Das Wüten der ganzen Welt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Wüten der ganzen Welt: Roman' von Maarten 't Hart
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Maarten 't Hart gehört zu den beliebtesten Autoren der Niederlande. In seinem Roman schildert er die kleine Welt eines südholländischen Städtchens. Dort, in der President Steynstraat, ist der Komponist Alexander Goudveyl als Sohn eines Lumpenhändlers aufgewachsen, großgezogen mit Gebeten und den alten Geschichten vom Krieg. 30 Jahre später erinnert er sich an diese Zeit, vor allem an den 22. Dezember 1956, einen regennassen Samstagnachmittag, an dem der Polizist Vroombout ermordet wurde.

Format:Kindle Edition
Seiten:420
Verlag: Piper ebooks
EAN:

Rezensionen zu "Das Wüten der ganzen Welt: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Apr 2017 

    Spannend, gefühlvoll, komisch - alles in einem

    Alexander, der Ich-Erzähler dieses Buches, erzählt rückblickend aus der Sicht als 50Jähriger seine Lebensgeschichte. Aufgewachsen in der niederländischen Provinz, als Sohn eines Lumpenhändlers ständig ermahnt und angehalten zum Sparen, gelingt es ihm trotz aller widrigen Umstände, seine stetig größer werdende Liebe zur Musik zu bewahren und auszuleben. Als er mit zwölf Jahren Zeuge eines Mordes wird, begleitet ihn die Angst vor dem Mörder die ganzen nächsten Jahre hindurch. Zuflucht und Trost findet er allein in der Musik, seine Ängste teilt er mit niemandem. Immer wieder erhält er zufällig und unbeabsichtigt Hinweise und Informationen über eventuelle Hintergründe und Motive dieser Tat, denen er versucht weiter nachzugehen. Und ohne dass es ihm allzu bewusst wird, wird durch diesen Mord dessen Zeuge er war und den sich daraus ergebenden Geschehnissen, sein weiteres Leben maßgeblich bestimmt.
    Auch wenn der Mord in gewisser Weise die einschneidende Handlung in diesem Buch ist, handelt sich dennoch nicht um einen Kriminalroman herkömmlicher Art. Zwar ist der Tod des Ortspolizisten Vroombout Dreh- und Angelpunkt des Romans, doch Mittelpunkt ist das eigene Erleben der Jugend, des Erwachsenwerdens der Hauptperson Alexander. Der Tonfall ist melancholisch, man spürt die Unsicherheit, die Angst vor dem großen Unbekannten, der ihn anstelle von Gott töten will. Und immer ist die Musik eine Art Rettungsanker, dies zieht sich durch das ganze Buch hindurch. Das Umfeld in Hoofd, der Kleinstadt, in der er lebte, die Enge, die Spießigkeit, die Einfalt - all das wird spöttisch, aber liebevoll beschrieben. Und dem Autor gelingt es zudem, auch komische Aspekte einfließen zu lassen. Beispielsweise die Beschreibung der Eltern, die am Ende des Krieges kostengünstig zwei Särge erstehen konnten und jetzt bedauern, dass sie nicht auch einen Kindersarg dazu bekamen. ,Dann hätte man ja schon mal einen parat.'
    Ein wirklich durch und durch lesenswertes Buch: spannend, traurig, anrührend, komisch, manchmal auch philosophisch.