Der dunkle Weg: Roman

Rezensionen zu "Der dunkle Weg: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Aug 2015 

    Hamburger Kaufmannstochter mittendrin in den Freiheitskämpfen Ir

    Ida wird Zeugin einer Hinrichtung, dann wacht sie mit einem Ruck auf – ihr Herz schlägt heftig, sie tastet im Bett neben sich, doch der Platz ist leer. War es nur ein böser Albtraum, oder ist es doch so geschehen, das verrät uns die Autorin Susanne Goga zu Beginn ihres Buches noch nicht. Ein historischer Roman, der uns zunächst ins Dublin des Jahres 1912 führt. Ida, eine Kaufmannstochter aus bester Hamburger Gegend, dem Rotherbaum, ist eine junge und selbstbewusste Frau, die sich Zwängen und Direktiven widersetzt. Sie entflieht den gesellschaftlichen Zwängen ihres Elternhauses und begibt sich allein auf die Reise nach Dublin. Hier besucht sie zunächst eine Freundin, die sie von ihrer Zeit an der Kunstschule in London kennt. Doch schnell findet sie sich selbständig zurecht in der neuen Stadt, die sie bereits nach kürzester Zeit zu lieben lernt. Sie findet eine Wohnung und arbeitet halbwöchig in einem Geschäft für Malereibedarf. Binnen kurzem findet sie neue Freunde, die fast alle dem Umfeld der irischen Freiheitsbewegung entstammen. Und auch Ida findet sich bald mittendrin im Geschehen und vertritt selbstbewusst ihre eigenen Ansichten zum Zeitgeschehen.

    Die Autorin schafft es in brillanter Weise die fiktiven Personen ihrer Geschichte in das Leben der historischen Personen hinein zu stricken. Leicht habe ich einen Einstieg in das Buch gefunden und war bereits nach einigen Seiten gefangen von der Geschichte. Die Charaktere sind alle wunderbar stimmig und ich konnte beim Lesen die Figuren und Szenerien tatsächlich wie vor meinem inneren Auge sehen. Ebenso geglückt finde ich die Schilderungen der damaligen politischen Situation Irlands, die von großem Sachverstand der Autorin zeugen. Alsbald hatte ich auch meinen Lieblingscharakter gefunden, der mir während des Lesens mehr und mehr ans Herz gewachsen ist.

    Ein Buch, das ich nur zu liebend gerne empfehlen möchte, ich habe es binnen kürzester Zeit regelrecht verschlungen. Susanne Goga hat ihren Roman in einem herrlichen Schreibstil verfasst, der das Lesen zur wahren Freude werden lässt. Die Dialoge sind fabelhaft passend und authentisch. Liebhaber der historischen Bücher von Petra Oelker oder Rebecca Gablé und auch der Irland-Romane Maeve Binchys werden gleichermaßen hingerissen sein, wie ich es bin. Ich vergebe dem Buch fünf von fünf Sternen.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Apr 2015 

    Das Buch konnte mich erst nach der Hälfte überzeugen.

    Klappentext
    Eine Reise nach Irland, die alles verändert
    Hamburg 1912: Gegen den Willen ihrer Eltern begibt sich die Kaufmannstochter Ida auf eine gewagte Reise: fort von ihren Pflichten, auf nach Irland. Dublin empfängt sie weltoffen, kreativ und gegensätzlich – genau die Abwechslung, die Ida gesucht hat. Schnell findet die junge Künstlerin Arbeit, schließt Freundschaften und lernt den Arzt Cian kennen – und lieben. Voller Zuversicht hofft Ida auf eine Zukunft mit ihm, eine eigene Familie, ein neues Leben in Irland. Doch Europa stehen blutige Zeiten bevor, und bald muss Ida um ihre Träume kämpfen.

    Über die Autorin
    Susanne Goga, 1967 geboren, ist eine renommierte Literaturübersetzerin und Autorin. Im Diana Verlag erschienen bereits drei Romane, darunter »Die Sprache der Schatten«, für den sie 2012 mit dem DeLiA-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, und der Spiegel-Bestseller »Der verbotene Fluss«. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.

    Meine Meinung

    Story
    Ich weiß überhaupt nicht so recht, wie ich anfangen soll, aber wenn mich ein Buch nicht sofort, nach den ersten Seiten begeistern und in seinen Bann ziehen kann, hat es schon Schwierigkeiten bei mir noch Fuß zu fassen und mich umzustimmen. Dieses Buch jedoch machte nach knapp 200 Seiten dann doch eine Kehrtwendung und die Story nahm von Seite zu Seite an Fahrt auf, was man von den ersten 200 Seiten nicht behaupten konnte, da diese etwas zäh und schleppend voran kamen.
    Die Protagonistin Ida, eine junge Malerin, begibt sich alleine auf eine gewagte Reise nach Irland, kurz vor Beginn des 1. Weltkrieges und somit in die Unruhen, die zu der Zeit in Irland geherrscht haben. Aus einem Besuch bei ihrer Freundin Grace, wird ein längerer Aufenthalt, bei dem sie die Auswirkungen des bevorstehenden Krieges und den Freiheitskämpfen der Iren, zu spüren bekommt. Ida lernt den ziemlich eigenwilligen Arzt Cian O`Connor kennen und schon bald wird daraus mehr als nur Freundschaft. Durch ihn lernt sie die Armenviertel Dublins und seine Bewohner kennen und ist entsetzt von den Zuständen die dort herrschen. Ida hält die Armut und das Elend in Bildern fest, die Cian später in einem Buch veröffentlichen will, um in anderen Ländern auf die Missstände in Irland aufmerksam zu machen. Ehe Ida sich versieht, ist sie zusammen mit Cian eine regelrechte Freiheitskämpferin geworden, die sich wo es nur geht für die Armen und unterdrückten einsetzt und dabei mehr wie einmal selber in Gefahr schwebt.

    Schreibstil
    Die Autorin vermittelt dem Leser, durch einen teilweise regelrecht bedrückenden Schreibstil, die Atmosphäre Dublins kurz vor dem 1.Weltkrieg und den katastrophalen Zuständen in den Armenvierteln der Stadt. Als Leser sieht man die Orte und die Personen fast mit eigenen Augen und kann sich gut in die damalige Atmosphäre hinein versetzen. Das Buch lässt sich dennoch, auch wenn es etwas langatmig beginnt, flüssig und leicht lesen, auch wenn mir der Schreibstil persönlich nicht ganz so gut gefallen hat. Die Story ist wirklich gut recherchiert und die Bilder und die Reise durch Dublin, im Anhang, haben mir gut gefallen.

    Charaktere
    Ida ist eine selbstbewusste und starke Persönlichkeit, die geschockt von den Verhältnissen in den Armenvierteln beschließt, zu helfen soweit wie es ihr eben möglich ist. Sie hat keinerlei Rückhalt von ihrer Familie und deswegen fällt es ihr auch nicht schwer, ein neues Leben ohne sie zu beginnen. Ich mochte ihre natürliche und authentische Art sehr. Cian ist eher ein Eigenbrötler, der nach außen hin immer etwas mürrisch wirkt, aber ein großes Herz hat und den Armen helfen will wo es nur geht. Doch irgendetwas aus der Vergangenheit belastet seine Seele und steht zwischen ihm und Ida. Er braucht lange um sich ihr gegenüber endlich zu öffnen und sich alles von der Seele zu reden. Von diesem Moment an sind die beiden eine unzertrennliche Einheit. Alle anderen Charakter sind ziemlich real und man konnte sich sofort ein Bild von ihnen machen, Sie runden das Ganze perfekt ab und geben dem Ganzen den letzten Schliff.

    Mein Fazit

    Eine Story, die zu Beginn nur schleppend voran kommt, die die dunkle Atmosphäre der damaligen Zeit gut rüber bringt, sehr gut recherchiert wurde, aber mich nicht zu hundert Prozent überzeugen konnte. Die Charaktere waren dennoch sehr authentisch und gut getroffen. Bis zu Hälfte des Buches war ich mir noch nicht so sicher, ob ich dem Buch mehr wie drei Sterne geben kann. Die letzten 230 Seiten haben mir dann doch noch recht gut gefallen und somit bekommt es gute 3,5 von 5 Sternen von mir.