Das Durchdrehen der Schraube

Rezensionen zu "Das Durchdrehen der Schraube"

  1. Schaurig-schön oder schön schaurig?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Nov 2018 

    Was macht ein gutes, sehr gutes oder überragendes Buch aus?

    1. Es erzeugt Spannung und Gänsehaut von der ersten bis zur letzten Seite.

    2. Es weckt am Ende jedes Kapitels die Neugier beim Leser, wie es weiter geht, so dass man es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

    3. Es besticht durch sprachliche Eleganz und Tiefe.

    4. Es öffnet durch bildhaft verwendete Sprache die Tür der Phantasie des Lesers.

    Es gibt bestimmt noch mehr Punkte, die ich jetzt ansprechen könnte, aber jeder weitere würde diesem Werk wohl nicht (mehr) gerecht werden. Denn eigentlich drücken diese vier Punkte schon genau das aus, was ich beim Lesen von „Das Durchdrehen der Schraube“ von Henry James empfunden und „empfangen“ habe.

    Henry James macht es der Leserschaft nicht gerade einfach: es wird vieles angedeutet, aber nicht aufgelöst, er hat mit der naiven und jungen Gouvernante eine Figur geschaffen, die am Ende durch ihren blinden Egoismus (oder ist es einfach eine Über-Liebe zu ihren Schützlingen?) mehr kaputt macht, als die (offensichtlich vorhandenen?) Probleme wirklich zu lösen und so letztendlich ein Opfer ihrer Selbst wird und damit ebenso zwei Unschuldsengel von Kindern (Achtung: Ironie!!!) in die alles vernichtende Katastrophe treibt.

    In der vorliegenden und auch in anderen Ausgaben dieses Meisterwerks der britischen Literatur (das wohl auch lange als schwierig zu übersetzen galt) gibt es noch ein sehr interessantes Nachwort, in dem viel von dem, was Henry James bei dem Leser bewirken wollte, näher unter die Lupe genommen wird und welches einen unweigerlich dazu führt, über das gelesene noch einmal näher nachzudenken und immer wieder mit neuen Denkansätzen von vorne lesen zu lassen.