Crenshaw

Rezensionen zu "Crenshaw"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 18. Nov 2017 

    Der unsichtbare Freund...

    Crenshaw ist kein gewöhnlicher Kater: Er hat nicht nur einen seltsamen Namen, sondern isst auch für sein Leben gern lila Geleebohnen. Er kann sprechen und ist riesengroß – so groß, dass man sich im Notfall gut bei ihm anlehnen kann. Vor allem aber ist Crenshaw unsichtbar. Der einzige, der ihn sehen kann, ist der zehnjährige Jackson, obwohl der überhaupt nicht an unsichtbare Kater glaubt und im Moment ganz andere Sorgen hat. Zu Hause ist das Geld nämlich mal wieder knapp, sodass es zum Abendbrot seit einer Weile nur noch Cornflakes gibt, seine Mutter mehrere Jobs gleichzeitig annimmt, der Fernseher verschwindet und Jackson seine Sachen auf dem Flohmarkt verkaufen muss.

    Doch wenn alles zu schlimm wird, taucht Crenshaw auf, segelt mit dem Regenschirm durch die Lüfte, nimmt ein Schaumbad oder stellt irgendetwas anderes Verrücktes an. Er kitzelt ein Lächeln aus Jackson heraus, wenn ihm eigentlich zum Heulen zumute ist. Er versteht Jackson wie kein anderer und zeigt ihm, dass es ok ist, wütend zu sein. Denn auch ein Kater ist nicht immer gut gelaunt. Und er erinnert Jackson daran, dass es höchste Zeit ist, eine Entscheidung zu treffen.

    Crenshaw (...) sagte: 'Imaginäre Freunde bleiben immer. Sie sind immer in Bereitschaft und warten - für den Fall, dass sie gebraucht werden.'

    Jackson wundert sich, als Crenshaw eines Tages auftaucht, doch eigentlich kennt er diesen Kater. Damals vor drei Jahren war er noch kleiner, aber vielleicht ist er ebenso gewachsen wie der Zehnjährige selbst? Jedenfalls hat er geglaubt, Crenshaw nie wiederzusehen, denn der Kater ist ein imaginärer Freund - und aus dem Alter ist Jackson doch wohl raus? Doch Crenshaw scheint anderer Ansicht zu sein.

    Jackson versucht tapfer und vernünftig zu sein, Realist, der er ist, und auch für seine kleine Schwester stark zu sein. Doch er leidet unter der Unsicherheit, was wohl geschehen wird, und vor allem darunter, dass seine Eltern nicht offen mit ihm reden, sondern ihn ebenso vor der Wahrheit zu schützen versuchen wie seine Schwester. Doch Crenshaw ist da, um ihm wie früher zur Seite zu stehen, denn einen Freund - ob nun imaginär oder nicht - kann der Junge dringend gebrauchen...

    Ein Kinderbuch ab 8 Jahren als Hörbuchfassung (151 Minuten) mit schönen Musikuntermalungen ist dies, gekonnt gelesen von Hanno Koffler. Allerdings hatte ich mir etwas Magischeres vorgestellt, kein derart ernstes Thema, das die Bürde 'Armut' sehr nahe bringt. Crenshaw selbst taucht eher als Randfigur auf, und obwohl das Buch liebevoll geschrieben ist, ist es auch bedrückend. Damit scheint es mir für sehr sensible Kinder nur in Begleitung eines Erwachsenen geeignet.

    Ein ganz besonderes Kinder-Hörbuch, wobei die Eltern das Hören lieber begleiten sollten, um auf etwaige Fragen eingehen zu können. Ich weiß jedenfalls, dass ich als Kind darüber nachgedacht hätte, ob unserer Familie dieses Schicksal auch bevorstehen könnte...

    © Parden