Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta: Roman' von Máxim Huerta
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

L'Étoile Manquante - ein zauberhafter Blumenladen im Herzen von Saint-Germain - ist der Lieblingsort von Mercedes und Tilde, zwei Spanierinnen, die seit mehr als vierzig Jahren in Paris leben und doch sehr einsam sind. Mercedes wurde für eine Kellnerin von ihrem Mann verlassen, nachdem sie die französische Grenze überquert hatten, und Tilde hat nie den Richtigen gefunden. Noch einsamer als die beiden befreundeten Damen ist nur noch Dominique Brulé, der sympathische, leicht vergessliche Besitzer des charmanten kleinen Ladens. Da gibt es eine Sache, über die er nie gesprochen hat. Er ist vierundsiebzig Jahre alt, sein Sternzeichen ist Wassermann, Pfingstrosen sind nicht ohne Grund seine Lieblingsblumen, und an dem Tag, als er das Geschäft eröffnete, hätte er sich am liebsten dort verkrochen, um zu sterben. Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, da fegt ein Wirbelsturm durch ihrer aller Leben - in Gestalt der jungen Violeta, die auf der Flucht vor einer Liebe, die sie vergessen will, Monsieur Dominiques kleines Paradies entdeckt und sich dort als Aushilfe bewirbt ...

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:360
EAN:9783851793772

Rezensionen zu "Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 31. Mär 2019 

    L'Étoile Manquante...

    L’Étoile Manquante – ein zauberhafter Blumenladen im Herzen von Saint-Germain – ist der Lieblingsort von Mercedes und Tilde, zwei Spanierinnen, die seit mehr als vierzig Jahren in Paris leben und doch sehr einsam sind. Mercedes wurde für eine Kellnerin von ihrem Mann verlassen, nachdem sie die französische Grenze überquert hatten, und Tilde hat nie den Richtigen gefunden. Noch einsamer als die beiden befreundeten Damen ist nur noch Dominique Brulé, der sympathische, leicht vergessliche Besitzer des charmanten kleinen Ladens. Da gibt es eine Sache, über die er nie gesprochen hat. Er ist vierundsiebzig Jahre alt, sein Sternzeichen ist Wassermann, Pfingstrosen sind nicht ohne Grund seine Lieblingsblumen, und an dem Tag, als er das Geschäft eröffnete, hätte er sich am liebsten dort verkrochen, um zu sterben. Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, da fegt ein Wirbelsturm durch ihrer aller Leben – in Gestalt der jungen Violeta, die auf der Flucht vor einer Liebe, die sie vergessen will, Monsieur Dominiques kleines Paradies entdeckt und sich dort als Aushilfe bewirbt …

    Vier Schicksale verweben sich in diesem Roman des spanischen Schriftstellers Máxim Huerta. Der alte Besitzer eines zauberhaften Blumenlades in Paris findet es an der Zeit, nach einer Unterstützung zu suchen, wobei er es begrüßen würde, wenn die Aushilfe selbst einen Blumennamen trüge. Zufällig erblickt die junge Violeta diese Anzeige und ist sehr froh über diese Gelegenheit. Schließlich ist sie gerade erst aus Madrid geflohen - fort von ihrem lieblosen Elternhaus und dem Liebhaber, der sie verlassen hat.

    Durch Violetas Tätigkeit in dem Blumenladen geraten allmählich alte Gefüge ins Wanken. Dominique, der seit seiner Jugend seiner alten und einzigen Liebe nachtrauert, verändert sein Denken allmählich, und auch zwei Stammkundinnen - Tilde und Mercedes, beide jenseits der Siebzig - sind von den neuen Strömungen betroffen. Dabei hat Violeta mehr als genug mit sich selbst zu tun, denn die Probleme und Ängste wollen nicht abreißen. Und doch kommen lang gehütete Geheimnisse der betagten Charaktere ans Licht, finden Begegnungen mit der Vergangenheit statt, wie sie zuvor nicht möglich waren, und verändern sich alteingefahrene Verhaltensmuster.

    Und ich werde jetzt nicht den üblichen Satz sagen, dass die Zeit alle Wunden heilt, da das nicht immer stimmt. Nicht alle Wunden verheilen. Wir alle haben unsere Narben. Manche erinnern uns daran, dass wir etwas nicht noch einmal tun sollen, und andere bestätigen, dass wir das Richtige getan haben, dass es sich gelohnt hat, verletzt zu werden. Zu bluten. In jedem Fall traue ich Menschen nicht, die keine Narben haben... (S. 197)

    Der Blick der Erzählung richtet sich wechselweise auf die verschiedenen Charaktere, springt dabei auch häufig in den Zeitebenen, teilweis in nur kurzen Einschüben und nicht konkret bezeichnet, in aus dem Zusammenhang gerissenen, wie hingeworfenen Szenen, was es mir vor allem zu Beginn nicht leicht machte, der Geschichte zu folgen. Später legte sich die Verwirrung, da ich dann auch diese Abschnitte durch zunehmenden Informationsgewinn besser einordnen konnte.

    In der ersten Hälfte des Romans war ich neugierig auf die Figuren, wollte wissen, welche Erfahrungen sie geprägt haben, wie sie zueinander stehen, welche Geheimnisse sie hüten - und wie sie sich durch Violetas Ankunft verändern würden. Natürlich hat auch die junge Frau ihr Päckchen zu tragen, aber sie steht für die Gegenwart und Zukunft, denn für sie geht das Leben weiter. Dominique, Mercedes und Tilde dagegen sind Gestrandete des Lebens, ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit, und manche alten Wunden gehen tief.

    ... doch die Zeit verrinnt, wird vergeudet, wird aufgebraucht. Und niemand warnt einen davor. Dabei ist man doch von Kind an gewohnt, alte Leute auf der Straße zu sehen. Aber in gewisser Weise sind sie unsichtbar, oder man glaubt, dass sie schon so geboren wurden. Was nicht stimmt, denn jeder war mal ein Kind. (S. 212)

    Was mir gefallen hat an dem Roman, war der oftmals blumig-poetische Schreibstil, schöne Gedankengebilde, die ich mir als erinnernswert notiert habe, die Idee, dass am Ende des Lebens das eigene Dasein durch eine unerwartete Begegnung noch einmal eine Wendung erfährt, die einen womöglich mit alten Verletzungen versöhnt. Was mir im Verlauf der Lektüre allerdings zunehmend missfiel, war das Verharren der Melancholie, die sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht und die sich mir immer schwerer auf die Schultern legte. Dadurch konnte mich die Erzählung letztlich nicht mehr wirklich erreichen, und auch die Charaktere blieben mir ungewollt fern.

    Durch die Erinnerungen von Dominique und den beiden alten Stammkundinnen wird hier vor allem das Paris einer längst vergangenen Zeit heraufbeschworen. Alte Filme, Schauspieler, Sänger und Chansons werden an vielen Stellen erwähnt, und tatsächlich mag ich viele der Lieder gern. So ließ ich einzelne Chansons beim Lesen im Hintergrund laufen, was die geschilderte Stimmung der Erzählung verstärkte. Aber das Verharren in der Vergangenheit, das wiederholte resignative Erkennen, dass das Leben einfach vergeht, ob man das jetzt will oder nicht, hat mir dann zunehmend missfallen.

    In dem Dankeswort am Ende schimmert durch, dass der Autor wohl selbst einen schweren Verlust erlitten hat - und das ist für mich das zentrale und immerwährendes Thema hier in dem Roman, für das es letztlich keinen wirklichen Trost gibt. Jeder bedeutsame Charakter in der Erzählung hat mit seinen ureigenen Verlusten zu kämpfen, mit dem, was das Leben ihm eben nicht zu bieten hatte, mit dem Feststecken in der Vergangenheit, mit dem Bedauern verpasster Gelegenheiten. In der Summe war mir das leider einfach zu viel.

    Ich finde es sehr schade, dass mir der Roman nicht mehr zugesagt hat. Gerade weil ich vermute, dass der Autor hier viel Persönliches mit eingewebt hat, finde ich das um so bedauerlicher... Aber möge sich jeder selbst ein Bild machen.

    © Parden

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 28. Feb 2019 

    Ein Roman, der den Duft von Blumen und von Paris einfängt

    „Du musst lernen, stark zu sein und Brücken zu bauen, zu hoffen, den Herbst vorbeiziehen zu lassen und dem Winter zu danken, dass er uns den Frühling bringt … und den Sommer. (Zitat Seite 124)

    Inhalt:
    Seit dem völlig unerwarteten Tod seiner Frau besitzt Dominique Brulé, inzwischen 74 Jahre alt, einen wunderbaren Blumenladen in Saint-Germain, mitten in Paris. L’Étoile Manquante, der fehlende Stern, das ist seine jung verstorbene Frau, die ihm immer noch fehlt und die er nie durch eine andere Frau ersetzt hat. Dennoch ist er nicht allein, die Freundinnen Doña Mercedes und Doña Tilde, zwei ältere Damen, Spanierinnen, die vor mehr als vierzig Jahren nach Paris gekommen waren, sind täglich bei ihm im Geschäft und man sorgt sich umeinander. Da sucht er eine junge Aushilfe und mit der jungen Violeta Gadea, ebenfalls aus Spanien nach Paris gezogen, kommen frischer Wind und neue Aufgaben in den Laden und in das Leben aller Beteiligten.

    Thema und Genre:
    Ein Wohlfühlroman, in dessen Mittelpunkt Verluste in der Vergangenheit stehen, Einsamkeit, Freundschaft, Blumen und natürlich die pulsierende Stadt Paris. Es geht auch um Verzeihen und Lebensbejahung, das kleine Glück und eine gute Prise Magie.

    Charaktere:
    Violeta und Mercedes, trotz des Altersunterschiedes zwei Frauen, deren Leben durch Männer und unvorhersehbare Ereignisse eine völlig neue Wendung genommen hat, doch während Mercedes verbittert ist, bleibt Violeta offen und positiv. Monsieur Dominique kam nie über den Tod seiner großen Liebe Julie hinweg, bemüht sich aber, dennoch ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Tilde scheint manchmal etwas ruppig, aber der Schein trügt.

    Handlung und Sprache:
    Es ist ein leiser, poetischer Roman, in dessen Mittelpunkt auch die Frage steht, wie Mercedes auf einen Ruf aus der Vergangenheit reagiert. Manchmal muss etwas Magie eingreifen, damit die Ereignisse den richtigen Lauf nehmen. Teilweise verzögern sehr lange Diskussionen um ein Thema die Handlung. Doch die poetische Sprache und die verträumte Stimmung, die sich durch diese leise Geschichte zieht, sorgen insgesamt für ein positives Leseerlebnis.

    Fazit:
    Ein poetischer, leiser Roman um Alter, Einsamkeit und Freundschaft, um Frühling und einen positiven Blick in die Zukunft. Das Flair von Paris, gekonnt eingefangen, sorgt mit einer Prise Magie und Romantik für unterhaltsame Lesestunden.