Der Club

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Club' von Takis Würger
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5 von 5 (2 Bewertungen)

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Als ihm seine einzige Verwandte ein Stipendium für die Universität in Cambridge vermittelt und er als Gegenleistung dort ein Verbrechen aufklären soll, weiß er noch nicht, worauf er sich einlässt. Er schafft es, Mitglied im elitären Pitt Club zu werden, und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Schon bald muss er feststellen: Vor der Kulisse alter Chesterfield-Sessel, kristallener Kronleuchter, Intarsienmöbel und Tiertrophäen ereignen sich Dinge, über die keiner spricht. Und auch Charlotte scheint etwas zu verbergen. Hinter den schweren Türen des legendären Pitt Clubs wird Hans vor die Wahl gestellt, ob er das Falsche tun soll, um das Richtige zu erreichen.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag: Kein & Aber
EAN:9783036957531

Rezensionen zu "Der Club"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Nov 2018 

    Die Schmetterlinge sind los

    Takis Würger ist im Hauptberuf Redakteur beim Spiegel, also durchaus gewohnt sich auszudrücken und zu schreiben. Mit „Der Club“ hat er sich aber erstmals als Schriftsteller betätigt und auf die riesengroße Schatzkiste der Möglichkeiten beim fiktiven Erzählen zurückgreifen können. So äußerte er sich zur Motivation zu dem Roman einmal in einem Fernsehinterview mit Dennis Scheck.
    In diese Schatzkiste hat er tief hineingegriffen und für uns eine Geschichte herausgeholt, die die Eliten an der britischer Universität Cambridge demaskieren und auf Traditionen gestütztes unverzeihliches Handeln aufdeckt. Kann sich der Autor, der selbst eine Zeit seines Lebens an dieser Universität verbrachte, nun noch dort blicken lassen? So eine spannende Frage von Dennis Scheck. Da der Roman ja noch nicht übersetzt sei, sehe er erstmal kein Problem darin, so der Autor etwas naiv hoffnungsvoll.
    Doch worum geht es konkret?:
    Hans, ein sozial wenig aufgeschlossenes Waisenkind aus dem deutschen Norden, bekommt über eine entfernte und ihm wenig bekannte Tante die Möglichkeit, an der Universität von Cambridge ein Studium aufzunehmen. Die Tante verbindet dies mit der Aufgabe, dass er parallel zum Studium dort auch ein Verbrechen aufzuklären hätte. Um was es sich dabei handelt, bleibt nicht nur Hans, sondern auch dem Leser zunächst für eine lange Zeit unklar. Über diese Zeit hinweg lebt sich Hans in den Kreisen an der Universität ein und erhält – über die Vermittlung der Tante – auch Zugang zum einflussreichsten Club an der Universität – dem Pitt-Club. Seinen mangelnden familiären einflussreichen Hintergrund – eigentlich Zugangsvoraussetzung in diese Kreise – macht er wett durch herausragende Boxleistungen, die hier besonders geschätzt werden. So bringt er es sogar in einen innerhalb des Pitt-Clubs noch existierenden Topclub, der in der Abgeschlossenheit des Pitt-Clubs noch einmal ein weit verborgeneres Schattendasein als der Club selber führt. Absolut geheim und im Verborgenen existiert dieses Männer-Netzwerk, das ein ganz perfides Aufnahmeritual zelebriert. Und hier nun kommt das oben schon angesprochene, von Hans aufzuklärende Verbrechen ins Spiel. Ein Verbrechen im Übrigen, dem - so erschließt es sich schrittweise dem Leser - sowohl die Tante als auch die in der Universität gefundene Freundin, Charlotte, schon zum Opfer gefallen sind. Hans Aufenthalt in Cambridge entspringt demnach dem Wunsch nach Rache seiner Tante. Hans, dem Außenseiter ohne familiäre Bindungen, gelingt es, diese Rituale aufzudecken. Und er kann/muss so der Freundin Charlotte die Augen dafür öffnen, wer und was hinter diesem Ritual steckt. Aber hier weiter zu erzählen, wäre übles Spoilern.
    Die Geschichte wird von Takis Würger sehr sensibel und mit einer eindringlich packenden Sprache erzählt.
    „Was für eine schwarze Geschichte, und wie zart und liebevoll erzählt.“
    Diesen Satz vom Klappentext, der von Elke Heidenreich stammt, möchte ich hier nicht unterschlagen, denn er bringt für mich den besonderen Reiz des Buches sehr gut auf den Punkt: das Zusammentreffen von grauenhaften Ereignissen mit einer Sprache, die verzaubert und anrührt. Das zusammen macht das Buch absolut lesenswert und das gerade in unserer Zeit. Denn mit einem Augenzwinkern hat Takis Würger auf ein Beispiel hingewiesen, das zeigt, welchen Einfluss auch heute noch diese elitären Männernetzwerke ausüben können. Denn kann es wirklich nur Zufall sein, dass die beiden „Macher des Brexit“, David Cameron und Boris Johnson, zur gleichen Zeit demselben Universitätsclub in Oxford, der anderen Elitehochburg in Großbritannien, angehörten?
    Von mir bekommt „Der Club“ 5/5 Sterne.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Apr 2017 

    Etwas Kleines und Feines

    Aufmerksam wurde ich auf diesen Roman durch Claus Kleber im Heute-Journal, der seinerzeit den Roman von B.Wells "Das Ende der Einsamkeit" empfohlen hatte, als er noch nicht auf den Bestsellerlisten stand - eines meiner ABSOLUTEN Lieblingsbücher.

    Also: Gehört-Gekauft!
    Und keine Minute bereut!
    Für mich ist "Der Club" ein besonderes Buch, das allerdings schon gewisse Ähnlichkeiten sowohl im Schreibstil als auch beim Protagonisten mit dem von B. Wells hat.

    Zum Inhalt:
    Hans verliert seine Eltern tragisch und früh (hier die Parallele), er wächst im Internat auf und bekommt schließlich ein Stipendium an der Universität in Cambridge. Dort wird er in eine Art elitäre Studentenverbindung eingeschleust, in der nicht das Fechten, sondern das Boxen gefordert ist. Im Auftrag seiner Tante soll er ein Verbrechen aufklären...
    Das Verbrechen schwehlt mehr oder weniger im Hintergrund. Interessant sind die vielen menschlichen Beziehungen und Verflechtungen der handelnden Personen.

    Das Buch ist fantastisch und fesselnd geschrieben in einer ruhigen, eindringlichen Sprache. Erzählt wird aus der Sicht verschiedener Personen, was ich an sich nicht so sehr schätze, was mich bei diesem Roman aber überhaupt nicht gestört hat. Schon ab der ersten Seiten hat Hans die vollen Sympathien des Lesers....

    Das Buch ist wunderschön in Leinen gebunden und hat schlappe 238 Seiten. Die lohnen sich aber!

    Meine absolute Empfehlung!