Cyrus Doyle und das letzte Vaterunser

Buchseite und Rezensionen zu 'Cyrus Doyle und das letzte Vaterunser' von Jan Lucas
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4 von 5 (2 Bewertungen)

Cyrus Doyle wird auf der Straße von einem Fremden um Hilfe angefleht. Dessen Sohn wurde wegen Mordes an seiner Geliebten verhaftet – zu Unrecht, wie sein Vater glaubt. Als einige einflussreiche Leute Cyrus Doyle dazu bewegen wollen, den alten Fall nicht neu aufzurollen, wird er misstrauisch. Seine Nachforschungen führen ihn hinein in die Vergangenheit der Guernsey Police und decken jahrelang gehütete Geheimnisse auf. Bei den Ermittlungen steht ihm seine Kollegin Pat zur Seite – bis sie plötzlich spurlos verschwindet …

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:368
EAN:9783746633374

Rezensionen zu "Cyrus Doyle und das letzte Vaterunser"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Dez 2017 

    Das Leben wimmelt von unschuldigen Ungeheuern.

    "Unschuld kennt keinen Unterschied des Guten und Bösen, weiß daher auch von keiner Schande oder Scham." (Johann Georg Hamann)
    Als DCI Cyrus Doyle von der Gerichtsverhandlung seines letzten Falles aus dem Gebäude kommt, kniet ein Mann vor ihm nieder und richtet das "Clameur de Haro" an ihn. Julian Prideaux erbittet damit Cyrus Doyle ihm zu helfen, sein Sohn Cameron sitzt für ihn nach dem Mord an seiner Freundin Anne Corbin seit 1 Jahr in Haft. Julian Prideaux glaubt aber an die Unschuld seines Sohnes. Cyrus Vorgänger hat diesen Fall damals recht schnell abgeschlossen, weil alles gegen Cameron sprach. Cyrus ist nicht gerade begeistert einen alten Fall wieder aufzuwühlen, doch er nimmt auch das Clameur de Haro sehr ernst, den es gehört zu Ehre dies zu befolgen. Als Cyrus und sein Team dann doch nachforschen, kommen einige Ungereimtheiten zutage wie z. B. ein Nähkreis, die ihn neugierig machen. Als es dann einen neuen Todesfall gibt, ist Cyrus klar das dieser auch etwas mit der Vergangenheit zu tun haben könnte. Dabei unterstützt ihn seine ehemalige Jugendliebe DC Pat Holburn, die für Cyrus mehr ist als nur eine Kollegin ist. Ist Cameron wirklich unschuldig und was hat es mit diesem Nähkreis auf sich?

    Meine Meinung:
    Wie schon bei seinem ersten Fall, erfährt der Leser sehr viel über die Kanalinsel Guernsey und den Bräuchen und Sitten. Dieses "Clameur de Haro" aus dem Buch, gehörte früher speziell zur Normandie und zur Kanalinsel. Die Worte:
    "Haro! Haro! Haro! A l’aide, mon Prince, on me fait tort." ("Höre mich! Höre mich! Höre mich! Komm mir zu Hilfe, mein Prinz, denn jemand täuscht mich") spricht jemand aus der Recht und Hilfe benötigt, weil ihm Unrecht getan wurde. Eigentlich gibt es dies heute nicht mehr, aber Jan Lucas bindet diese alte Sitte sehr gut in den neuen Fall von Cyrus und Pat ein. Noch immer gefällt mir die Mischung von Krimi, Reiseführer, Historie und auch ein wenig Liebesroman, das der Autor wunderbar miteinander vermischt. Mir gefällt, das Cyrus der nach wie vor um die Liebe von Pat buhlt und sie ihn noch ein wenig zappeln lässt. Vielleicht könnte die Spannung noch ein wenig mehr sein, das hatte mir ja auch schon im ersten Fall ein wenig gefehlt. Trotzdem liebe ich den Schreibstil des Autors und natürlich den Ermittler Cyrus Doyle, der mir schon an Herz gewachsen ist. Das Cover mit einem Bild von der Insel gefällt mir wieder sehr gut und passt zum Vorband. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall und bin gespannt was die Liebe von Pat und Cyrus macht. Von mir gute 4 von 5 Sterne für diesen außergewöhnlichen Krimi.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Okt 2017 

    Das letzte Gebet

    Cyrus Doyle kommt aus dem Gerichtssaal, wo seine erste erfolgreich abgeschlossene Mordermittlung auf Guernsey verhandelt wird, da fällt ein älterer Mann vor ihm auf die Knie und deklamiert den Clameur de Haro, ein uraltes normannisches Recht um Hilfe für ein erlittenes Unrecht zu bekommen.
    Natürlich hat der Clameur keinerlei juristische Bedeutung mehr, aber als Guernsey Man kann Doyle nicht anders, als den Mann anzuhören. Er fleht um Hilfe für seinen unschuldig wegen Mordes verurteilten Sohnes. Doyle ist erstaunt, als er beim Aktenstudium die äußerst dünne Indizienlage bemerkt, die zur Verhaftung führten und auch über die Geschwindigkeit mit der der Fall abgehandelt wurde. Allerdings wird ihm die Neuaufnahme von höchster Stelle untersagt, schließlich soll der damalige Ermittlungsbeamte, der kurz danach im Dienst verstarb, nicht entehrt werden. Ein Zufall kommt Doyle zu Hilfe, bei einer Kette von Einbruchsdiebstählen fällt der Name einer Zeugin, die auch damals Zeugin war und er kann so durch ein „Hintertürchen“ seine Ermittlungen vorantreiben.
    Guernsey ist eine kleine Insel, deren Charme durch die Verbindung von französischer Vergangenheit und britischer Gegenwart entsteht. Kein Wunder, dass sie bei diesem Krimi auch eine Hauptrolle spielen darf. Mit seinem historischen Roadster, der eine wichtige – für mich manchmal zu häufig genannte – Rolle in Doyles Tagesablauf spielt, werden die Schauplätze der Insel aufgesucht. Farbige, bildhafte Beschreibungen bringen die Landschaft und die Besonderheiten der Kanalinsel dem Leser nahe und wecken beinahe Urlaubssehnsüchte. Dazu haben mir auch in diesem Band wieder die beiläufig eingestreuten historischen Erklärungen gefallen. Man erfährt viel Interessantes und Wissenswertes über die Insel.
    Auf den Kriminalfall will ich nicht näher eingehen, um nicht zu spoilern, ich fand die Idee sehr gut und die Motive, die sich daraus ergeben wären aber schlüssiger, wenn nicht der Autor den Ablauf verharmlost hätte. Der Krimi wird dadurch sehr familientauglich, aber nicht so ganz realitätsnah. Deshalb bleibt der Roman zwar unterhaltsam, aber mir fehlt das gewisse Etwas, das dem Krimi so richtig Spannung verliehen hätte. Ich wünschte, der Autor würde seinen Gentleman-Ermittler nicht ganz so harmonieliebend ausstatten.
    Ein amüsant und charmant geschriebener Kriminalroman mit viel Flair und großem Unterhaltungswert, an dem aber die Spannung und die Krimihandlung eher an zweiter Stelle steht.