Das Hexenmädchen

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Hexenmädchen' von Max Bentow
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Zwei kleine Mädchen verschwinden. Drei Menschen werden grausam hingerichtet. Und wer ist die »Hexe«, von der die Kinder erzählt haben?


Den Berliner Kommissar Nils Trojan erwartet ein alptraumhaftes Szenario, als er mitten in der Nacht am Schauplatz eines Verbrechens eintrifft: Das männliche Opfer wurde in seiner eigenen Küche auf grausame Weise hingerichtet, der Körper ist arrangiert zu einem grotesken Tableau. Noch bevor Trojan Atem holen kann, schlägt der Mörder wieder zu – und wieder trägt die Leiche die unverwechselbare Signatur des Täters.


Trojan hat nicht den geringsten Anhaltspunkt, doch dann verschwindet plötzlich die kleine Sophie, dicht gefolgt von ihrer Freundin Jule, von der ebenfalls jede Spur fehlt. Langsam beschleicht ihn der Verdacht, dass ein Zusammenhang zwischen den Fällen besteht - denn zwei Fragen gehen Trojan nicht aus dem Kopf: Warum haben die Kinder von einer mysteriösen "Hexe" gesprochen, die sie in Angst und Schrecken versetzt? Und warum fühlte er sich beim Anblick der Mordopfer fatal an ein bekanntes Kindermärchen erinnert?


Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:384
EAN:9783442484287

Rezensionen zu "Das Hexenmädchen"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 03. Dez 2016 

    Märchenhaft...

    Der Berliner Kommissar Nils Trojan und sein Team geraten in einen wahren Albtraum, als sie fieberhaft im Fall eines Serientäters ermitteln. Drei Opfer wurden kurz nacheinander tot in ihren Wohnungen aufgefunden, auf ebenso groteske wie grausame Weise ermordet – und mit jeder Stunde, die vergeht, muss Trojan fürchten, an einen weiteren Schauplatz gerufen zu werden. Dann sind plötzlich zwei kleine Mädchen unauffindbar, und Trojan wird das Gefühl nicht los, dass ein Zusammenhang zwischen den Fällen besteht. Denn beide Kinder sprachen kurz vor ihrem Verschwinden von einer „Hexe“, die sie in Angst und Schrecken versetzte. Und Trojan musste beim Anblick der Toten unwillkürlich an ein bekanntes Kindermärchen denken ...

    Der vierte Teil der Reihe lässt Nils Trojan hinter einem Täter herjagen, der seine Opfer in demütigender Haltung hinterlässt: kniend vor dem Ofen, den Kopf bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Abgesehen von dem bestialischen Gestank ist es diese demütigende Haltung, die der Ermittler nicht aus dem Kopf bekommt. Dazu zwei verschwundene Mädchen, ein alter Fall, in dem ein Kind aus dem Wald gerannt kam und seinem Retter von einer Hexe berichtete, dann aber verstarb, und eine geheimnisvolle Schneekugel mit einem kleinen Hexenhäuschen, einer Hexe und Gretel davor - doch wo ist Hänsel? Nils Trojan muss seine grauen Zellen schon arg anstrengen, um da einen Zusammenhang zu entdecken.

    Wieder einmal stößt Nils Trojan bei seinen Ermittlungen an persönliche Grenzen - die Panikattacken scheinen eher noch zuzunehmen, und Hilfe ist nicht in Sicht. Er versucht, seine Ängste vor seinen Kollegen zu verbergen, kann aufgrund der Brisanz der Fälle aber auch nicht kürzer treten. Selbst als Trojan die Symptome fälschlicherweise für einen Herzinfarkt hält und sich ärztlich untersuchen lässt, zieht er keine Konsequenzen. Seine ehemalige Psychologin Jana Michels kann ihn therapeutisch auch nicht länger unterstützen, da sie und Nils sich privat näher gekommen sind. Selbst wenn ihre Beziehung momentan eher auf Eis liegt, da Jana sich nicht sicher ist, ob sie die stets dräuende Gefahr um den Ermittler auf Dauer erträgt.

    Die Nähe zu einem der Grimmschen Märchen ist von Max Bentow bildhaft inszeniert worden. Das Ausleuchten der Tatorte ist stellenweise durchaus gruselig, was nicht nur auf den Leser zutrifft, sondern auch auf den Ermittler des Thrillers. Da ich Trojan nun schon vier Fälle lang begleitet habe, interessiert mich sein Privatleben durchaus, doch muss Bentow aufpassen, dass sich das Verhältnis zwischen den Ermittlungen einerseits und den Einblicken in Trojans Leben andererseits zumindest noch die Waage hält - zwischenzeitlich fand ich es des Guten doch ein wenig zu viel. Zu viel waren für mich dann auch die Personen, die in diesem Fall alle eine Rolle spielten. Dies trug natürlich auch zur gewünschten Verwirrung bei, doch war es tatsächlich schwierig, da noch den Überblick zu behalten. Ich war froh, dass es am Ende nicht - wie doch schon in einigen vorherigen Bänden bemängelt - Superkräfte waren, mit deren Hilfe Trojan den Serientäter schießlich stellte. Trotzdem war ich am Schluss nicht ganz zufrieden, weil die Auflösung zwar überraschend war, aber in meinen Augen zu konstruiert und von der Motivlage her wenig vorstellbar.

    Kurze Kapitel, geschickt platzierte Cliffhanger sowie wechselnde Perspektiven sorgten, verbunden mit einem gewohnt flüssigen Schreibstil und immer wieder aufkeimender Spannung, dafür, dass ich nur so durch die Seiten flog. Deshalb runde ich die 3,5 Sterne gerne auf vier auf und freue mich trotz meiner kritischen Anmerkungen schon auf Band 5!

    © Parden

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 22. Nov 2015 

    Waldeinsamkeit

    Nils Troja leidet weiterhin unter heftigen Panikattacken, sehr unangenehm ist es ihm, dass seine Tochter mit ihm zur Notaufnahme muss. Trotzdem eilt er zum Tatort als er den Telefonanruf erhält. In einer Wohnung wird die Leiche eines Lehrers gefunden. Seine kleine Tochter musste vom Nebenzimmer aus alles mithören, ein wenig Glück hatte sie, denn der Mörder hat sie nicht entdeckt. Das Leben des Lehrers scheint sehr unauffällig, bemerkenswert ist allerdings, dass er die Festplatte seines Computers unwiederbringlich gelöscht hat. Nahezu gleichzeitig meldet eine besorgte Mutter das Verschwinden ihrer Tochter. Zunächst bleiben die Hinweise spärlich, doch als eine zweite Leiche gefunden wird, gelingt es langsam, Zusammenhänge zu finden.

    Der angeschlagene Ermittler Nils Troja, gegen seine Panikattacken ankämpfend und um eine bessere Beziehung sowohl zu seiner Tochter als auch zu seiner neuen Liebe ringend, wird hier wirklich gefordert. Konfrontiert mit den Leichen, deren Anblick einen normalen Magen zum revoltieren bringen muss, will er sich selbst bezwingen, gerade auch, da Hoffnung besteht, das verschwundene Kind zu retten. Obwohl das eigentlich nicht sein Fall ist, sagt das Bauchgefühl, dass es etwas mit den Morden zu tun haben könnte. Noch wegen der Erlebnisse während des letzten Falles beginnt Trojans Freundin Jana, sich zurückzuziehen. Eine weitere Baustelle, die Nils Trojan mehr Kraft abverlangt als er eigentlich hat.

    Zunächst könnte man versucht sein, zu denken, schon wieder ein Serienkiller. Doch schnell wird klar, dass der Mörder ein Ziel hat, dass die Geschehnisse nicht so zufällig sind, wie man erstmal annimmt. Verschiedene Handlungsstränge, die wegen ihrer Vielfältigkeit einige Fragen auslösen, fügen sich im Verlauf der Story zu einem stimmigen Ganzen. Mit sich immer weiter steigernder Spannung und sich erhöhendem Tempo fesselt dieser Thriller ganz außerordentlich. Immer wieder überrascht der Autor mit neuen Wendungen um schließlich darzustellen, wohin sich misshandelte Seelen entwickeln können. Auch wenn dem Ermittler schließlich ein Aufatmen gegönnt wird, der nächste Killer lauert mit Sicherheit schon.