Der Eroberer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Eroberer: Roman' von Nedim Gürsel
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Der Eroberer: Roman"

Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783442725670

Rezensionen zu "Der Eroberer: Roman"

  1. Weit mehr als ein historischer Roman...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mai 2021 

    Es ist seh schwer, dieses faszinierende Buch in wenigen Worten adäquat zu beschreiben. Daher nur einige Anmerkungen… "Der Eroberer" von Nedim Gürsel erzählt einzelne Ereignisse aus dem Leben oder der Zeit des Sultans Mehmet II. oder, wie man ihn seit 1453 nennt, Mehmet Fatih (der Eroberer). Der Bau der Burg Boğazkesen (so auch der türkische Originaltitel des Buches), die Eroberung Konstantinopels, die Ermordung des Thronfolgers, die Versenkung eines venezianischen Versorgungsschiffes, die nur eine Person überlebt, dessen (fiktives) Tagebuch dann auch im Roman auftaucht, aber auch Mehmets nachdenkliche, fragende und spirituelle Seite. Szenen, bei denen man – würden sie nur so dastehen – nicht sicher wäre, wie diese Auswahl zustande gekommen ist, was sie verbindet. Denn der Roman ist keine Biografie des Sultans oder eine Ereignisgeschichte des Osmanisches Reiches, einiges wird sehr detailreich erzählt, manches nur angerissen und anderes wiederum übersprungen. Doch dieser Roman hat eine zweite Ebene, in der ein Schriftsteller berichtet, wie er in einer Istanbuler Villa 1980 versucht, diesen Roman zu schreiben, wie er vor der unglaublichen Masse an Quellen beinahe kapituliert und ihm, je mehr er schreibt, bewusst wird, wieviel unerzählt bleiben muss, wie er sich mehr und mehr verliert in der Geschichte und in seinen Personen – von denen immer mehr auftreten, „die danach verlangten, daß auch ihre Geschichte erzählt würde.“ Jede Grenze zwischen Fiktion auf der einen und Realität und geschichtlicher Wahrheit auf der anderen Seite verschwimmt. Und am Ende steht die Frage was passiert, wenn jemand diesen in seinem Roman und seinen Figuren gefangenen Schriftsteller davon abhält weiterzuschreiben. Für mich auf jeden Fall ein wirkliches Highlight türkischer Literatur des 20. Jahrhunderts. Aber man muss auch etwas aushalten können. Nedim Gürsel beschreibt gleich zu Beginn sehr detailliert eine Pfählung – und dieses Bild lässt mich nicht mehr los.

    Übersetzt von Ute Birgi.