Dead Lions: Ein Fall für Jackson Lamb

Buchseite und Rezensionen zu 'Dead Lions: Ein Fall für Jackson Lamb' von Mick Herron
4.85
4.9 von 5 (12 Bewertungen)

Zwei Agenten von Slough House, einem Abstellgleis des MI5, erhalten den Auftrag, einen russischen Oligarchen zu beschützen, den der britische Geheimdienst als Informanten gewinnen will. Gleichzeitig wird ein ehemaliger Spion aus kalten Kriegszeiten tot aufgefunden, angeblich infolge eines Schlaganfalls. Bei beiden Fällen spielen russische Schläfer eine wichtige Rolle: ›Dead Lions‹. Ausgerechnet die Agenten, denen keiner etwas zutraut, sind beim Erwachen der Löwen dabei.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: Diogenes
EAN:9783257070460

Rezensionen zu "Dead Lions: Ein Fall für Jackson Lamb"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Okt 2019 

    Lahme Gäule treffen tote Löwen

    Die lahmen Gäule sind wieder unterwegs. Diesmal haben sie es mit toten Löwen zu tun. Wer die Gäule sind, wissen wir seit dem ersten Teil um den Agenten Jackson Lamb und seinen Mitarbeitern - allesamt Agenten, die sich nicht mit Ruhm bekleckert haben und daher strafversetzt wurden. Zumindest steckte man sie in eine Abteilung, wo sie keinen großen Schaden anrichten können. Sie sind die besagten "Slow Horses" (lahme Gäule).
    Doch was es mit den toten Löwen auf sich hat, erfahren wir hoffentlich in Mick Herrons zweiten Roman "Dead Lions".

    In dem neuen Fall der Slow Horses befasst man sich mit den Nachwehen des Kalten Krieges. Der Feind ist der Russe. Der KGB lässt grüßen. Mitten in London treiben russische Spione ihr Unwesen. Jackson Lamb holt die Vergangenheit ein. Auch er war damals in die Agentenscharmützel zwischen Ost und West involviert. Kaum zu glauben, dass ein längst abgeschlossenes Kapitel der Spionagegeschichte wieder geöffnet wird.
    Es ist nicht so, dass die Slow Horses den Auftrag haben, das Agentenproblem zu lösen. Denn man darf nicht vergessen, dass die Slow Horses auf dem Abstellgleis sind. Dass sie auf einmal doch ihre Hufe im Spiel haben, haben sie ihrem Boss Jackson Lamb zu verdanken, der sich in Eigenregie in die Ermittlungen einschaltet. Jackson Lamb macht, was er will. Und seine Mitarbeiter machen, was er will.
    Sie sind Kummer gewöhnt. Auf dem Abstellgleis, mit stumpfsinnigen Aufgaben betraut, hat das Selbstbewusstsein jedes Mitarbeiters von Lamb gelitten. Die ruppige und verächtliche Art und Weise, die Jackson Lamb im Umgang mit seinen Mitarbeitern an den Tag legt, sind da auch nicht förderlich. Und dennoch wachsen sie über sich selbst hinaus, wenn es darum geht, ein Verbrechen aufzuklären. Insbesondere, wenn es dabei einen von ihnen getroffen hat.
    Mick Herron ist seiner Linie erfreulicherweise treu geblieben. Nach wie vor präsentiert er einen Jackson Lamb, der ein menschenverachtender Widerling ist. Doch spätestens in dem Moment, wo Lamb seinen machtverliebten und karrieregeilen MI6 Mitstreitern in die Parade fährt, hat man ihn ins Herz geschlossen. Schadenfreude ist nicht umsonst die schönste Freude.
    Mick Herron ist ein Meister des Verwirrspiels. Er schafft mehrere Handlungsstränge, die irgendwie miteinander zusammenhängen und aus unterschiedlichsten Perspektiven erzählt werden. Doch bis zum Schluss lässt er den Leser im Unklaren, welches der große gemeinsame Nenner ist. Dabei treibt er den Leser durch die einzelnen Kapitel, die er gemeinerweise gern mit einem Cliffhanger enden lässt. Die Spannung ist dementsprechend extrem hoch.

    Hat mir der erste Teil der Serie um Jackson Lamb schon sehr gut gefallen, hat Mick Herron mit "Dead Lions" noch einen drauf gesetzt.
    Leseempfehlung!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Okt 2019 

    Spione unter sich

    In dem Roman von Mick Heron, Dead Lions, treffen eine Menge Spi9one aufeinander. Angefangen von dem ersten Toten, Dickie Bow, der eines scheinbar natürlichen Todes stirbt. Keiner ahnt auf wessen Spur sich dieser Spion gesetzt hat. Dieses lässt nun Jackson Lamb nicht ruhen, um herauszufinden was Dickie in diesem Bus gemacht hat. Lamb ist Chef der aussortierten Spione in Slough House, man nennt sie auch Slow Horses. Alle Spione sind auf Regent´s Park, dem Hauptquartier des MI5 weggelobt worden. In diesem Slough House beschäftigen sich die Spione hauptsächlich mit Verwaltungs- und Archivarbeiten. Doch in diesem Fall sind die Slow Horses gar nicht so lagsam, wie es scheint und in die Spur, in die sich Jachson lamb verbissen hat kommt langsam Leben. Zusätzlich zur Aufklärung des Todesfalles werden 2 Horses noch zu einer schutzaufgabe abkommandiert. Hier soll ein russischer Oligarch geschützt werden, den man vom anwerben möchte. Die Spannung nimmt zu nachdem bei dieser Aufgabe ein weiterer Horse getötet wird. Zwischen London und Upschott, in der Provinz, nimmt der Roman Tempo auf und es warten noch einige Überraschungen auf den Leser.
    Mike Herron hat hier einen Spionageroman erschaffen, der auf den ersten Blick, nichts bersonderes darstellt. Aber er versteht es durch seine Erzählstrategie, mehrere Handlunsgstränge parallel zu führen und in entscheidenden Momenten zu wechseln, einen Spannungsbogen aufzubauen. Hier fühlt sich der leser mitgenommen und möchte natürlich so schnell wie möglich wissen wie es weitergeht. Für mich: sehr empfehlenswert!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Sep 2019 

    Russische Schläfer

    Auch im zweiten Band der Thrillerreihe von Mick Herron mit dem Titel "Dead Lions" stehen keine strahlenden Helden im Mittelpunkt, sondern herrlich unvollkommene Spione mit charakterlichen Schwächen, denen das Leben auf die eine oder andere Weise schon übel mitgespielt hat. Sie residieren im sogenannten Slough House. Dorthin werden Mitarbeiter des MI5 abgeschoben, die für die schicke Zentrale im Regent Park aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr tragbar sind. Chef der Truppe ist der wunderbar skurrile Jackson Lamb. Auf den ersten Blick vielleicht ein "fettes Arschloch" wie er an einer Stelle im Roman charakterisiert wird. Je mehr man aber über ihn liest, um so mehr schätzt man jedoch seinen scharfen Verstand und seine unerschütterliche Loyalität zu seinen Mitarbeitern.

    Die Ereignisse, die im ersten Band mit dem Title "Slow Hourses" beschrieben wurden, liegen nun schon einige Monate zurück. Jackson Lambs Truppe ist wieder in den Dornröschenschlaf gefallen. Man langweilt sich bei Routineaufgaben und hofft auf eine Gelegenheit sich zu profilieren, um dem Slough House zu entkommen. Diese Chance scheint sich nun zu ergeben. Ein ehemaliger britischer Spion wird in einem Londoner Bus tot aufgefunden, offiziell Herzinfarkt. Doch Jackson Lamb glaubt nicht an einen natürlichen Tod und lässt seine Leute in dieser Sache ermitteln. Die Nachforschungen legen eine deutliche Spur frei. Fast zu offensichtlich führen sie zu einem russischen Spion aus der Zeit des kalten Krieges. Dieser soll vor mehr als 30 Jahren eine Gruppe von Schläfern (also russische Spione im Wartezustand) nach England eingeschleust haben. Allerdings war dieser Spion nach Erkenntnissen des MI5 nur ein Phantom und damit auch seine Schläfer nicht real - und wenn doch? Warum sollten sie ausgerechnet jetzt, nach so langer Zeit und nach Ende des kalten Krieges wieder aufwachen?
    Zeitgleich reist ein schwerreicher russischer Oligarch nach London, der von Agenten des Slough Houses während seines Besuches beschützt werden soll. Als geübter Thrillerleser ahnt man natürlich, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Aber welchen?

    Ein bisschen Konzentration erfordert es schon, diesem Roman mit seinem recht komplexen Plot zu folgen. Schließlich gibt es eine vielzahl von Akteuren, deren Gedanken und Handlungen man durch zahlreiche Persektivwechsel verfolgt. Dabei wird man immer wieder Zeuge von rasanten und witztigen Dialogen, die den Roman zu einem Lesegenuss machen. Mick Herron beherrscht dabei die Kunst, uns Leser*innen an der Nase herumzuführen. Es ist wie bei einer optischen Täuschung. Kaum glaubt man ein Muster erkannt zu haben, schon baut der Autor einen Twist ein, der das Bild zum Kippen bringt. So kann man bis zur überraschenden Auflösung des Falls herrlich spekulieren.

    Insgesamt zeigt Mick Herron, dass Agententhriller auch in der Zeit nach dem Kalten Krieg noch spannend und unterhaltsam erzählt werden können. In England wurden bereits sechs Bände dieser Jackson Lamb Reihe erfolgreich veröffnetlicht. Wir können uns hier also noch auf weitere rasante, witzige und intelligente Agententhriller freuen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Sep 2019 

    Exzellente Unterhaltung

    Wer’s britisch und etwas bizarr mag, ist bei ,,Dead Lions“, dem 2. Band um die Agenten-Außenstelle des MI5, genau richtig. Jackson Lamb, Chef der Gurkentruppe, schart um sich diejenigen Agenten, die es beim eigentlichen Geheimdienst so vergeigt haben, dass sie nun im Slough House aufs Abstellgleis abgeschoben wurden. Hier werden sie mit langweiligen und völlig sinnfreien Aufgaben betraut, in der Hoffnung, dass sie irgendwann von selbst den Dienst quittieren. Allerdings gibt es ein paar wenige unter ihnen, die unbedingt zum richtigen MI5 zurückkehren und sich beweisen wollen. Zwei der in Anlehnung ihrer Arbeitsstätte zynisch als Slow Horses bezeichneten Mitarbeiter wittern ihre große Chance, als sie den Auftrag erhalten, einen russischen Oligarchen bei seinem Geschäftsaufenthalt in London zu schützen. Ihnen wird bald klar, dass dies keine leichte Aufgabe ist. Und offenbar wurden sie als ,,Lahme Gäule“ bewusst für diese gefährliche Aufgabe ausgewählt. Denn nicht nur der russische Oligarch, sondern auch Mitarbeiter des Geheimdienstes spielen ein doppeltes Spiel.
    Jackson Lamb geht unterdessen dem rätselhaften Tod eines früheren Geheimdienstmitarbeiters aus Zeiten des Kalten Krieges nach.
    Er behandelt seine Untergebenen wie auch generell seine Mitmenschen wie der letzte Dreck, dennoch ist er keine völlig unsympathische Figur. Bequem und träge, aber überaus intelligent, erkennt er die komplexen Zusammenhänge und versteht es meisterhaft, seine Gegner und auch den Leser immer wieder hinters Licht zu führen.
    Schrullige Charaktere, teils merkwürdige und schräge Dialoge machen den Witz dieser Lektüre aus. Wer den ersten Teil ,,Slow Horses“ nicht gelesen hat, wird sich zu Beginn etwas schwer tun. Dennoch kann der Agentenkrimi durch die wendungsreiche Handlung, aber auch durch den Wortwitz, originelle Metaphern und eine sehr anschauliche, teils auch derbe Sprache bestens unterhalten.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Sep 2019 

    Liest sich gut

    Schon bereits aus dem ersten Teil „Slow Horses“ kannte ich die Mitarbeiter des Slough House. Im Slough House werden die Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes gesammelt, die man für weitere Einsätze, auf Grund des Alters oder sonstigen Fehlverhaltens, nicht mehr vorsieht. In der Abgeschiedenheit sind sie dazu verdammt sinnlose Überwachungen per Video zu überprüfen oder sonstige nicht notwendige Recherchen durchzuführen.

    Und doch bekommen zwei von den Agenten den Auftrag einen russischen Oligarchen zu beschützen, den man als Informanten gewinnen will. Beide Agenten erhoffen sich durch diesen Auftrag auf jeden Fall die Chance wieder in die Reihen der Aktiven aufgenommen zu werden. Gleichzeitig wird ein ehemaliger Spion aus Zeiten des kalten Krieges tot aufgefunden. Jackson Lamb, der Chef der Slow Horses, kann das nicht glauben und versucht den Dingen auf den Grund zu gehen. Haben diese beiden Vorkommnisse etwa etwas miteinander zu tun? Oder ist es purer Zufall, dass genau jetzt diese Aktivitäten stattfinden? Lest selbst und ihr werdet es herausfinden!

    Dieser Krimi ist anders als andere. Die skurrilen Charaktere werden so treffend beschrieben, dass das Kino im Kopf sofort losgeht. Die Dialoge, sofern sie denn welche miteinander führen, sind sehr oft gespickt mit dem typischen britischen Humor. Und dann die Handlung, am Anfang wusste ich nicht so recht, wo es hingeht. Aber nach kurzer Zeit steckt man mittendrin und es lässt einen nicht mehr los. Durch die unvorhersehbaren Ereignisse entwickelt das Buch eine Dynamik, der man sich nur schwer entziehen kann. Dabei ist es durchaus actionreich und absolut spannend.

    Ganz besonders gut gefällt mir bei Mick Herron auch die vielen kleinen zum Teil auch lustigen Lebensweisheiten, die er mit in das Buch einfließen lässt. Schon allein diese machen das Buch umso lesenswerter.

    Von mir gibt es für diesen überaus spannenden und trotzdem humorvollen Krimi eine unbedingte Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2019 

    Schlafende Löwen

    Ich hatte den ersten Teil der Bücher um Jackson Lamb und seine Slow Horses gelesen, war schwer begeistert und beschloss dieser Reihe zu folgen. Jetzt war es dann endlich soweit, der zweite Teil der Reihe liegt hier mit dem Titel "Dead Lions" vor. Und die im ersten Band so perfekte Umsetzung dieses Krimis blieb vorhanden und ich bleibe wieder schwer begeistert zurück. Wir haben hier einen Krimi, der sich mit dem MI5 und seiner fiktiven Außenstelle, dem Slough House befasst. In diese Außenstelle des MI5 werden die Agenten versetzt, die Mist gebaut haben. Die werden dann in scherzhafter, wie auch boshafter Weise Slow Horses genannt. Hier im Slough House dürfen die Slow Horses dann über ihre Fehler nachdenken und werden mit nichtigen Aufgaben beschäftigt, in der Hoffnung, dass sie irgendwann frustriert aufgeben und selbst kündigen. Zumindest ist dies der Plan, wäre da nicht Jackson Lamb. Zu der alten Besetzung kommen zwei neue Charaktere hinzu. Und auch diese passen sich perfekt in das Team ein. Die Beschreibung dieser so herrlich schrulligen Agenten ist einfach köstlich, so typisch englisch und mit einem wunderbaren trockenen Humor versehen, einen Humor, den ich liebe. Einfach fantastisch!

    In diesem Band wird ein toter Mann in einem Bus gefunden, es wird eine natürliche Todesart vermutet. Doch Jackson Lamb beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, denn er kennt diesen Mann, es ist ein ehemaliger Agent. Hier wird Lamb hellhörig. Und natürlich täuscht sich Jackson Lamb nicht. Die Handlung nimmt sofort an Fahrt auf, verschiedene Thesen tauchen auf, verschiedene Handlungsstränge erscheinen, beim Lesen entwickelt man immer wieder verschiedene Theorien, die Ermittlungen beginnen, auch einige Intrigen werden gesponnen, aber deutlich weniger als im ersten Teil. Herrlich! Dieses Buch hat Spaß gemacht. Wer durchdachte, intelligente und etwas verworrene Krimis mit sehr authentischen Menschen mag, ist hier vollkommen richtig. Wer schräge und skurrile Charaktere und diesen so besonderen britischen Humor mag, ist hier ebenso richtig. Die in diesem Buch verwendete Thematik erinnert mich an die vergangenen Zeiten des Kalten Krieges und Mick Herron schafft es hervorragend, diese vergangenen Zeiten in die heutige Zeit zu transferieren. Außerdem besitzt dieses Buch wieder einen wunderbaren Sog. Auch bei diesem Teil schafft es der Autor Mick Herron mich zu begeistern und deswegen gibt es von mir eine unbedingte Leseempfehlung und ich warte schon jetzt sehnsüchtig auf den dritten Teil!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Sep 2019 

    Katz- und Maus-Spiel...

    Zwei Agenten von Slough House, einem Abstellgleis des MI5, erhalten den Auftrag, einen russischen Oligarchen zu beschützen, den der britische Geheimdienst als Informanten gewinnen will. Gleichzeitig wird ein ehemaliger Spion aus kalten Kriegszeiten tot aufgefunden, angeblich infolge eines Schlaganfalls. Bei beiden Fällen spielen russische Schläfer eine wichtige Rolle: ›Dead Lions‹. Ausgerechnet die Agenten, denen keiner etwas zutraut, sind beim Erwachen der Löwen dabei.

    Ha, was bin ich froh, dass ich der Reihe um die Slow Horses noch eine zweite Chance gegeben habe! Nach dem für mich eher mittelmäßigen ersten Band: 'Slow Horses' gefiel mir diese zweite Folge um Längen besser!

    Das liegt vor allem daran, dass diesmal deutlich weniger Zeit darauf verwendet wurde, die einzelnen Charaktere vorzustellen, und auch die Intrigen innerhalb des MI5 und seiner Abteilungen schrumpfen hier auf ein gesundes Maß. Mick Herron hat diesmal eine Rahmenhandlung installiert, bei der zu Beginn des Geschehens eine (imaginäre) Katze das Slough House betritt und von Zimmer zu Zimmer schleicht, kurz die dort arbeitenden Personen betrachtet und dann weiterzieht - und wo am Ende dasselbe von einer ebenso imaginären Maus absolviert wird. Passend für ein Katz- und Maus-Spiel, wie es sich zwischen diesen rahmenden Kapiteln entspannt...

    Jackson Lamb, der schmierige, schmerbäuchige, ungehobelte, faule, verbitterte, misantropische, überhebliche Koloss von einem Chef der aufs Abstellgleis geratenen MI5-Agenten im Slough House, der nichts als Verachtung für seine Mitarbeiter demonstriert, kommt in dieser Folge deutlich schneller in Wallung als noch in Band eins. Ein ehemaliger Spion, den er noch aus Zeiten des Kalten Krieges kennt, kommt unter mysteriösen Umständen zu Tode. Lamb glaubt keine Sekunde an den proklamierten Herztod und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

    Gleichzeitig erfährt er, dass ohne sein Wissen zwei seiner Slow Horses vom Geheimdienst abgestellt wurden, um einen russischen Oligarchen zu beschützen, von dem man sich für die Zukunft lohnenswerte Verbindungen erhofft. Auch hier wird Lamb hellhörig - zurecht, wie sich herausstellt. Nur zu bald stirbt einer seiner Agenten und Lamb wäre nicht Lamb, würde er dieses Ereignis auf sich beruhen lassen...

    Der Kalte Krieg lebt hier wieder auf, die Suche nach sog. Schläfern beginnt, und Lambs Slow Horses können einmal mehr zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Dabei zeichnet Mick Herron die Charaktere von Lambs Agenten größtenteils durchaus als 'Verlierertypen', die meist noch nicht einmal selbst an sich glauben und oft auch sonst kein Leben führen, um das man sie beneiden würde. Doch wenn sie geben, was sie können, kommt zuweilen doch durchaus Beachtliches dabei heraus, und gemeinsam könnten sie eine starke Truppe sein - es müsste ihnen nur einmal jemand sagen.

    Der Autor lässt sich Zeit mit seiner Erzählung, und doch scheint diesmal kein Wort zu viel. Perspektivwechsel mit geschickt eingebauten Cliffhangern sorgen für ausreichende Spannung, die gegen Ende ebenso wie das Tempo noch einmal deutlich anzieht. Noch mehr als im ersten Band kam für mich diesmal auch der Humor zum Tragen: trocken, schwarz und - ja, englisch eben. Herrlich und immer wieder an unerwarteten Stellen eingebaut, sorgten diese Einlagen bei mir selbst an Punkten höchster Anspannung für etliche Lacher.

    Ein überzeugender zweiter Band einer in England bereits sechsbändigen Reihe um Jackson Lamb - spannend, unterhaltsam und mit überraschenden Wendungen. Macht in jedem Fall neugierig auf weitere Folgen!

    © Parden

    ************

    Bislang gelesen aus der Reihe um Jackson Lamb und das Slough House:

    Slow Horses
    Dead Lions

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Sep 2019 

    Wachen die "toten Löwen" auf?

    Der vorliegende Agententhriller ist die Fortsetzung von "Slow Horses", das sind ausgemusterte Agent*innen des MI5, die aufgrund eines kapitalen Fehlers oder Fehlverhaltens ihre Tage in Slough House, einem heruntergekommen Bürogebäude fristen. Da sie nicht gekündigt werden können, sollen sie vor Langeweile "umkommen", so dass sie von selbst den Dienst quittieren. Sie erstellen Statistiken, werten Fotos aus, kurz: es sind Arbeiten, vor denen man weglaufen möchte.

    An der Spitze steht der unsympathisch wirkende Jackson Lamb, der seine Mitarbeiter*innen wie Fußabtreter behandelt, ungehemmt furzt, wenn sie in seinem Büro sind, doch wenn es hart auf hart kommt, setzt er sich für sie ein - so ist es zumindest im ersten Teil. Ist er immer noch loyal?
    Zu den altbekannten Gesichtern, die im ersten Kapitel erzähltechnisch clever von einer fiktiven Katze vorgestellt werden, die durch die Räume des Slough House streift, gehören:

    - Catherine Standish, die ehemalige "Moneypenny" des Secret Service Chefs, trockene Alkoholikerin,

    - Min Harper, der einen wichtigen Datenträger in der U-Bahn hat liegen lassen,

    - Louisa Guy, die eine Zielperson aus den Augen verloren hat,

    - Roderick Ho, Computer-Genie, der nicht weiß, warum er abgeschoben wurde,

    - River Cartwright, der aufgrund einer Intrige dorthin geraten ist - dank James Webb, der Spinne - und dessen Großvater einst eine wichtige Rolle beim MI5 gespielt hat - auch in diesem Fall versorgt er ihn mit relevanten Informationen.

    Die Neuen sind Shirly Dander und Marcus Longridge, die sich ein Büro teilen und einander argwöhnisch betrachten, da es heißt, Diana Taverner, die Vizechefin des MI5, habe einen Maulwurf bei den Slow Horses untergebracht.

    Der Fall

    Der einstige Agent Dickie Bow stößt zufällig in London auf einen ehemaligen russischen Agenten, der ihn während des Kalten Krieges in Berlin entführt hat. Während der Verfolgung wird er getötet, hinterlässt jedoch im Sitz eines Busses ein Handy, dessen Botschaft "Cicadas" (66) lautet. Jene Nachricht findet Jackson Lamb, der mit Bow gemeinsam in Berlin gewesen ist und nicht daran glaubt, dass er an einem Herzanfall bzw. an den Folgen seiner Alkoholsucht gestorben ist.

    Zikaden können sehr lange unter der Erde bleiben, bis sie plötzlich erwachen und dann zu singen beginnen. Ist der Code eine Hinweis auf sogenannten Schläfer - auf Agenten, die immer noch im Dienst des russischen Geheimdienstes stehen und auf ihr Aufwachen warten? Zumindest gab es eine Legende, die genau das besagt, allerdings ging man beim MI5 davon aus, dass es genau das ist - eine Legende, dass dieses Netzwerk aus Zikaden nicht existiert und deren Kopf ebenso wenig.

    Zeitgleich werden Louisa und Min, die inzwischen ein Liebespaar sind, von James Webb aquiriert - sie sollen Babysitter für einen russischen Oligarchen spielen, der nach London kommt und mit dem wichtige Geschäfte anstehen. Oder verfolgt Webb andere Ziele und die Slow Horses sind sein Notnagel, falls es schief geht?

    Wie hängen die beiden Handlungsstränge miteinander zusammen? Und welche Rolle spielt das kleine englische Dorf Upshott, in das Jackson Lamb River Cartwright schickt, da dort der russische Agent zuletzt gesehen wurde?

    Ein spannender Fall mit außergewöhnlichen Anti-Helden, die - sieht man von Lamb ab - durchaus sympathisch sind! Permanent muss man beim Lesen die eigenen Vermutungen revidieren, Erwartungen werden nicht erfüllt, unerwartete Wendungen überraschen. Das Ende ist furios und ich konnte den Roman nicht mehr aus der Hand legen, bis alle Puzzleteile an ihren Platz gefallen sind. Beste Unterhaltung, ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Sep 2019 

    Von Schwarzen Schwänen und Weißen Walen

    Jackson Lamb und seine Slow Horses ermitteln wieder: Slough House ist nach wie vor das Abstellgleis des britischen Geheimdienstes. Datenabfragen, Identitätskontrollen und dergleichen sind die tägliche enervierende Beschäftigung der geschassten Agenten. Doch dann wird ein ehemaliger Agent aus dem „Schnüfflerzoo“ Berlins während des Kalten Krieges tot in einem Bus gefunden. Gleichzeitig werden zwei Slow Horses in den aktiven Dienst rekrutiert, um für einen russischen Oligarchen den Babysitter zu spielen.
    Jackson beginnt Lamb zu ermitteln. Damit macht er sich keine Freunde, nicht bei den eigenen Leuten, nicht beim MI5, nicht bei den Russen. Lamb ist das alles egal. Seine Stärke ist sein ordinäres Auftreten, seine körperliche Behäbigkeit und dass ihn alle Welt deswegen unterschätzt.
    Tote Löwen, Schwarze Schwäne, Weiße Wale, Lahme Gäule, und ein Lamm dirigiert den Agentenzoo.
    Das Cover der deutschsprachigen Fassung wirkt nostalgisch, die Geschichte versetzt den Leser immer wieder in eine Zeit „als Roger Moore noch James Bond spielte“. Das Alte und Neue findet in diesem Agentenroman immer wieder zusammen. Während der Computernerd im Team mit ein paar Klicks im Netz zu Ergebnissen kommt, hat Lamb immer noch ein Netzwerk menschlicher Natur.
    Mick Herron hat mit der Fortsetzung seiner Agentenreihe um die Slow Horses beste Leseunterhaltung abgeliefert. Ernstgemeinter Klamauk, Wortspiele (die im englischen Original wahrscheinlich noch viel besser sind), sprühende Dialoge und dabei immer ein spannender, absolut wendungsreicher Agentenroman. Wie es der Autor versteht, innerhalb eines Absatzes die Situation zu drehen, ist nahezu grenzgenial. Das agentische Katz- und Mausspiel endet überraschend und logisch gleichermaßen.
    Very British, very amused!

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 04. Sep 2019 

    Wenn schlafende Löwen erwachen ...

    Mit seinen „Slow Horses“ hat Mick Herron die wohl derzeit ungewöhnlichste Agententruppe in der Spionageliteratur geschaffen. Zum zweiten Mal ermitteln sie in „Dead Lions. Ein Fall für Jackson Lamb“; dieser 480-seitige Spionagethriller ist im August 2019 bei Diogenes erschienen.
    Vom MI5 aufs Abstellgleis gestellt, warten die Agenten der „Slow Horses“ auf ihren großen Coup – in der Hoffnung, daraufhin wieder am Regent’s Park residieren zu dürfen. Und zum wiederholten Mal ergibt sich für sie die Chance, sich zu profilieren: Zwei von ihnen erhalten den Auftrag, einen russischen Oligarchen zu schützen. Dass dieses keine leichte Aufgabe, ja sogar lebensgefährlich ist, wird schnell klar. Etwa zeitgleich geht ihr Chef, Jackson Lamb, dem plötzlichen Tod eines ehemaligen Kollegen aus Berliner Zeiten nach und stößt dabei auf die Dead Lions, die russischen Schläfer aus den Zeiten des Kalten Krieges. Nach und nach ergeben sich Zusammenhänge zwischen den beiden Fällen, und mit vereinten Kräften arbeitet die Truppe daran, eine drohende Katastrophe zu verhindern.
    Es gibt Themen, die immer gut für einen Spionagethriller sind und international zu den Klassikern zählen – so auch der Kalte Krieg, zu dem es in der Literatur unzählige Werke gibt. Mick Herron geht dieses Thema auf die eher witzige Art und Weise an – was nicht heißen soll, dass es an Spannung und Rasanz fehlt – und stellt es in einen Zusammenhang mit heutigen Begebenheiten.
    Der Einstieg in die Lektüre fiel mir nicht eben leicht, da ich Probleme hatte, die Figurenkonstellationen und Zusammenhänge zu durchschauen. Bei Ersterem erwies sich die Personenliste zu Beginn des Buches, auf die ich gerne zurückgriff, als sehr hilfreich. Außerdem – und das sei sehr positiv angemerkt – führt Leserinnen und Leser zu Beginn der Handlung eine fiktive Katze durch das „Slough House“, in dem die Slow Horses ihren Sitz haben, und macht sich so ihre Gedanken über die dort Arbeitenden. Zudem ist die am Ende auftauchende, ebenfalls fiktive Maus erfrischend, welche die Lage der Agenten am Ende des Falls eruiert – Spionage als Katz- und Mausspiel im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zusammenhänge zu erkennen, benötigt einfach Konzentration, denn eines ist dieses Buch bestimmt nicht: eine einfache Lektüre. Man sollte beim Lesen auf Details achten und bei der Stange bleiben. Ein wenig fehlte es mir zu Beginn auch an Spannung, ab dem zweiten Viertel nimmt der Spannungsbogen indes gewaltig zu, es werden Fährten aufgenommen und wieder ad acta gelegt; in der zweiten Hälfte überschlagen sich die überraschenden und dramatischen Ereignisse dann, sodass man das Buch kaum zur Seite legen mag. Gerade das Ende ist überaus fulminant und verblüffend, aber nichtsdestotrotz nachvollziehbar.
    Alle Charaktere in diesem Roman haben ihre Schrullen, ihre Ecken und Kanten, sind aber dennoch durchweg liebevoll gezeichnet. Jackson Lamb scheint auf den ersten Blick ein ungehobelter, heruntergekommener Kerl zu sein, der seine Untergebenen schikaniert, wo er nur kann. Später entpuppt er sich als gewiefter Agent, der Zusammenhänge entdeckt, wo niemand sie vermutet, und seine Mitarbeiter verteidigt wie eine Löwenmutter ihre Jungen. Im Laufe der Lektüre gewinnt er zusehends an Sympathie. Aber auch alle anderen Agent/innen präsentieren sich im Verlauf der Recherche als aufgeweckter als anfangs angenommen – man muss sie nur wachkitzeln. Besonders gefallen haben mir persönlich der IT-Spezialist Roderick Ho, der das an anderen kritisiert, was er selbst praktiziert, nämlich den Aufbau einer Scheinpersönlichkeit im Netz, sowie River Cartwright, der sich die Ratschläge seines Großvaters und Ex-Agenten, O.B., sehr zu Herzen nimmt. Man sieht: Hier sind Vergangenheit und Gegenwart vereint.
    Der Roman ist gespickt von scharfsinnigem Humor und Wortwitz. Gerade in Bezug auf Lamb selbst ist der Humor sehr britisch, teils ist er auch eher deftig, jedoch dient er immer wieder dazu, vergangene und aktuelle Ereignisse und Gegebenheiten zu hinterfragen.
    Insgesamt handelt es sich bei „Dead Lions“ um einen nervenaufreibenden, witzigen und geistreichen Thriller, der mehr zu bieten hat als andere Vertreter dieses Genres. Man kann einfach nur hoffen, dass auch die weitern Bände dieser Reihe ins Deutsche übersetzt werden.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Sep 2019 

    Die Lahmen Gäule

    Slough House ist die Abstellkammer des englischen Geheimdiensts MI5. Endstation für Agenten mit missglückten Aktionen oder Problemen, die aber aus verschiedenen Gründen vor dem Rausschmiss geschützt sind. Aus diesen Büros gibt es keinen Ausweg mehr. Chef dieser Truppe ist Jackson Lamb, ein schmutziger alter Mann. Das ist ganz wörtlich zu nehmen, denn er scheut die Dusche wie der Teufel das Weihwasser. Doch dann gibt es einen Toten, ein Kollege aus alten Berliner Zeiten des Kalten Kriegs. Bei Lamb schrillen die Alarmglocken, vor allem als zwei seiner Mitarbeiter plötzlich wieder für den Dienst aktiviert werden.

    Der Spionagekrimi beginnt mit einer Katze, die durch die Räume des Slough House tigert und endet mit einer Maus, die durch die Büros huscht. Das kann man wirklich als Sinnbild ansehen, denn dazwischen spielt Mick Herron mit seinen Lesern Katz und Maus.
    Nichts ist, wie es vielleicht scheint und die ganze Handlung hindurch führt der Autor seine Leser an der Leine und lenkt sie dorthin, wo er sie haben will. Nur um im nächsten Absatz mit einem unerwarteten Twist alles wieder in Frage zu stellen. Das ist wirklich brillant und hält die Spannung unglaublich hoch.

    Herron hat spürbar Spaß daran, seine Slow Horses – so der interne Ausdruck für die abgehalfterten Agenten – zu portraitieren. Vom autistischen Computernerd bis zur in Würde gealterten Agentin mit einem überwundenen Alkoholproblem ist alles vertreten. Mit bissigen Witz und typisch englischer Ironie sind die Charaktere gestaltet, alles Einzelgänger mit exzentrischen Attitüden, aber auch mit Sympathie gezeichnet. Selbst der egomanische, unangenehme Jackson Lamb, der seine Umwelt an allen seinen Körperfunktionen teilhaben lässt, hat manchmal seine guten Seiten, auch wenn er sie meistens perfekt unterdrückt. Alle seine Mitarbeiter haben nur einen Wunsch, sich zu rehabilitieren und der Fall des getöteten Ex-Agenten scheint genau der richtige Weg zu sein.

    Bei Lamb bin ich mir nicht so sicher, er hat sich gut eingerichtet in seinem Umfeld. Immer noch hat er genügend Hintergrundwissen um den Chefs in Regent‘s Park gefährlich zu werden, aber ein Geheimdienst, der wie ein Servicebetrieb aufgestellt ist und von Pfennigfuchsern verwaltet wird, ist nicht mehr seine Welt.
    In den klassischen Spionageromanen spielte der Ost-West-Konflikt immer eine tragende Rolle und auch „Dead Lions“ greift das Thema auf. So werden im Jargon die russischen Schläfer genannt, Agenten die inaktiv sind und in der Tarnung von angepassten, wohlanständigen Bürgern auf ihren Einsatz warten. Aber auch Jackson Lamb wartet auf den richtigen Augenblick! Gibt es eine Rückkehr für die Slow Horses?

    Auch der zweite Band von Mick Herron hat alle meine Erwartungen erfüllt. Ein intelligenter Krimi mit hohem Unterhaltungsfaktor, absolut lesenswert.

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 02. Sep 2019 

    Moderne Variante des klassichen Spionagethrillers

    „Wir sollen überhaupt niemanden jagen, wir sollen uns zu Tode langweilen, kündigen und bei einer Security-Firma anheuern.“ (Zitat Seite 41, 42)

    Inhalt:
    Man nennt sie "Slow Horses", lahme Gäule, jene Mitarbeiter des MI5, die aus unterschiedlichen Gründen vom aktiven Dienst in der modernen Zentrale am Regent‘s Park in die heruntergekommenen Büros des Slough House zum Akten Sichten versetzt wurden. Chef dieser eigenwilligen Gruppe ist Jackson Lamb, eine Legende, nun ebenfalls untätig, doch der Schein trügt. Als ein alter Bekannter aus Berliner Tagen, Dickie Bow, in einem Bus nach Oxford einen Herzinfarkt erleidet, will es Lamb genau wissen und er findet eine versteckte Nachricht: „Cicadas.“ Gleichzeitig werden zwei seiner Mitarbeiter von der Zentrale beauftragt, undercover einen russischen Oligarchen schützen, der geschäftlich nach London kommt. Gibt es einen Zusammenhang?

    Thema und Genre:
    Ein spannender Thriller in der Tradition der klassischen Spionageromane, aber modern und frech. Es geht um Macht, die neue Politik der Geheimdienste, sogenannte Schläfer und offene Rechnungen.

    Charaktere
    Mit Jackson Lamb hat der Autor einen klassischen Antihelden geschaffen. Ein ekelhafter Zyniker, egoistisch, mit unmöglichen Manieren, den man als Leser trotzdem irgendwie ins Herz schließt. Seine Truppe ist eine Gruppe von schwierigen, eigenwilligen Eigenbrötlern, doch wenn es gefährlich wird, dann sind es für Jackson Lamb „seine Leute“ und er wird aktiv, wobei er bei der Wahl der Mittel nicht zimperlich ist. Man sollte ihn auf keinen Fall unterschätzen und das wissen auch seine Gegner.

    Handlung und Sprache
    Sehr originell werden zu Beginn die einzelnen Mitglieder der "Slow Horses" und die beiden Neuzugänge vorgestellt – denn der Autor überlässt dies einer streunenden Katze. Nur Jackson Lamb selbst ist ist nicht anwesend, er ist gerade in Oxford. Damit beginnt eine spannende, vielschichtige Handlung, mit Verstrickungen und überraschenden Wendungen. Sprachlich fallen besonders die witzigen, sarkastischen Dialoge und Wortspiele auf, die auch in der Übersetzung erhalten blieben.

    Fazit:
    Eine moderne, ungewöhnliche Version des klassischen Spionageromans mit sympathischen Antihelden, literarisch, ironisch, witzig und dennoch spannend und realistisch. Auch wenn dies der zweite Band einer Serie ist, ist die Handlung in sich abgeschlossen. Ein Buch nicht nur für Kenner des Genre, sondern für alle Leser, die spannende Unterhaltung schätzen