Couchsurfen das Experiment: Wirklich ein bequemes Sofa?!

Rezensionen zu "Couchsurfen das Experiment: Wirklich ein bequemes Sofa?!"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Jan 2018 

    auch für Couchpotatoes geeignet

    In diesem autobiographischen Werk berichtet Rached Kaiser über seine Experiment, in 1 1/2 Jahren mit Hilfe der Couchsurfing-Community durch Deutschland zu reisen. In seinem Buch berichtet er über 12 der kuriosesten Begegnungen, die ihm dabei widerfahren sind.

    Für diejenigen, die mit Couchsurfing an sich nichts anfangen können, bemühe ich hier einmal Wikipedia:

    CouchSurfing ist ein kommerzielles und internetbasiertes Gastfreundschaftsnetzwerk. Die Mitglieder nutzen die Website, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden, selbst eine Unterkunft oder auch anderes anzubieten, wie beispielsweise einem Reisenden die Stadt zu zeigen.

    Nach seiner ersten Couchsurfing-Erfahrung in Schwerin stellt Rached Kaiser ein 8 Punkte umfassendes Regelwerk auf, welches so aussieht:

    “1. Ich couchsurfe nur in Städten mit max. 200.000 Einwohner.
    2. Ich bleibe maximal zwei Nächte in einer Stadt.
    3. Sollte ich in einer Stadt keinen Host finden, übernachte ich definitiv im Bus.
    4. Ich schreibe alle Hosts nach dem letzten Login chronologisch an, auch wenn sie überhaupt kein Profilbild besitzen oder sonst irgendwelche Informationen über sich.
    5. Der erste Host der mir zusagt, egal wer es auch sein mag, wird es definitiv.
    6. Ausnahme: Sollte der Host unter 21 Jahre alt sein, werde ich nur dann beim ihm übernachten, wenn er noch bei seinen Eltern wohnt.
    7. Ich bleibe, auch wenn es mir nicht gefällt.
    8. Von dem jeweiligen Host, lass ich mir je nach Gefühl, sein Lieblingsbuch, seine Lieblingsmusik oder seinen Lieblingsfilm empfehlen.“.

    Derart präpariert nimmt Rached Kaiser den Leser mit auf seine Fahrt. Jedem Host widmet er in seinem Buch ein Kapitel, welches zum Einstieg das Couchsurfing-Profil darstellt und dann mit seinen Erfahrungen fortsetzt.

    Die Hosts, die er dabei kennenlernt, sind originellerweise ausnahmslos Frauen. Ob man daraus schliessen muss, dass Männer langweiligere Hosts sind, oder ob sich Rached Kaiser diese für einen Nachfolgeband aufgehoben hat weiss ich an dieser Stelle nicht. Auf alle Fälle sind die Charaktere der Frauen ebenso breit gefächert, wie das Altersspektrum, das von 18 – 69 Jahre reicht.

    Die Palette seiner Begegnungen reichen von einer sexuell aufgeschlossenen Kleinwüchsigen, über die Tochter einer allein erziehenden Mutter bis hin zu einer recht hippen betagten Dame, um nur einmal drei Beispiele zu nennen. Das Ganze hat auch durchaus etwas von Star Trek: “to boldly go…where no man has gone before”.

    In seinen kurzen Geschichten bzw. Erfahrungsberichten schafft es der Autor, seine Begegnungen sehr plastisch zu beschreiben, so daß man als Leser meinen könnte, sich quasi auf dem Beifahrersitz seine VW-Busses zu befinden, mit ihm durch die Lande zieht und die Hosts selber trifft.

    Auch wenn das Buch sehr kurzweilig und grundsätzlich heiter angelegt ist, bleiben auch negative Erfahrungen nicht unerwähnt, die gerade Regel 7 auf eine harte Bewährungsprobe stellen. Auch gibt es nachdenklich machende Passagen. Durch diesen Facettenreichtum ist das Buch in meinen Augen auch ein wunderbarer Spiegel unserer Gesellschaft.

    Was die Couchsurfing-Community der Gesellschaft allerdings voraus hat, ist das Vertrauen, was hier fremden Gästen entgegen gebracht wird.

    Alles in Allem ist “COUCHSURFEN DAS EXPERIMENT” ein sehr gelungenes Buch, welches über die Couchsurfer-Gemeinde hinaus gerne gelesen werden darf.