Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy

Buchseite und Rezensionen zu 'Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy' von Maria Braig
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Nachdem der Vater der dreizehnjährigen Shirin in Afghanistan beim Minensuchen tödlich verunglückt, ändert sich ihr Leben schlagartig. Als "Teejunge" muss sie nun auf dem Basar von Herat Geld verdienen, anstatt wie bisher die Schule zu besuchen.

Hier trifft sie den "Dancing Boy" Faruk, der ihr seine traurige Geschichte erzählt. Die beiden werden Freunde, und als sich das Schicksal wendet, machen sie sich zusammen auf den Weg in ein neues Leben.

Autor:
Format:Kindle Edition
Seiten:207
Verlag: BookRix
EAN:

Rezensionen zu "Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Nov 2018 

    Berührende Geschichte

    „Du warst ein wenig wie ein Mädchen und doch ein Junge und ich habe begonnen zu kapieren, dass aus uns alles werden kann. Dass nichts von Beginn an feststeht.“ (S. 218)

    Maria Braig ist eine Autorin, deren Bücher ich in schöner Regelmäßigkeit mit zunehmender Begeisterung lese. Sie schreibt nicht für die große Masse an Romantasy- oder sonstigen Lesern, sondern für einen Kreis von Menschen, die etwas bewegen wollen und evtl. auch können. Sei es als Käufer ihrer stets gut recherchierten Bücher oder auch nur als Rezensent – die Romane lassen den Leser nicht kalt und man baut Vorurteile gegenüber Minderheiten ab, schüttelt den Kopf über die in dem jeweiligen Buch vorherrschenden Zustände und lernt nebenbei Hintergründe über Land/Leute und – wie im vorliegenden Fall - die in Afghanistan verwandten Traditionen bzgl. des Zusammenlebens zwischen Männern und Frauen, Jungen und Mädchen usw. und den daraus resultierenden Problemen (nicht nur) in der Gesellschaft, kennen.

    In „Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy“ geht es um Shirin, die nach dem Tod ihres Vaters als Bacha Posh („Teejunge“) Shahin die Familie versorgen muss. Dabei lernt sie den Bacha Bazi (Dancing Boy) Faruk kennen und freundet sich mit ihm an. Den Rest der Geschichte sollte der geneigte Leser sich selbst „aneignen“ :-).

    Ich muss zugeben, dass ich vor der Lektüre dieses Buches keine Ahnung davon hatte, wie in Afghanistan die Beziehung Mann / Frau respektive Junge / Mädchen funktioniert. Dementsprechend geschockt war ich, als mir die Autorin innerhalb der Geschichte diese „Fakten“ nahegebracht hat. Natürlich hat jedes Land seine eigenen Sitten und Traditionen, die man akzeptieren, aber nicht gutheißen muss und man entwickelt eine Solidarität gegenüber Männern und vor allem Frauen, die um Unabhängigkeit und Freiheit ringen und ist entsetzt, wie die Politik auf die Proteste reagiert, weil Ewiggestrige nicht mitkriegen, dass die Welt sich weiterdreht und Mädchen und Frauen (und auch Jungen) keine „Ware“ sind, mit der man tun und lassen kann, was Mann will.

    In den Romanen von Maria Braig schreitet die Geschichte immer schnell voran. Sie hält sich nicht mit „Kleinigkeiten“ auf und Gevatter Zufall hat auch (sehr) oft einen Auftritt. Ich denke aber, dass da ein wenig (schriftstellerisches) Kalkül hinter steckt: Zum einen sollen Bücher unterhalten, zum anderen sollen die Leserinnen und Leser (egal welcher Altersstufe) sich Fragen stellen, sollen ins diskutieren, zum Austausch kommen – nur so kann sich etwas in der Gesellschaft verändern.

    „Das heimliche Mädchen und der Dancing Boy“ ist als Jugendbuch erschienen und genau dieses „Publikum“ wird gut bedacht. Maria Braig will aufklären ohne den Zeigefinger zu hoch zu halten; sie übt Kritik am System, ruft aber zwischen den Zeilen immer zu Toleranz und Menschlichkeit auf. Außerdem ist es Maria Braig ein (persönliches) Anliegen, sich für die Mädchen- und Frauenrechte auf dieser Welt einzusetzen und es ist ihr gutes Recht, für eine tolerante und offene Gesellschaft zu kämpfen, in der es keinen Platz gibt für Schwulen- und Lesbenhass und für die Verfolgung von (politisch) Andersdenkenden gegenüber der Obrigkeit.

    All das sind bzw. sollten Gründe für Schulbibliotheken von weiterführenden Schulen sein, mindestens ein Exemplar dieser Geschichte anzuschaffen und die Schulen sollten Maria Braig zu Lesungen einladen.