Das weibliche Prinzip: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das weibliche Prinzip: Roman' von Meg Wolitzer
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Die schüchterne Greer Kadetsky ist noch nicht lange auf dem College, als sie der Frau begegnet, die ihr Leben für immer verändern soll: Faith Frank. Die charismatische Dreiundsechzigjährige gilt seit Jahrzehnten als Schlüsselfigur der Frauenbewegung, und sie ist das, was Greer gerne wäre: unerschrocken, schlagfertig, kämpferisch. So sehr Greer ihren Freund Cory liebt und sich auf die gemeinsame Zukunft freut, wird sie doch von einer Sehnsucht umgetrieben, die sie selbst kaum benennen kann. Durch die Begegnung mit Faith Frank bricht etwas in der jungen Frau auf, und sie stellt sich die entscheidenden Fragen: Wer bin ich, und wer will ich sein?

Jahre später, Greer hat den Abschluss hinter sich, geschieht, wovon sie nie zu träumen gewagt hätte: Faith lädt sie zu einem Vorstellungsgespräch nach New York ein - und führt Greer damit auf den abenteuerlichsten Weg ihres Lebens: einen verschlungenen, manchmal steinigen Weg, letztlich den Weg zu sich selbst.

Mal mit funkelndem Witz, mal tief berührend und stets mit großer Empathie erzählt Meg Wolitzer von Macht in all ihren Facetten, von Feminismus, Liebe und Loyalität und beweist sich als hellwache Beobachterin unserer Zeit.

"Wenn alles gesagt ist, bleibt Wolitzers unerschöpfliche Fähigkeit, Menschen zu erschaffen, die so real sind wie die Schrift auf dieser Seite, und ihre Liebe zu ihren Charakteren scheint heller als jede Agenda."

Lena Dunham in The New York Times

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:496
EAN:9783832198985

Rezensionen zu "Das weibliche Prinzip: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Menschsein

    Ein sehr schönes Buch, geschrieben mit einer großen Kraft, die begeistert/mitreißt, geschrieben in schönen Wörtern/einer klangvollen Sprache, die starke Bilder im Kopf erzeugen/erzeugt, ein Buch was zum Nachdenken über das Leben und seine Umstände einlädt, aber das, was die Wolitzer am besten kann, ist glaubhafte, interessante Charaktere erschaffen. Diese wirken ungemein real, sind wie du und ich, haben Stärken und Schwächen, begeistern und stoßen ab durch ihre Taten. Sie sind weder schwarz oder weiß, weder gut noch böse, es sind Charaktere wie im realen Leben, haben gute und schlechte Seiten. Und sie wachsen einem ans Herz, mit ihren guten, wie auch schlechten Seiten. Es sind Frauen und auch Männer, deren Leben hier in einer wunderbaren Tiefe erzählt wird. Ja, trotz des Titels, geht es als Hauptpersonen um Frauen und Männer, und auch trotz des Titels, werden beide Gruppen sehr real gezeichnet, ohne geschlechtsspezifische Wertungen, einfach als Menschen. Was mir sehr gefallen hat. Es geht um die Selbstfindungsprozesse, die in jedem von uns toben, wie jeder Charakter zu dem Menschen wird, der er/sie ist, was jeden von uns zu dem macht, der er/sie ist. Ein Buch zum Sinnieren. Es geht um den amerikanischen Feminismus/die amerikanische Frauenbewegung, aus der Sicht von verschiedenen Menschen erzählt; die unterschiedlichen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen sozialen Gruppen entstammen, unterschiedlichen Rassen angehören, beiden Geschlechtern angehören; es werden ihre unterschiedlichen Lebensläufe und ihre Lebenseinstellungen erzählt. Und damit auch etwas die neuere amerikanische Geschichte geschildert. Und es wird auch über das Thema gesprochen, was macht Männer und Frauen aus, was macht Frauen weiblich und was macht Männer männlich ?!? Und auch dabei zeichnet sich die Autorin durch einen sehr wachen und realen Blick auf die Menschen aus. Was mir wiederum auch sehr gefallen hat. Und es geht auch um Generationenkonflikte. Es ist ein insgesamt sehr gelungenes Buch, was mich sehr fesseln konnte, einen großen Sog besitzt und mich sehr neugierig auf die Autorin macht.

    Tolles Buch !

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Aug 2018 

    Kein Feminismus, aber...

    Die Studentin Greer Kadetsky lernt in ihrem ersten Collegejahr die charismatische Frauenrechtlerin Faith Frank kennen. Von da an bemüht sich Greer mit Faith in Kontakt zu bleiben und letztlich sogar eine Job unter deren Führung zu erlangen.
    Die Hauptfigur Greer ist eine liebe junge Frau, unendlich bemüht einerseits sich von den alternativen unverantwortlichen Eltern zu distanzieren, andererseits bloß nicht allzu bieder zu werden. Ihre Beflissenheit und Verehrung macht sie kurzsichtig. „Ich habe sogar ihr Fleisch gegessen!“, gesteht die Vegetarierin letztlich nach großer Enttäuschung.
    Greers Jugendfreund Cory, der eigentliche Feminist in der Geschichte, wenn man Greers Mutter folgt, ist ein überaus intelligenter, strebsamer junger Mann. Doch sein Lebensplan wird durch eine Tragödie umgelenkt, verpflichtet zu einem Leben das er sich so nicht zu führen vorgestellt hat. Eigentlich ein zutiefst weibliches Schicksal. Ich mochte Cory und seine Geschichte sehr. Genauso wie ich Greers Studienkollegin und Freundin Zee Eisenstat als sehr erfrischenden, eigenständigen und gut herausgearbeiteten Kontrapunkt zu Greer empfand.
    Schließlich ist da noch Faith Frank, die alternde Feministin, deren Ideale durch finanzielle Abhängigkeit zu einem zweifelhaften Geldgeber gebeugt werden. Die Retrospektive ihres Lebens liest sich spannend. Ernüchternd ist jedoch die Wandlung von der Frauenrechtlerin zur Veranstalterin von Upper Class Frauen Häppchenevents.
    „Ich bin keine Feministin, aber..“, so fällt Faith Frank bei ihrem Vortrag mit der Tür ins Haus, ein so bekannter immer und immer wieder gehörter Satz, den die Frauenrechtlerin zerpflückt. Das ließ hoffen, dass Das Weibliche Prinzip, im Original The Female Persuasion, also Überzeugung, ein großartiger feministischer Roman werden könnte. Davon habe ich mich bald verabschiedet. „Seid laut, macht auf euch aufmerksam“, all das habe ich knackiger, stärker pointiert und gehaltvoller bei Mary Beard, Chimamanda Ngozi Adichie, Rebecca Solnit, Karen Duve etc. gelesen. Was bleibt ist ein unterhaltsamer, leichtfüßig geschriebener, sehr amerikanischer Roman über das Erwachsenwerden, dem Verfolgen von Träumen und Lebensplänen, dem Finden und Loslassen von Idealen und Idolen. Happy End inklusive.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Jul 2018 

    Feministische Entwicklungen

    Cover:
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    Das Cover gefiel mir nicht, es sieht irgendwie psychedelisch aus und wirkt von den Farben her wie 1970er Jahren. Ich finde es eher nichtssagend und hätte es mir im Laden nicht angesehen. Dafür wirkt das Hardcover mit Schutzumschlag sehr hochwertig und das Lesebändchen rundet die Qualität perfekt ab.

    Inhalt:
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    Die Studentin Greer ist eher ein introvertiertes, schüchternes Mädchen mit viel Gerechtigkeitssinn und dem Willen, Karriere zu machen. Am College sieht sie sich erstmals dem Thema sexueller Belästigung ausgesetzt, ihre Proteste sind leise und führen letztendlich zu keiner Verbannung des Übeltäters. In dieser Situation trifft sie Faith Frank, eine berühmte Feministin. Diese Begegnung verändert Greers Leben grundlegend.

    Mein Eindruck:
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    "»Du gibst diesen Frauen eine Stimme«, hatte Faith kürzlich gesagt. »Wir haben darüber geredet, wie schwer es dir manchmal fällt, den Mund aufzumachen. Aber vielleicht konntest du das ausgleichen, denn du bist eine blendende Zuhörerin, das muss ich schon sagen. Und das ist genauso wichtig wie das Reden. Hör weiter zu, Greer. Sei eine ... Seismologin, die ihr Stethoskop auf die Erde drückt. Achte auf die Vibrationen.«" (S. 187)

    Der Anfang des Buches gefiel mir gut: Greer ist eine sympathische Protagonistin, in die sich jede introvertierte Leseratte gut einfühlen kann. Der Sprachstil begeisterte mich von Anfang an: leise, unaufgeregt und mit einer Prise Humor. Ich tauchte sofort ein in die Geschichte und freute mich darauf, Greers Entwicklung mitzuerleben.

    Überraschenderweise wird hier jedoch nicht nur ihre Geschichte erzählt, sondern auch die der Personen, die wesentliche Rollen in der Handlung einnehmen:

    • Zee, ihrer besten Freundin, lesbisch und Tierschützerin, Vegetariern und immer irgendwie anders
    • Ihr bester Freund und späterer Partner Cory, der mit ihr die Zwillings-Rakete bildet und durch einen tragischen Schicksalsschlag in seiner Karriere zunächst zurückgeworfen wird
    • Faith Frank und ihr Weg zu einer Art feministischer Ikone
    • Emmet Shrader, Risikokapitalist und Unterstützer von Faith, weil er in ihr eine ebenbürtige Partnerin sieht im Gegensatz zu seiner Ehefrau

    Sie alle kämpfen auf ihre Art um Selbstbestimmung Selbstverwirklichung. Interessanterweise entdeckt man auch bei den Männern eine gewisse emanzipatorische Entwicklung, die nachdenklich macht. Faith, Greer und Zee sind völlig unterschiedliche Charaktere und haben oft gegensätzliche Temperamente, aber die Botschaft ist, dass jede auf ihre Art kämpft und gleichwohl die Art der anderen Frauen akzeptiert. Miteinander kämpfen statt gegeneinander ist das Motto. Die Handlung wird dabei aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der einzelnen Protagonisten abwechselnd und teils in Rückblenden erzählt, sodass am Ende ein vollständiges Bild über ihr Leben und ihr Beziehungsgeflecht entsteht. Das ist ein geschickter Schachzug der Autorin.

    Obwohl ich die Sprache mochte, kann ich nicht unerwähnt lassen, dass sie eher altbacken wirkt. Man bekommt den Eindruck, der Roman spiele in den 1950er Jahren, obwohl die Handlungsspanne zum überwiegenden Teil von den 1990ern bis zur aktuellen Zeit reicht. Das passt leider nicht zusammen, scheint jedoch größtenteils an der Übersetzung zu liegen. Im Original wirkt die Sprache nicht so altmodisch. Die Entwicklungen der einzelnen Personen haben mir gut gefallen und die Hintergründe haben einige Überraschungen zu Tage gebracht, die ich nicht erwartet hatte. Dennoch gab es auch einige Längen und am Ende sehnte ich das Ende herbei. Mir fehlte es am Ende etwas an Spannung und der Schluss fühlte sich nicht rund an.

    Es fällt mir schwer, den Roman zu bewerten. Stellenweise fand ich ihn großartig mit vielen denkwürdigen und poetischen Zitaten, an anderen Stellen aber auch zu langatmig und ausschweifend. Ich vergebe 3,5 von 5 Punkten, die ich auf 4 aufrunde.

    Fazit:
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    Ein vielschichtiger Roman über Feminismus und seine Bedeutung in unserer Zeit