Das Lied der Arktis: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Lied der Arktis: Roman' von Bérengère Cournut
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Lied der Arktis: Roman"

Der Mond leuchtet hell über der Arktis, als das Eis bricht und Uqsuralik von ihrer Familie trennt. Auf einen Schlag ist sie vollkommen allein in der ewigen Polarnacht. Ihr einziger Schutz ist ein Bärenfell, und sie weiß: Sie darf niemals stehen bleiben. Zwischen Fjorden und Eisbergen lernt sie die Sprache der Natur, den Robben nachzuspüren und die Geister zu fürchten. Nach Tagen der Einsamkeit begegnet sie einer anderen Nomadenfamilie und schließt sich der Gemeinschaft an. Doch was zunächst als Rettung erscheint, birgt neue unvorhersehbare Gefahren.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:256
EAN:9783550200977

Rezensionen zu "Das Lied der Arktis: Roman"

  1. In einer fremden Welt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Dez 2020 

    Das Mädchen Uqsuralik ist noch sehr jung als sie aufgrund einer auseinanderbrechenden Eisscholle von ihrer Familie getrennt wird. Nur mit einem Bärenfell und einer Harpune, die ihr der Vater gerade noch zuwerfen kann, ausgerüstet ist sie der eisig kalten Arktis ausgeliefert. Sie weiß, dass sie keine Zeit auszuruhen, wenn sie am Leben bleiben will. Nach einigen Tagen trifft sie auf einen Clan, der sie aufnimmt. Mit dem Sohn des Familienoberhaupts bildet sie eine Gemeinschaft. Doch nicht alle Mitglieder der Familie sind ihr freundlich gesinnt. Weil Uqsuralik eine gute Jägerin ist, zieht sie sich Neid und Eifersucht des alten Mannes zu. Es kommt zu einem tragischen Unglück und Uqsuralik ist wieder auf sich allein gestellt. Glücklicherweise findet sie die Familie ihres Onkels und von da an bleibt sie bei diesem Familienverband.

    Das Lied der Arktis ist ein ganz besonders eigentümliches Buch, in Inhalt und Sprache. Die französische Schriftstellerin Bérengère Cournut beschreibt das Leben der Inuit, ein Leben mit und gegen die Natur, achtsam und respektvoll. Es ist in der unwirtlichen Kälte ein täglicher harter und entbehrungsreicher Kampf, für eine geschützte Unterkunft, Kleidung, Nahrung zu sorgen. Wir begleiten aber Uqsuralik und ihre Familie nicht nur bei ihrem physischen Fortkommen, sondern erleben die magische Welt archaischer Mythen und Rituale rund um Geburt, Leben und Sterben.

    „Jetzt habe ich eine Mutter, die zugleich die Tochter meiner Tochter ist, während ich ihre Großmutter bin: Wir drei bilden zusammen einen Lebenskreis, und auch die anderen fühlen sich uns durch ihre Blutsbande …. auf natürliche Weise verbunden.“

    Der Fortbestand der Familie, Geburt und Wiedergeburt, die Weitergabe von Namen, Amuletten und Zaubern, die wir heute natürlich als völlig anachronistisch ansehen würden, ist wichtigste Grundlage– ein Zusammenhalt, ohne den ein Überleben in der Arktis unmöglich wäre.

    „Während meines langen Lebens als Inuit habe ich gelernt, dass Macht etwas Stilles ist. Etwas, das man empfängt und das – genau wie für Kinder und Lieder – durch einen durchgeht. Und das man wieder loslassen muss.“

    Im Epilog spricht Uqsuralik von „ihrer Zeit“ und erzählt von den Menschen - den weißen Männern mit dicken Augenbrauen - die kamen, um zu kolonialisieren, von der Vorstellungswelt keine Ahnung hatten und alles besser wussten als das, was über tausende Jahre tradiert wurde. Das lässt diese fremde Welt noch einmal mehr wirken.

    „Ich habe euch im Blick. Ich, die Frau aus Stein mit dem Wesen eines Bären und dem Namen des Hermelins. Die Frau aus Stein – Uqsuralik.“

  1. Uqsuraliks Weg

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Nov 2020 

    Dieses Buch ist ein kleiner Schatz und bietet Einblicke in eine untergegangene Kultur, in eine vergangene Welt, ist eine Zeitreise zu den Inuit, den Bewohnern der nordamerikanischen Arktis. Dieses Buch ist urtümlich und ursprünglich und bietet tiefe Einsichten in ein vollkommen anders ausgerichtetes Denken und Fühlen. Bérengère Cournut schafft es wunderbar vor den Augen der Leser eine mythische und auch poetische fremde Welt entstehen zu lassen, in der das Grauen der arktischen Welt fast spielerisch anmutet, dennoch aber vorhanden ist. Und ich habe mich auch gefragt, wie sie dieses Buch schreiben konnte, welchen Bezug sie zu den Inuit hat. Denn dieses Buch klingt wie von den Inuit selbst geschrieben. Uqsuralik, eine junge Inuit-Frau, wird von ihrer Familie getrennt und geht ihren abenteuerlichen Weg durch das nördlichste Amerika. Voller Kraft, voller Träume und voller schamanistischer Tradition. Ich liebe es! Frauenpower bei den Inuit. Eine Kultur, die ich bisher sehr patriarchalisch wahrgenommen habe. Was ich wahrscheinlich überdenken sollte. Oder will!?!? "Das Lied der Arktis" ist ungemein spannend, ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, förmlich verschlungen. Und ich kann nur sagen, ich habe dieses Buch geliebt!

    Die alten und ursprünglichen Fotografien am Ende des Buches vermitteln ein wunderbares Bild dieser untergegangenen Kultur. Allen die Inuit nicht Kennenden wird damit etwas Hilfestellung geboten und der Fantasie etwas unter die Arme gegriffen.

    Wen die Welt der Inuit fasziniert, dem sei dieses ethnographische buch wärmstens empfohlen: "Die Eskimos" von Kai Birket-Smith