Das Ensemble: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Ensemble: Roman' von Aja Gabel
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Freundschaft, Ehrgeiz, Hingabe – die Musik als große Metapher für unser Leben

Droht das Leben, sie auseinanderzutreiben, hält die Musik sie zusammen. Denn sobald Jana, Brit, Henry und Daniel auf der Bühne stehen, zählt nur noch eins: Sie sind das Van-Ness-Quartett. Die vier Freunde bringen es vom Konservatorium bis in die Carnegie Hall, lieben und verlieren und finden sich, überwinden Missgunst und Streit und liegen nachts doch wieder wach, weil das nächste Konzert, der nächste Wettbewerb über ihr Leben entscheidet. Bis Henry, Bratschist und Wunderkind wider Willen, sich entscheiden muss: Soll er dem Drängen eines Gönners nachgeben und Solist werden?
Einfühlsam und elegisch erzählt, gibt uns Aja Gabels Roman das Gefühl, ganz von Musik umgeben zu sein. Ein fulminantes Debüt und eine Autorin, die es zu entdecken gilt!


»Ein einfühlsames Porträt vier junger Musiker: manchmal im Zwist miteinander, manchmal in Harmonie, aber immer untrennbar verbunden auf ihrem gemeinsamen Weg.« Celeste Ng

Autor:
Format:Kindle Ausgabe
Seiten:400
Verlag: Piper ebooks
EAN:

Rezensionen zu "Das Ensemble: Roman"

  1. Einzeln zwischen kritisch und großartig, gemeinam virtuos

    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Mär 2020 

    „Obwohl sie tief im Alltag der anderen verwurzelt waren (das Quartett war eine Art Lebenspartnerschaft) und manchmal nicht umhinkamen, sich einzumischen, drehten sich ihre Gespräche eher um Einsätze, Crescendos und Karrieren als um Liebesdinge.“ (Zitat Pos. 1057)

    Inhalt
    Schon während der Ausbildung haben sie sich gefunden und das Van-Ness-Quartett gegründet. Jana, Erste Violine, die meistens, und nicht nur in der Musik, den Ton und das Tempo vorgibt, Brit, die Zweite Violine, leise, im Leben manchmal pianissimo, doch wenn es im Ensemble darauf ankommt, ist sie präsent. Henry, Bratsche, das hochbegabte, jüngste Mitglied, denkt manchmal über eine Solokarriere nach und Daniel, Cello, der älteste der Gruppe, ist beinahe zwanghaft perfekt, ein großartiger Musiker, aber als Mensch anstrengend. Nach dem Abschlusskonzert am Konservatorium nehmen sie am Esterhazy-Quartett-Wettbewerb in Kanada teil, ein guter Platz wäre ein perfekter Start in eine erfolgreiche Zukunft. Doch persönliche Konflikte könnten sie auch musikalisch aus dem Takt zu bringen.

    Thema und Genre
    In diesem Roman geht es um Musik, um Erfolg als Künstler und die Frage, ob ein intensives Leben als Musiker noch Platz lässt für Beziehungen. Ein wichtiges Thema sind die völlig unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Mitglieder des Quartetts, sich daraus ergebende heftigen Diskussionen um musikalische Auslegungen und gleichzeitig die Liebe zur Musik als starkes Band, das sie zusammenhält und auch ihr Privatleben bestimmt.

    Charaktere
    Jana, Brit, Henry und Daniel sind sehr unterschiedlich in ihrem Herangehen an die Musik. Dennoch sind sie dann erfolgreich, wenn sie sich von der gemeinsamen Liebe zur Musik leiten lassen und so auch zu einem musikalischen Gleichklang finden. Die einzelnen Charaktere sind einfühlsam mit Liebe zum Detail geschildert und immer glaubhaft und stimmig. Die hohen persönlichen Anforderungen des Lebens als Musiker werden sehr realistisch, klar und keinesfalls idealisiert dargestellt, hier verstärkt durch die Zugehörigkeit zu einem Ensemble.

    Handlung und Schreibstil
    Der Roman folgt dem Ensemble chronologisch über mehr als fünfzehn Jahre lang, ist in vier Teile eingeteilt, wobei es in jedem Teil auch um bestimmte Musikstücke geht. Die personale Erzählform stellt in den einzelnen Kapiteln jeweils ein Mitglied des Ensembles in den Mittelpunkt, in Teil 1 und Teil 3 ist es abwechselnd Jana oder Brit, in Teil 2 und Teil 4 Henry oder Daniel. Dadurch ergeben sich für den Leser unterschiedliche Sichtweisen auf bestimmte Ereignisse, wodurch die Handlung intensiv erlebt wird. Musik und Leben im Alltag von Partnerschaften und Familie werden so zu einem facettenreichen Gesamtbild, auch in der Sprache untermalt von Musik.

    Fazit
    Ein leiser, manchmal nachdenklicher Roman, Musik, die konstant durch alle Entscheidungen der Mitglieder eines Ensembles von Streichinstrumenten schwingt, um dann in einer Konfliktsituation zum Fortissimo aufzubrausen. Die Frage, ob ein intensives Musikerleben, der Wunsch nach Anerkennung und Erfolg, für ein erfülltes Leben ausreichen, ob ein Ensemble die Familie ersetzt, oder ob ein privates Parallelleben möglich ist, gibt in diesem Roman gleich einem Notenschlüssel den Ton an. Diese ungewöhnliche Idee, gekonnt umgesetzt, garantiert Lesevergnügen, nicht nur für Musikfreunde.

  1. Das Ensemble: Eine Freundschaft fürs Leben

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 03. Mär 2020 

    Dieser Roman beschreibt und handelt von einer Freundschaft, die sich durch ihre Liebe zur Kammermusik ergeben hat. Jana, Henry, Daniel und Brit haben ihr Studium beendet und sich als Kammermusik-Quartett zusammen geschlossen. Die vier Persönlichkeiten haben eine völlig unterschiedliche Herkunft. Während Henry liebevoll in seinen Interessen unterstützt und gefördert wurde, musste Daniel seinen musikalischen Weg ohne familiäre Schubkraft und finanzielle Mittel durchsetzen, was ungleich mehr Kraft und Durchsetzungsstärke erfordert. Brit hat gar keine Familie mehr, ihre Eltern starben kurz hintereinander. Das geerbte Haus ermöglichte ihr aber, die Ausbildung ohne finanzielle Sorgen abzuschließen. Jana ist froh, wenn sie ihre Eltern nicht sieht, das Verhältnis ist gespannt: „Meine Mutter hat mich nie spielen sehen. (…) Sie mag klassische Musik nicht wirklich. Überhaupt mag sie eigentlich nur sich. Und Wodka. Meinen Vater kenne ich nicht. Und irgendwie ist das auch gut so. Ich musste im Publikum nie jemanden beeindrucken, nur Fremde. Und mich.“
    Jana ist geradlinig und ehrgeizig, ihrer Führung vertraut sich das Ensemble an.

    Auch die Talente sind nicht gleich verteilt. Insbesondere Bratschist Henry gilt als Ausnahmetalent, er wird schon früh umworben, um die Gruppe zu verlassen und eine Solokarriere zu starten. Diese Möglichkeit schwelt im Raum, lässt Neid aufkeimen, der das musikalische Klima mitvergiftet. Zu Beginn des Romans stehen die Vier unmittelbar vor dem Esterhazy, einem weltweit angesehen klassischen Musikwettbewerb, der ihnen den Durchbruch bescheren soll. Allerdings spielen die vier jungen Leute noch nicht sehr lange miteinander und der gemeinsame Erfolg hängt zentral von der zwischenmenschlichen Harmonie ab. „Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber in mir sind viele Tonlagen. Es geht darum, aus der Polyphonie zur Harmonie zu finden. Menschen sind wie Musik. Wir verstehen das nur nicht genug.“, sagt Daniel zu Brit. Diese beiden sind im Grunde über all die Jahre miteinander verbunden, es ist auch ihre Beziehung zueinander, die sehr sensibel über die Höhen und Tiefen des Lebens geschildert wird.

    Der Roman besteht aus vier Teilen. Jedem Teil stehen die Musikstücke voran, an denen das Quartett in diesem Abschnitt übt, die aufgeführt werden oder sonst eine Rolle spielen. Wunderbar ist, dass es sogar auf YouTube eine Zusammenstellung aller Stücke dieses Romans gibt, so dass man beim Lesen wunderbar mithören kann. Jeder dieser Teile deckt einen bestimmten Zeitraum ab (Teil 1: San Francisco ab Mai 1994/Teil 2: New York ab August 1998/Teil 3: L.A. ab März 2003/Teil 4: The Redwoods ab September 2007). In jedem Teil gibt es Abschnitte, die mit einem der Musiker betitelt ist und der im Zentrum steht. Dadurch erfährt man als Leser sowohl, was den einzelnen beschäftigt, als auch, welchen Herausforderungen sich das Ensemble zu stellen hat. Die Perspektiven wechseln. Jeder hat ein Geflecht aus Beziehungen, jeder hat seine Individualität. Im Außenverhältnis wird sich verliebt, da gibt es Liebeskummer, Geldsorgen, aber auch Glück und erfüllende Momente. Es gibt gesundheitliche Probleme, die das große Ganze in Gefahr bringen können. Später werden Familien gegründet, die sich auch mit der Passion der Kammermusik arrangieren müssen. Doch auch im Innenverhältnis gibt es Konflikte, unterschiedliche Ansichten und Prioritäten.

    „Das Ensemble“ ist ein leicht zu lesender Roman, der aber an keiner Stelle in die Trivialität abgleitet. Menschen mit Bezug zur klassischen Musik werden vermutlich mehr Freude daran haben, jedoch ist er auch für alle anderen als Freundschaftsroman zu lesen. Die musikalischen Sequenzen sind weder ausufernd noch zu fachspezifisch formuliert. Es geht mehr um das musikalische Gefühl, um die Einheit als Gruppe, denn um überbordende Fachtermini, die nur für Spezialisten zu verstehen sind.
    Im Roman geht es eben um Musik und um Freundschaft. Aja Gabel hat einen sehr ansprechenden Sprachstil, man spürt, dass sie selbst einen engen Bezug zur Kammermusik hat. Ich habe diesen Roman wirklich gern gelesen und empfehle ihn weiter. Ich bin sicher, dass er einem breiten Publikum gefallen wird.