Das unerhörte Leben des Alex Woods

Buchseite und Rezensionen zu 'Das unerhörte Leben des Alex Woods' von Gavin Extence
4.5
4.5 von 5 (4 Bewertungen)

Eine Geschichte, die erzählt, wie besonders Freundschaft sein kann


Alex Woods ist zehn Jahre alt, und er weiß, dass er nicht den konventionellsten Start ins Leben hatte. Er weiß auch, dass man sich mit einer hellseherisch begabten Mutter bei den Mitschülern nicht beliebt macht. Und Alex weiß, dass die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können – er trägt Narben, die das beweisen.


Was Alex noch nicht weiß, ist, dass er in dem übellaunigen und zurückgezogen lebenden Mr. Peterson einen ungleichen Freund finden wird. Einen Freund, der ihm sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und dass man immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen sollte.


Darum ist Alex, als er sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird, einigermaßen sicher, dass er das Richtige getan hat …


Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: Limes Verlag
EAN:9783809026334

Rezensionen zu "Das unerhörte Leben des Alex Woods"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Aug 2015 

    originell, rührend, humorvoll, ernsthaft und philosophisch

    Während ich ein Buch lese, schießen mir immer schon einige Gedanken durch den Kopf, wie ich es später beschreiben kann. Es entwickeln sich viele Formulierungen, die ich in meiner späteren Rezension verwenden möchte. Doch bei diesem Buch ist es anders. Fast alle Ideen und Ansätze, die ich hatte, musste ich wieder verwerfen. Denn egal, wie ich es angehe, ich laufe immer Gefahr, zuviel über den Inhalt zu verraten. Und das wäre schade. Denn ich möchte keinen um den Spaß und die Überraschungen bringen, die ich selbst mit diesem Buch erlebt habe.

    Daher beschränke ich mich zunächst auf das, was der Verlag über dieses Buch schreibt:
    Alex Woods ist zehn Jahre alt, und er weiß, dass er nicht den konventionellsten Start ins Leben hatte. Er weiß auch, dass man sich mit einer hellseherisch begabten Mutter bei den Mitschülern nicht beliebt macht. Und Alex weiß, dass die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können – er trägt Narben, die das beweisen.
    Was Alex noch nicht weiß, ist, dass er in dem übellaunigen und zurückgezogen lebenden Mr. Peterson einen ungleichen Freund finden wird. Einen Freund, der ihm sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und dass man immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen sollte.
    Darum ist Alex, als er sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird, einigermaßen sicher, dass er das Richtige getan hat …

    Die Geschichte wird aus der Sicht von Alex erzählt, mittlerweile 17 Jahre alt. Nachdem er in Dover mit Drogen erwischt wird, erzählt er seine und Mr. Peterson's Geschichte im Rückblick. Alex erzählt die Geschichte sehr humorvoll, teilweise herrlich sarkastisch, aber oft auch nachdenklich und ernsthaft, fast schon philosophisch. Dabei ist Alex oft viel tiefgründiger als sein Alter vermuten lässt.

    "'Ich bin kein Heiliger. Ich sehe die Dinge nur, wie sie sind.'" (S. 219)

    Alex ist ein ganz besonderer Junge, der nach dem speziellen Vorfall in seiner Kindheit seine Leidenschaft für Naturwissenschaften (vorzugsweise Astrophysik und Neurologie) entdeckt. Diese Wissenschaften vermitteln ihm eine Logik, mit der er versucht, das Leben zu begreifen. Man ist erstaunt, wie einfach viele Dinge zu erklären sind. Manche würden Alex als altklug bezeichnen. Aber eigentlich ist Alex lebensklug. Es macht Spaß, die Welt mit Alex' Augen zu sehen.

    "'aber ... nun, irgendwie spricht mich die Einfachheit und Klarheit der Physik an. Mir gefällt die Vorstellung, dass man all diese unglaublich komplizierten Phänomene mit unglaublich simplen Gesetzen beschreiben kann. Wie e = mc². Um die Wahrheit zu sagen, ich glaube, es gibt nichts Schöneres als das. Man kann es auf eine Briefmarke schreiben, aber gleichzeitig erklärt es, wie die Sterne funktionieren. Diese Art von Perfektion findet man sonst nirgends...'" (S. 185)

    In Mr. Peterson findet Alex einen Gleichgesinnten. Die Freundschaft zu Mr. Peterson bedeutet ihm viel. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Erwachsenen nimmt Mr. Peterson ihn ernst. Die beiden können herrlich über das Leben philosophieren.

    "'Mr. Peterson?', frage ich nach einer Weile. 'Was glauben Sie, was passiert, wenn wir sterben?' Er schaute mich ein paar Sekunden lang an, als wollter er etwas in mir einschätzen. Dann sagte er: 'Ich glaube nicht, dass irgendetwas passiert, wenn wir sterben.' Ich dachte kurz nach. 'Ich auch nicht', sagte ich." (S. 160)

    Selbst auf die Gefahr hin, dass ich jetzt doch zuviel verrate ... Zum Ende wird das Thema "Sterbehilfe" behandelt. Auch, wenn viele Dinge im Leben aus der Sicht von Alex so einfach zu erklären sind, Sterbehilfe ist es nicht. Hier habe ich mich schwer getan, die Gedanken, die dazu in diesem Buch ausgesprochen werden, zu akzeptieren. Der Autor vermittelt eine Meinung, bei der ich mich in vielen Punkten schwer tue.

    "'...Wenn man tot ist, ist man tot. Das ist es, woran ich glaube, und Mr. Peterson glaubt es ebenfalls. Aber der Punkt ist doch: Wenn das stimmt, dann sollte es nicht bedrückend sein. Und niemand sollte Angst davor haben. Okay, ich kann einsehen, warum es vom Standpunkt der menschlichen Evolution betrachtet beängstigend ist, aber nicht aus einer logischen Perspektive.'" (S. 235)

    Insgesamt ist das Buch sehr originell, rührend (aber nie rührselig), humorvoll, ernsthaft, philosophisch und vieles mehr. Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen.
    © Renie

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Apr 2014 

    Eine wunderschöne Geschichte

    Alex Woods ist ein ganz normaler Junge, von seiner hellseherisch begabten Mutter einmal abgesehen, bis er mit 10 Jahren einen schlimmen "Unfall" hat. Der verändert sein ganzes Leben. Nicht nur, dass er jetzt gegen epileptische Anfälle kämpfen muss, wird sein Leben auch noch in allen Zeitungen des Landes ausgebreitet. Und dann, eines Tages, lernt er den mürrischen und eigenbrötlerischen Mr. Peterson kennen und es geschieht etwas, das niemand für möglich gehalten hätte: Die beiden werden die besten Freunde. Aber wie es dazu kam, dass Alex 5 Jahre später an der Grenze in Dover mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche auf dem Beifahrersitzt gestoppt wird, das ist eine lange Geschichte, die ihr unbedingt selbst lesen solltet.

    Durch eine Bloggeraktion wurde ich auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich wusste erst nicht so recht, ob es das Richtige für mich ist. Da ich aber gerne auch mal was neues ausprobiere, sagte ich dann doch zu das Buch lesen und rezensieren zu wollen. Und das war auch gut so. Denn dieses Buch hat mich total verzaubert. Ich konnte es wirklich nicht mehr aus der Hand legen und nachdem ich es irgendwann letzte Nacht beendet hatte, musste ich auch erst mal eine Nacht darüber schlafen.

    Ich weiß nicht, wie ich diesem Buch mit meinen Worten gerecht werden soll. Es ist so komplex, mit so liebenswerten Charakteren. Eine einzigartige Liebeserklärung an das Leben und die Freundschaft. Ich lachte mit den Protagonisten, aber ich weinte auch mit ihnen. Sie überzeugten mich komplett und ich hätte mich nicht gewundert, wenn Alex plötzlich in unser Wohnzimmer gekommen wäre. Denn eigentlich war er schon die ganze Zeit bei uns.

    Alex ist ein wundervoller Charakter. Seine etwas durchgeknallte Mutter zieht ihn alleine groß und das ist für Alex nicht immer einfach. Sie legt ihren Kunden die Tarotkarten und seine Mitschüler bezeichnen sie des öfteren als Hexe. In Mr. Peterson findet er so etwas wie einen väterlichen Freund, auch wenn sich die Beziehung im Laufe der Geschichte wandelt. Einerseits ist Alex sehr klug aber dann wieder so schrecklich weltfremd und naiv. Man muss ihn einfach lieben.

    Mr. Peterson verlor vor einigen Jahren seine Frau an den Krebs. Seit dieser Zeit lebt er ganz zurückgezogen. Da er körperlich beeinträchtigt ist, er wurde im Vietnamkrieg schwer verwundet, ist sein einziger Kontakt zur Außenwelt sein alter Hund, mit dem er kurze Strecken geht, die sich aber meistens lange hinziehen, weil beide nicht gut zu Fuß sind. Und dieser übellaunige Mann trifft plötzlich auf einen Jungen, der ihm von Tag zu Tag mehr ans Herz wächst, bis er schließlich unentbehrlich für ihn wird.

    Auch die Nebencharaktere haben mir gut gefallen, auch wenn nicht alle besonders nett sind. Aber sie haben alle etwas einzigartiges an sich. Die bildhafte Beschreibung und der flüssige Schreibstil sorgen dafür, dass die Seiten nur so vorbei fliegen und als ich am Ende angekommen war, hätte ich am Liebsten gleich noch einmal von vorne begonnen.

    Ich vergebe für diese wundervolle Geschichte, die so viel Wärme und liebe ausstrahlt, obwohl es auch um ein sehr ernstes Thema geht, 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung an alle die lesen können. Glaubt mir, ihr werdet diese Geschichte lieben. Es geht gar nicht anders. Lest das Buch und seit glücklich, dass ihr diese wundervolle Erfahrung machen durftet.

    © Beate Senft

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Apr 2014 

    lässt den Leser nachdenkend zurück

    „Das unerhörte Leben des Alex Woods“ von Gavin Extance erzählt die unglaubliche Geschichte eines Jungen.
    Alex Woods wird in Dover vom Zoll aufgehalten mit Marihuana und jeder Menge Bargeld. Hinzukommt das er einen partiellen epileptischen Anfall hat und der Zollbeamte denkt, dass er auf Drogen ist. Doch werden auch noch die sterblichen Überreste von Mr. Peterson in einer Urne bei ihm gefunden. Wie kam es dazu?
    Alex Woods lebt mit seiner kartenlegenden Mutter in einem Haus recht normal, bis ein Meteorit einschlägt und ihn am Kopf verletzt. Doch ab da ändert sich vieles. Denn Alex Wood bekommt danach epileptische Anfälle. Er muss lernen damit umzugehen, aber nicht nur damit. Seine Mutter behütet ihn wie ein rohes Ei und seine Mitschüler mobben ihn. Doch findet er eine ungewöhnliche Freundschaft mit Mr. Peterson.
    Mr. Peterson ist amerikanischer Kriegsveteran und lebt nach dem Tod seiner Frau allein und sehr zurückgezogen. Alex schafft es mit der Zeit allerdings ihn aus seinem Schneckenhaus heraus zu holen und dass er das Leben genießen kann.
    Allein schon durch den Anfang der Geschichte, wo Alex in Dover aufgehalten wurde, macht es spannend. Man möchte wissen, warum sitzt der Junge mit dem ganzen Zeug im Auto. Um das zu erklären muss Alex weit ausholen. Doch ist dies keinesfalls langweilig. Denn genau diese Sachen sind wichtig um zu verstehen warum Alex genau dies macht und warum er hinter im Auto sitzt. Obwohl er zum Schluss erst 17 ist, muss er eine Menge durchmachen. Er schildert alles recht offen und locker, so dass sich der Leser sofort mit ihm anfreunden kann.
    Seine Lebensgeschichte regt auch zum Denken an. Was ist Freundschaft? Wie gehe mit Entscheidung um und lasse ich andere ihre Entscheidungen leben? Darf ich einem todkranken beim Sterben helfen?
    Als ich den Titel las, dachte ich erst, dass es so ähnlich wird wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. Ich musste zwar auch heulen und brauchte Taschentücher, aber sonst gibt es keine großen Gemeinsamkeiten. Das Buch hat mich gefesselt, mich zum Nachdenken angeregt und tief berührt.
    Es gibt 4 ½ von 5 Wölfen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Apr 2014 

    Von Freundschaft und Integrität...

    "Manchmal scheinen sich der Zufall und die Umstände zu einer himmelschreienden Ungerechtigkeit zusammenzurotten. Und wir müssen uns damit abfinden. Mehr können wir nicht tun." (S. 301)

    Alex Woods ist 10 Jahre alt, als sein Leben aus der Bahn geworfen wird: ein Meteorit durchschlägt das Dach des Hauses und trifft ihn am Kopf. Wider Erwarten erwacht er nach einigen Wochen aus dem Koma und erfasst seine Lage: er wird eine Narbe zurückbehalten und leidet fortan unter Epilepsie, aber - er lebt!
    Durch die Umstände bedingt, erwägt er, später entweder Astrophysiker zu werden oder aber Neurologe. Beides fasziniert ihn. Doch so gut er auch mit den Erwachsenen auskommt, zu Gleichaltrigen hat Alex keinen guten Kontakt. Er erkennt, er ist ein Paria, ein Außenseiter, ein Prügelknabe - gestraft mit einer wahrsagenden Mutter, dem großen Drang zu lernen, einer dicken Narbe am Kopf, wo kein Haar mehr nachwachsen will und jederzeit der Möglichkeit, einen epileptischen Anfall zu erleiden.

    "Angst verzerrt die Welt. Angst lässt uns Dämonen sehen, wo es nur Schatten gibt." (S. 126)

    Als Alex wieder einmal vor ein paar Klassenkameraden zu fliehen versucht, versteckt er sich in einem kleinen Gartenhaus. So lernt er Mr. Peterson kennen, einen eigenbrötlerischen alten Mann, der zurückgezogen in seinem kleinen Haus am Rande der Stadt lebt. Nach der ersten wütenden Begegnung freunden die beiden so ungleichen Menschen sich allmählich an, und neue Denkanstöße und Themen bereichern fortan Alex Leben.
    Doch auch Freundschaften stehen unter dem Motto "in guten wie in schlechten Zeiten", und so wird auch diese mehr als einmal gehörig auf die Probe gestellt. Alex muss herausfinden, was er wirklich will, welche Überzeugungen er hat und ob er es schaffen kann, gegen alle Widerstände integer zu bleiben.

    "In der langen Geschichte der Menschheit hat gesunder Menschenverstand nicht gerade die größte Erfolgsbilanz vorzuweisen." (S. 471)

    Das Buch beginnt mit einem für den Leser vollkommen unverständlichen Kapitel - und präsentiert das Ende der Geschichte. Doch Alex Woods nimmt sich die Zeit, alles zu erklären, so ausführlich wie nötig, damit man die Zusammenhänge begreifen kann. Aus seiner Perspektive erfährt der Leser nach und nach die Geschehnisse und wird konfrontiert mit verschiedensten Themen: Kartenlegen, Epilepsie, Astrophysik, Neurologie, den Büchern von Kurt Vonnegut (z.B. "Schlachthof 5), Krankheit, Leben und Tod, Freundschaft und Integrität und vieles mehr.
    Der Schreibstil ist einfach und doch besonders. Ich musste mich erst ein wenig daran gewöhnen, doch war ich gleichzeitig fasziniert, wie es Gavin Extence gelungen ist, komplizierte Sachverhalte wie Meteoriten oder Epilepsie kurz und prägnant und dabei absolut verständlich darzulegen - sozusagen "nebenher". Dabei durchzieht das Buch ein sarkastischer Humor, der mir gut gefallen hat, und mich immer wieder zum Lachen brachte. Das Lachen war jedoch nahe bei der Berührung, und schon einige Zeilen nach einem Heiterkeitsausbruch konnte es sein, dass unvermutet Tränen flossen. Diese Mischung ist in meinen Augen sehr gelungen.

    "...unser Gehirn erschafft für jeden individuellen Menschen ein eigenes, einzigartiges Universum. Darin existiert alles, was wir wissen. Alles, was wir sehen oder berühren. Alles, was wir fühlen und woran wir uns erinnern. In gewisser Weise erschaffen unsere Gehirne die Realität." (S. 76)

    Auch wenn ich hier nicht die höchste Punktzahl vergebe, weil die Geschichte für mich im Mittelteil ein wenig abflachte, hat mich das Buch sehr beeindruckt. Eine Geschichte, die nachdenklich stimmt, mit Personen, die alles andere als Helden sind, aber die die wahren Werte im Leben erkennen - und versuchen, ihnen treu zu bleiben.
    Aus sehr persönlichen Gründen hat mich das Buch an einer Stelle geradezu umgehauen, hat es mich doch sehr an Geschehnisse erinnert, die mir im vergangenen Jahr widerfahren sind. Eine Erläuterung würde hier zu weit führen, doch fühle ich mich mit dem Buch dadurch sehr verbunden...

    Ein beeindruckendes Buch von Freundschaft und Integrität, das ich wirklich empfehlen kann.

    © Parden