Das flüssige Land: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das flüssige Land: Roman' von Raphaela Edelbauer
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4 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das flüssige Land: Roman"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:350
Verlag: Klett-Cotta
EAN:9783608964363

Rezensionen zu "Das flüssige Land: Roman"

  1. Eine Erforschung

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Okt 2019 

    Gleichzeitig sterben Ruths Eltern bei einem Autounfall. Die junge Physikerin ist am Boden zerstört. War ihr Leben vorher schon schwierig, gerät es nun völlig aus den Fugen. Gerade noch zusammengehalten von Psychopharmaka. Geheimnisvoll erscheint die Bitte der Eltern, an ihrem Heimatort bestattet zu werden. Denn dieses Groß-Einland lässt sich nicht so einfach finden. Ruth versucht, sich an Einzelheiten von Erzählungen ihrer Eltern zu erinnern und schafft es schließlich, den Ort über beinahe unwegsame Straßen aufzusuchen. Ein Dorf findet sie, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Abgeschieden, abgeschottet, rückständig so wirkt es. Dennoch sind die Eltern jede Woche hierher gekommen.

    Vielleicht kennt man das Gefühl, wenn man etwas über einen Verwandten erfährt, mit dem man keinesfalls gerechnet hätte. Verblüffung, Erstaunen, Unglaube, so kann es einen treffen. Und so trifft es auch Ruth, die wesentlich weniger von ihren Eltern wusste als sie zu wissen glaubte. Was hat es mit diesem seltsamen Groß-Einland auf sich? Wieso entzieht sich der Ort seiner Entdeckung? Und woher kommt die geheimnisvolle Unterhöhlung, in die das gesamte Dorf zu versinken droht? Nach und nach wagt sich Ruth an die Erforschung der möglichen Antworten. Allerdings tun sich eher weitere Fragen auf und niemand im Dorf scheint besonderes Interesse an Ruths Untersuchungen zu haben.

    Diese Geschichte bietet keine einfachen Lösungen oder Antworten. Sie hat etwas von einer Utopie und auch von einen Kriminalroman. Ruths Suche nach der Familienvergangenheit, nach der Sage des Groß-Einland ist ausgesprochen spannend und doch vage. Man nähert sich der Geschichte des Bergwerks, der planlos angelegten Gänge im Berg, den Verschwundenen. So wie Ruth fragt man nach denen, die dem Nationalsozialismus zu Opfer gefallen sind, an deren Tod niemand Schuld gewesen sein will. Ruth, die glaubte, eine Heimat gefunden zu haben, muss dies ebenso ernsthaft hinterfragen wie die Umstände des Todes der Eltern. Dieses Buch fesselt mit seiner Suche nach Wahrheit und der Reaktion der Beteiligten. Die Erinnerung sollte bewahrt werden, unliebsame Artefakte in einen Schacht zu werfen, ist keine Lösung.

    4,5 Sterne