Der Circle: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Circle: Roman' von Dave Eggers
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

»Das ›1984‹ fürs Internetzeitalter« Zeit online
Das Kultbuch jetzt auf Deutsch
Leben in der schönen neuen Welt des total transparenten Internets: Mit »Der Circle« hat Dave Eggers einen hellsichtigen, hochspannenden Roman über die Abgründe des gegenwärtigen Vernetzungswahns geschrieben. Ein beklemmender Pageturner, der weltweit Aufsehen erregt.
Huxleys »Schöne neue Welt« reloaded: Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mit-arbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles …
Mit seinem neuen Roman »Der Circle« hat Dave Eggers ein packendes Buch über eine bestürzend nahe Zukunft geschrieben, einen Thriller, der uns ganz neu über die Bedeutung von Privatsphäre, Demokratie und Öffentlichkeit nachdenken und den Wunsch aufkommen lässt, die Welt und das Netz mögen uns bitte manchmal vergessen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:560
EAN:9783462046755

Rezensionen zu "Der Circle: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Mär 2015 

    "Geheimnisse sind wie Krebs"

    Dieses Buch hat im letzten Jahr große Beachtung gefunden. Die Buchkritiken waren allerdings unterschiedlich. Von "grottenschlecht" bis hin zu "ein absolutes Muss" war alles dabei.
    Da ich beruflich einen Bezug zur IT-Branche habe, konnte ich allerdings nicht an diesem Buch vorbei und wollte mir ein eigenes Bild schaffen.

    Und nachdem ich das Buch gelesen habe, tue ich mich schwer, eine vernünftige Rezension zu verfassen. Mir schießen soviel Gedanken zu diesem Buch durch den Kopf. Wenn ich diese jetzt alle niederschriebe, würde das den Rahmen sprengen. Ich habe daher versucht, mich auf die wesentlichen Gedanken zu beschränken - auch, wenn das Ergebnis dann keine Rezension im bekannten Sinne ist.

    Das Szenario, das sich im Verlauf der Geschichte entwickelt, ist einfach nur gruselig: ein IT-Unternehmen, das sich zur Hauptaufgabe macht, Informationen zu sammeln und Transparenz zu schaffen und dadurch die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Keine Geheimnisse. Jeder soll alles von sich preis geben und mit der Circle-Community teilen. Und alles bedeutet wirklich alles. Da wird auch nicht vor Krankenakten halt gemacht. Daten sind für alle zugänglich. Jederzeit! Zur vollständigen Transparenz gehört natürlich auch, dass die Community visuell am Leben des anderen teilnimmt. Überall gibt es Videokameras, die 24 Stunden am Tag senden und auf die jeder Zugriff hat. Die Community lässt sich bereitwillig darauf ein. Transparenz erscheint als etwas Erstrebenswertes. Denn schließlich geht es um eine bessere Welt! Sogar Politiker reißen sich darum, 24 Stunden am Tag eine Kamera um den Hals zu tragen und ihr Handeln von allen Wählern überwachen zu lassen. Denn, wer bereit ist, sein Leben zu teilen, der hat auch nichts zu verbergen.

    "Geheimnisse sind wie Krebs."

    "In einer Welt, in der schlechte Entscheidungen keine Option mehr sind, haben wir keine andere Wahl, als gut zu sein."

    In dem Buch stößt man immer wieder auf innovative Projekte des Circle, die einem irgendwie bekannt vorkommen. Gesundheitskarte, Webcams an öffentlichen Plätzen, Registrierung von Sexualstraftätern... um nur einige zu nennen. Das macht bewusst, dass wir in der Realität gar nicht mehr weit von dem Circle-Horrorszenario entfernt sind. Dem Circle gelingt es, allen Projekten etwas Positives abzugewinnen. Bedenken finden kein Gehör. Notfalls werden Bedenkenträger auch mit unlauteren Mitteln zum Schweigen gebracht. Da sind die Möglichkeiten in der IT ja unerschöpflich.

    Die Personen in dem Buch erscheinen - mit wenigen Ausnahmen - seltsam profillos. Man hat Schwierigkeiten, die Personen voneinander zu unterscheiden. Sie ähneln sich irgendwie, zeigen die gleichen Verhaltensmuster, haben keine "Ecken und Kanten" und sind gegeneinander austauschbar. Ich vermute, dass dies von David Eggers gewollt ist, um zu verdeutlichen, dass in einem Szenario, das den Zustand des "Gläsernen Menschen" anstrebt, die Persönlichkeit des Einzelnen auf der Strecke bleibt. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass gerade denjenigen Personen, die aus der Masse herausragen, einen größeren Anteil an der Handlung gehabt hätten. Das ist leider nicht passiert. Daher gibt es von mir einen Punktabzug. Nichtsdestotrotz kommt das Buch auf meine Empfehlungsliste.

    Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt. So konnte ich bei mir beobachten, dass mein Umgang mit Internet und Social Media kritischer geworden ist. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Informationen, die ich über mich Preis gebe - da war ich vorher schon zurückhaltend - sondern auch um Informationen, die ich von anderen erhalte. Wen interessiert schon, wieviel Sandkörner es in der Sahara gibt? (Eines der Projekte des Circle) Es gibt mittlerweile viel zu viele Informationen über Dinge, die eigentlich keinen interessieren. So sind der Lektüre dieses Buches doch einige meiner Facebook-Freunde zum Opfer gefallen und von mir "entfreundet" worden. Aber, wen interessiert`s?

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Mär 2015 

    Mit besten Absichten in die Hölle

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. MIt diesem Sprichwort lässt sich im Grunde Dave Eggers Roman The Circle zusammenfassen.

    Mae Holland ist 24. Sie kommt aus kleinen Verhältnissen. Arbeitet bei den Strom- und Gaswerken, will aber mehr. Ihre Freundin Annie ist in führender Position in der angesagtesten Firma im Silicon Valley, dem Circle. Mit Annies Fürsprache schafft Mae ebenfalls den Sprung dorthin.

    Der Circle, ja, was ist das eigentlich? Eine Firma? Irgendwie Ja und irgendwie Nein. Der Circle ist eine Firma, wie man sie bis dato noch nicht gesehen hat. Eine Firma, die sich nicht auf eine einzelne Kernkompetenz beschränkt, sondern die Welt verbessern will, und zwar alle Aspekte dieser Welt. Es gibt nichts, was sich der Circle nicht zutraut. Und weil er durch florierende Geschäfte bereits über schier unbegrenzte Mittel verfügt sammelt er mit immer höherer Taktung die klügsten und kreativsten Köpfe ein.

    Der Circle will die Gesundheitsvorsorge revolutionieren, indem in Echtzeit Körperfunktionen gescannt und ausgewertet werden. Er will Kinder durch ortbare Implantate vor Entführungen schützen. Und durch eine Minikamera, mit der sich jeder Ort der Welt rund um die Uhr überwachen lässt, für Tansparenz sorgen und der Demokratie zum Durchbruch verhelfen.

    Das alles hat seinen Preis. Und dieser Preis ist die Privat- und Intimsphäre des Einzelnen. Und so heisst es dann auch folgerichtig in einem Slogan des Circle: „Privatheit ist ein Verbrechen“. Denn nichts könnte den Aktivitäten des Circle gefährlicher werden als Menschen mit einem gut funktionierenden gesunden Menschenverstand, die vielleicht die genialen Errungenschaften der Firma ablehnen würden. Zu denen gehört Mae Holland nicht. Werte abwägen kann sie nicht. Deshalb steigt sie in der Hierarchie schnell auf und wird zum Maskottchen des Circle. Das ständige Arbeiten unter höchstem Druck, das Eigespanntsein in der Freizeit, das völlige Fehlen von Selbstkritik, das verschafft dieser Firma das Flair einer Sekte oder auch eines totalitären Regimes. Wer die Dinge anders sieht, der irrt sich eben und muss bekehrt werden. Gegen die Mitarbeiter des Circle war jedes Zentralkommittee einer beliebigen kommunistischen Diktatur eine sich in Selbstkritik zerfleischende Gruppe.

    Mae Holland macht weiter und hält dem Circle die Stange, auch als erste Opfer zu beklagen gibt. Sie bedauert die Opfer ehrlich. Aber die Schlussfolgerung, dass die Opfer eben Opfer des Circle sind, den zieht sie nicht. Sie kann es nicht. Es ist diese Mischung aus Begeisterung über die eigenen Chancen, fehlender Selbstkritik und beinahe krimineller Naivität, die aus der gut meinenden Mae Holland eine Jahrhundert-Verbrecherin machen, weil sie massgeblich mit hilft eine Diktatur zu erschaffen, aus der es kein Entkommen mehr geben wird. Mit dem Typus Mae Holland, der freudestrahlend und ohne einen eigenen Gedanken der Verheissung hinterher marschiert, sind Diktaturen erst möglich. Vermutlich haben mit diesem Typus auch das Dritte Reich funktioniert und die kommunistischen Diktaturen im Osten.

    Eggers macht sich nicht viel Mühe zu kaschieren, wen er mit Circle meint: Google. Viellleicht spielt er mit Circle auch auf die neun Kreise der Hölle aus Dantes Inferno an. Die Charaktere sind nicht besonders stark, das Ende ist vorhersehbar. Deshalb 4 Sterne für eine Geschichte über eines der wichtigsten Themen der nächsten Jahre.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 25. Dez 2014 

    Don't Share

    Mae Holland ist überglücklich als sie bei dem Internet-Portal „The Circle“ arbeiten darf. Ihre Studienfreundin Annie, die bereits ein hohes Tier in der Firma ist, hat ihr den Job verschafft. Staunend geht Mae durch die Hallen, Räume und Büros. Die Firma bietet soviel. Freizeitaktivitäten, Konzerte, Lesungen, Ansprachen, fast könnte man das Arbeiten vergessen. Sogar Schlafräume gibt es, falls man mal vor dem Computer kleben geblieben ist, braucht man nicht einmal mehr zum Schlafen heimzukehren. Und die Bezahlung ist auch klasse. Was könnte Mae sich mehr wünschen. Und so kommt es ihr auch nur zu Beginn eigenartig vor, als ihre Chefs gleich nachfragen, wieso sie denn bei verschiedenen Veranstaltungen nicht aufgetaucht ist, als sie nur mal wegen eines Notfalls zu den Eltern gefahren ist. Sie ist etwas ganz besonderes für die Firma, sie soll einfach alles mit der Firma teilen.

    An wen soll uns die Beschreibung dieser Firma erinnern? Amazon, Google und Facebook lassen grüßen, um nur die offensichtlichen Kandidaten zu nennen. Schüttelt es einen schon bei der Vorstellung, was für persönliche Daten diese den Kunden abverlangen, so treibt es diese Firma doch tatsächlich auf die Spitze. Der eigentlich nicht so schlechte Gedanke, vieles um nicht zu sagen alles über ein Account zu regeln, wird hier doch sehr für die Zwecke der Firma pervertiert. Die Kunden sollen nicht nur ihre Bankkonten, Adressdaten, Einkaufs- und Bewegungsprofile offenbaren und teilen, nein - sie sollen ganz und gar transparent sein. Wer nichts zu verbergen hat, kann alles teilen. Ein idealer Weg Verbrechen zu verhindern, denn wenn jeder in Echtzeit beobachtet werden kann, wird er sich genau überlegen, was er tut. Und wenn alles aufgezeichnet werd, kann auch jedes Fehlverhalten geahndet werden. Nach und nach wird Mae infiltriert, was ihr zunächst noch unheimlich erscheint, kommt ihr später gerade richtig vor und so wird sie zur transparenten Galionsfigur der Firma. Noch nicht einmal die vagen Zweifel, die ihr selber kommen, können sie zur Umkehr bewegen.

    Schauderhaft, denkt man beim Lesen, so etwas darf doch nicht sein. Ein totalitäres System, dass die Menschen sich selbst aufoktroyieren, schöne neue Welt. Undifferenzierte Ja/Nein-Entscheidungen, die unerträgliche Kollateralschäden in Kauf nehmen, Menschenjagden unter dem Zeichen des Smileys. Nur mit Wiederwillen kann man dem Verlauf der Geschichte folgen, „Wach auf!“ möchte man rufen, „Hast du denn im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst?“ Es hilft nicht, die Firma und damit das System gewinnt. Ein Roman, der aufwühlt, der einem klarmacht, wobei überall man nicht die Hilfe des I-Nets braucht und diese auch nicht will, dass man auch überhaupt nicht alle Accounts verbinden möchte und sich genau überlegt, welche Wahrheiten man preisgibt oder ob überhaupt welche. Dennoch wird sie dich extensive Datensammelei nicht verhindern lassen und auch nicht die Nutzung der Daten. Als User kann man eigentlich nur versuchen, so intransparent wie möglich zu sein. Ein schrecklich fürchterlich und leider doch gutes Buch.

    Diese Rezi entspricht natürlich zu 99% der Wahrheit und kann geteilt werden.

    4,5 Sterne