Dem Kroisleitner sein Vater

Buchseite und Rezensionen zu 'Dem Kroisleitner sein Vater' von Martin Schult
3.25
3.3 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Dem Kroisleitner sein Vater"

»Eine Oper im Dreivierteltakt – Heimatfilm, Bergdrama und Krimi – Martin Schult bringt mit Frassek und Sprotz den Berliner Wedding in die Steiermark, lässt Menschen sterben und wieder auferstehen und höchst unterhaltsam zwei Welten aufeinanderprallen.« Christoph Schröder, freier Literaturkritiker und Mitglied der Jury des Deutschen Buchpreises 2016 


 Dem Kroisleitner Karl sein Vater ist tot. 104 war der alte Kroisleitner, aber noch topfit, das lag an der guten Luft oder am Marillenschnaps. Schon bald ermittelt die Kriminalpolizei aus der nahen Bezirkshauptstadt, was der wortkarge Wanderer mit der schlechten Ausrüstung damit zu tun hat. Ebenjener mit dem Namen Frassek, seines Zeichens Polizeiobermeister aus Berlin, hatte sich doch nur in der Steiermark von seinem letzten, gelinde gesagt unglücklich verlaufenen, Fall erholen wollen - und von seiner pubertierenden Tochter. Inmitten von Lügen, Intrigen und Dorfklatsch wird Frassek unversehens vom Tatverdächtigen zum Ermittler.

Format:Kindle Edition
Seiten:336
EAN:

Rezensionen zu "Dem Kroisleitner sein Vater"

  1. Crossculture-Krimi

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 09. Aug 2017 

    Frassek, Polizeiobermeister in Berlin, hat mehr als nur eine Pechsträhne. Vor kurzem ist erst die Mutter gestorben, jetzt der Vater, die Frau hat ihn verlassen und seine pubertierende Tochter findet ihn ,,sowas von alt“. Die Beerdigung des Vaters schwänzt er einfach und fährt stattdessen weiter in die Berge, wo er in dem kleinen Dorf St. Margarethen in der Steiermark landet. Zurück in Berlin muss er sich um abzuschiebende Asylanten kümmern, die auf geheimnisvolle Weise jedes Mal vorgewarnt werden und rechtzeitig verschwinden. Als Frassek und sein Kollege Sprotz versuchen, den Täter, genannt der ,,Robin Hood vom Humboldthain“, durch eine List zu fassen, blamieren sie sich grandios. Und dann erfährt Frassek auch noch, dass er als Verdächtiger in einem Mordfall in St. Margarethen gesucht wird. Der 104-jährige Alois Kroisleitner wurde ermordet, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als sich Frassek dort aufhielt. Da hilft nur noch die Flucht nach vorn. Frassek begibt sich samt seiner Tochter ins idyllische St. Margarethen und ermittelt selbst. Dabei kommen nicht nur lange gehütete Dorf- und Familiengeheimnisse zutage, auch die Ereignisse im und nach dem 2. Weltkrieg spielen eine Rolle.
    Die Gattung ,,Kriminalroman“ beschreibt den Charakter des Buches nur bedingt. Zwar gibt es Tote, Verdächtige und Mörder, die Spannung ergibt sich aber eher aus der Mischung von Regionalem, Historischem, allgemein Menschlichem und Witz. Klamauk ist durchaus vorhanden, wenn Berliner Schnauze auf Steiermark trifft. Doch hat das Buch weit mehr als so mancher humorige Regionalkrimi zu bieten. Wenn Frassek und der ,,junge“ Kroisleitner sich über das Sterben unterhalten, geht es schon fast ins Philosophische.
    Die häufigen Orts- und Perspektivenwechsel fordern die Aufmerksamkeit des Lesers. So einiges muss man sich wie ein Puzzle zusammensuchen, auch in die Sprache der St. Margarethener muss man sich erst einfinden. Doch gerade das macht den besonderen Reiz dieses Buches aus. Mich hat das Buch gut unterhalten, gerade weil es sich eher um eine Mischung aller möglichen Gattungen und Stile als um einen Krimi im eigentlichen Sinne handelt.

  1. Showdown

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Jul 2017 

    Anstatt zur Beerdigung seines Vaters zu gehen, flüchtet der Berliner Polizist Frassek nach Österreich. Dort stolpert er in einen Todesfall, der den österreichischen Kollegen sehr verdächtig vorkommt. Frassek ist dann erstmal der große Unbekannte, der ins Dorf kam und es wieder verließ. Als Frassek in Berlin seine Kompetenzen überschreitet und damit einen Fall kaputt macht, macht er sich erneut auf den Weg ins Alpenland. Das Suchbild im Fernsehen sieht ihm doch recht ähnlich. Ehe er es sich versieht, gehört Frassek zu den Verdächtigen. Er soll den 104jährigen Alois Kroisleitner umgebracht haben. Zwar muss ihn die Polizei schnell wieder gehen lassen, aber Frassek sieht sich in der Pflicht hier die Wahrheit herauszubringen.

    Ein Berliner Polizist, der den Tod seines Vaters nicht verarbeiten kann, trifft auf einen Schuhmacher, dessen Vater plötzlich verstorben ist. Natürlich hat der Berliner in Österreich nichts zu ermitteln, aber ein wenig herumfragen kann man ja mal, nicht? Nichts anderes tun auch die Dorfbewohner. Die Wirtin Lissi macht sich so ihre Gedanken, die Dagmar und die Maria auch. Und dann kommt auch noch die Tochter von der Maria wieder, die das Dorf vor zehn Jahren verlassen hat. Sie findet geheimnisvolle Briefe und sie will endlich wissen, wer ihr Vater ist, und warum der schöne Josef damals nichts mit ihr zu tun haben wollte.

    Ein richtiger Kriminalroman ist es eigentlich nicht. Zwar gibt es einen Toten und viele Geheimnisse. Doch die Arbeit der Polizei bildet eher eine Nebenhandlung. Und so könnte man, wenn man die Bezeichnung dieses Romans als Kriminalroman allzu ernst nimmt, eine kleine Enttäuschung erleben. Ein Todesfall gibt Anlass zu allerhand Nachforschungen, an denen sich das ganze Dorf beteiligt und jeder etwas anderes beizutragen hat. Hinzu kommen noch jene, die tatsächlich mit den geheimen Ränken aus der Vergangenheit in Verbindung stehen, wissentlich oder unwissentlich. Und so lässt man sich von der urigen Bergwelt und ihren Bewohnern bezaubern und in Urlaubsstimmung versetzen. Im Gegensatz zu der verzweigten und nachhaltig vorangebrachten Handlung wirkt der Schluss etwas abgehackt, beinahe als hätte sich der Autor an eine Seitenvorgabe halten wollen. Dennoch schafft er mit den chaotisch sympathischen Berlinern Frassek und Sprotz ein Team, von dem man sich gerne fragt, wohin sie die nächste Reise führen wird.

    3,5 Sterne

  1. zu viel des Guten

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 02. Jul 2017 

    Inhalt:
    Dem Kroisleitner Karl sein Vater ist tot. 104 war der alte Kroisleitner, aber noch topfit, das lag an der guten Luft oder am Marillenschnaps. Schon bald ermittelt die Kriminalpolizei aus der nahen Bezirkshauptstadt, was der wortkarge Wanderer mit der schlechten Ausrüstung damit zu tun hat. Ebenjener mit dem Namen Frassek, seines Zeichens Polizeiobermeister aus Berlin, hatte sich doch nur in der Steiermark von seinem letzten, gelinde gesagt unglücklich verlaufenen, Fall erholen wollen - und von seiner pubertierenden Tochter. Inmitten von Lügen, Intrigen und Dorfklatsch wird Frassek unversehens vom Tatverdächtigen zum Ermittler.

    Mein Fazit:
    Das Buch ist mit Handlungen und verschiedenen Geschichtszügen vollgepackt. Man kommt zwar gut in die Geschichte hinein, hat aber im Laufe des Buches das Gefühl man wird erschlagen - es ist viel zu viel in das Buch hineingepackt.
    Kurzzeitig war ich auch verwirrt - denn es kommen sehr viele Personen vor, und nicht immer ist sofort klar, welche Person zu welchem Teil der Geschichte gehört - immer wieder habe ich kurz den Überblick verloren. Desweiteren hatte ich das Gefühl, die Personen blieben mir das ganze Buch hindurch fremd.
    Das Buch ist sehr unterhaltsam, da immer etwas passiert - aber zu viel des Guten ist auch nicht gut.
    Es scheint auch so, dass der Autor mehrere Genre (Krimi, Liebesgeschichte und Heimatroman) in einem Buch kombinieren wollte - im Endeffekt würde ich das Buch keinem Genre zuordnen können.

  1. Sieben Plagen in St. Margarethen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 14. Jun 2017 

    Der Krimi beginnt sehr turbulent. Die Vorstellung der Personen erinnerten mich stark an die guten alten Rowohlt Krimis, bei denen die Charaktere mit geheimnisvollen Sätzen eingeführt werden. Die drei Erzählstränge führen von Londons Welt der Popmusik, ins hektische Berlin zu einem Ermittler, der vom Verfolger zum Verfolgten wird und ins beschauliche St. Margarethen in der Steiermark, wo Intrigen und Geheimnisse das Dorf seit 70 Jahren im Griff haben und spalten.
    Die Erzählweise ist bisweilen hektisch und - wie ich finde - etwas gewollt kryptisch, einschließlich allerlei apokalyptischer Plagen die das Dorf heimsuchen. Die Sprache ist lakonisch und passt ganz gut zu den Figuren, ob typisch berlinerisch oder steirisch. Der Krimi versucht ganz anders zu sein, als die typischen Regionalkrimis, manchmal denke ich, der Autor hat da ganz bewusst das Genre auf die Spitze getrieben.
    Ich habe den Krimi, wenn man die Geschichte so einordnen will, gern gelesen und mich stellenweise auch prächtig amüsiert. Mit den Figuren ist dem Autor ein Reigen kauziger, mal mehr oder weniger liebenswerter oder gar verabscheuungswürdiger Charaktere gelungen. Ganz zum Schluss, wenn Frassek über das Erlebte und Überlebte sinniert, kommt ihm ein Hollywoodfilm oder gar eine Oper in den Sinn, die einer aufschreiben sollte. Eine komische Oper könnte ganz gut passen, mit überzeichneten Helden und Heldinnen die ihre Soloparts haben, Gefahren überstehen und Geheimnisse lösen müssen und einem großen Finale zum Schluss.
    Kein Allerweltskrimi, aber wer sich darauf einlassen möchte, kann sich gut unterhalten.