Das Buch Ana: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Das Buch Ana: Roman' von Sue Monk Kidd
3.65
3.7 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Das Buch Ana: Roman"

Mein Name ist Ana. Ich war die Frau von Jesus aus Nazareth. So beginnt der lange erwartete neue Roman von Bestsellerautorin Sue Monk Kidd. Es ist die fiktive Lebensgeschichte von Ana, der Gefährtin Jesu. Die Erzählung setzt im Jahr 16 nach Christus ein, im von den Römern besetzten Galiläa. Dort wächst Ana in einer wohlhabenden jüdischen Familie auf. Sie ist ein kluges Mädchen mit rebellischem Geist und messerscharfem Verstand. Ana lernt Lesen und Schreiben, studiert die Thora und beginnt heimlich die Geschichten der vergessenen Frauen der Heiligen Schrift aufzuzeichnen: Eva, Sarah, Rebecca, Rachel und Ruth. Als Ana vierzehn ist, soll sie an einen alten Witwer verheiratet werden. Auf dem Markt wird sie ihm vorgeführt, sie ist entsetzt. Ein junger Mann mit dunklen Locken und sanften Augen erkennt ihre Verzweiflung und hilft Ana. Ihre Begegnung wird alles verändern. Wie keine andere Autorin versteht es Sue Monk Kidd, Frauen eine Stimme zu geben, die sich dem Rollenverständnis ihrer Zeit widersetzen. »Das Buch Ana« ist eine spannende Geschichte weiblicher Selbstfindung in einer Zeit, in der Frauen Lernen und Schreiben verboten war. Ana folgt ihrer Sehnsucht, sie kämpft für ihre Freiheit, und sie schreibt die Geschichte, die wir alle zu kennen glauben, neu.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:576
Verlag:
EAN:9783442759033

Rezensionen zu "Das Buch Ana: Roman"

  1. Ein Jesus-Historical

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 04. Nov 2020 

    Die Idee ist spannend: Nehmen wir an, Jesus wäre einfach nur ein Mensch gewesen. Wie könnte dann seine Geschichte ausgesehen, wie könnten sich Ereignisse, die wir aus der Bibel kennen, tatsächlich abgespielt haben?

    Sue Monk Kidd schafft es, ein altertümliches Jerusalem lebendig zu machen. Die Römer beherrschen alles, Herodes Antipas eifert ihnen nach, interessiert sich nicht für jüdische Traditionen und unterdrückt gnadenlos das Volk.
    In dieser Welt wächst Ana heran, die 14 Jahre alt ist, als sie auf dem Markt den 20jährigen Jesus kennenlernt. Ihr Bruder Judas sympathisiert mit einer Rebellentruppe.

    Frauen haben in dieser Gesellschaft nichts zu sagen, müssen sich nach den Wünschen ihrer Väter, Brüder oder Onkel richten und gehorchen, sonst gerät man schnell in Verruf. Diese Welt verzeiht keine individuellen Attitüden. Über Jesus Mutter Maria wird zum Beispiel gemunkelt. Ist Joseph vielleicht nicht sein Vater? Nach Josephs Tod sagte Jesus diplomatisch: Jetzt ist Gott mein Vater.

    So weit hätte mir das Buch wirklich gefallen können, würde es nicht in einer unglaublich blumigen Sprache erzählt werden. Zugegeben, so ein Erzählstil trägt auch zur altertümlichen Atmosphäre bei, allerdings schießen hier die bildhaften Vergleiche immer wieder deutlich über das Ziel hinaus und wirken eher lächerlich als poetisch.

    „Mein Bruder sah aus, als hätte die Welt ihre Zähne in ihn geschlagen und sogleich wieder ausgespuckt, weil er so schrecklich schmeckte.“
    „Ich hatte die Welt zu fest umarmt und jetzt war sie mir entglitten.“
    „Eine gewaltige Welle brach sich in meiner Brust.“
    „Mein Herz schlug in meinem Brustkorb mit den Flügeln wie ein zappelnder Spatz.“

    Was ein fundierter historischer Roman hätte werden können, wirkt durch den Stil schnell trivial. Auch die Figur der Ana ist eher eine wackere Schnulzenheldin als eine glaubwürdige Protagonistin. Bildschön, klug, tapfer, besessen von dem Bedürfnis zu schreiben, ist sie zu großen Teilen des Buches hauptsächlich damit beschäftigt, ihre Schriften vor der Welt zu verstecken, statt sich dafür zu interessieren, was ihr Liebster auf seinen Reisen wohl tut. Dazu hat sie noch bedeutungsvolle Visionen und eine Zauberschale, beides mysteriös aber ohne Effekt. Auch die Logik weist Lücken auf.
    Den wirklich interessanten Teil der Jesusgeschichte, sein Wirken als Prediger und seinen Konflikt mit den Mächtigen, erlebt der Leser dann leider nicht mit, weil er mit Ana nach Ägypten reist. Man fühlt sich abgeschoben, während die spannenden Dinge anderswo passieren, weshalb das letzte Drittel des Buches dann komplett uninteressant ist.

    Hier wurde ein anspruchsvolles Thema zum Historical aufbereitet. Und wenn dieses Werk tatsächlich als Fanal für Frauenrechte herhalten soll, frage ich mich, warum man dazu die Stilmittel banalster Frauenliteratur benutzt. Ist das weibliche Selbstfindung?

  1. Verrückt, aber nicht abwegig!

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Okt 2020 

    Jesus Christus war verheiratet? Eine verrückte Idee, aber dennoch nicht abwegig. Denn Kleriker, Historiker und Wissenschaftler können schließlich auch irren. Außerdem haben Frauen in Religion und Geschichte schon immer eine untergeordnete Rolle gespielt. Daher würde mich nicht wundern, wenn eine mögliche Ehefrau von Jesus, bestenfalls nur "ferner liefen" in der Bibel erwähnt würde. Und wenn bekanntlich hinter jedem starken Mann eine starke Frau steht, könnte dies auch für Jesus gegolten haben.
    Diese Überlegungen bilden die Grundlage für den Roman "Das Buch Ana" der amerikanischen Autorin Sue Monk Kidd, in welchem das Leben der Jüdin Ana beschrieben wird - der fiktiven Ehefrau von Jesus Christus.

    Das Buch beginnt im Jahr 16 n. Chr.. Ich-Erzählerin Ana ist 14 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer wohlhabenden Familie in Sepphoris in Galiläa. Der Vater ist oberster Schriftgelehrter und Berater des Herrschers Herodes Antipas. Im Unterschied zu den meisten Mädchen dieser Zeit hat Ana lesen und schreiben gelernt. Das Schreiben bietet ihr die Möglichkeit, Gedanken festzuhalten, die eine Frau nicht haben dürfte. Sie schreibt Geschichten über Dinge, die sie beschäftigen, und über die sie ansonsten mit keinem reden könnte. Denn es gibt nur sehr wenige Themen, mit denen sich eine Frau befassen sollte. Und diese Themen beschränken sich auf Ehe, Haushalt und Fortpflanzung. Das ist Ana zu wenig. Natürlich hält sie ihre Geschichten unter Verschluss. Ihr Vater hat ihr zwar die Möglichkeit geboten, Lesen und Schreiben zu lernen. Doch je näher sie dem heiratsfähigen Alter kommt, umso weniger werden diese Fähigkeiten von ihren Eltern geduldet.

    "Eine halbe Millionen Schriftrollen und Kodizes waren in diesen heiligen Hallen untergebracht, und bis auf einige wenige waren sie alle von Männern verfasst. Was wir von der Welt wussten, das hatten Männer geschrieben."

    Ana begegnet einem einfachen Mann aus dem Volk, der durch sein Charisma bleibenden Eindruck bei ihr hinterlässt. Es ist Jesus, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rolle spielt, die er einmal spielen wird. Anas Eltern haben Pläne für die Zukunft ihrer Tochter, die jedoch nicht dem entsprechen, was Ana möchte. Das Schicksal und Anas eigenwillige Persönlichkeit tragen dazu bei, dass Jesus und Ana heiraten. Von da an lebt Ana im Familienclan ihres Mannes. Anfangs hat die Tochter aus vornehmen Haus Schwierigkeiten, sich in ihr neues bescheidenes Leben einzufinden. Doch der willensstarken Frau gelingt es, ein fester Bestandteil dieser Familie zu werden. Ana, die von Kindheit an, die untergeordnete Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft instinktiv in Frage gestellt hat, hat in Jesus einen Ehemann gefunden, dem dieses Rollendenken völlig fremd ist und der Ana als gleichberechtigt behandelt. Die Beiden sind Seelenverwandte.
    Jesus' Lebensweg wird irgendwann diejenige Richtung nehmen, die uns aus dem Neuen Testament bekannt ist. Doch Ana wird ihn dabei nur aus der Ferne unterstützen können. Denn ihr Selbstbewusstsein und ihre starke Persönlichkeit haben dazu beigetragen, dass sie sich Feinde gemacht hat. Sie ist gezwungen, das Land zu verlassen. Erst Jahre später werden die Beiden sich wiedersehen - allerdings unter entsetzlichen Umständen.

    "So war das, seit wir verheiratet waren - diese Hingabe an Gott, diese Labsal -, und ich hatte mich nie daran gestört, doch als ich ihm heute nachblickte, wie er im Dämmerlicht davonging, begriff ich, was ich bislang übersehen hatte. Gott war der Boden unter seinen Füßen, er war der Himmel über ihm, er war die Luft, die er atmete, und das Wasser, das er trank. Und genau das versetzte mich in Unruhe."

    Die Faszination an diesem Buch macht zweifelsohne die, für ihre Zeit ungewöhnliche Protagonistin Ana aus. Sie verkörpert in diesem Roman ein Frauenbild, das es zu dieser Zeit eigentlich gar nicht hätte geben dürfen: eine Feministin in einer von Männern dominierten Welt. Dabei hatte sie in dieser Rolle denkbar schlechte Voraussetzungen. Denn Frauenrechte gab es nicht. Frauen wurden als Besitz betrachtet, der ausschließlich dem Wohle des Mannes sowie der Fortpflanzung diente. Insofern ist eine Protagonistin wie Ana, die von klein auf bemüht ist, ihren eigenen Weg zu gehen und auf Augenhöhe und gleichberechtigt mit ihrem Mann zu leben, etwas sehr besonderes und Grund genug, sich für diesen Roman zu interessieren.

    Sue Monk Ki erzählt die Geschichte von Ana vor dem Hintergrund des Neuen Testaments. Dabei verknüpft sie die Handlung um Ana mit den bekannten Überlieferungen um das Leben von Jesus Christus. Die Geschehnisse sind daher bekannt, Protagonisten aus der Bibel finden auch in "Das Buch Ana" einen Platz. So ist z. B. Judas in diesem Roman der Bruder von Ana.

    "Das Buch Ana" ist ein spannender Frauenroman. Bis auf wenige Ausnahmen kommen Männer in dieser Geschichte nicht gut weg. Leider fällt mir die Einschätzung schwer, ob die Autorin einen trivialen oder einen anspruchsvollen Roman geschrieben hat. Von der Thematik her, ist dieser Roman sicherlich anspruchsvoll. Doch gab es Momente, in denen mich die Protagonistin eher an eine Heldin aus einer trivialen Romanreihe erinnert hat. Dazu hat mit Sicherheit der Sprachstil der Autorin beigetragen, der sehr lebhaft ist, aber auch blumig. Und an manchen Stellen einfach zu blumig.
    "Wahrlich, ich sage euch, es gibt Zeiten, da sind Worte so glücklich, am Leben zu sein, dass sie auf ihren Tafeln und Schriftrollen lachen und tanzen und springen. So war das auch mit den Worten, die ich schrieb. Sie feierten, bis der Morgen graute."

    Mein Fazit:
    Dieser Roman konnte mich nicht völlig überzeugen. Die Grundidee, Jesus Christus eine selbstbewusste Ehefrau an seine Seite zu stellen, ist hervorragend. Die Geschichte dieser Frau ist packend erzählt. Die Überlieferungen aus dem Neuen Testament aus Sicht einer Frau zu schildern, war hochinteressant. Doch leider gab es einige triviale Momente in diesem Buch, die meine Freude an diesem Roman gemindert haben.

    © Renie

  1. Ich war die Frau von Jesus aus Nazareth,

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Okt 2020 

    Autorin
    Sue Monk Kidd
    SUE MONK KIDDS Debütroman »Die Bienenhüterin« avancierte vom Geheimtipp zum Bestseller. Der Roman wurde allein in den USA über sechs Millionen Mal verkauft, er wurde in sechsunddreißig Sprachen übersetzt. Millionen LeserInnen haben ihre berührenden Geschichten wie »Die Meerfrau« oder »Die Erfindung der Flügel« verschlungen. »Das Buch Ana« ist Sue Monk Kidds vierter Roman, der in den USA sofort auf der Bestsellerliste stand und von der Presse begeistert aufgenommen wurde. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in South Carolina.
    Quelle: btb Verlag
    Inhalt
    „Mein Name ist Ana. Ich war die Frau von Jesus ben Joseph aus Nazareth.“ (S.11)
    Ana kommt aus wohlhabenden Verhältnissen und lebt mit ihrer jüdischen Familie im, von den Römern besetzten, Galiläa. Ihr Vater ist ein reicher Berater von Herodes Antipas. Von den anderen Frauen in der jüdischen Gemeinschaft in ihrer Zeit unterscheidet sie sich, weil sie Lesen und Schreiben kann und rebelliert gegen alte, verstaubte Traditionen. Ihre Tante Yaltha ist die einzige, die sie unterstützt.
    „Studieren und Schreiben. Der Gedanke erfüllte mich mit einer Mischung aus Staunen und Erregung.“ (S.65)
    Als Ana vierzehn Jahre alt ist, beschließen ihre Eltern sie mit den alten Witwer Nathaniel zu verheiraten. Als sie diesem auf dem Marktplatz von Sepphoris von ihren Eltern vorgeführt werden soll, begegnet sie dort Jesus von Nazareth und ist sofort von ihm fasziniert. Der plötzliche Tod Nathaniels rettet Ana vor dem Schicksal dieser Heirat. Ana steht nun als eine in Verruf geratene verwitwete Verlobte dar. Ihr Vater will sie aus diesem Grund als Konkubine an Herodes verkaufen. Doch Ana kann auch das verhindern und wird schließlich die Ehefrau von Jesus und gibt damit gleichzeitig ihren Stand auf. Ana und Jesus begegnen sich auf Augenhöhe und lieben sich. Anders als seine Familie unterstützt er Ana bei ihrem Herzenswunsch, zu schreiben und verschafft ihr die nötigen Utensilien damit sie weiterschreiben kann. Doch ihre gemeinsame Zeit findet nach einiger Zeit ein Ende. Jesus schließt sich dem Täufer Johannes an und ebnet seinen Weg zum Messias. Ihre Wege trennen sich, als Anas von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Mit ihrer mutigen und starrköpfigen Tante flieht sie nach Ägypten und wird erneut unter der Macht eines Mannes vieler Rechte beraubt.
    Stil und Sprache
    Sue Monk Kidd gelingt es mit Ana eine lebensechte, wenn auch fiktive Gestalt zu erschaffen. Anas Vorstellungen und Gefühlswelten in Bezug auf damalige Bräuche und Sitten werden eindrucksvoll beschrieben. Die Geschichte wird aus Sicht von Ana, in der Ich Form erzählt. Der Roman ist flüssig geschrieben und trotz des religiösen Hintergrundes benötigt man kein theologisches Wissen für diese Geschichte. Sue Monk Kidd erfindet auch das Neue Testament nicht neu, sondern ändert die Perspektive. Sie lässt Ana zu Wort kommen.
    Gleichzeitig fließen auch historische Figuren wie zum Beispiel Herodes Antipas und auch ihr Bruder Judas geschickt mit ein. Der Verrat Judas zeigt auf einmal ganz andere, aber durchaus nachvollziehbare Beweggründe, auf.
    Der Roman ist in vier große Blöcke eingeteilt mit jeweils nummerische Unterabschnitten.
    · Sepphoris
    16 -17 n. Chr.
    · Nazareth
    17 -27 n. Chr.
    · Alexandria
    Mereotis-See, Ägypten
    28- 30 n. Chr.
    · Jerusalem
    Bethanien
    30 n.Chr.
    Es folgen Anmerkungen der Verfasserin und Dank.
    Diese Aufteilungen entsprechen dem Verlauf der Geschichte und werden zusätzlich durch Einarbeitung diverser Auszüge aus historischen Schriften in optischer Form ergänzt. Dazu enthalten beide Innenseiten des Umschlags eine ausführliche Karte.
    In den Anmerkungen erläutert die Autorin, wie sie zu dieser Idee gekommen ist und welche Fakten sie übernommen bzw. geändert hat.
    Das Cover wurde dem Thema entsprechend mit einem Fragment des Leichentuchs Jesus erstellt nach einem Entwurf von Sara Wood.
    Fazit
    Ana ist eine Frau vor ihrer Zeit. Sie ist eine starke Frau, eine Rebellin, die ihren Weg geht um das Leben zu führen, was sie sich wünscht.
    „«Mein Name ist Ana. Ich war die Frau von Jesus aus Nazareth, ich bin eine Stimme.«“ (S. 559)
    Sue Monk Kidd inszeniert einen perfekten, historischen Roman. Im Mittelpunkt steht nicht die Geschichte Jesus, sondern die Geschichte einer besonderen, jungen Frau, die zwar fiktiv ist, aber so existiert haben könnte.
    Die Autorin sagt in ihrem Nachwort über ihre Protagonistin: „Wenn Jesus wirklich eine Frau hatte, dann wäre sie die Frau in der Historie, die am deutlichsten zum Schweigen gebracht wurde, und die am dringendsten eine Stimme braucht, um sich Gehör zu verschaffen.“(S.570)