Der Blumensammler: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Blumensammler: Roman' von David Whitehouse
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Gebundenes Buch
New York, 1983. Als Peter Manyweathers in einer Bibliothek einen alten Brief entdeckt, weiß er noch nicht, dass er gerade das größte Abenteuer seines Lebens in den Händen hält. Sechs seltene Blumen sind in dem geheimnisvollen Brief notiert. Sechs Blumen, die so unvergleichlich sind, dass Peter Manyweathers für sie um die ganze Welt reisen wird.

Peter Manyweathers hat weder ausgefallene Hobbys noch abenteuerliche Phantasien. Doch dann fällt ihm zwischen den Seiten einer Enzyklopädie ein alter Brief mit den seltensten Blumen der Erde in die Hände, und mit einem Mal erwacht sein Entdeckergeist. Stück für Stück taucht er ab in die sonderbare Welt der Blumen, und als sich die Nachricht verbreitet, dass die geheimnisvolle Udumbara in voller Blüte in China entdeckt wurde, begibt er sich auf eine Reise, die ihn rund um den Kontinent führen wird. Drei Jahrzehnte später wandelt Dove Gale fasziniert auf den Spuren des Blumensammlers. Es sind Erinnerungsfetzen, die dem jungen Mann aus dem Leben von Peter Manyweathers erzählen. Doch weshalb besitzt Dove die Erinnerungen eines anderen und was verbindet die beiden Männer? David Whitehouse ist ein spektakulärer Roman über Liebe und Verlust sowie die ungezähmte Macht der Erinnerung gelungen.

"Außergewöhnlich klug, um nicht zu sagen, genial. Keine Frage, David
Whitehouse ist ein Schriftsteller, den man im Blick haben muss."
New York Times

"Kraftvoll und exzentrisch: Whitehouses Schreibstil steckt voller Energie und Temperament, gespickt mit überraschenden, zärtlichen Momenten."
The Times

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:346
Verlag: Tropen
EAN:9783608503739

Rezensionen zu "Der Blumensammler: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Feb 2019 

    DIE LANGE VERGESSENEN

    “Es steht für überraschende, urbane und innovative Literatur sowie gesellschaftliche, politische oder pop-kulturelle Themen.”
    (Der Verlag Klett-Cotta über das Imprint ‘Tropen’)

    Bisher hat mich der Tropen-Verlag noch nie enttäuscht.
    Seine Bücher sind nicht nur optisch immer sehr ansprechend – mit Titelbildern, die dezent und dennoch ausdrucksstark daherkommen –, sondern haben auch inhaltlich viel zu bieten.

    An ihnen ist stets etwas wahrhaft Einmaliges und Besonderes, und das auf unterschiedlichste Art und Weise: mal ist es der Schreibstil, mal die gesellschaftspolitisch hochaktuelle Thematik, dann wiederum die prägnanten Charaktere… Die Bücher sind in den unterschiedlichsten Genres angesiedelt – und setzen sich dabei durchaus manchmal über Genregrenzen hinweg.

    Auch “Der Blumensammler”konnte sich mühelos in die Reihe meiner Lieblingsbücher einreihen.

    Die Geschichte ist wunderbar originell und erstreckt sich über mehrere Zeitebenen, die mit üppigen Details farbenfroh heraufbeschworen werden.

    Einmal folgen wir dem unscheinbaren Reinigungsfachmann Peter Manyweathers, der sich eingerichtet hat in seinem von Ordnung bestimmten Leben – und dem durch Zufall ein Liebesbrief in die Hand fällt, der alles verändert. Denn dieser Brief ist nicht nur herzzerreißend romantisch, sondern enthält auch Beschreibungen von Blumen, die so außergewöhnlich sind, dass sie einem Märchen entsprungen sein könnten.

    Diese Blumen lassen Peter nicht mehr los, bis er schließlich sogar loszieht auf abenteuerliche – und gefährliche – Expeditionsreisen.

    Zum ersten Mal in seinem Leben ist besagtes Leben wirklich lebendig. Aber zum ersten Mal in seinem Leben ist besagtes Leben auch in Gefahr.

    Die zweite Handlungsebene spielt etwa dreißig Jahre später, und hier folgt die Geschichte dem jungen Dove Gale, der als Findelkind einen schlechten Start ins Leben hatte und sich auch als Erwachsener immer noch mehr schlecht als recht über Wasser hält. Dove arbeitet in einem Notruf-Callcenter, aber in letzter Zeit ereilen ihn immer wieder heimtückische Migräneattacken.

    Während dieser Attacken suchen ihn Erinnerungen an ein Leben heim, das nicht seines ist. Und aus diesen Erinnerungen erwächst ein umfangreiches Wissen – über Blumen.

    Überhaupt sind die Blumen das Leitmotiv des Buches, und man erfährt auch viel über sie.

    Ich habe nach wenigen Kapiteln misstrauisch gegoogelt, ob es diese Arten wirklich gibt, weil sie dermaßen fantastisch klingen – aber ja, es gibt tatsächlich Blumen, die 2.000 Jahre alt werden können, oder Blumen, die Schafe fressen.

    Aber zurück zur Handlung.

    Der Dritte im Bunde, allerdings mit dem kleinsten Anteil an der Geschichte, ist Professor Jeremiah Cole. Das Buch beginnt hochdramatisch damit, dass ein Wal ihm das Leben rettet – indem er stirbt. Und im Bauch das unglückseligen Wals findet sich der Flugschreiber eines verschollenen Flugzeugs.

    Wie diese drei Handlungsstränge zusammenlaufen, das fand ich sehr gut konstruiert.

    Man kann einiges zwar schnell erahnen, aber erst ganz am Schluss fällt das letzte Puzzleteilchen wirklich an seinen Platz. Ich fand das sehr spannend, und die Spannung wird in Peters Handlungsstrang auch noch durch einen hinterlistigen Widersacher gesteigert, der sich zunehmend als egozentrisch, selbstsüchtig und gefährlich herausstellt.

    Interessant fand ich auch, dass der Autor hier und dort Sätze einbaut, die man als Kritik an unserer schnelllebigen Zeit und besonders unserem Medienverhalten verstehen könnte.

    “Sie bleibt stehen, um das Bild ins Internet zu stellen, wo es bis in alle Ewigkeit weiterexistieren wird – eine unauslöschliche Erinnerung an nichts Besonderes.”

    (Zitat)
    Die Charaktere, gute und böse, konnten mich gleichermaßen überzeugen.

    Besonders Peter Manyweather hat mich bezaubert – wie dieser bescheidene, etwas ängstliche Mann über sich hinauswächst und ein unglaubliches Abenteuer erlebt, ist in meinen Augen eine grandiose Geschichte.

    “Der Blumensammler” erzählt eine bewegende Geschichte, die zwar fantastische Elemente hat, sich aber dennoch vor allem mit grundlegenden menschlichen Emotionen befasst. Auch die Liebesgeschichte konnte mich berühren, und das ohne triefenden Kitsch.

    Der allergrößte Pluspunkt an diesem Roman ist für mich allerdings der Schreibstil.

    “Doch dort, eingebettet inmitten der Blätter, entdeckte er eine kleine, hin und her schwankende, wundervoll detaillierte zweilappige Blüte. Aus der Ferne wirkte sie weiß, doch bei näherem Hinsehen war sie eine ätherische Explosion aus Farben, die gleich einer Meereswoge über die Blütenblätter brandeten, in allen nur erdenklichen Rosé- und Violett-Tönen. Zart und elegant. Und es war ihr gelungen, hier zu überleben, wie ein einsamer Leuchtturm, von Wind und Wellen gebeutelt. Eine leuchtende Kerze inmitten eines Gewitters.“
    (Zitat)

    Ich habe unzählige Stellen angestrichen, die mir aufgrund der verwendeten Bilder und Metaphern denkwürdig erschienen.

    FAZIT

    Der Roman folgt in drei Handlungssträngen den Leben verschiedener Charaktere in verschiedenen Zeiten. Wie ein roter Faden ziehen sich Blumen als verbindendes Element durch diese Geschichte, deren Genre ich am ehesten als Gegenwartsliteratur mit mystischen Elementen und einem Hauch Drama bezeichnen würde.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Rezension zu "Der Blumensammler" von David Whitehouse

    Von diesem Buch hatte ich mir eine interessante Geschichte erwartet und verbleibe nach der Lektüre etwas enttäuscht. Es war doch etwas vorhersehbar und etwas seicht. Nun ja, so etwas kommt vor. Aufgebaut ist der Roman in drei Erzählsträngen, die am Ende ineinander übergehen. Was an sich ja schon mal ein gutes Stilmittel ist. Und es spielt in verschiedenen Zeitebenen, was auch schon mal eine gute Wahl des Autors darstellt. Es geht um Erinnerungen, und es sind Erinnerungen, die ein Mensch von einem anderen hat. Was ein sehr interessant klingendes Thema sein könnte. Was aber hier etwas seicht daherkommt. Und es geht darum das man für etwas Brennen kann. In diesem Fall die Biologie, oder genauer gesagt seltene Blumen. Und das führt einen der Protagonisten um die Welt. Und das fand ich interessant und lehrreich gemacht. Und eines muss auch noch erwähnt werden, dieses Buch hat einen sehr großen Sog, ich habe es an zwei Tagen gelesen. Auch die Sprache ist eine angenehme und hat einige tolle Passagen. Aber letztendlich ist der Roman für mich ein Unterhaltungsroman, wäre vieles in der Handlung nicht so vorhersehbar gewesen, wäre es ein Vier Punkte Buch geworden.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Nov 2018 

    Die Macht der Erinnerung

    Drei Männer, drei Leben durch Schicksalsfäden verwoben. Mit Peter Manyweathers fängt 1983 in New York alles an. Der Eigenbrötler Peter reinigt beruflich Wohnungen nach Todesfällen. Gelegentlich besucht er die Bibliothek zum Ausgleich, wo er in einem Botanikbuch den Liebesbrief eines Unbekannten entdeckt, der sich auf die Suche nach den sechs seltensten Blumen der Welt machen will. Peter wird von dieser Idee nahezu besessen.
    30 Jahre später wird in London Dove Gale von unheimlichen Erinnerungen geplagt. Als Findelkind von einem alten Ehepaar aufgezogen, Studienabbrecher und trostloser Fall treibt es ihn auf die Spuren des Blumensammlers. Dann ist dann noch Professor Cole, Wissenschaftler und Forscher, mit dem sich der Kreis schließt.

    „Glaubst du, wir haben eine Wahl, woran wir uns erinnern und was wir vergessen?“, fragt Peters große Liebe. David Whitehouse erzählt uns ein surreales Märchen und führt uns in seinem Roman auf eine Reise voller fantastischer und magischer Momente. Der Blumensammler ist eine Geschichte vom Suchen nach Liebe, Verbundenheit und der eigenen Herkunft. Wer man ist, ist man durch seine Vergangenheit. Doch wer kann man sein, wenn man keine Erinnerung an die eigene Vergangenheit hat.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 18. Nov 2018 

    Lebensgeheimnisse...

    New York, 1983. Als Peter Manyweathers in einer Bibliothek einen alten Brief entdeckt, weiß er noch nicht, dass er gerade das größte Abenteuer seines Lebens in den Händen hält. Sechs seltene Blumen sind in dem geheimnisvollen Brief notiert. Sechs Blumen, die so unvergleichlich sind, dass Peter Manyweathers für sie um die ganze Welt reisen wird.

    Peter Manyweathers hat weder ausgefallene Hobbys noch abenteuerliche Phantasien. Doch dann fällt ihm zwischen den Seiten einer Enzyklopädie ein alter Brief mit den seltensten Blumen der Erde in die Hände, und mit einem Mal erwacht sein Entdeckergeist. Stück für Stück taucht er ab in die sonderbare Welt der Blumen, und als sich die Nachricht verbreitet, dass die geheimnisvolle Udumbara in voller Blüte in China entdeckt wurde, begibt er sich auf eine Reise, die ihn rund um den Kontinent führen wird. Drei Jahrzehnte später wandelt Dove Gale fasziniert auf den Spuren des Blumensammlers. Es sind Erinnerungsfetzen, die dem jungen Mann aus dem Leben von Peter Manyweathers erzählen. Doch weshalb besitzt Dove die Erinnerungen eines anderen und was verbindet die beiden Männer?

    Was haben ein Professor für Ozeanografie, der Besitzer einer Ein-Mann-Putzfirma und ein junger Mann mit einer Tätigkeit in einer Annahmezentrale für Notrufe miteinander zu tun? Nichts. Richtig. So will es zumindest scheinen, und entsprechend verwirrt irrt der Leser durch die ersten Seiten dieses Romans, auf denen genau diese drei Personen eingeführt werden.

    Professor Cole, der durch einen Stromausfall in seinem kleinen U-Boot mitten im Ozean zu ersticken droht, Peter Manyweathers, der seinen Hang zur Reinlichkeit zum Beruf gemacht hat und Dove Gale, der sein Journalismus-Studium an den Nagel gehängt hat und seither Notrufe für Rettungsdienste annimmt. Dabei begegnen wir Peter Manyweathers gar nicht direkt, sondern in den merkwürdigen Erinnerungen Doves, die gar nicht die seinen sind, sondern sich ihm mit unerträglichen Kopfschmerzen aufdrängen. Es sind die Erinnerungen eben jenes Peters von vor dreißig Jahren, als der zufällig in das größte Abenteuer seines Lebens schlitterte. Er folgte der Spur der Blumen - und der Liebe.

    Hört sich schräg an? Ist es auch, und doch nimmt einen die Geschichte schnell gefangen, erwacht die Neugier, will man wissen, wie zum Teufel das hier alles zusammenhängt und worauf das ganze letztlich hinausläuft. 'Das kann nicht sein', mag sich der ein oder andere Leser im Verlauf der Erzählung denken, und ja, nicht alles erscheint wahrscheinlich. Aber unter der Prämisse, dass David Whitehouse hier ein modernes Märchen verfasst hat, kann man doch eintauchen in diese besondere Geschichte, die warmherzig, poetisch, wortgewaltig und voller Bilder daherkommt.

    "Genau in diesem Moment brach der Mond aus einem violett glühenden Wolkenwirbel hervor und ließ das Feld bis in seine hintersten Ecken in einem hellen Licht erstrahlen. Und nun sahen sie es - einen Teppich aus zarten weißen Blüten, der sich vor ihnen ausbreitete, als wäre er die ganze Zeit schon dort gewesen, wie Schnee, der über Nacht fällt, während man tief und fest schläft. Die Kadupul. Die Königin der Nacht. Die Schönheit im Licht der Sterne..." (S. 171)

    Eine große Besonderheit in diesem Roman sind die Blumen, denen Peter Manyweathers hinterherreist, seltene Blumen, die kaum einmal blühen, die versteckt und nahezu unentdeckt leben, und die nur sich selbst gehören. Blumen wie die Gibraltar-Lichtnelke, die schafsfressende Pflanze oder die Todesblume beispielsweise, schwer zu finden, aber doch von einer ganz einzigartigen Faszination für Peter, der herausfinden will, welche Metaphern aus dem gefundenen Liebesbrief sich dahinter verbergen, um so selbst womöglich hinter das Wesen der Liebe zu kommen.

    Diese Faszination Peters für die Blumen überträgt sich fast unmerklich auch auf den Leser, so dass es mich zumindest drängte, bei jeder neuen Pflanze, jedem neuen Fundort erst einmal nachzuforschen, zu googeln, um ein tatsächliches Bild vor Augen zu haben. So war es fast, als reiste ich mit, quer durch die Welt, ohne dabei die Widrigkeiten selbst in Kauf nehmen zu müssen , die Peter meistern musste. Aber auch die anderen Handlungsstränge waren spannend zu lesen, und ganz allmählich verwoben sie sich miteinander, liefen aufeinander zu und offenbarten schließlich in vollkommener Klarheit ihren Zusammenhang. Märchenhaft, sicherlich. Aber auch berührend und einfach schön.

    Für mich ein besonderer Roman, für den ich eine Empfehlung ausspreche - für alle, die sich einfach mal überraschen und bezaubern lassen möchten, die es genießen, sich durch eine Geschichte tragen zu lassen und die vielleicht auch an das Märchenhafte im Leben glauben können oder wollen.

    © Parden