Der falsche Gruß: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der falsche Gruß: Roman' von Maxim Biller
2.15
2.2 von 5 (7 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der falsche Gruß: Roman"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:128
Verlag:
EAN:9783462000825

Rezensionen zu "Der falsche Gruß: Roman"

  1. Dogmen-Verwirrung

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 26. Sep 2021 

    “Der falsche Gruß”, der titelgebend für den neuen Roman von Maxim Biller ist, unterläuft dem Autoren Erck Dessauer gegenüber seinem Rivalen Barsilay in Form des Hitlergrußes in aller Öffentlichkeit. Diese Szene ist ein Kulminationspunkt in der Rivalitätsgeschichte dieser beiden Autoren, die Bücher im selben Verlag mit unterschiedlichem Erfolg veröffentlichen. Sein Verhältnis zu Barsilay bewegt Erck über den gesamten, recht kurzen Roman hinweg. Es geht dabei um Zuordnungen zu den dogmatisch antipodischen und historisch kritischen Richtungen der deutschen Geschichte: Nazismus oder Sozialismus, sowie zum Semitismus/Antisemitismus. Es ist ein Verhältnis, das geprägt ist von Neid und Missgunst, wenig von sachlich, pragmatischen Einschätzungen und Bewertungen. Mir als Leserin wurde dabei nie so ganz klar, wer der beiden sich wie gegenüber welcher Strömung positioniert. Jeder ist von allen Richtungen eben sehr stark mitgeprägt, ob gewollt oder nicht. Und so zeigt Biller dem Leser in diesem kleinen Roman die unausweichliche Verquickung der Deutschen in die historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Keiner scheint frei von einem Einfluss aller dieser Strömungen und schwankt ständig dazwischen hin und her. So verwischen die Grenzen zwischen den Dogmen und ERck selber benutzt den „falschen Gruß“, um eigentlich damit sein Gegenüber zu denunzieren, denunziert sich aber nur selbst, der sich eigentlich viel mehr dem anderen Dogma zugehörig fühlt. Diese Geschichte führte für mich dann dazu, dass Nazismus und Sozialismus/Kommunismus und deren Vertreter (Hitler/Stalin) immer näher zusammenrücken. Es kommt zu einer annähernden Gleichstellung, Abhängigkeit, kausalem Zusammenhang:
    " War Hitler … vielleicht wirklich nur die Antwort auf Stalin gewesen? Hatten die Nationalsozialisten tatsächlich allein aus taktischen Gründen die exterminatorische Sprache und Praxis der Bolschewiken übernommen? Und hatten sie gar keine andere Wahl gehabt bei der Verteidigung des Westens, dessen Ostteil nach dem verlorenen Krieg eine Zeitlang ach zu meinem persönlichen Nachteil dem Westteil Asiens zugeschlagen wurde?“
    Hier klingt der Historikerstreit der 80er Jahre an, den die Wissenschaft damals ausgiebig und kritisch beleuchtet hat und ich stelle mir die Frage, ob die damals aufgeworfene heiße Frage nach so langer Zeit nochmal eine fiktionale Aufbereitung dieser Art brauchte??? Meine drei Fragezeichen machen wohl deutlich: Ich meine, eher nicht!
    Als Fazit kann ich also sagen: Für mich kein überzeugender Beitrag zu einer Frage, die mich nicht mehr bewegt. Mich hat dieser Roman deshalb nur irritiert und unausgefüllt zurückgelassen. Mich konnte das „didaktische Vergnügen am Widersprüchlichen“ (Klappentext) nicht gefangen nehmen. Aber vielleicht bin ich einfach nur nicht schlau genug für dieses Buch. Und muss mich deshalb als beschränkte Leserin zu 2 Sternen durchringen.

  1. Ein Roman für das Feuilleton

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 23. Sep 2021 

    Was hätte man Großartiges aus dem Anfang des Romans "Der falsche Gruß" von Maxim Biller machen können:

    Erck Dessauer, ein angehender junger Schriftsteller im Berlin der Jahrtausendwende lässt zeigt in der Öffentlichkeit den Hitlergruß.

    Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, warum Erck sich zu solch einer Geste hinreißen ließ. Nur wird diese Frage in diesem Roman nicht beantwortet.

    Erck Dessauer hat einen Widersacher: Hans-Ulrich Barsilay, der scheinbar ein bekannter und wichtiger Mensch in der Berliner Kulturszene ist. Diesem Barsilay galt der Hitlergruß, und mit dieser Situation beginnt der Roman. Die Handlung wird dabei aus der Sicht von Erck erzählt, der im weiteren Verlauf des Romans einen Einblick in sein bisheriges Leben gewährt. In bruchstückhaften Erinnerungen erzählt er aus seiner Vergangenheit. Seine Kindheit hat er zu DDR-Zeiten in Rostock verbracht, später ging es nach Berlin. Sein Studium hat er geschmissen, später gelang es ihm, ein paar freiberufliche Jobs in der Kulturszene zu ergattern. Über die Jahre ist ihm der Journalist und Autor Barsilay immer wieder über den Weg gelaufen, was bei Erck mehr Eindruck hinterlassen hat als bei Barsilay. Mehr Beachtung findet Erck bei Barsilay als er ihm einen Buchvertrag wegschnappt. Denn Erck veröffentlicht ein Buch, das Barsilay eigentlich hätte schreiben sollen.

    Wir lernen die Figur Barsilay durch die Augen von Erck kennen. Anfangs scheint er ihn noch zu bewundern, doch später scheint sich eine Hassliebe zu ihm zu entwickeln, so dass der Leser keine andere Chance hat, als das Negativbild, das Erck von Barsilay zeichnet, zu übernehmen.

    Ercks Antriebsfeder für sein Handeln scheint diese Hassliebe zu Barsilay zu sein. Doch leider gibt es keine Entwicklung des Protagonisten Erck. Er bleibt für mich in diesem Roman farblos und nichtsagend. Sein Verhalten ist völlig unverständlich.

    Maxim Biller bleibt mit seinem Roman schrecklich nebulös. Je tiefer man sich als Leser in diesen Nebel hineinwagt, umso genervter stochert man nach Erklärungsansätzen, die Klarheit in ein erzählerisches Wirrwarr bringen. Es blitzen viele Ansätze auf, doch die lassen sich kaum greifen und weiterentwickeln.

    Folgende Frage bleibt daher offen: Welche Botschaft will der Autor mit seinem Roman vermitteln? Mit einer Antwort auf diese Frage ergibt sich auch schon die nächste: Warum schreibt Maxim Biller seinen Roman nicht so, dass man diese Botschaft auch versteht?

    Dieser Roman ist ein Interpretationsmoloch, denn hier lässt sich lustig nach Ansätzen suchen, um Herrn Biller auf die Spur zu kommen. Es empfiehlt sich, die Buchbeschreibung des Verlags entweder gar nicht oder erst dann zu lesen, wenn man sich seiner eigenen Meinung zu diesem Buch sicher ist. Ansonsten läuft man Gefahr, dass man in seiner Wahrnehmung des Inhalts vorab beeinflusst wird.
    Vielleicht begebe ich mich auf die Suche nach ein paar Interviews mit dem Autor, um Klarheit zu bekommen, was Herr Biller uns mitteilen wollte, was das Buch aber dadurch für mich nicht besser macht. Literatur muss zwar nicht massentauglich sein, aber zumindest mengentauglich. Für einen halbwegs gebildeten Leser sollte das Buch eines ernsthaften Schriftstellers daher verständlich sein. Für mich ist "Der falsche Gruß" aber eher Feuilleton-tauglich, oder tauglich für befreundete und wohlgesonnene Schriftstellerkollegen oder für die Verwandtschaft des Autors. Deren Wohlwollen kann ich mich leider nicht anschließen.

    © Renie

  1. ……….

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 12. Sep 2021 

    ……

    Der falsche Gruß ist ein Werk, das mich völlig ratlos zurück lässt. Das Cover und auch der Klappentext haben mich bewogen das Buch zu lesen, es erschien mir sehr interessant.
    Als ich mit der Lektüre began , fragte ich mich, warum der Ich-Erzähler in Form von Erck Dessauer, in einem noblen Restaurant einen halbherzigen Hitlergruß zum besten gibt?! Und dies ausgerechnet vor seinem Erzfeind, den er, wenn man bedenkt, dass er berufliche Konkurrenz bedeutet, doch eher beeindrucken sollte. Sein Widersacher namens Hans Ulrich Barsilay hat bereits einige Werke veröffentlicht, und genau dies hat Erck auch vor. Er hat den Vertrag bereits in der Tasche. Doch mit diesem Gebahren lenkt er wohl eher negative Schlagzeilen auf sich. Vorausgesetzt wir dürfen dem Erzähler glauben, was er uns auftischt. Leider war mir das zu keinem Zeitpunkt klar. Ich konnte weder erkennen, ob das gelesene tatsächlich stattgefunden hatte, oder warum mir der Autor dies so weismachen wollte.
    Erck erzählt von seinem Leben, die erlittenen Enttäuschungen durch die Eltern. Ebenso wird sein Misserfolge bei Valeria, die mit Barsilay liiert war, beschrieben. Politisch wirft der Autor gefühlt von jedem etwas ein, so dass ich auch dort keine klare, stringente Linie verfolgen konnte. Und immer wieder steht das seltsame Handzeichen über allem……das ist der einzig erkennbare rote Faden.

    Spätestens am Ende eines Buches möchte ich wissen, was es mir gebracht hat, welche Erkenntnis ich für mich daraus ziehen konnte. Hier fällt die Antwort sehr knapp aus, denn es hat mir nichts gebracht, außer Überlegungen die letztendlich auch zu nichts führen.
    Ich neige immer dazu, an jedem gelesenen Buch die Vorzüge hervorzuheben und die Kritikpunkte am Rande zu erwähnen. Hier muss ich tatsächlich resümieren, dass ich meine Zeit besser hätte nutzen können.

  1. Was will uns hier der Dichter sagen ?

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 11. Sep 2021 

    Der Ich- Erzähler Erck Dessauer lässt sich zu Beginn des Romans zu einer verstörenden Geste hinreißen. In der angesagten Bar „ Trois Minutes“ in Berlin hebt er, Beleidigungen ausstoßend, seinen Arm zum „ falschen Gruß“, dem Hitlergruß nach oben. Ziel dieser
    „ absurden Nazigymnastik“ ist der allseits bekannte jüdische Intellektuelle Hans Ulrich Barsilay. Dessauer befürchtet, dass dieser ihm sein Buchprojekt streitig machen will. Schließlich steht er, der junge, ehrgeizige Schriftsteller, kurz vor dem Abschluss eines Buchvertrages und glaubt nun, Barsilay wolle ihm da zuvorkommen.
    Doch es ist wahrscheinlicher, dass diese vermeintliche Gefahr nur eine fixe Idee von Dessauer ist. Aber der steigert sich immer mehr in seine Hysterie hinein; nun muss er zusätzlich befürchten, dass ihn sein Hitlergruß endgültig deklassiert.
    Biller stellt hier zwei Figuren ins Zentrum: Erck Dessauer, in der DDR groß geworden, Sohn eines SED-Mitglieds, der sich nach der Wende das Leben genommen hat und Enkel eines Nazi- Großvaters. Er will endlich ankommen im Berliner Kulturbetrieb.
    Als Gegenspieler, von Dessauer bewundert und beneidet und deshalb gehasst, steht Barsilay, etablierter Schriftsteller, Nachkomme von Auschwitz- Überlebenden.
    Anhand dieser beiden Figuren ( die ab und an Parallelen zum Autor aufweisen ) arbeitet sich Biller an verschiedenen Stoffen ab.
    Zum einen sein großes Thema: Antisemitismus und Erinnerungskultur. So verweisen z.B. die klischeehaften Biografien von Dessauer und Barsilay an unzählige Bücher und Filme der letzten Jahre.
    Dazu verweist Biller auf aktuelle politische Debatten und wirft einen satirischen Blick auf den Berliner Kulturbetrieb.
    Das alles ist aber so wirr und konfus geschrieben, dass die Lektüre für mich eine Qual war. Ich habe versucht, den paranoiden Gedankengängen Dessauers zu folgen und den tieferen Sinn dahinter zu sehen. Bei einzelnen Szenen und Sätzen kam ein leichtes Verständnis auf, doch was der Autor mir mit seinem Buch sagen wollte, hat sich mir leider nicht erschlossen.Vielleicht habe ich auch zu viel Tiefsinn erwartet.
    Für mich ist das ein typisches Buch für das Feuilleton. Dort werden seine Andeutungen und Querverweise eventuell verstanden. Mich lässt dieses Buch leider ratlos zurück.
    Kleiner Nachtrag: Nein, das Heben des Arms zum Hitlergruß hatte für den Helden keinerlei Konsequenzen .

  1. Die hohe Kunst der Unverständlichkeit

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 11. Sep 2021 

    Man nehme einen aufstrebenden jungen Schriftsteller, Erck Dessauer aus Leipzig, der in Berlin der Nullerjahre bei einem renommierten Verlag die Karriereleiter hinaufwill. Paranoid wie er ist, sieht er aber an jeder Ecke böse Gestalten, die ihm seinen rechtmäßigen Erfolg streitig machen wollen. Der etablierte Hans Ulrich Barsilay ist dabei ein besonderes Feindbild. Erck bewunderte ihn zunächst und ließ sich in seinem Eifer die Fertigstellung seiner Magisterarbeit ausreden, doch nun will er ihm scheinbar seinen Buchvertrag streitig machen. Aber er hat recherchiert und durchschaut ihn. Er kann Barsilay Ungereimtheiten in dessen Autobiografie nachweisen. Doch bevor Erck überhaupt einen Schlag gegen die vermeintliche Opferrolle seines Gegenübers führen kann, lässt er sich zu einem fahrigen Hitlergruß hinreißen, vor Zeugen.

    Erck flieht aus dieser misslichen Lage und macht sich fortan Gedanken, welche Konsequenzen sein Tun haben könnte und vor allem, welch hervorragende Waffe er Barsilay damit in die Hand gegeben hat.

    Das ist der titelgebende Plot, um den sich Billers rauschendes Fest des Namedroppings im Literaturbetrieb, der Weltkriegshypothesen im Schnelldurchgang und ganz nebenbei einige Hinweise auf Billers verbotenen Esra-Roman ein Stelldichein gibt. Biller lässt ausschließlich Erck zu Wort und Gedanken kommen. Es drängt sich die Vermutung auf, dass Erck sein Alter Ego ist, doch auch Barsilay scheint ein Stück Biller-Biografie zu durchleben.

    Das Bild auf dem Umschlag (eine Hand hält einer kleinere gestreckte Hand) ist der perfekte Unterstrich des Titels, hat mich aber doch auch an eine Matroschka-Puppe erinnert. Es lässt mich zu dem Schluss kommen, dass in dieser 120 Seiten-Geschichte mindestens eine zweite, wenn nicht sogar eine dritte und vierte verborgen ist. Dieses Versteckspiel beherrscht Herr Biller hervorragend, aber den vollen Genuss dieses Büchleins werden wohl nur Insider und Verschwörungstheoretiker erleben können. Mit großem Geschick zeichnet Biller ein Bild von Bedeutung, lässt aber die Fakten zum Verständnis im Dunkeln. Man kann nur erahnen was die Aussage des Romans ist, soll aber wohl nicht im Vordergrund stehen, denn selbst seinen Figuren gönnt er keine Einsicht.

    Tja, Herr Biller, wenn man an vielem was zu kristieren hat, lässt man sich selbst wohl ungern in die Karten schauen. Ein anstrengender, für mich ergebnisloser Lesegenuss.

  1. Fragezeichenbuch

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 10. Sep 2021 

    Mh, irgendwie habe ich dieses Jahr bei der Auswahl an Leserunden-Lektüre nicht so viel Glück. Zu oft hatte ich in den vergangenen Monaten Bücher, die entweder grottig, nur im Ansatz gut oder höchstens Mittelmaß waren.

    In die Kategorie „Äh, häääääh?“-Bücher (sprich: ich habe es nicht verstanden) reiht sich jetzt „Der falsche Gruß“ von Maxim Biller ein. Nun gut…

    Protagonist Erck Dessauer ist ein weinerlicher Typ, der kurz davor ist, im Literaturbetrieb Fuß zu fassen, als er sich von seinem „Erzfeind“ Hans Ulrich Barsilay zu einer diffamierenden Pose hinreißen lässt – dem Hitlergruß. Allerdings weiß ich als Leser weder am Anfang (logisch) noch am Ende (nicht mehr so logisch), warum Erck ihn überhaupt gezeigt hat.

    Erck erzählt seine Geschichte in Rückblenden, kommt von einer nichtssagenden Episode zur nächsten gepflegten Langeweile, lässt an einer Stelle kurz vor Schluss (zum Glück musste ich mich nur durch 120 Seiten quälen) sogar durchblicken, dass er „[…] immer noch unsicher (ist), worum es hier eigentlich die ganze Zeit ging“ (S. 101). Gestatten Sie mir die Frage, Herr Biller: wenn Ihr Protagonist schon nicht weiß, worum es bei dieser ganzen Posse geht – woher sollen das dann Ihre Leserinnen und Leser wissen?

    Für mich ist „Der falsche Gruß“ eine Denkernovelle – geschrieben für Denker von einem Denker, der nicht deutlich machen kann (oder will), was er eigentlich bezweckt. Wirr, konfus und in meinen Augen nichtssagend. Natürlich ist es keine massentaugliche Lektüre (was höchstwahrscheinlich auch im Sinne des Autors ist *g*), aber es ist auch zu schwierig für Literaturliebhaber, die durchaus „verkopfte“ Sachen lesen und zu schätzen wissen. Und das ist in meinen Augen äußerst bedauerlich.

    Sorry, mehr habe ich nicht zu sagen. 2*

    ©kingofmusic

  1. Die unheilvolle Begrüßungsgeste

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 09. Sep 2021 

    Erck Dessauer will als Schriftsteller groß rauskommen. Als junger Mann ist er von Leipzig nach Berlin gezogen. Zwar hat er sein Studium nicht abgeschlossen. Doch nun hat er den Vertrag mit einem Verlag in der Tasche. Wenn da nur nicht der berühmte Autor Hans Ulrich Barsilay wäre. Bei einer zufälligen Begegnung konfrontiert Erck den Juden aus dem Affekt mit dem Hitlergruß. Das kann nicht ohne Folgen bleiben - oder?

    „Der falsche Gruß“ ist ein Roman von Maxim Biller.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus zwölf Kapiteln. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Erck, und zwar rückblickend aus dem Jahr 2012. Die eigentliche Handlung spielt vorwiegend um die Jahrtausendwende. Durch ständige Zeitsprünge fällt es nicht leicht, die einzelnen Episoden zu sortieren. Mal geht es um Ercks Kindheit, mal die Teenagerjahre, mal die Studienzeit und mal die jüngere Vergangenheit.

    Auch der Schreibstil macht es den Leserinnen und Lesern nicht einfach. Verschachtelte Sätze werden kombiniert mit Anglizismen, Abkürzungen und Fachtermini. Zudem werden immer wieder unnötig viele Namen in den Raum geworfen. Positiv stechen allerdings kreative Wortschöpfungen und -witze heraus.

    Der Protagonist ist eine Art Antiheld. Erck ist ein recht feiger Einzelgänger ohne Freunde, ein leicht zu beeinflussender Unsympath mit Minderwertigkeitskomplexen und starker Unsicherheit, der aber zugleich ein großes Geltungsbedürfnis hat. Kaum besser gefallen hat mir der Gegenpart Barsilay, den wir jedoch nur durch Ercks Brille kennenlernen.

    Die Handlung an sich mutet teilweise etwas übertrieben und absurd an. Vielleicht ist mir an einigen Stellen der spezielle Humor des Autors entgangen. Vielleicht darf man das Gelesene nicht immer allzu wörtlich nehmen. Mir hat sich jedenfalls nicht alles erschlossen.

    Inhaltlich soll es nach Verlagsangaben um Opportunismus, neuen Nationalismus und politische Korrektheit gehen. Diese Aspekte konnte ich aus der Geschichte jedoch nicht herauslesen. Für mich sind vor allem extreme politische Anschauungen im rechten und linken Spektrum sowie historische Debatten hängen geblieben. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass der Autor noch sehr viel mehr in den Roman packen wollte, mit dem er mich aber nicht erreichen konnte. Obwohl der Roman nur 120 Seiten umfasst, haben mich einige Passagen gelangweilt.

    Das Cover finde ich passend. Der prägnante Titel ist ebenfalls treffend gewählt.

    Mein Fazit:
    „Der falsche Gruß“ von Maxim Biller ist ein Roman, der mich etwas ratlos zurücklässt. Eine schwer zugängliche, etwas chaotisch erzählte Lektüre, mit der ich leider wenig anfangen konnte.