Das gläserne Meer: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das gläserne Meer: Roman' von Josh Weil
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Die Zwillinge Jarik und Dima sind von Geburt an unzertrennlich. Nach dem Tod des Vaters wachsen sie auf dem Bauernhof ihres Onkels auf, die Tage verbringen sie in den Kornfeldern und die Nächte im Bann der mythischen Geschichten aus dem russischen Sagenschatz. Jahre später arbeiten die Brüder Seite an Seite in der Oranzeria, dem gigantischen Gewächshaus, das sich hektarweit in alle Richtungen erstreckt. Dieses gläserne Meer wird von im Weltall schwebenden Spiegeln beleuchtet, die das Sonnenlicht rund um die Uhr auf die Erde werfen – ein künstlich geschaffener ewiger Tag, der die Produktivität der Region verdoppeln soll. Bald ist die Arbeit das Einzige, was sie verbindet: den robusten Jarik, verheiratet und Vater zweier Kinder, und Dima, den Träumer, der allein bei der Mutter lebt. Doch eine Begegnung mit dem Besitzer der Oranzeria verändert alles: Während Dima sich ambitionslos dahintreiben lässt, wird Jarik immer weiter befördert, bis sie schließlich zu Aushängeschildern gegensätzlicher Ideologien werden. ›Das gläserne Meer‹ ist ein großer Roman über den Preis unserer Träume und Ideale, hochpoetisch und angefüllt mit der Magie russischer Märchen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:672
EAN:9783832197971

Rezensionen zu "Das gläserne Meer: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Nov 2015 

    Oranzeria oder das gläserne Meer

    Die Zwillinge Dima und Jarik wachsen nach dem Tod des Vaters und dem Zusammenbruch der Mutter wohlbehütet auf dem Bauernhof des Onkels auf.
    Mit den Geschichten von märchenhaften Gestalten des Onkels werden sie groß und unter ihen entwickelt sich eine Zugehörigkeit zueinander.
    Doch eines Tages verliebt sich Jarik, heiratet und bekommt 2 Kinder, damit er seine Familie ernähren kann arbeitet er unter einem Oligarchen in Oranzeria
    dem größten Gewächshaus der Welt und droht immer mehr Fläche des Landes einzunehmen.
    Durch Raumspiegeln oben im Orbit beleuchtet, umgarnt es die Bewohner von Petroplavilsk in ständigem Tageslicht und konstanter Produktivität
    Anfänglich arbeiten auch beide Brüder noch zusammen, werden jedoch irgendwann voneinander getrennt.
    Jarik in der Frühschicht wo er auch noch Tageslicht sieht und Dima der immer mehr erblasst in der Nachtschicht. Durch die Veränderung die Oranzeria
    bringt müssen andere Samen und Getreide angebaut werden, die Tierwelt kommt durcheinander.
    Auch Dima fühlt sich immer unwohler in seiner Lage und träumt davon den Bauernhof des Onkels wieder zurückzukaufen und wieder das Leben davor zu leben.
    Doch dies kann er nur mit Jariks Hilfe und dieser scheint von der Idee nicht so begeistert zu sein, will er doch lieber Karriere machen und Vorarbeiter werden.
    Und so passiert es das die Brüder sich immer mehr auseinanderleben. Dima der Träumer in das einfache Leben gerade so am Existenzminimum und Jarik klettert
    die Erfolgsleiter immer weiter nach oben. Sie werden immer mehr zu Schachfiguren die unterschiedliche Ideale und Ideologien bekommen die sogar ihre Brüderband zerstören will.

    Meine Meinung:
    Am Anfang bin ich etwas erschrocken als ich mit der Post dieses dicke Buch bekommen habe. Aufgemacht ist es mit einem wunderschönen bis ins Detail tollen bearbeiteten Cover.
    Und ich bin überrascht das ein am. Schriftsteller so eine Liebe zu Russland,den Menschen und dem System entwickeln konnte das er sogar einen dicken
    Roman bzw. Märchen schreibt.
    Hier spiegelt sich russische Kultur,Sprache,Liebe und Politik wieder, ich war etwas enttäuscht das der Autor keinen Anhang mit der Übersetzung bestimmter Worte angefügt hatte.
    Der Autor hat eine große Liebe zur Natur die sich auch in diesem Roman wiederspiegelt
    Die mit dem Zauber russischer Märchen angereicherte, hochpoetische Mischung aus Märchen, Science Fiction und Gesellschaftskritik ist keine leichte Kost, es fordert einen schon heraus.
    Und wenn man sich an den Schreibstil gewöhnt hat dann wird es auch immer einfacher in das Buch einzutauchen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Nov 2015 

    Das Gläserne Meer

    Josh Weil
    Das Gläserne Meer
    Dumont

    Autor: Josh Weil, geboren 1976, wurde 2009 von der Jury des National Book Award zu den »5 Under 35« gezählt und erhielt 2010 für seine Novellensammlung ›The New Valley‹ (als ›Herdentiere‹ und ›Das neue Tal‹ bei DuMont erschienen) den Sue-Kaufman-Debütpreis. Er lebt mit seiner Familie in der Sierra Nevada. (Quelle: Dumont)

    Die Zwillinge Jarik und Dima sind unzertrennlich und wachsen bei Ihrem Onkel auf, weil ihr Vater gestorben ist. Als erwachsene Männer arbeiten beide noch in der Oranzeria (dies lässt sich am ehesten mit einem großen Gewächshaus erklären) in derselben Schicht zusammen. Dort schmiegen Sie Pläne für Ihre Zukunft. Als dies der Vorarbeiter herausbekommt, müssen beide in einer andren Schicht arbeiten. Damit nimmt das Leben der beiden seinen Lauf, aus 2 Menschen, die unzertrennlich waren, entstehen 2 unterschiedliche Werdegänge.

    Josh Weil schafft es in seinem Buch Märchen und Scine-Fiction super zu kombinieren. Auf 672 Seiten begeben wir uns in eine fabelhaft geschriebene Geschichte. Jedes Kapitel beginnt mit einer kleinen Zeichnung, das fällt positiv ins Auge. Es handelt sich um nicht ganz einfache Kost und einige Textpassagen sind nicht immer auf Anhieb verständlich und müssen mitunter mehrfach gelesen werden aber auch das ist zu verkraften. Wer sich die Mühe macht und dem Buch eine Chance gibt, wird mit einer tollen Story belohnt.

    Cover: Das Cover zeigt ein Bild, auf dem wir 2 Personen sehen können, die völlig schwarz sind. Außerdem sehen wir einen Phönix und eine Holzhütte. Es ist völlig in Rot gehalten. Das Cover passt damit perfekt zum Inhalt des Buches. Die Rotfärbung, welche auch im Buch beschrieben wird (sie tritt wegen der Spiegel auf, um den Tag/Nacht Rhythmus zu simulieren). Unter dem Schutzumschlag finden wir ein Hardcover, welches in rot gehalten ist, auf dem man einige Wolken sieht. Außerdem passt der Titel 100 % zum Inhalt des Buches, da dort große Spiegel für ewiges Licht sorgen. Positiv fällt mir das Lesezeichen auf, welches im Buchrücken eingearbeitet ist.

    Fazit: Ich kann das Buch nur empfehlen. Zwar liest es sich nicht immer ganz leicht, aber wenn man einmal ins Buch gefunden hat, möchte man nicht mehr heraus, bis man das Ende erreicht hat.

    Klappentext: Die Zwillinge Jarik und Dima sind von Geburt an unzertrennlich. Nach dem Tod des Vaters wachsen sie auf dem Bauernhof ihres Onkels auf, die Tage verbringen sie in den Kornfeldern und die Nächte im Bann der mythischen Geschichten aus dem russischen Sagenschatz. Jahre später arbeiten die Brüder Seite an Seite in der Oranzeria, dem gigantischen Gewächshaus, das sich hektarweit in alle Richtungen erstreckt.
    Dieses gläserne Meer wird von im Weltall schwebenden Spiegeln beleuchtet, die das Sonnenlicht rund um die Uhr auf die Erde werfen – ein künstlich geschaffener ewiger Tag, der die Produktivität der Region verdoppeln soll. Bald ist die Arbeit das Einzige, was sie verbindet: den robusten Jarik, verheiratet und Vater zweier Kinder, und Dima, den Träumer, der allein bei der Mutter lebt. Doch eine Begegnung mit dem Besitzer der Oranzeria verändert alles: Während Dima sich ambitionslos dahintreiben lässt, wird Jarik immer weiter befördert, bis sie schließlich zu Aushängeschildern gegensätzlicher Ideologien werden. ›Das gläserne Meer‹ ist ein großer Roman über den Preis unserer Träume und Ideale, hochpoetisch und angefüllt mit der Magie russischer Märchen. (Quelle: Dumont)

    Titel: Das Gläserne Meer
    Autor: Josh Weil
    Seiten: 672
    Verlag: Dumont
    Preis: 24,99
    ISBN: 978-3-8321-9797-1

    http://wurm200.blogspot.de/

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Aug 2015 

    Gleiche Brüder

    Die Zwillinge Dima und Jarik haben wie fast alle Kinder eine schöne Kindheit. Unzertrennlich wie sie sind, ergänzt einer den anderen, erleben sie gemeinsame Abenteuer. Jäh wird ihre Idylle zerstört als ihr Vater im See ertrinkt und die Mutter in ihrer großen Trauer ein Jahr in einem Sanatorium verbringen muss. Ihr Onkel versucht, ihnen die Eltern zu ersetzen. Jahre später schon längst erwachsen hat sich ihre Heimat Russland zu einer Oligarchie entwickelt, in der Produktivität alles ist was zählt. Große Spiegel wurden ins All geschossen, um den Tag zu verlängern und den Ertrag zu erhöhen. Unabhängigkeit von den Jahreszeiten soll ein riesiges Gewächshaus bringen.

    Beeindruckt von einem Aufenthalt in der Sowjetunion, den er als Jungendlicher im Rahmen eines Schüleraustausches erleben durfte, wuchs in Josh Weil die Idee zu diesem Roman. Immer wieder verändert, über Jahre hin schließlich zu dem vorliegenden Buch gereift. Es erzählt die Geschichte der Zwillingsbrüder Dima und Jarik, die zunächst fast wie zwei Hälften eines Ganzen scheinen. Im Aufwachsen jedoch und dann zu Beginn der Zeit der Spiegel entfernen sich ihre Wege nach und nach. Jarik heiratet und bekommt zwei Kinder und Dima wohnt gemeinsam mit der Mutter in einer kleinen Mietwohnung. Auf ihre gemeinsamen Ideen können sie nicht aufbauen. Sie erregen die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten und durch die Verlegung ihrer Schichten, bleibt ihnen nicht mehr viel gemeinsame Zeit. Wer durchschaut das Regime der Oligarchen besser, der der mit den Wölfen heult oder der Rebell wider Willen. Eine Frage, die offen bleiben muss, die aber dennoch den Kern dieses Romans auszumachen scheint. Unentschieden bleibt man da auch als Leser. Teilweise versenkt man sich in die Handlung, teilweise sträubt man sich. Es kann kein Besser oder Schlechter geben. Es gibt einfach nur die Geschichte zweier Brüder, die so gleich und doch so unterschiedlich sind. Nach der Lektüre glaubt man, einen Ausflug in die russische Seele unternommen zu haben, häufig fremd und doch vertraut. Lesenswert!