Das Labyrinth der Welt: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Labyrinth der Welt: Roman' von Ross King
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5 von 5 (1 Bewertungen)

Ein sagenumwobenes Buch und eine lebensgefährliche Suche: „Das Labyrinth der Welt“ von Ross King jetzt als eBook bei dotbooks.

London, im 17. Jahrhundert. Ein mysteriöser Auftrag ereilt den Buchhändler Isaac Inchbold: Die geheimnisvolle Lady Aletha bittet ihn, ein überaus wertvolles Manuskript ausfindig zu machen, welches einst aus ihrem Besitz verschwand. Obwohl das Buch bereits Vater und Ehemann der Lady den Tod brachte, erklärt sich Inchbold bereit, sich dem gefährlichen Rätsel zu stellen. Dabei stößt er auf Spione und Gelehrte, Alchimisten und Ketzer – und ist schon bald in ein undurchsichtiges Netz aus Intrigen verstrickt, das auch sein eigenes Leben bedroht ...

„King ist ein ausgezeichneter Roman gelungen, den man auf verschiedenen Ebenen goutieren kann: als Kriminal- und Abenteuerschmöker, als historischen und bibliophilen Roman oder als Netzwerk von Zeichen und Motiven.“
Neue Zürcher Zeitung

Jetzt als eBook kaufen und genießen: „Das Labyrinth der Welt“ von Ross King. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:480
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442727070

Rezensionen zu "Das Labyrinth der Welt: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Dez 2015 

    Was für ein Abenteuer

    Dieses Buch habe ich vor langer Zeit schon einmal gelesen, als Taschenbuch. Vor Kurzem konnte ich noch eine gebundene Ausgabe ergattern und habe mir das Vergnügen noch einmal angetan. Und eines weiß ich jetzt schon. In ein paar Jahren werde ich es auf jeden Fall noch einmal verschlingen.

    London, 1660. Isaac Inchbold ist einer von sechs Buchhändlern auf der London Bridge.

    Da sich das Angebot dieser Läden nicht auf die Bedürfnisse von Vikaren, Anwälten oder sonstwem beschränkte, boten sie eine breitere Auswahl als diejenigen in den anderen Bezirken, daher konnte man in ihren Regalen so ziemlich alles finden, was jemals auf ein Stück Pergament gekritzelt oder gedruckt und zwischen zwei Buchdeckel gepreßt worden war. Das größte Angebot von allem barg die Buchhandlung im Nonsuch House, etwa auf halber Höhe der London Bridge gelegen, über deren grüner Tür und den beiden blankgeputzten Schaufensterscheiben ein Schild hing, dessen verwitterte Inschrift folgendes besagte:

    NONSUCH BOOKS
    Ankauf und Verkauf sämtlicher Titel
    Isaac Inchbold, Inhaber

    Isaac Inchbold erzählt hier seine Geschichte. 1635 ging er mit 14 Jahren in diesen seinen Buchladen in die Lehre, nachdem sein Vater bei einer Pestepidemie starb. Wegen der Schulden, die dieser der Familie hinterließ, nahm sich seine Mutter das Leben. Mit seinem Eintritt als "freier Bürger in die Zunft der Papierhändler" starb auch sein Lehrmeister an der Pest.

    Und so wurde ich an diesem folgenschweren Tag Eigentümer von Nonsuch Books, wo ich seither im Durcheinander mehrerer tausend in Saffianleder und Leinen gebundener Gefährten meine Zeit verbracht habe.

    Isaac war ziemlich weltfremd, auch wenn er sich als Mensch der Großstadt bezeichnet. Eine enge Wohnung hatte er über seinem Buchladen und er verließ das Haus nur, wenn es unbedingt nötig war. Er war kurzsichtig, hatte Asthma und einen Klumpfuß.
    Am liebsten hätte Isaac sein beschauliches Leben bis an sein Lebensende weitergeführt. Doch dann flatterte ihm eines Tages eine Einladung einer Lady Marchamont ins Haus. Sie bat um sein Kommen.
    An dieser Einladung fiel Isaac etwas Eigenartiges auf. Das "ursprüngliche Wassersiegel schien abgepaust, aufgebrochen und später mittels eines gefälschten Stempels mit Schellack wieder verschlossen" worden zu sein.
    Bei Lady Marchamont angekommen, ließ man ihn in einem ziemlich dunklen Zimmer warten.

    Als ich mich umdrehte, knarrte eine Diele unter meinem Stiefel. Dann stieß der Zeh meines verkrüppelten Fußes gegen ein Hindernis. Ich senkte den Blick [...]
    Aber dann... etwas Vertrautes. Ich bemerkte, daß der Geruch nach etwas Altem den Raum durchzog, ein Geruch, den ich besser kannte und mehr liebte als jedes Parfüm. Ich drehte mich nochmals um, hob den Blick und sah eine Regalreihe voller Bücher neben der anderen, die augenscheinlich jeden Zoll der Wände bedeckten. Über der auf halber Höhe angebrachten, mit einem Geländer versehenen Galerie erstreckten sich weitere Bücherwände bis zur unsichtbaren Decke empor.
    Eine Bibliothek...

    Die Bibliothek, in der er sich befand, wird fünf Seiten lang beschrieben. Zu viel, um es hier als Zitat einzufügen.
    Lady Marchamant erzählt Inchbold, wie es dazu kam, dass Pontifex Hall so heruntergekommen ist. Vor gut fünfzehn Jahren wurde der Besitz wegen verräterischer Aktivitäten gegen das Parlament beschlagnahmt. Viele Möbel wurden verbrannt, so einiges sicher auch verkauft.
    Aber erst am nächsten Tag erfuhr er mehr über die Bibliothek und seinen Auftrag. Er soll ein bestimmtes Buch suchen: Das Labyrinth der Welt. Doch nicht irgendeine Ausgabe, sondern das mit dem Ex Libris von Lady Marchamants Vater.
    Ich liebe ja nicht nur "Bücher über Bücher", sondern auch Geschichten, die in England, insbesondere in London spielen.

    Acht Uhr. Der Morgen kam in blaßrosafarbenen und perlgrauen Lichtadern über London gekrochen. Schon seit Stunden war die Stadt dröhnend, klappernd, rülpsend, lärmend, singend und seufzend auf den Beinen. Doch obwohl es Sommer war, hielt sich die Dunkelheit am Himmel. Knorrige Rauchsäulen stiegen hoch empor, um das Morgenlicht zu filtern und auseinanderzuzupfen, als hätten sich Dutzende orientalischer Geister aus ihren entkorkten Flaschen befreit und sich von Smithfield bis Ratcliff und soweit das Auge reichte entlang der Flußmündung verteilt. Dann kehrten sie zurück, um sich wie ein feines schwarzes Pulver, das alles ummantelte, beschmutzte und zerfraß, auf der Stadt niederzulassen, ein unaufhörliches Rieseln, vor dem es kein Entkommen gab. Die gräucherten Speckseiten, die auf dem Leadenhall Market aushingen, waren bereits vom schwarzen Rauhreif überzogen, ebenso jeder Kragen, jede Hutkrempe, jede Markise und jedes Fensterbrett in der ganzen Stadt. Und es würde noch schlimmer kommen, da schon diese frühe Morgenstunde unerträgliche Hitze versprach, und der Hitze folgte unweigerlich der Gestank. Nahe am Themseufer vermengte sich der muffige Geruch des Schlicks aus dem unausgehobenen Flußbett mit den süßlichen Ausdünstungen von Melasse, Zucker und Rum aus den verfallenden Lagerhäusern und Fabriken, die sich vom Kai heraufdrängten. Hinzu kam der beißende Gestank des Blasentangs und der Schnecken, die bei Ebbe bloßgelegt wurden. Der Wind wehte von Osten, was für diese Jahreszeit ungewöhnlich war, und schob so die faulig riechende Wolke flußaufwärts, durch das endlose Gewirr gepflasterter Straßen, lichtloser Innenhöfe, halboffener Einfahrten und Fenster, hinein in jede Nische und jeden Schlupfwinkel der Stadt.

    Liest sich das nicht toll? Jedenfalls, wenn ich in meinem gemütlichen Lesesessel sitze :-)