Das Walmuseum, das Sie nie besuchen werden

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Walmuseum, das Sie nie besuchen werden' von A. Kendra Greene
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Walmuseum, das Sie nie besuchen werden"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag: Liebeskind
EAN:9783954381449

Rezensionen zu "Das Walmuseum, das Sie nie besuchen werden"

  1. 4
    27. Jun 2022 

    Island und seine Museen - lehrreich und unterhaltsam...

    Island hat 330.000 Einwohner (etwas weniger als Bielefeld), aber 265 Museen. Der geneigte Besucher kann sich beispielsweise im Phallologischen Museum umschauen, das Penisse aller in Island vorkommenden Säugetierarten zeigt. Oder er geht ins Museum für Zauberei und Hexerei, wo ein landestypisches Problem zutage tritt: Wie kann man etwas ausstellen, das man nicht sehen kann? Im Museum für Meeresungeheuer hingegen werden fleißig Augenzeugenberichte gesammelt. Es ist nicht schwer, in Island jemanden zu finden, der schon einmal ein Gespenst gesehen hat. Aber mit Geschichten von Ungeheuern rücken die Leute nicht so schnell heraus, man will schließlich nicht als verrückt gelten. Obwohl verbürgt ist, dass mindestens drei Seemonster noch aktiv sind ... Mit empathischem Blick und einer großen Schwäche für die skurrilen Seiten des Lebens schildert A. Kendra Greene ihre Exkursionen in die wundersame Welt isländischer Museen. So entsteht ein überraschendes, treffsicheres Porträt eines der faszinierendsten Länder unseres Planeten. (Klappentext)

    Island. Ein Land, über das ich herzlich wenig weiß - wenn ich Stichpunkte benennen müsste, wären das Walfang, Vulkane, Bücher, Gammelhai, heiße Quellen, raue Natur, Kälte. Museen würden zu meiner Auflistung eher nicht gehören - und doch behauptet A. Kendra Greene, dass es davon auf der Insel ganze 265 gibt - und das bei gerade einmal 330.000 Einwohnern. Die Autorin wird es wissen, wobei sie einräumt, dass die Grenze zwischen Museum und Sammlung doch recht fließend ist. Fast alle der 265 Museen / Sammlungen seien dabei in den letzten 20 Jahren entstanden.

    Was hat mich nun zu dem Buch greifen lassen? Zum einen der verrückte Titel, der neugierig macht - weshalb sollte man ein Walmuseum, das ja prinzipiell interessant klingt, nicht besuchen wollen oder können? Und zum anderen das Versprechen, nicht nur etwas über skurrile Museen zu erfahren, sondern auch über Island selbst. Und ja, diese Erwartung hat sich unbedingt erfüllt.

    Man erfährt hier nicht nur Details zu den einzelnen Museen, ihren Gründern, ihrer Entstehungsgeschichte und den jeweiligen Hintergründen, sondern eben auch wirklich viel über Land und Leute, Geschichtliches, Geografisches, Geologisches, Natur und Politik. Und das auf eine sehr unaufdringliche, angenehme Art, fast wie nebenher, und doch ist mein Bild von Island nun ein anderes. Neugierig auf das Land bin ich nun definitiv - wenn auch nicht unbedingt auf all die vorgestellten Museen / Sammlungen.

    Deutlich wurde mir bei der Lektüre, dass die Entstehung dieser Museen oftmals der Sammelleidenschaft Einzelner zu verdanken ist. Interessante Einrichtungen werden im Buch durchaus vorgestellt:

    Isländisches Phallologisches Museum
    Steinsammlung
    Vogelmuseum
    Museum der Heringsära
    Museum der isländischen Eisbären
    besagtes Walmuseum (das unbesucht bleiben wird)
    Museum für isländische Zauberei und Hexerei
    Museum der isländischen Ungeheuer
    Museum der Möwentricks
    u.a.m.

    Diese Auflistung mag z.T. dröge klingen, dahinter stehen aber interessante, witzige und skurrile Informationen, die lehrreich und unterhaltsam sind. Manch ein Kapitel zieht sich vielleicht ein wenig in die Länge, aber die Liebe zum Detail kennzeichnet halt nicht nur die Museumsbetreiber:innen, sondern eben auch die Autorin.

    "Nichts weckt einen größeren Wunsch in mir, Isländerin zu sein, als dieses Museum. Nichts erinnert mich so deutlich dran, dass ich es nicht bin." (S. 169)

    Derartige Sachbücher kann man querlesen, sich den Aufbau betrachten, die Details beurteilen, die zur umfassenden Information beitragen. Oder man kann sie zudem Kapitel für Kapitel lesen und sich dabei interessante Details notieren, damit nicht alles gleich wieder in Vergessenheit gerät. Ich habe mich für Letzteres entschieden und bin damit gut gefahren.

    Bis auf kleinere Längen und das doch eher unscheinbare Cover habe ich an dem Buch nichts zu bemängeln. Wer sich für das faszinierende Land mit seiner wechselvollen Geschichte interessiert, der kann sich dem durchaus auch mittels dieses Buches über die Museen Islands nähern. Das macht sogar Spaß!

    © Parden

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