Der Aufgang

Buchseite und Rezensionen zu 'Der Aufgang' von Stefan Hertmans
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Inhaltsangabe zu "Der Aufgang"

Als Stefan Hertmans sich zum Kauf eines alten Hauses in Gent entschließt, ahnt er nichts von den Geschichten, die sich hinter dessen Mauern abgespielt haben. Er macht sich auf die Suche nach den Spuren der früheren Bewohner und entdeckt die fesselnde Geschichte eines SS-Offiziers und dessen pazifistischer Frau. Angetrieben von einem tiefen Bedürfnis nach Verständnis, tastet sich Hertmans an diese Figuren heran und beleuchtet damit zugleich die Tragödie eines ganzen Landes.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: Diogenes
EAN:9783257071887

Rezensionen zu "Der Aufgang"

  1. Kaleidoskop schmerzhafter Geschichtsaufarbeitung

    Geschichtsaufarbeitung ist eine schmerzhafte Angelegenheit, noch dazu, wenn jemand einen persönlichen Bezug dazu hat. Den bekam der Autor durch ein Buch, aus dem er erfährt, dass er 20 Jahre lang in dem Elternhaus des Verfassers Adriaan Verhulst (Adri) im Genter Stadtviertel Patershol gewohnt hat: im ‚Drongenhofer Haus‘.

    Durch dieses Buch ‚Sohn eines ‚falschen Flamen‘ angeregt, macht er sich auf die Suche nach der Geschichte dieses Hauses und seiner Bewohner. Er beschäftigt sich sehr umfassend mit Willem Verhulst, 10.7.1898 in Berchem bei Antwerpen geboren und gestorben 11.3.1975, seiner Familie, seiner beruflichen und nicht zuletzt seiner politischen Laufbahn.

    Hilfreich waren ihm dabei die Gespräche mit den inzwischen hochbetagten Töchtern Letta und Suzy, mit Lieve Vandermeulen (für die Adri als Schüler heimlich schwärmte), die Gefängnisbriefe, die Willem selbst verfasste, und auch die Sitzungsprotokolle des Kriegsgerichtshof im Jahre 1947. Die Erinnerungen von Mientje, die ihrem ‚flämischen Döskopp‘ gegenüber immer loyal blieb und die ihre Kraft im Glauben fand, und die von Griet, der langjährigen Geliebten, sprechen Bände und könnten unterschiedlicher nicht sein!

    Nein, eine Wohlfühllektüre kann dieses Buch nicht genannt werden – ‚Wim‘ ist absolut kein Sympathieträger und sein Verhalten (ob seiner Frau Mientje gegenüber oder als Kollaborateur) ließen mir oft die Haare zu Berge stehen: Selbstreflektion war ihm absolut fremd – Fehler machten nur die anderen. ‚Ganz je nachdem, wie mächtig oder schwach wir sind, macht weiß uns oder schwarz das Urteil des Gerichts‘ (ein Zitat aus einer Fabel von La Fontaine) schrieb Willem Verhulst auf den Schutzumschlag seiner Memoiren und das ist auch die Fabel seines Lebens!

    ‚Der Aufgang‘ ist sehr abwechslungsreich: neben dem Leben von Wilhelm begleiten wir dazwischen immer wieder den Autor bei der Besichtigung des Drongenhofer Hauses, zusammen mit dem Notar zum Feststellen des aktuellen Zustands, wir erfahren von weiteren Bewohnern des Hauses und viel über die Geschichte Belgiens, von ihrem Zwiespalt, und natürlich auch über die Geschichte Nazi-Deutschlands und ihrer Auswirkung auf Belgien. Viele Bilder runden das Gelesene ab.

    Ich empfand dieses Buch als sehr informativ, aufwühlend und möchte es doch nicht missen! 5 Sterne und volle Leseempfehlung!

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