Das Rätsel von Ker Island

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Rätsel von Ker Island' von Rob Reef
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Rätsel von Ker Island"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:260
Verlag: Dryas Verlag
EAN:9783940258922

Rezensionen zu "Das Rätsel von Ker Island"

  1. Klassischer Krimi mit kleinen Schwächen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 17. Feb 2019 

    Fälschlicherweise war ich der Meinung, es handele sich hier um den ersten Band – tatsächlich ist es schon die vierte Geschichte rund um Hobbydetektiv John Stableford. Immerhin kann ich nun attestieren: man kann das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen, ich würde aber dringend empfehlen, bei Interesse mit dem ersten Band anzufangen.

    Als uneingeweihte Leserin konnte ich die Hintergrundgeschichten der Hauptcharaktere, die ihnen ohne Zweifel mehr Tiefe verleihen, nur erahnen. Wer sind diese Menschen – wie kommen sie dazu, Kriminalfälle aufzuklären? Ich vermute, der erste Band hätte mir einiges verraten über ihre Motivation und auch ihre Fachkenntnisse.

    So erschienen mir die Charaktere recht oberflächlich und – leider muss ich es so sagen – austauschbar.

    Dabei haben sie durchaus viel Potential! Alleine von ihren Berufen her sind sie schon eine interessante Mischung: ein Literaturprofessor als Ermittler, ein Psychiater als sein loyaler Sidekick… Leider wird das Potential meiner Meinung nach nicht voll ausgeschöpft.

    Zunächst war ich bezüglich der Namen der Protagonisten erwartungsvoll amüsiert: John Stableford und Dr. Percy Holmes? Als glühende Verehrerin des Detektivs aus der Baker Street muss ich da natürlich direkt an Dr. John Watson und Sherlock Holmes denken und fragte mich, was mich erwarten würde: Hommage oder Persiflage?

    Interessanterweise ist hier in meinen Augen eher Stableford der brillante Detektiv und Holmes nimmt die Rolle seines Watsons ein, der bewundert, staunt, nachfragt und damit Stichworte liefert.

    Diese Umkehrung der Rollen hat mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht.

    Reizvoll fand ich, dass John Stableford das Genre Kriminalliteratur – offenbar sein Steckenpferd – öfter anspricht, mit kleinen Verweisen auf Sherlock Holmes und Co.

    Manchmal führt das zu amüsanten Parallelen! Dennoch ist das Buch meines Erachtens keine Parodie, sondern durchaus ein ernst zu nehmender Krimi.

    Positiv vermerken möchte ich den Schreibstil, der wunderbar den Tonfall der klassischen Krimis trifft.

    Der Fall hat scheinbar mystische Elemente, die für viel Atmosphäre sorgen. Ker Island gilt als verflucht, und unsere Helden müssen sich mehr als einmal fragen, ob das Übernatürliche nicht doch eine Rolle spielt bei ihrem Fall. Da trifft der klassische Kriminalroman auf den klassischen Schauerroman, und diese Mischung untermalt der Autor mit einem sehr stimmungsvollen Schreibstil.

    Ob die Mystik Schein oder Sein ist, das lasse ich hier noch offen.

    Der Fall an sich fällt in ein altbewährtes Schema.
    Agatha Christie hat sich dieses Schemas zum Beispiel meisterhaft bedient: eine Gruppe von Menschen begibt sich in eine möglicherweise gefährliche Situation auf begrenzten Raum.

    Ker Island ist sturmumtost, und schließlich befinden sich alle für den Fall wichtigen Charaktere auf der Insel, ohne Möglichkeit, sie während des Sturms zu verlassen. An diesem Punkt ist schon klar: es geht höchstwahrscheinlich nicht um ein Verschwinden, sondern um Mord. Was die Vermutung nahelegt, dass sich auch der Mörder auf der Insel befindet…

    Der Fall verläuft recht gradlinig.

    Vermutungen werden aufgestellt, überprüft und verworfen, Menschen werden befragt und auf ihre Motive hin abgeklopft. Und Stableford, ganz im Sinne seines literarischen Vorbilds Sherlock Holmes, lässt sich selten ganz in die Karten schauen, sondern hat meist noch ein Ass im Ärmel.

    Das sorgt trotz der bedrohlichen Situation für eine eher bedächtige Spannung, was für mich allerdings kein echtes Manko darstellte.

    Ich wollte einen klassischen Krimi alter Schule, und genau das habe ich bekommen.

    Am Schluss erschien mir die finale Auflösung des Falls indes zu konstruiert. Ich habe mich gefragt: warum sollte sich _____ diese Mühe machen, wenn es fraglos zig andere Möglichkeiten gegeben hätte? Außerdem erreichte _____ dadurch keines seiner Ziele, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit.

    FAZIT

    Charles Tremayne verschwindet spurlos. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort ist die kleine Insel Ker Island, wo er seine Schwester und ihren Mann besuchte. Was ist mit ihm geschehen? Ist er von der Klippe gestürzt oder vielleicht beim Versuch, die Insel zu verlassen, mit einem Boot gekentert? Hat er sich einfach abgesetzt?

    Oder ist es gar… Mord?

    “Das Rätsel von Ker Island” ist ein durch und durch klassischer, altmodischer Krimi im Stile der alten Meister wie Conan Doyle und Agathe Christie. Man kann ihn gut lesen, der Schreibstil ist ansprechend… Nur die Charaktere erschienen mir ein wenig blass, und die Auflösung etwas zu konstruiert.

    Dennoch ist der Krimi durchaus unterhaltsam.