Das Mädchen, das Hoffnung brachte

Rezensionen zu "Das Mädchen, das Hoffnung brachte"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Feb 2015 

    Ein Märchen vom Tod, der Liebe und der Hoffnung

    Wenn mich jemand fragen würde "Wer ist eigentlich Nicholas Vega?", dann würde ich wohl antworten: ein unglaublich vielseitiger Autor, ein moderner Märchenerzähler, ein weiser Mann, der trotz einer gewissen Seelenverwandtschaft nicht in den Fußstapfen von Michael Ende oder Lewis Carroll wandelt, sondern seine eigenen literarischen Spuren hinterlässt.

    Mit "Der Junge, der Glück brachte" gelang ihm ein wahrer Bestseller, und das definitiv verdient - aber auch seine anderen Bücher haben es verdient, beachtet zu werden, und "Das Mädchen, das Hoffnung brachte" ist ein echtes Kleinod des modernen Märchens.

    Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sich der Autor leise vor seinen großen Vorgängern verneigt; so folgt Anna zum Beispiel einem weißen Kaninchen (oder zumindest einer Zeichnung mit zwei Kaninchenohren) in eine unterirdische Welt voller Wunder, aber auch voller Gefahren, und gelegentlich ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass Niemalsfern ebenso gut ein Teil Phantasiens sein könnte. Anna und ihre beiden Gefährten, der vom Leben gebeutelte Glückspilz und die freche "Pechmarie", könnten auch Dorothy, dem Blechmann, der Vogelscheuche und dem feigen Löwen die Hand reichen...

    Aber das soll nicht heißen, dass hier irgendetwas schnöde abgekupfert ist! Bei aller Hommage bietet das Buch doch mehr als genug Eigenes, zutiefst Originelles. Anna ist nicht Alice, Atreju oder Dorothy - Anna ist Anna, und ihre Reise könnte niemand sonst genau so erleben. Sie ist eine sehr sympathische Protagonistin, mit der ich mitgelitten und mitgefühlt habe auf ihrer Suche nach ihrer Mutter, nach Liebe und Akzeptanz. Oft zeigt sie großen Mut und großes Mitgefühl.

    Auch Luke mochte ich direkt. Obwohl er schon oft in Situationen geriet, die er nur knapp überlebte, und bei einer davon sogar seine Beine verlor, hat er sich Lebensmut und Optimismus bewahrt. Er ist auf der Suche nach einem Heilmittel für seine todkranke Nichte und dazu sogar bereit, sich selber zu opfern.

    Zelda dagegen machte es mir etwas schwerer, und das sicher durchaus so gewollt: sie benimmt sich dreist, selbstsüchtig und überheblich, behauptet von sich selbst, dass sie einfach alles kann, und schockiert gerne durch ihr Verhalten. Erst so nach und nach entdeckt der Leser, dass dahinter mehr steckt als nur eine verwöhnte Göre.

    Oft wirken Charaktere erst so, wie Märchenfiguren eben sind: durch und durch gut oder böse, schwarz oder weiß. Aber sie alle entwickeln im Laufe der Geschichte mehr Tiefe, und im Endeffekt ist keiner 100%ig so, wie er zunächst erscheint... Sie werden mit viel Liebe zum oft skurillen Detail geschildert, und sie sind alle lebendig und bleiben einem im Gedächtnis.

    Durch die Geschichte zieht sich wie ein roter Faden das Thema Tod, denn die Welt im Keller ist untrennbar mit dem Schicksal des Kinderhospizes Niemalsfern verbunden - einem Ort, an dem todkranke Kinder in Würde und Liebe sterben können. Das klingt unglaublich deprimierend, aber tatsächlich ist es unglaublich hoffnungsvoll! Bis zum unerwarteten Ende zeigt einem der Autor immer wieder, wie sehr Menschen aus Güte und Mitgefühl über sich hinauswachsen können.

    Und das liest sich meiner Meinung nach sehr spannend! Anna und ihre Gefährten müssen ein Hindernis nach dem anderen überwinden, sich ihren tiefsten Ängsten stellen und lernen, sich selbst und einander wirklich zu akzeptieren... Dabei geschehen immer wieder Dinge, die ich niemals erwartet hätte, und vor allem das Ende hat mich kalt erwischt und sprachlos zurückgelassen. Ich möchte noch nichts darüber verraten, aber es ist ein sehr intensives Ende, und eigentlich das einzig mögliche, richtige Ende.

    Der Schreibstil ist märchenhaft und doch modern, und damit die perfekte Mischung für diese Geschichte.

    Fazit:
    Ein wunderbares modernes Märchen, in dem ein trauriges Thema zu einer hoffnungsvollen Botschaft wird. Es liest sich spannend, bewegend und manchmal richtig poetisch, und für Anna und ihre Gefährten wird das Abenteuer zu einer Reise durch die eigenen Ängste, Wünsche und Hoffnungen. Eine ganz klare Leseempfehlung!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Jan 2015 

    Modernes Märchen mit emotional bewegender Thematik

    Nach Der Junge, der Glück brachte nun ein Fantasymärchen um ein Mädchen, das Hoffnung für ein Kinderhospiz bringt. Ein schwieriges Thema, das von Nicholas Vega sensibel umgesetzt wurde.

    Inhalt:
    Die vierzehnjährige Anna ist im Heim aufgewachsen. Sie beschließt sich auf die Suche nach ihrer Mutter zu machen und begegnet auf ihrer Reise dem im Rollstuhl sitzenden Lukas und der sich seltsam verhaltenden Zelda. Die drei machen sich gemeinsam auf den Weg und landen im Kinderhospiz Niemalsfern, das die Behörden in Kürze schließen lassen wollen. Wie sich herausstellt, wird es von einem gefährlichen Gegner bedroht, den die drei in einer verborgenen Welt im Keller des Hospizes zu bekämpfen versuchen. Der Kampf ihres Lebens beginnt, während um sie herum sich die Hoffnungslosigkeit ausbreitet.

    Setting und Stil:
    Das Kinderhospiz Niemalsfern ist Ausgangspunkt der Abenteuer der drei und Nicholas Vega gelingt es hervorragend einen Blick in und hinter die Kulissen eines Hospizes zu zeigen. Er findet die richtigen Worte, um den Ort und die dort herrschenden Stimmungen zu beschreiben und sie dem Leser nahe zu bringen. Genauso intensiv wie diese Abschnitte ist der Ausflug in die Welt, die man über den Keller des Hospizes erreichen kann. Märchenhaft geht es zu und es gibt viele Anspielungen auf Dinge, die in eine moderne Märchenwelt passen.
    Erzählt wird das Buch aus Annas Perspektive, wodurch eine intensive Beziehung zur stimmlosen Heldin entsteht. Es geht sehr fantasievoll zu und die emotional mitnehmendsten Stellen werden durch genauso heitere Momente wieder aufgefangen.

    Charaktere:
    Anna bildet das Zentrum der Geschichte und wird von Nicholas Vega so lebendig beschrieben, dass die Identifizierung mit ihr mühelos gelingt. Dasselbe gilt für ihre Gefährten und denen ihnen begegnenden Menschen und Wesen. Die Charaktere sind klar gezeichnet und verhalten sich ihren Rollen entsprechend.
    Nicholas Vega schickt schon ein sehr eigenes Team auf die Reise, doch trotz ihren Einschränkungen bilden sie eine Einheit, die ans Herz geht und bewegt.

    Geschichte:
    Sich mit Kinderhospiz und dem Tod zu beschäftigen ist sicher keine leichte Lektüre. Nicholas Vega hat im Kinderhospiz Bärenherz, nur einem von zwölf in Deutschland, recherchiert und es ist ihm gelungen, seine Eindrücke stimmig in die Handlung einzubauen. Entstanden ist ein großartiges Märchen und eine rundum gelungene Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

    Fazit:
    Nicholas Vega ist es gelungen trotz des nicht einfachen Themas mir ein intensives und bewegendes Leseerlebnis zu bescheren. Ein Buch ab 12 Jahren, das Alt und Jung gleichermaßen fesseln wird. Eine Geschichte, die einen so leicht nicht wieder loslässt. Sehr zu empfehlen für alle, die sich auf fantastische Weise dem Thema nähern wollen.