Das geträumte Land: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das geträumte Land: Roman' von Imbolo Mbue
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Jende Jonga, ein in New York lebender kamerunischer Einwanderer, ist auf der Suche nach einem besseren Leben für sich, seine Frau Neni und den sechsjährigen Sohn in die USA gekommen. Jende kann sein Glück kaum fassen, als er im Herbst 2007 den Job als Fahrer von Clark Edwards ergattert, einem leitenden Manager bei Lehman Brothers. Clark verlangt Pünktlichkeit, Diskretion und Loyalität – und Jende will um jeden Preis gefallen. Clarks Ehefrau Cindy bietet Neni sogar an, in den Ferien im Sommerhaus der Edwards in den Hamptons als Nanny zu arbeiten. Endlich können Jende und Neni in Amerika Fuß fassen, sie malen sich ihre Zukunft in den buntesten Farben aus. Doch die Welt der Mächtigen und Reichen birgt verstörende Geheimnisse, und schon bald entdecken Jende und Neni feine Risse in der Fassade ihrer Arbeitgeber. Als der Zusammenbruch der Lehman Brothers die Finanzwelt erschüttert, versuchen die Jongas verzweifelt, Jendes Job zu retten – auch um den Preis ihrer Ehe. Das Leben der beiden Paare wird dramatisch auf den Kopf gestellt: Jende und Neni sehen sich gezwungen, eine unmögliche Entscheidung zu treffen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:432
EAN:9783462047967

Rezensionen zu "Das geträumte Land: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Aug 2017 

    Just do it?

    Gemeinsam mit Literaturhexle ist diese Rezension entstanden, der erste Teil stammt von ihr:

    Inhalt

    Jende und Neni Jonga stammen aus Kamerun und haben in Amerika einen Asyl Antrag gestellt, um dauerhaft dort leben zu können. Der Titel trifft es sehr genau: Das Ehepaar hat ein völlig unrealistisches Bild von Amerika, dem Land ihrer Träume und der unbegrenzten Möglichkeiten.

    Die Geschichte ist eingebettet in die beginnende Finanzkrise Amerikas: Jende bekommt einen Job als Chauffeur bei Mr Clark und seiner Familie. Clark repräsentiert zunächst ein Abbild des Amerikaners, der es "geschafft" hat: Er ist Manager bei Lehman Brothers (man ahnt, was kommen wird...), ständig unter Strom, in Eile und mit wenig Zeit für die Familie. Diese Familie mit zwei Söhnen lernen wir besser kennen und es tun sich tiefe Risse in der amerikanischen Idylle auf...

    Schließlich verliert Jende seinen Job, er und seine Frau kämpfen um die Existenz, mit der Einwandererbehörde, schließlich auch miteinander...

    Literaturhexles Bewertung
    Ich gestehe, dass ich das Buch so etwa bis 2/3 als relativ vorhersehbar empfunden habe. Nicht schlecht, weil man beide SEITEN der Medaille kennenlernt und sich sehr gut in die Lage der Asylanten hineinversetzen kann. Danach entwickelten sich die Dinge aber nochmal interessant und anders, als ich erwartete!
    Der Vorleser hat mich dieses Mal nicht umgehauen, er las ziemlich "dröge".

    Meine Bewertung
    Der Beginn des Romans suggeriert zunächst, dass der amerikanische Traum ein weiteres Mal Realität werden wird - ein guter Job als Chauffeur, der Jendes Frau Neni die Möglichkeit eröffnet, weiter am College zu studieren und gegebenenfalls ihren Traum - Apothekerin werden zu wollen, leben zu können. Ein Traum, der realistisch betrachtet, wenig Aussichten auf Erfolg hat, wie ihr der Dekan ihres Colleges sehr gewissenhaft auseinander setzt. Amerika ist das "geträumte Land".
    Der Roman führt deutlich vor Augen, was es heißt als Asylbewerber in einem schwebenden Verfahren in einem fremden Land zu bestehen. Die Ängste, die permanenten finanziellen Nöten, die Ansprüche aus der Heimat, Geld zu schicken, und immer noch die Unterschiede zwischen "Schwarz" und "Weiß".
    Gleichzeitig sind mir die kulturellen Unterschiede zwischen Jendes Ansichten zur Rolle des Mannes in der Familie und meiner eigenen aufgefallen. Für Jende und auch Neni steht außer Frage, dass er das Sagen hat, bestimmt, welchen Weg die Familie geht. Neni muss sich seinem Willen beugen, so bestimmt er, dass sie mit dem Neugeborenen zuhause bleibt und ein Urlaubssemester macht.
    Trotzdem wirkt er nicht unsympatisch, er ist seinem Arbeitgeber loyal gegenüber, verlässlich und gewissenhaft. Das Hörbuch zeichnet ein sehr differenziertes Bild der beiden Familien - der Clarks und der Jongas und verurteilt nicht...
    Die Wende sorgt für die nötige Spannung und wirft viele Diskussionspunkte auf, so dass ich/wir das Hörbuch weiter empfehlen können.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Feb 2017 

    Land der Illusionen

    Jende Jonga aus Kamerun lebt seit einigen Monaten ohne Papiere in New York. Und endlich hat er es geschafft, seine Frau und seinen kleinen Sohn auch nach Amerika zu holen. Hier erhoffen sie sich Chancen, die ihnen ihre Heimat Kamerun nicht bieten kann. Während Jende eher von einem eigenen Haus, etwas Luxus und finanzieller Sicherheit träumt, will seine Frau Neni unbedingt studieren und Apothekerin werden. Nicht zuletzt wünschen sie sich für ihren Sohn Liomi eine gute Ausbildung und eine besserer Zukunft.
    Als Jende über Beziehungen den Job als Chauffeur des Bankmanagers Clark Edwards
    bekommt, schwebt er zunächst im 7. Himmel. Doch allmählich blickt Jende durch seine Tätigkeit hinter die Fassade der reichen und glücklichen Familie.
    Im Sommer wird auch Jendes Frau Neni von Mrs Edwards als Haus- und Kindermädchen engagiert. Auch sie ist zunächst geblendet vom luxuriösen und glamourösen Lebensstil der Bankerfamilie. Doch bald erkennt auch sie, wie einsam und traurig Mrs Edwards in Wahrheit ist. Als die Bankenkrise ihre Opfer fordert, verändert sich das Leben beider Familien dramatisch.
    So aktuell der Roman über Familie, Immigration, Illusionen und Träume auch ist, hat er mich doch nicht ganz überzeugen können. Zu klischeehaft werden die Edwards als reiche Schnösel mit perfekter Fassade, hinter der sich wenig verbirgt, geschildert.
    Jende und Neni dagegen wirken zwar realistisch mit ihren Träumen vom besseren Leben, gelegentlich aber auch recht naiv und blind für Amerikas Schattenseiten. Eher unsympathisch und zu ihrem Charakter unpassend empfand ich, zu welchen Mitteln Neni am Ende greift, um ihre Ziele zu erreichen. Die Dialoge wirken stellenweise etwas hölzern, was allerdings auch an der Übersetzung aus dem Amerikanischen und Afrikanischen resultieren kann.
    ,,Das geträumte Land“ ist insgesamt lesenwert, aber keine ,,unvergessliche Geschichte“.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Feb 2017 

    Es ist nicht alles Gold was glänzt

    Jende Jonga und seine Frau Neni haben es geschafft: Sie sind in New York, USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In Kamerun, woher sie beide stammen, gab es zum Einen keine Möglichkeit für sie, gemeinsam zu leben. Und zum Anderen waren ihre Zukunftsaussichten alles andere als rosig. Arbeit gibt es dort so gut wie keine und wenn, sind es schlecht bezahlte Hilfsarbeiten. Um auf's College zu gehen oder eine der wenigen gut bezahlten Stellen zu erhalten, muss man Beziehungen und Geld haben - Jende und Neni haben beides nicht. Doch dank seines Cousins haben sie es in die USA geschafft: Jende hat eine gute Stelle als Chauffeur bei einem Wallstreet-Banker und Neni macht ihren Abschluss, um danach Pharmazie zu studieren. Alles ist wunderbar, doch dann kommt die Bankenkrise und das Leben der Jongas ändert sich.
    Die Geschichte wird vollständig aus der Sicht der Jongas erzählt: Jende, der den Großteil seiner Zeit als Chauffeuer mit seinem Arbeitgeber Mr. Edwards verbringt, einem leitenden Manager bei Lehman Brothers. Und Neni, die im Sommer für Mr. Edwards Frau in den Hamptons arbeitet. Beide erhalten unweigerlich einen tiefen Einblick in diese Familie, die so reich ist, dass es die Jongas kaum glauben können. Doch nie gibt es ein Wort oder einen Gedanken des Neides - stattdessen sind Jende und Neni den Edwards überaus dankbar, auch wenn diese sich kaum für ihre Angestellten interessieren. Typisch, könnte man nun meinen. Diese reiche, egoistische und egozentrische High-Society, die den Bezug zum normalen Leben so gut wie verloren hat. Doch so leicht macht es die Autorin den Lesenden in ihrem Erstlingswerk nicht. Auch die Edwards haben ihr Päckchen zu tragen und nicht alle Banker denken ausschließlich an ihren eigenen Profit.
    Imbolo Mbue, die selbst aus Kamerun stammt und nun in den USA lebt, hat nach meinem Empfinden ein ungemein realitätsnahes Werk geschaffen, dass vermutlich die Hoffnungen und Ängste vieler Einwanderer (nicht nur derjenigen aus Afrika) nachvollziehbar widerspiegelt. Dass sie bei der Darstellung des amerikanischen Gegenübers nicht in Klischees verfällt, ist ein weiterer großer Pluspunkt für diese unterhaltsame, etwas traurige aber auch amüsante Geschichte. Sehr sehr lesenswert!