Das Papierhaus: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Papierhaus: Roman' von Carlos María Domínguez
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Lesen und Buchverschlingen kann Leben retten. Es kann Schicksale lenken, Existenzen verändern, Leidenschaften wecken -- und es kann tödlich sein. So jedenfalls ist es nicht nur in Walter Moers‘ neuem Roman Die Stadt der träumenden Bücher: So ist es auch in der Erzählung Das Papierhaus von Carlos María Domínguez aus Buenos Aires. Domínguez zählt gleich ein paar dieser beeinflussten Lebenswege von Büchernarren auf. Wie der des Professors für klassische Philologie, Leonard Wood zum Beispiel, der in seiner Bibliothek durch die Encyclopedia Britannica gelähmt wurde. Oder wie der eines chilenischen Hundes, der sich an den Brüdern Karamasow von Dostojewskij überfraß.

Eigentlich aber geht es um die Schicksale mehrerer Bibliophiler in Domínguez‘ Roman: fanatische Leserinnen und Leser, deren Lebensfäden durch die Lektüre teils zwar abgeschnitten, gleichzeitig aber auch verwoben werden. Die Literaturdozentin Bluma Lennon wird bei der Lektüre einer alten Ausgabe der Gedichte von Emily Dickinson beim zweiten Sonett von einem Auto erfasst. Nach ihrem Tod erhält ein argentinischer Kollege ein an Bluma adressiertes Päckchen mit einem zerlesenen Roman Joseph Conrads, der auch eine rätselhafte Widmung der Überfahrenen enthält. Der Argentinier macht sich auf die Suche, um die Widmung zu entschlüsseln -- und muss im Laufe seiner abenteuerlichen Recherche feststellen, dass auch Bücher Biografien haben können.

Seit dem Überraschungs-Bestseller Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon ist Das Papierhaus sicher die faszinierendste Geschichte über die geheime Macht der Bücher und die fast schon besessene Leidenschaft fürs Lesen. Sicher eine der Entdeckungen des Büchersommers. --Isa Gerck

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:89
Verlag: Insel Verlag
EAN:9783458176152

Rezensionen zu "Das Papierhaus: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mai 2017 

    Für besessene Bibliophile :-)

    Ich hatte gerade den ersten Satz gelesen, als ich laut loslachen musste. Was für ein Beginn für ein Buch!!! Zum besseren Verständnis:
    'Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte Ausgabe der Gedichte von Emiliy Dickinson und wurde an der ersten Straßenecke, als sie gerade beim zweiten Gedicht angelangt war, von einem Auto überfahren.'
    Welch ein Tod für Bücherwürmer ;-) Doch nicht jedes Buch führt zu solch radikalen Konsequenzen, aber in doch vielen Fällen zu durchaus markanten Einschnitten im Leben der Lesenden. Davon handelt diese Erzählung: welchen Einfluss Bücher haben, wie sie nach und nach das Leben eines Menschen in Besitz nehmen können bis kaum noch etwas anderes Raum einnimmt. Wie es auf unerklärliche Weise immer mehr werden, jedes Regal zu klein wird und über kurz oder lang keine freie Wand mehr vorhanden ist.
    Das Ganze ist verpackt in eine stimmungsvolle, poetisch erzählte Geschichte über die Suche nach der Herkunft eines Buches, die nach Uruguay führt und in deren Verlauf man Personen kennenlernt, deren Bücherverrücktheit kaum Grenzen zu kennen scheint. Für die weniger Bücherbesessenen mag dies eher phantastisch klingen, alle anderen aber werden diese Erzählung vermutlich realistischer sehen und wahrscheinlich gewisse Ähnlichkeiten mit der eigenen Person feststellen. Mir ist es zumindest so ergangen ;-)

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Jan 2015 

    Ein preisgekröntes Kleinod...

    Eine Literatur-Dozentin stirbt, als sie - vertieft in die Lektüre eines soeben gekauften Gedichtbandes - von einem Auto überfahren wird.
    Wenige Zeit später erhält ihr Vertreter am Lehrstuhl ein an die Verstorbene adressiertes Kuvert. Es beinhaltet ein seltsames Buch, alt und zerlesen, verklebt durch Zementreste, mit einer merkwürdigen Widmung.
    Gebannt von diesem kuriosen Exemplar macht sich der Empfänger als Ich-Erzähler auf die Suche nach dem Versender dieses Buches. Die Reise führt ihn von London über Buenos Aires bis zu einem einsamen Strand an der Küste Uruguays. Dort erfährt er, wie weit einen Menschen die fanatische Liebe zu Büchern bringen kann...

    Das Buch ist in vielen Dingen anders als andere. Es ist ein schmaler Band von 96 Seiten und ist mit seinem Design und einer kleinen Landkarte aus transparenten Papier sehr liebevoll gestaltet.
    Und die Geschichte überrascht. Sie ist tragisch, humorvoll, unterhaltsam und bewegend zugleich. Poetisch erzählt in bildhafter Sprache und mit hintergründiger Symbolik.

    "Das Papierhaus" ist eine hintersinnige Liebeserklärung an das Lesen und die Bücher, eine virtuose Hommage an eine der seltsamsten und beglückendsten menschlichen Leidenschaften.
    Die Erzählung wurde 2001 in Uruguay mit dem Premio Lolita Rubial ausgezeichnet. Für mich ein zurecht preisgekröntes Buch, ein wahres Kleinod...

    Empfehlenswert!

    © Parden