Das Mädchen mit den roten Schuhen

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Mädchen mit den roten Schuhen' von Jodi Picoult
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Die achtjährige Ruth Brooks wurde von einer Eliteschule in New York aufgenommen. Eine seltene Chance, denn sie stammt aus Harlem und lebt mit Mutter und Schwester in bescheidenen Verhältnissen. Und sie setzt alles daran, diese Chance zu nutzen. Je mehr sie sich jedoch bemüht, sich zu integrieren, umso deutlicher wird es, dass manche Menschen nicht beachten, was sie mit anderen verbindet, sondern, was sie unterscheidet. Mit der Zeit wird eine bittere Ahnung Gewissheit: in dieser neuen Umgebung zu sein, heißt noch lange nicht, ein Teil davon zu werden ….

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:70
EAN:

Rezensionen zu "Das Mädchen mit den roten Schuhen"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Sep 2017 

    Black and White...

    Die achtjährige Ruth Brooks wurde von einer Eliteschule in New York aufgenommen. Eine seltene Chance, denn sie stammt aus Harlem und lebt mit Mutter und Schwester in bescheidenen Verhältnissen. Und sie setzt alles daran, diese Chance zu nutzen. Je mehr sie sich jedoch bemüht, sich zu integrieren, umso deutlicher wird es, dass manche Menschen nicht beachten, was sie mit anderen verbindet, sondern, was sie unterscheidet. Mit der Zeit wird eine bittere Ahnung Gewissheit: in dieser neuen Umgebung zu sein, heißt noch lange nicht, ein Teil davon zu werden ….

    Diese gerade einmal 70 Seiten umfassende Kurzgeschichte ist das Prequel zu dem im Oktober erscheinenden Roman 'Kleine große Schritte', den ich spätestens nach der Lektüre dieser kleinen Erzählung unbedingt lesen möchte. Auch wenn Jodi Picoult hier als Weiße über den Rassismus schreibt, wirkt ihre Art der Auseinandersetzung mit diesem Thema absolut ehrlich. Da ist sie vielen anderen Amerikanern weit voraus.

    Dies ist kein historischer Roman, wie so viele andere, die sich mit dem Rassismus auseinandersetzen. Diese Erzählung beschreibt die Erfahrungen eines kleinen schwarzen Mädchens, das in unserer modernen Zeit als einzige seiner Hautfarbe in eine Eliteschule in New York gehen darf.

    "Ruth betrat den Gehweg. Dann holte sie tief Luft und tauchte ein in eine Woge aus Weiß."

    Kleine bittere Szenen machen den Rassismus des Alltags deutlich. Manchmal offen, wie am Besipiel einer aus den Südstaaten zugezogenen Mitschülerin, oftmals aber fast gedankenlos durch unbedachte Äußerungen, die aber genauso treffen können. Und Ruths Stolz, ihre Lust am Lernen, ihr Wunsch dazuzugehören, bekommen feine Risse, bis...

    Jodi Picoult verfügt ganz eindeutig über das große Talent , mit Feingefühl vielschichtige zwischenmenschliche Beziehungen zu beschreiben. Dabei gelingt es ihr in dieser Erzählung, den Leser spüren zu lassen, was es bedeutet, ausgegrenzt zu werden, dem ständigen, wenn auch oft subtilen Rassismus ausgesetzt zu sein - jedoch nicht anklagend und auch keinesfalls kischig rührend. Einfach sehr feinfühlung und mit genau der richtigen Dosis Empathie. Jodi Picoult meinte zu diesem Thema:

    "Während meiner Recherche (...) befragte ich weiße Mütter, wie oft sie mit ihren Kindern über Rassismus sprachen. Manche meinten gelegentlich, einige gaben zu, noch nie darüber diskutiert zu haben. Als ich schwarzen Müttern dieselbe Frage stellte, sagten sie alle: jeden Tag."

    Mich konnte diese kleine Erzählung jedenfalls sehr berühren und hat mich gleichzeitig nachdenklich gemacht. Ich bin sehr gespannt auf 'Kleine große Schritte' und finde es überaus wichtig, dass solche Romane dazu beitragen, die Leser für das Thema Rassismus zu sensibilisieren.

    © Parden