Der Bastard von Tolosa: Roman

Rezensionen zu "Der Bastard von Tolosa: Roman"

  1. fast wie Kino in 3D

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Dez 2014 

    Normalerweise denke ich mir selbst eine Zusammenfassung aus, lasse es diesmal jedoch bleiben, weil ich Angst hätte, zuviel von der Geschichte und ihren spannenden Wendungen zu verraten. Daher ist hier die Beschreibung des Klappentextes:

    Wie Tausende »Soldaten Christi« folgt auch der junge Edelmann Jaufré Montalban 1096 dem Aufruf des Papstes, Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Viele grausame Schlachten später beginnt er, am Sinn des Kreuzzugs zu zweifeln. Als seine Geliebte brutal niedergemetzelt wird, will er sich auf seine Burg nahe dem heutigen Toulouse zurückziehen. Doch dort erwartet ihn eine Gattin, die er nur unter Zwang geheiratet hatte – und eine tödliche Intrige um das Rätsel seiner Herkunft.

    Als ich das Buch im Briefkasten hatte, war mein erster Gedanke: „Was für ein Wälzer! Hier gibt es viel zu tun!“ Aber ich habe keine einzige Seite bereut, ganz im Gegenteil. Das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es ist toll geschrieben. Ulf Schiewe gelingt es mit seinem Schreibstil, den Leser in das Geschehen eintauchen zu lassen. Egal, ob Kampfhandlungen, Lagerfeuerromantik, Burgleben etc. – ich hatte immer das Gefühl, die Geschichte selbst mitzuerleben. Zum Miterleben gehört natürlich auch das Mitleiden. Und das ist mir bei dieser Geschichte häufig passiert. Es gab Szenen, die so traurig waren, dass ich einen Kloß im Hals verspürte. Es gab Situationen, die so bedrohlich waren, dass ich die Anspannung selbst gespürt habe, aber auch die Erleichterung und Freude, wenn diese Situationen überwunden waren.

    Die Hauptfiguren in diesem Buch, allen voran natürlich Jaufré, sind mir ans Herz gewachsen. Jaufré verkörperte für mich zu Beginn des Buches den klassischen Helden ohne Fehl und Tadel. Doch dann zeigte er auf einmal, dass auch ein Held durchaus menschliche Schwächen haben kann, was man ihm jedoch nicht krumm nimmt. Ganz im Gegenteil, die Schwächen machen ihn noch sympatischer.
    Man muss die Familie um Jaufré einfach mögen. Als Leser hatte ich fast das Gefühl selbst Mitglied dieser Familie zu sein. Insofern ist es mir natürlich auch leicht gefallen, Antipathie, Zorn und Abscheu gegen die Gegner dieser Familie aufzubauen. Denn natürlich gibt es nicht nur die „Guten“ in dieser Geschichte, sondern auch die „Bösen“ sind hervorragend dargestellt.

    Die Handlung spielt zunächst in Tripolis und Umgebung und wechselt dann nach Frankreich. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Stimmungen, die Ulf Schiewe vermittelt. Insbesondere das Leben in Tripolis ist wunderbar bildhaft beschrieben, fast hatte ich den Eindruck, selbst dort zu sein und den Trubel, den Lärm und die Gerüche mitzubekommen.

    Insgesamt hat es mir großen Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und mich in eine fremde faszinierende Welt abtauchen lassen. Wäre ich noch Kind, wäre dies eines der Bücher, die mich vom Einschlafen abhalten, weil ich nicht aufhören kann und heimlich unter der Bettdecke weiter lesen muss ;-)