Der Duft des Zorns

Rezensionen zu "Der Duft des Zorns"

  1. Homo homini lupus...

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 17. Apr 2015 

    Es geht um die Bürger der Kleinstadt Walkers Hill, in der unvermittelt das Chaos ausbricht. Es scheint, als sei jeder verrückt geworden - jeder kämpft plötzlich gegen jeden, Gewalt beherrscht die Gemüter, zahllose Opfer und Verwundete sind zu beklagen. Polizisten fallen dem Wahn ebenso zum Opfer wie alle anderen, keiner scheint dem Einhalt gebieten zu können.
    FBI-Agent Roger Thom begibt sich dennoch nach Walkers Hill, den Auftrag im Gepäck, herauszufinden, was diese Mordorgie ausgelöst hat. Ein alter Fluch, ein vergangenes Unrecht, geheimnisvolle Männer in Uniform und in Schutzantzügen - was spielt hier wirklich eine Rolle? Wird es gelingen, das Gemetzel zu beenden?

    'Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf' - so lautet ein bekannter Spruch. Dieses Buch beweist, dass diese spätestens seit Titus Maccius Plautus (ca. 254–184 v. Chr.) verbreitete Erkenntnis auch heute seine Gültigkeit nicht verloren hat. Nur dass die Wissenschaft dem Menschen ermöglicht, diese Haltung noch perfider in die Tat umzusetzen.

    'Was wäre wenn?', fragt der Autor in seinem Vorwort und stellt sich dem Gedankenspiel, welche Möglichkeiten es heutzutage gibt, in geheimen Labors manipulative Substanzen herzustellen, die das Wesen eines Menschen verändern könnten - und welche Skrupel es wohl geben mag, diese auch tatsächlich einzusetzen. Gibt es hier noch Fragen der Moral und der Ethik?

    Mich hat diese Idee zu einer Geschichte wirklich neugierig gemacht. Doch ohne lange drum herum zu reden, muss ich leider sagen, dass die Umsetzung dieser Idee für mich eher enttäuschend war. Kurze Kapitel von zwei oder drei Seiten mit ständigem Wechsel von Personen und Orten bieten tatsächlich in erster Linie eine Orgie an Gewalt. SPLATTER und Ekelszenen beherrschen die Szenen, wobei sich erst gegen Ende des Buches einige Hauptcharaktere herauskristallisieren. Über lange Phasen las ich beinahe achselzuckend von ständig neuen Opfern, bildhaften Beschreibungen von Wunden und diversen Mageninhalten.
    Die Figuren, sofern sie länger als ein Kapitel überleben, bleiben eindimensional und häufig klischeehaft. Es gibt kaum Gelegenheit, eine Figur länger zu verfolgen oder sie gar sympathisch zu finden. Ein leichter mystischer Touch begleitet die Geschichte, bleibt letztlich aber mystisch ohne bei mir wirkliche Fragezeichen zu hinterlassen. Und ein Serienkiller kommt dann auch noch ins Spiel, spielt aber keine wirklich bedeutende Rolle. Für mich nicht deutlich, wozu dieses 'noch-mehr-an-Gewalt' wohl dienen soll? Der Vergleich, welches Verbrechen wohl schwerer wiegt?

    Viel zu viele Charaktere, zu viele Themen, die oft nur angeschnitten werden und dann verpuffen, eine splatterhafte Abfolge von wirren Szenen - leider hätte ich mir die Umsetzung anders gewünscht. Die Idee hätte wirklich Potential gehabt.
    Dazu ein Lektorat, das gelinde gesagt nicht besonders eifrig gewesen sein kann. 'Verwundert betrachtete er, dass aus seinem Blickwinkel schiefe Bild der Wirklichkeit, ehe alles schwarz um ihn herum wurde.' (S. 253), mag hier als Beispiel dafür reichen. Mich stört eine Anhäufung solcher Fehler tatsächlich im Lesefluss. Dieser war durch oft eher kurze Sätze ansonsten meist durchaus gegeben.

    Gerade weil der Autor die Leserunde begleitet hat, tut es mir leid, dass ich zu keinem besseren Fazit komme. Doch hoffe ich auf das Verständnis, dass jeder mit anderen Erwartungen an eine Lektüre geht - und diese konnte mich aus den genannten Gründen eben leider nicht überzeugen.

    © Parden