Das Verschwinden der Stephanie Mailer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Verschwinden der Stephanie Mailer: Roman' von Joël Dicker
2.65
2.7 von 5 (3 Bewertungen)

Joël Dicker ist zurück – so intensiv, stimmungsvoll und packend wie »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert«.--- Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau ...

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:640
Verlag: Piper
EAN:9783492059398

Rezensionen zu "Das Verschwinden der Stephanie Mailer: Roman"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 19. Apr 2019 

    Enttäuschend

    Nach "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" und "Die Geschichte der Baltimores" folgt nun Joel Dickers neuer Roman "Das Verschwinden der Stephanie Mailer".

    Vor zwanzig Jahren wurde in der kleinen Ostküstenstadt Orphea ein vierfacher Mord begangen. Der Täter wird gefunden und einer der damals noch unerfahrenen Ermittler beginnt eine ansehnliche Laufbahn mit 100 prozentiger Aufklärungsquote.
    Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst wendet sich eine junge Journalistin an ihn, die behauptet, dass damals in die falsche Richtung ermittelt wurde und der Täter unschuldig war.

    Da dies den Ermittler Jesse nicht loslässt, beginnt er, den Fall gemeinsam mit seinem damaligen Partner und einer jungen Kollegin neu aufzurollen. Je tiefer sie einsteigen, desto mehr Personen tauchen auf, die auf die eine oder andere Art in den Mordfall eingebunden zu sein scheinen. Die damaligen und aktuellen Ereignisse werden jeweils aus ihrer Sicht geschildert. Es entspinnen sich zahlreiche Handlungsstränge, die erst zum Ende hin entwirrt werden.

    Die Geschichte um den Kriminalfall, die hier auf zwei Zeitebenen - 1994 und 2014 -erzählt wird, ist durchaus sehr spannend. Der Leser wird lange im Unklaren gelassen, wie sich die Ereignisse um den Mordfall tatsächlich zugetragen haben. Die immer wieder neu hinzukommenden Charaktere geben der Handlung ständig neue, überraschende Wendungen. Die Auflösung ist durchaus überraschend und wenig vorhersehbar.

    Also ein gelungener und lesenswerter Kriminalroman?

    Leider greift Joel Dicker bei der Gestaltung der Charaktere tief in die Klischee-Kiste:
    Die Figuren sind teilweise derart überzeichnet und albern, dass man glauben könnte, es handele sich um Satire. Sie agieren unglaubwürdig und wenig nachvollziehbar, die Dialoge sind teilweise seicht und simpel. Ihre Beweggründe und Motivationen sind absolut realitätsfern. Selbst wenn der Autor diese Überzeichnung gewollt haben sollte, um ein humoristisches Element in den Roman hineinzubringen, ist ihm dies aus meiner Sicht nicht gelungen, da es sich eben nicht um einen satirischen sondern doch klassischen Kriminalroman handelt.

    Mir hat die misslungene Darstellung der Figuren den Lesegenuss leider nahezu gänzlich verleidet, was angesichts des durchaus gelungenen Plots sehr schade ist.

  1. bewertet:
    1
    (1 von 5 *)
     - 11. Apr 2019 

    Eine große Enttäuschung

    Dickers Romane "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" und "Die Geschichte der Baltimores" habe ich jeweils als Hörbuch genossen: Geschichte, Schreibstil und Figuren haben mich gleichermaßen begeistert - Spannung auf hohem Niveau.
    Umso enttäuschter bin ich, dass der neue Roman diese Erwartungen in keinster Weise erfüllen kann - und das sehen viele aus der Leserunde ebenso.
    Der Geschichte ist viel zu konstruiert - es gibt zahlreiche Nebenhandlungen, die sich erst allmählich mit der Haupthandlung verknüpfen, aber nicht nahtlos einfügen. Während in den anderen Romanen die Nebenfiguren jeweils glaubwürdig und authentisch gezeichnet sind, wartet "Das Verschwinden der Stephanie Mailer" mit stereotyp überzeichneten Personen auf, die so unglaubwürdig wirken, dass es beim Lesen "weh" tut. Klischees werden bedient, wenn die Geliebte eines verheirateten Mannes diesen nur ausnutzt, sich teure Geschenke machen lässt und droht, seiner Frau alles zu erzählen.
    Die Hauptfiguren, die drei Ermittler Jesse Rosenberg, Derek Scott und Anna Kanner wirken realitätsnaher, aber auch sie weisen in ihrem Verhalten Brüche auf, die man als Leser*in nicht immer nachvollziehen kann. Obwohl ich mich bei der Lektüre über Schreibstil - zu berichtend, teilweise gruselige Dialoge - und Figurenkonzeption geärgert habe, habe ich den Roman doch zu Ende gelesen, weil ich wissen wollte, wer denn jetzt den Vierfach-Mord im Jahr 1994 begangen hat - der im Mittelpunkt des Geschehens steht.

    Handlung
    Am 30.Juli 1994 wird das beschauliche Orphea in den Hamptons zum Schauplatz eines schrecklichen Mordes und das just am Abend des ersten Theaterfestivals. Der Bürgermeister wird samt Frau und Sohn erschossen, genau wie eine Joggerin, die sich vor dem Haus befunden hat. Da sich fast die gesamte Bevölkerung währenddessen im Theater befindet, wird es für die beiden jungen Ermittler Jesse Rosenberg und Derek Scott schwierig, Zeugen ausfindig zu machen. Dennoch gelingt es ihnen den Fall zu lösen.
    Doch 20 Jahre später taucht die Journalistin Stephanie Mailer bei Rosenberg auf, der mit Mitte 40 den Dienst quittieren will, um etwas Neues zu beginnen, und erklärt ihm, sie hätten damals den Falschen überführt und sie habe neue Informationen zu dem Vierfach-Mord. Kurz darauf verschwindet sie.

    Obwohl Rosenberg eigentlich verabschiedet werden soll, lässt ihm das Gespräch mit Mailer keine Ruhe, so dass er gemeinsam mit seinem alten Freund Derek, der inzwischen nur noch Innendienst verrichtet, und der jungen Polizistin Anna Kanner, die in Orphea einen Neuanfang starten will, den alten Fall wieder aufrollt. Was befindet sich direkt vor ihrer Nase, dass sie nicht gesehen haben? Genau das hat Stephanie vor ihrem Verschwinden Jesse "vorgehalten".
    Die Handlung springt zwischen den Ereignissen im Jahr 1994 und der Gegenwart, die vorwiegend aus der Sicht Jesses erzählt wird, wobei es einen Countdown zum 20.Theaterfestival gibt:

    "Jesse Rosenberg
    Mittwoch, 9. Juli 2014, Los Angeles
    17 Tage vor der Premiere",

    so dass diesem Datum eine besondere Relevanz zuzukommen scheint.

    Mehrere Figuren erzählen aus ihrer Sicht, während Jesse die Ereignisse der Gegenwart "berichtet", erfahren wir von Derek etwas über die Ermittlungen im Jahre 1994. Auch Anna Kanner kommt zu Wort sowie eine Fülle weitere Figuren, die alle irgendetwas mit dem Mord vor 20 Jahren zu tun haben oder in der Gegenwart eine Verbindung zu Stephanie Mailer aufweisen.

    Eine besondere Rolle scheint der derzeitige Bürgermeister Alan Brown zu spielen, der damalige Vize-Bürgermeister, der Orphea in den letzten Jahren wirtschaftlich vorangebracht hat. Die Überschriften und Zeitangaben sorgen dafür, dass man nicht den Überblick verliert, allerdings die Lust am Lesen angesichts der überzeichneten, stereotypen, klischeehaften Figuren, ihrer furchtbaren Dialoge und ihrer willkürlichen Verhaltensweisen. Am Ende gibt es tatsächlich eine Lösung, die diesen Roman aber auch nicht mehr retten kann.

    Wer die beiden ersten Roman von Dicker gern gelesen hat, sollte diesen erst gar nicht in die Hand nehmen - schade um die Lesezeit.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Apr 2019 

    So viel mehr als nur ein Roman...

    Dies war mein erster Dicker und wird ganz sicher nicht mein letzter gewesen sein, denn was ich hier zu lesen bekam, war so viel mehr als ich erwartet hatte.

    In der Geschichte geht es um die beiden Polizisten Derek Scott und Jesse Rosenberg, die vor 20 Jahren als junge Beamte einen Vierfachmord aufgeklärt und gelöst hatten. Doch dann taucht plötzlich die Journalistin Stephanie Mailer auf und behauptet, dass die beiden Ermittler den falschen Kerl erwischt hätten und der Fall gar nicht gelöst sei. Hat die Reporterin wohlmöglich Recht? Als die junge Frau plötzlich spurlos verschwindet, zweifeln die beiden am damaligen Ergebnis und setzen mit den neuen Ermittlungen einen Strudel in Gang, der sie bald selbst in den Abgrund reißen wird...

    Zunächst einmal muss ich erwähnen, dass sich die fast 700 Seiten ungalublich flüssig lesen ließen. Die komplette Handlung fühlte sich wie eine immens gute Krimiserie an, bei der man keine Folge verpassen darf, wenn man alles mitbekommen will und so muss man hier sehr sorgfältig und aufmerksam lesen, wenn man die Zusammenhänge begreifen möchte. Dicker wechselt zwischen den Zeiten und mehreren Personen, das heißt mal bewegen wir uns in der Gegenwart und mal in der Vergangenheit und als Erzähler fungieren mal die Polizisten und auch andere im Fall verwickelte Protagonisten.

    Mir hat am besten Polizistin Anna Kanner gefallen, weil sie sich in der harten Männerdomäne Polizei nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und in den Ermittlungen immer sehr pfiffig agiert und eine regelrechte Spürnase hat.

    Ansonsten sind alle im Buch agierenden Protagonisten sehr detailliert beschrieben, so dass wohl jeder Leser jemanden im Buch findet, mit dem er sich identifizieren kann.

    In der Handlung beleuchtet der Autor nicht nur allein den damaligen Mordfall, sondern auch zahlreiche Nebenhandlungsstränge und -schauplätze, was den Roman unglaublich vielseitig und spannend macht, denn gefühlt ganz nebenbei werden Themen wie Ehebruch, Mobbing, Drogenmissbrauch und ähnliches thematisiert.

    Das Besondere an dem Buch ist wohl, dass man bis zuletzt meint den Täter zu kennen, nur um dann eines besseren belehrt zu werden und von dem Ende gänzlich überrascht wird. Für mich war der Schluss komplett nachvollziehbar und keine Frage blieb mehr offen.

    Für mich war der Roman perfekt bis auf eine Sache: Mein vorliegendes Buch ist die zweite Auflage und ich musste beim Lesen vermehrt feststellen, dass es diverse Schreibfehler im Text gibt, die den Lesefluss ein ums andere Mal gestört haben. Mal wird aus einem mit ein mir, mal fehlt ein Buchstabe oder Worte wurden im Text vertauscht und selbst bei den Namen hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen, wird aus Tracy plötzlich Stacy. Das sollte bei so einem Spitzentitel, der zudem ja nicht ganz billig ist, einfach nicht passieren. Daher würde ich mir wünschen, dass in zukünftigen Auflagen dies vielleicht nochmal überarbeitet wird.

    Fazit: Wer statt Krimiserie mal ein unglaublich gutes Buch lesen will, der kommt an diesem Dicker nicht vorbei. Ich kann nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Absolute Spitzenklasse!