Das Buch eines Sommers: Werde, der du bist

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Buch eines Sommers: Werde, der du bist' von Bas Kast
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Buch eines Sommers: Werde, der du bist"

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag:
EAN:9783257071504

Rezensionen zu "Das Buch eines Sommers: Werde, der du bist"

  1. Sprezzatura

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Okt 2020 

    Der Begriff Sprezzatura wurde von Baldassare Castiglione als Fähigkeit beschrieben, auch
    anstrengende Taten leicht und mühelos erscheinen zu lassen.
    Wikipedia
    Der Roman besteht aus zwei Teilen. Der zweite Teil ist in weitere dreiundzwanzig Kapitel
    aufgeteilt.
    In einem Sommer vor langer Zeit…
    Nicolas hat sein Abitur bestanden und will mit Katharina seine Freiheit genießen. Doch
    Katharina ist auf den Weg nach Sydney um dort in Australien zu studieren. Sein Onkel
    Valentin ist ein berühmter Schriftsteller. Anders als sein Vater führt er einen exzentrischen
    Lebensstil, seine Devise lautet „[…] seinem Leben und Texten doch noch »mehr sprezzatura
    einhauchen«“. (S.14) Er lädt Nicolas ein auf eine kleine Reise mit zu gehen. Nicolas verbringt
    den Sommer bei seinem Onkel, der im Gegensatz zu seinem Vater abenteuerlustig und
    risikofreudig ist.
    „Ins Leben, mein Lieber. Komm mit, Junge, ich muss dir unbedingt was zeigen.“ (S.13)
    Nicolas entwickelt eine große Zuneigung zu seinem Onkel. Aus Liebe zu seinem Neffen
    Nicolas erfindet der Schriftsteller Valentin den Romanhelden Christopher. Christopher soll
    nach seinem Tod Nicolas helfen, wenn dieser nicht mehr weiterweiß.
    »[…]Damit ich, auch wenn es mich mal nicht mehr gibt, immer bei dir sein kann.«“ (S.31)
    Viele Sommer später
    Nicolas ist ein erfolgreicher Pharma-Unternehmer geworden. Er ist verheiratet mit Valerie
    und hat einen Sohn Julian. Doch seine Arbeit nimmt ihn so in Anspruch, dass er wenig Zeit
    für beide hat. Doch dann stirbt sein Onkel Valentin. Mit seiner Familie fliegt er in dessen Villa
    um für die Beerdigung alles vorzubereiten. Fernab von seiner Firma wird er an die wahren
    Werte des Lebens erinnert und hinterfragt seinen eigenen Werdegang. In seinen Träumen
    wird Christopher lebendig und nimmt Gestalt an.
    „Nein, das einzige wirklich absurde war, dass am Flügel ein Mann saß, der mich freundlich
    und entspannt anlächelte, als hätte er mich erwartet. „(S.114)
    Mit Christopher kann er das Gespräch über sein Leben führen und eine Lösung finden.
    „Christophers Selbstsicherheit, die keine Spur von Arroganz erkennen ließ, faszinierte mich.
    Er kam mir vor wie ein Mann, der schon mehrere Leben hinter sich hatte. „(S. 118)
    Stil und Sprache
    Bas Kast Schreibstil ist locker, lebendig, unkompliziert und humorvoll. Sein Roman schildert
    die Geschichte aus Sicht des Protagonisten. Die wenigen Charaktere sind treffend
    beschrieben.
    Passend zum Roman das entsprechende Cover mit dem Titel „The Arrival Spring in
    Woldgate“ von David Hockney. Die dominierenden Farben Grün und Gelb zeigen einen Weg
    auf, der leer ist und irgendwo endet. So ist auch der Protagonist auf der Suche nach seinem
    Weg.
    Es gibt ein Zitat von Hockney: „Wer etwas Neues schaffen will, muss die Vergangenheit
    kennen.“
    Fazit
    Die Geschichte ist ansprechend und regt zum Nachdenken über sein eigenes Leben an und
    ermutigt neue Wege zu gehen.
    „»Erkenne, wer du vom Kern deines Wesens her bist, und dann werde es. Alles andere wird
    sich daraus ergeben. Wie eine Geschichte, die sich mehr oder weniger von selbst erzählt. «“
    (S.125)
    „Die Endlichkeit öffnet die Augen, und sie überwindet das väterliche Ideal, das sie zu lange
    für ihr eigens Ideal gehalten hat.“ (S. 161)
    Leichte Sommerlektüre zum Innehalten.

  1. Finde zu dir selbst...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Okt 2020 

    Dieser Feel-Good-Roman kam für mich genau zur richtigen Zeit, denn wenn die eigene Stimmung nicht gerade die Beste ist, so hellt dieses Buch sie wieder auf wie Sonnenstrahlen im Sommer.

    In der Geschichte geht es um Nicolas, der seinen Traum Schriftsteller zu werden nie verwirklicht hat. Das Leben rief und die Familie musste versorgt werden. Als sein alles geliebter Onkel stirbt, beginnt er nachdenklich zu werden. Kann er doch noch etwas ändern?

    Ich fand der Autor hat ungemein gut beschrieben wie man im Alltag und in den Vorstellungen von seiner Umgebung gefangen ist. Jedem möchte man es recht machen und am Ende vergisst man sich selbst eventuell dabei.

    Nicolas ist der typische Workaholic, der vor lauter Arbeit und Verpflichtungen alles um sich herum vergisst. Übermäßig sympathisch fand ich ihn nicht, aber seine Zwänge waren mehr als nachvollziehbar. Es war interessant zu sehen, dass seine Familie gar nicht die Anforderungen an ihn stellt, die er angenommen hat.

    Das Leben der Familie in der Villa hat Reisesehnsüchte ihn mir geweckt, die hoffentlich irgendwann wieder befriedigt werden können.

    Der Roman fordert dazu auf sein Leben zu leben wie man es sich vorstellt und selbst wünscht, denn da durch muss jeder für sich, denn die Eltern werden nicht das Leben ihres Kindes leben, auch wenn sie sich viel für ihr Kind wünschen.

    Ich hatte von dieser Geschichte eine ganz andere Vorstellung in welche Richtung sie gehen würde und war daher von der Entwicklung überrascht. Mit leisen Tönen wird man aus dem Alltag katapuliert und denkt darüber nach wie man sein eigenes Leben gestaltet und ob das der richtige Weg ist.

    Ich hatte vor der Lektüre ehrlich gesagt ein kleines Tief, aus dem mich dieser Roman herausgeholt hat und das muss Literatur erst einmal können.

    Fazit: Kurzweilige Lektüre, die nachdenklich stimmt und aufweckt. Für mich kam dieses Buch genau zur richtigen Zeit. Klare Leseempfehlung!