf lange Jahre festgehalten hatte, nun auch wieder zugeschlagen hat. Doch 'der Vater', wie Dante ihn seinerzeit nennen musste, gilt seit Dantes Befreiung als tot.
    Colomba Caselli beginnt trotz anfänglicher Zweifel, Dante zu glauben - und ein verzweifelter Versuch beginnt, den verschwundenen Jungen zu retten. Oder geht es dabei um noch viel mehr?

    Abgesehen einmal davon, dass die vielen italienischen Namen und Rangbezeichnungen, die anfangs auf mich einprasselten, mich schon sehr verwirrten, ist der Thriller unglaublich komplex angelegt. Einerseits trägt das zur geschichtenlangen Irreführung des Lesers bei, da sich alles ständig in eine andere Richtung entwickelt, als es den Anschein hat und man nie wirklich sicher sein kann, wer 'gut' und wer 'böse' ist, andererseits finde ich den Thriller im Nachhinein doch etwas mit Themen überfrachtet. Daraus hätte man meines Erachtens durchaus zwei eigenständige Thriller machen können.
    Neben der immensen Komplexität der Geschichte mit ihren zahlreichen Nebensträngen ist es vor allem die Langatmigkeit etlicher Passagen, die mich den Thriller nicht so gut bewerten lassen. Beispielsweise wird an einer Stelle seitenlang drehbuchartig bei einer Explosion explizit auf jeden Betroffenen eingegangen (es handelte sich um ein voll besetztes Restaurant!), und zwar mit Namen, Beruf, was er oder sie in dem Restaurant wollte und schließlich detailliert, was die Bombe bei ihm oder ihr jeweils anrichtete. Da war ich ehrlich gesagt kurz davor, das Buch endgültig zu schließen. Abgesehen von diesen Stellen gab es aber auch Passagen, die sehr flüssig und angenehm zu lesen waren.

    Was mir an dem Thriller vor allem gefallen hat, sind die beiden Hauptcharaktere Colomba und Dante. Auch in anderen Thrillern habe ich schon von fertigen Ermittlern gelesen, aber das hier übertrifft wirklich fast alles. Beide haben mit einem schweren Trauma zu kämpfen, wobei man bei Colomba erst spät erfährt, was bei ihr eigentlich wirklich geschehen ist. Das führt jedenfalls zu allerlei kuriosen Verhaltensweisen, die teilweise durchaus auch Situationskomik in die Handlung bringen - neben all der Tragik, die man dabei durchaus auch erfasst.
    Dabei entwickelte sich bei mir im Laufe der Handlung durchaus auch Sympathie sowohl für den mackenbehafteten, kaffee-, nikotin- und medikamentensüchtigen Dante als auch für die etwas sprödere Colomba, die auch dann noch versucht taff zu bleiben, wenn ihr die Luft wegbleibt und selbst wenn ihr plötzlich die ganze Polizei Italiens auf den Fersen zu sein scheint...

    Für mich insgesamt ein zu komplex gestrickter, zu gewollter, zu themenintensiver Thriller mit geduldstrapazierenden langatmigen Phasen, der aber durch seine kaputten Hauptcharaktere besticht und dem eine hochspannende Idee zugrunde liegt. Ich schließe mich den begeisterten Stimmen vieler Leser also leider nicht vorbehaltlos an.

    © Parden

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 26. Apr 2015 

    Konnte mich nicht überzeugen

    Dante Torre wurde als kleiner Junge entführt und 11 Jahre lang gefangen gehalten, von einem Mann, den er Vater nennen musste. Um zu überleben musste Dante lernen die Körpersprache des Vaters genau zu lesen. Nach seiner Flucht ist Torre ein Mann, der kaum mit dem Leben klar kommt, aber er ist in der Lage alle Menschen zu lesen und verdient so sein Geld, indem er ab und zu Polizei oder Anwälten hilft. Als wieder ein kleiner Junge entführt wird, bittet die Polizistin Colomba Castelli den psychisch labilen Mann ihr zu helfen. Colomba ist gerade beurlaubt, wurde aber von ihrem Vorgesetzten gebeten, sich des Falls anzunehmen. Auch die Polizistin hat schreckliches erlebt und gemeinsam versuchen die Beiden einen Mann zu finden, an den sonst niemand glaubt und vor dem Dante immer noch schreckliche Angst hat.

    Das Buch ist zur Zeit fast in aller Munde und wird ziemlich gelobt. Als ich "In der Finsternis" als Rezensionsexemplar angeboten bekam, freute ich mich natürlich und konnte es kaum erwarten, das Buch zu beginnen. Aber das änderte sich ziemlich schnell.

    Am Anfang der Geschichte stürzen sehr viele Namen und Personen auf einen ein. Es werden Dinge angedeutet, die erst am Ende des Buches einen Sinn ergeben und ich gab es irgendwann auf, mir zu merken, wer wer und für was verantwortlich ist.

    Die Geschichte hört sich erst mal unglaublich gut an. Ein Mann der als Kind entführt wurde und 11 Jahre lang in der Gewalt seines Peinigers war und der sich absolut sicher ist, dass dieser Mann noch lebt und auch weiter Kinder entführt und zu willenlosen Sklaven macht. Daraus hätte man ein richtig gutes Buch machen können.

    Aaaaaaber, ich empfand den Schreibstil als recht ermüdend und zäh. Es gab sehr viele Längen und so richtig Spannend wurde es erst auf den letzten 100 Seiten. Durch die restlichen 450 Seiten habe ich mich wirklich gequält. Ich finde, das ist zu wenig um einen Leser bei der Stange zu halten und wäre es nicht ein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich spätestens nach 100 Seiten abgebrochen. Denn zu diesem Zeitpunkt war mir bereits vollkommen egal, was vielleicht noch passieren könnte. Am Ende war ich natürlich froh, mich durchgequält zu haben, aber hätte ich wirklich abgebrochen, hätte ich nicht das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben.

    Was das Buch einiger maßen interessant macht sind die beiden kaputten Charaktere Torre und Caselli. Dante Torre ist mit seinen vielen Ängsten und Macken sehr liebenswert und ich wollte ihn immer beschützen und trösten. Colomba ist eine taffe Frau, die ich eigentlich nur mochte, weil sie so gut mit Dante klar kam. Sie ist auf jeden Fall interessant aber sympathisch fand ich sie nur selten.

    Alles zusammengenommen ergibt das für mich 2,5 von 5 Punkten. Da ich nicht mit halben Punkten bewerte, runde ich auf, denn 2 Punkte finde ich dann doch zu wenig. Aber wie immer gilt es, euch eine eigene Meinung zu bilden. Gerade bei diesem Buch gehen die Meinungen ja sehr weit auseinander. Ich jedenfalls, bin verdammt froh, jetzt ein neues Buch beginnen zu können und hoffe, dass mich das mehr begeistern kann.

    © Beate Senft