Das letzte Ritual

Buchseite und Rezensionen zu 'Das letzte Ritual' von Yrsa Sigurdardóttir
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4 von 5 (2 Bewertungen)

In der Universität von Reykjavík wird die Leiche eines jungen Deutschen gefunden. Der Geschichtsstudent war fasziniert von alten Hexenkulten, und sein Mörder hat ihm ein merkwürdiges Zeichen in die Haut geritzt. Aber die isländische Polizei glaubt an einen Drogendelikt und verhaftet einen Dealer. Die Eltern des Opfers misstrauen den Ermittlungen: Sie beauftragen die junge Anwältin Dóra Gudmundsdóttir, den Fall noch einmal aufzurollen. Und auf der Suche nach dem wahren Mörder findet Dóra mehr über die dunklen Rituale heraus, als ihr lieb ist …


Format:Taschenbuch
Seiten:384
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442714407

Rezensionen zu "Das letzte Ritual"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Apr 2018 

    Hexenritual in Island - ein ungewöhnlicher Mordfall

    Nachdem ich im letzten Jahr meinen ersten Roman der Isländerin gelesen habe, Geisterfjord, und mich dieser begeistert hat, steht auch in diesem Jahr mindestens ein Krimi aus dem hohen Norden auf dem Programm. War "Geisterfjord" eher mysteriös mit fantastischen Anteilen, beschäftigt sich "Das letzte Ritual" mit den realen Hexenverbrennungen in Island.

    Worum geht es?
    Ende Oktober 2005 findet Gunnar, Professor und Leiter der Historischen Fakultät der Universität Reykjavík, in einem der Büroräume früh morgens eine entsetzlich verunstaltete Männerleiche.
    Es handelt sich um den deutschen Geschichtesstudenten Harald Guntlieb, der seine Masterarbeit in Island schreiben wollte.

    Eine Woche später wird die Rechtsanwältin Dóra von dessen Mutter kontaktiert:

    "Wir suchen jemanden, der den Fall noch einmal aufrollt, das Beweismaterial begutachtet und die Schlussfolgerungen der Polizei überprüft." (S.19)

    Sollte sie den Auftrag annehmen, stehe ein fürstliches Gehalt in Aussicht, eine Tatsache, die die alleinerziehende Mutter zweier Kinder neben dem ungewöhnlichen Fall überzeugt.

    Matthias Reich, der für die sehr wohlhabende Familie arbeitet, macht Dóra mit den Ermittlungen vertraut und soll ihr beiseite stehen. Er erzählt ihr auch von Haralds Interesse für "Hexenverfolgung. Folter und Hinrichtungen." (27) Seine Masterarbeit beschäftigte sich mit der erst im Vergleich zum Festland spät einsetzenden Hexenverfolgung in Island, dabei taucht immer wieder ein bestimmtes Buch auf: Malleus Maleficarum, "Hexenhammer",

    "eines der berüchtigsten Bücher in der Geschichte der Menschheit. Es wurde erstmals 1486 als Handbuch für Inquisitoren herausgegeben. Diese sollten lernen, Hexen zu erkennen und anzuklagen." (S.46)

    Harald hat sich für die Geschichte dieses Buches interessiert, das im Jahr 1486 in Speyer vom Dominikaner Heinrich Kramer veröffentlicht wurde und bis ins 17.Jahrhundert hinein in mehreren Auflagen erschienen ist. (wikipedia)

    In den Ermittlungsakten, die sie von Matthias erhält, findet Dóra einige Ungereimtheiten:
    Warum hält sich Harald auf Familienfotos immer etwas abseits? Dazu passt auch die unpersönliche Mail Haralds an seinen Vater.
    Welches Verhältnis hatte er zu seiner behinderten Schwester?
    Warum wurde er aus der Bundeswehr nach einem Einsatz im Kosovo entlassen?
    Was hat es mit dem Geschichtsverein "Malleus Maleficarum" auf sich?
    Was sucht ein Zeitungsartikel in den Unterlagen, in dem von sexuellen Würgespielen die Rede ist und davon, dass ein junger Mann dabei ums Leben gekommen ist?
    Für welchen Gegenstand hat Harald 42 000 € bezahlt?

    Es gibt auch Hinweise auf seine besten Freunde, darunter der Medizinstudent Halldór, mit dem er eine besonders enge Beziehung gehabt haben soll, wie sich in weiteren Gesprächen herausstellt.
    Einer der Freunde Hugi sitzt als Tatverdächtiger im Gefängnis, da die beiden am fraglichen Abend gemeinsam eine Party verlassen haben und man Blut an Hugis Kleidern gefunden hat.

    Die größten Rätsel gibt neben der Weigerung der Freunde, irgendetwas preiszugeben, die Leiche selbst auf. Harald wurde erstickt, die Augen wurden nach dem Tod entfernt und ihm wurde eine Schnittwunde in Form einer magischen Rune zugefügt.

    Was hat sie zu bedeuten? Wurde er Opfer eines Hexenrituals? Welche Rolle spielen seine Freunde und das Thema seiner Master-Arbeit? Ist Hugi wirklich unschuldig? Und was hat es mit dem verschwundenen Dokument aus dem dänischen historischen Archiv auf sich, das Harald entwendet haben soll?

    Spannende Fragen!

    Bewertung
    Im Gegensatz zu Geisterfjord taucht trotz der Hexensprüche und magischen Rituale nichts wirklich Mysteriöses auf. Eigentlich schade...
    Statt dessen erfährt man vieles über die Hexenverfolgung in Europa, insbesondere in Island, über jenen berüchtigten "Hexenhammer" und die Wege, die ein solches Buch nehmen kann ;)

    Im Mittelpunkt steht natürlich der ungewöhnliche Kriminialfall sowie die beiden sympathischen Protagonisten - die Rechtsanwältin Dóra und Matthias, die sich ebenfalls zu mögen scheinen. Man erfährt auch einiges über Dóras Familienleben und beim Lesen ist sie mir so ans Herz gewachsen, dass ich recherchieren werde, ob sie auch noch in einem anderen Roman Sigurdardóttirs ermittelt.

    Spannende und interessante Unterhaltung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Feb 2016 

    Buchseiten

    An der Universität von Reykjavik wird ein Student tot aufgefunden. Es handelt sich um den Deutschen Harald Guntlieb. Ein Täter wird schnell verhaftet. Doch Haralds Eltern wollen sich mit dieser Lösung nicht zufrieden geben. Sie wollen wissen, was wirklich zum Tod ihres Sohnes geführt hat. Sie engagieren die Anwältin Thóra Gudmundsdottir. Diese allein erziehend mit zwei Kindern, etwas chaotisch, aber dennoch voller Wissensdurst. Ihr zur Seite steht Matthias Reich, der von der Familie Guntlieb nach Island geschickt wird. Die beiden versuchen unvoreingenommen an den Fall heranzugehen. Haralds besondere Vorlieben, was seine Aufmachung und auch seinen Studienschwerpunkt anbetrifft, macht die Ermittlungen zu einen Ausflug in eine andere Welt.

    Es geht in die Vergangenheit, die Zeit der Hexenjagden in Europa. Dafür hat sich der Student Harald am meisten interessiert. Er hat sich auf Spurensuche begeben, einen Vergleich zwischen Island und Deutschland wollte er ziehen. Thóra und Matthias folgen seinen Spuren, was hat er gesucht, hat er etwas gefunden. Doch wieso sollten seine Studien etwas mit seinem Tod zu tun haben. Kann nicht eher seine Clique von eigenartigen Freunden ihm den Tod gebracht haben.

    In diesem ersten Fall um die Anwältin Thóra Gudmundsdottir führt die Autorin ihre Leser durch die Landschaften und Städte Islands. Sie beschreibt die Lebensumstände Thóras, ihr witziges Büroumfeld, ihre Kinder und auch ihre Fähigkeit, sich in einen Fall hineinzuknien. Zwar sehr gut recherchiert sind die geschichtlichen Fakten, aber doch ein wenig ausschweifend. Das mag vielleicht eher für die Leser gelten, die dem Thema der Hexenverfolgungen nicht ganz so viel abgewinnen können, dennoch hätte hier eine kleine Straffung nicht geschadet. Die Neugier auf die Entdeckung der Zusammenhänge geht jedoch nie verloren und so liest man diesen Krimi mit immer größer werdender Spannung. Witz gepaart mit einen packenden Fall und sympathischen Protagonisten bieten beste Unterhaltung.