Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich: Roman' von Garner, Mary E.
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Format:Broschiert
Seiten:416
Verlag:
EAN:9783404179800

Rezensionen zu "Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich: Roman"

  1. Lange Einleitung zu Band zwei

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Mai 2020 

    Was geschieht wohl mit all den Wörtern, die wir im Laufe unseres Lebens löschen? Dieser Frage geht Mary E. Garner in ihrer Reihe "Das Buch der gelöschten Wörter" nach. Protagonistin ist dabei die Londonerin Hope Turner. In ihrem Job für eine Partnervermittlung verhilft sie einsamen Herzen zu einem Happy End - sie selbst ist nun jedoch schon seit einigen Jahren Single. Eines Tages rettet sie sich vor dem Regen in eine Buchhandlung, in der sie einen seltsam vertrauten Duft wahrnimmt und in der ein mysteriöser Mann quasi vor ihren Augen verschwindet. Dann lernt sie auch noch Rufus Walker kennen, der ihr Unglaubliches offenbart: Die Buchhandlung ist ein Portal in die Welt der Bücher, in der sowohl Menschen als auch Romanfiguren miteinander leben. Und Hope selbst hat eine wichtige Fähigkeit, die das Überleben dieser Welt sichern kann.

    Die Idee des Romans klingt zunächst großartig, wenn auch nicht ganz neu. Eine Welt, in der all unsere liebsten Charaktere zum Leben erwachen, welche Leseratte wünscht sich das nicht? Und so ist Hope auch ganz aufgeregt, als sie zum ersten Mal in die Welt von Jane Austen reist. Nach und nach lernt sie immer mehr Figuren kennen und entwickelt sogar eine Freundschaft zu Guinevere aus der Artussage, die sich hier ganz modern Gwen nennt und von ihrem Lancelot die Nase voll hat. Aber auch Lassie und die Grinsekatze, Pinocchio und Gepetto, Robin Hood und König Löwenherz und viele andere sind mit von der Partie. Leider gelingt es der Autorin nicht, dieses eigentlich tolle Konzept richtig umzusetzen. Die Charaktere sind oft nur Schatten ihrer selbst, Persiflagen auf Kosten eines schnellen Lachers oder ohne jegliche Kontur. Nur Gwen, die sich nach einem Ausbrucht aus ihrer Rolle sehnt oder Anna Karenina, die ihre eigenen Ziele verfolgt, bilden hier eine Ausnahme.

    Zunächst war ich auch angenehm überrascht, dass mit Hope einmal eine Frau jenseits der dreißig im Fokus steht. Leider verliert diese sich bald in kindischen Schwärmereien für den mysteriösen Unbekannten, einem sentimentalen Aufeinandertreffen mit ihrem Ex-Freund sowie in Streitereien mit Mentor Rufus. Der entspricht in seiner Darstellung als immer grummeliger, bärtiger, höchst geheimnisvoller Mann jedem Klischee. Hinter all diesen Nebenschauplätzen tritt der eigentliche Kern der Geschichte immer mehr zurück. Zudem liest sich der gesamte Band wie das, was er eigentlich auch ist: eine lange Einleitung zu Band zwei. Denn gerade, als es richtig spannend wird und die Handlung endlich Fahrt aufgenommen hat, ist das Buch auch schon zu Ende. Übrig bleibt ein fieser Cliffhanger, der natürlich zum Weiterlesen verführen soll. Seltsamerweise schafft die Autorin trotz aller Kritikpunkte genau das: Ich will weiterlesen, meine eigenen wilden Theorien überprüfen und mehr über diese verlockende Welt erfahren. Und das ist doch auch etwas wert, oder?