Der falsche Preuße (Gryszinski-Reihe, Band 1)

Buchseite und Rezensionen zu 'Der falsche Preuße (Gryszinski-Reihe, Band 1)' von Uta Seeburg
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der falsche Preuße (Gryszinski-Reihe, Band 1)"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783959675376

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Rezensionen zu "Der falsche Preuße (Gryszinski-Reihe, Band 1)"

  1. Gelungenes Krimi-Debüt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Nov 2020 

    Der fesselnde, historische Kriminalroman »Der falsche Preuße« ist das äußerst gelungene Debüt der deutschen Autorin Uta Seeburg und stellt den vielversprechenden Auftakt einer neuen Krimi-Reihe um den faszinierenden Ermittler Hauptmann Freiherr Wilhelm von Gryszinski dar.
    Hierin entführt sie uns nach München in die Hauptstadt des Königreiches Bayern im Jahre 1894 – eine faszinierende Metropole im Wandel der Zeiten, an der Schwelle zwischen althergebrachten Traditionen und der alles verändernden Moderne. Der Wirtschaftsaufschwung und gesellschaftliche Wandel sorgen jedoch nicht nur für Wohlstand und aufblühende Münchner Bürgerkultur, sondern lassen ebenfalls Armut, Hunger und Kriminalität in der wachsenden Bevölkerung ansteigen. Auch im Königreich Bayern stellt sich vermehrt die soziale Frage.
    Lebendig und atmosphärisch dicht portraitiert Seeburg das facettenreiche Alltagsleben Münchens und lässt uns am Leben der Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten teilhaben. Hierbei benutzt sie eine ungewöhnlich anspruchsvolle, herrlich antiquiert wirkende Sprache, die uns auch sprachlich gekonnt ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Die Autorin vermittelt ein sehr stimmiges, authentisches Bild der damaligen Zeit, streut immer wieder historische Fakten ins Geschehen ein und vermittelt uns sogar spannende, sehr authentische Einblicke in die kriminalistische Ermittlungsarbeit. Die Kriminalistik war ebenfalls vom Fortschritt erfasst und die geschickt in die Handlung eingewobenen kriminalistischen Details zeigen, dass auch innovative Methoden bei der alltäglichen Aufklärung von Verbrechen Einzug hielten. So lässt es sich der Protagonist, Sonderermittler und Brigade-Kommandant des Königlich Bayrischen Gendameriekorps Gryszinski nicht nehmen, seinen neuen Tatortkoffer stets zu seinen Einsätzen mitzunehmen. Jedem Kapitel vorangestellt ist ein passendes Zitat aus dem 1893 erschienen “Handbuch für Untersuchungsrichter, Polizeibeamte, Gendarmen usw.“, des berühmten Strafrechtlers, Kriminologen und Begründer der Kriminalistik Hans Groß.
    Der Krimi lebt neben den unglaublich anschaulich und lebendig geschilderten Schauplätzen vor allem von seinen teilweise recht skurrilen, vielschichtig angelegten Figuren, die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet sind. Hervorragend gefallen hat mir der sympathische, erst kürzlich mit Frau und Kind von Berlin nach München übersiedelte Ermittler Wilhelm von Gryszinski, den die Autorin als faszinierenden, tiefgründigen Protagonisten mit interessanter Vergangenheit zeichnet. Geprägt von den preußischen Tugenden Gehorsam, Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß kann er auch der Wirthauskultur seiner neuen Wahlheimat mit bayerischer Gemütlichkeit und Geselligkeit sowie gutem Essen durchaus etwas abgewinnen und findet sich in die besondere bayerische Mentalität gut ein. Als bayerischer Ermittler bei seinem ersten, hochkomplexen Mordfall ist er ganz schön gefordert, doch als er sich ganz unverhofft auch noch als unfreiwilliger preußischer Spion betätigen soll, gerät er in gewaltige Gewissenskonflikte und weiß oft nicht, wem seine Loyalität gelten soll.
    Wir begleiten Gryszinski bei seiner rastlosen und in jeglicher Hinsicht herausfordernder Ermittlungsarbeit zu seinem komplizierten Mordfall, bei dem sich erst per Zufall eine heiße Spur auftut. Gemeinsam mit ihm tauchen wir ein in die faszinierende und herrlich skurrile Welt des Hauptverdächtigen Eduard Lemke mit seiner protzigen Fantasievilla in Bogenhausen – seines Zeichens eine sehr suspekte Figur mit dekadentem Lebensstil, ein preußischer Emporkömmling höchst fragwürdigen Charakters, dessen mysteriöse Machenschaften Gryszinski für den Preußischen Gesandten in München aufdecken und ihn des Hochverrats soll. Nur gut, dass er bei seinen Ermittlungen nicht nur auf die tatkräftige Unterstützung seiner beiden aufrechten Wachtmeister und verschiedenen Spezln zurückgreifen kann, sondern auch seine mutige Haushälterin von unschätzbarer Hilfe ist.
    Auch wenn die unglaublich opulente, abwechslungsreiche Geschichte bisweilen etwas bizarre Wendungen aufweist, konnte mich der gut konstruierte, sich immer rasanter entwickelnde Kriminalfall bestens unterhalten und durchgängig fesseln.
    Ich freue mich schon sehr auf eine Fortsetzung dieser gelungenen historischen Krimi-Reihe mit einem neuen, fesselnden Fall und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit Gryszinski und vielen liebgewonnenen Charakteren.
    FAZIT
    Ein fesselnder, atmosphärisch dichter historischer Kriminalroman mit faszinierenden Charakteren, der uns gekonnt ins München des 19. Jahrhunderts abtauchen lässt.
    Sehr lesenswert für Fans von historischen Romanen und Krimis mit viel zeitgeschichtlichem Flair!

  1. Ein Preuße ermittelt in München

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Sep 2020 

    Wilhelm Freiherr von Gryszinski, durch und durch preußisch, kommt zur Jahrhundertwende als Sonderbeamter nach München. Er soll im bayrischen Königreich die modernen Ermittlungsmethoden der Kriminalpolizei einführen, also Spurensuche, Fingerabdrücke und was es sonst als technische Neuerungen gibt.

    Wider Erwarten gefällt ihm und seiner kleinen Familie der Aufenthalt im sinnenfrohen München sehr gut. Besonders die Küche hat es ihm angetan und seine Besuche auf dem Viktualienmarkt gehen nie ohne ein paar Schmankerln ab.

    Dann sein erster Mordfall: Der bekannte Bierbeschauer Sperber wird tot an der Isar gefunden, eingehüllt in ein exzentrisches Cape aus Federn. Die Spuren sind ausgefallen, Gryszinski meint den Abdruck eines Elefantenfußes zu erkennen. Als Bierbeschauer hat Sperber sicher eine Menge Feinde, denn sein Urteil über die Reinheit des Biers kann über den Erfolg der Brauer entscheiden.

    Bei seinen Ermittlungen trifft Gryszinski auf den neureichen „Exilpreußen“ Lemke, der seit seiner Heirat mit einer Brauereierbin im Geschäft mitmischen will.

    Der historische Kriminalroman war ein Lesevergnügen von der ersten Seite an. Ein Zeit- und Sittenbild vom München des beginnenden 20. Jahrhunderts, farbig und lebendig beschrieben aus der Sicht eines preußischen Offiziers. Der Zusammenprall von bayrischer Gemütlichkeit und preußischer Korrektheit ergeben immer wieder witzige Szenen. Vor allem, wenn Gryszinski im Lauf der Zeit immer mehr zur bayrischen Lebensfreude neigt. Ich habe mich dabei bestens unterhalten. Uta Seeburg hat sich Figuren ausgedacht die lebensecht und mit vielschichtigen Charakteren ausgestattet.
    Besonders gelungen fand ich seinen Gegenspieler, den dubiosen Geschäftsmann Lemke, der sich mit seinem Reichtum seine Bubenwünsche erfüllt. Seine Villa gleicht einem überdimensionalen Spielzimmer mit Eisenbahnwaggon, U-Boot und Fesselballon und vielen technischen Spielereien. Auch Gryszinskis Ehefrau ist toll porträtiert. Zwar scheint sie immer in einem Roman versunken zu sein, aber ihre Hinweise bringen ihn oft auf eine neue Spur.

    Für mich war dieser historische München-Krimi eine richtige Entdeckung.