Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten:

Buchseite und Rezensionen zu 'Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten:' von Jean-François Parot
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Broschiertes Buch
Commissaire Nicolas Le Floch soll im Auftrag des Polizeipräfekten einen heiklen Fall aufklären: Der ältere der beiden Söhne des Grafen de Ruissec ist in seinem Zimmer tot aufgefunden worden. Neben ihm liegen eine Pistole und ein Abschiedsbrief. Die Leiche des Selbstmörders sieht seltsam aufgebläht und entstellt aus. Dennoch geht der Vater von einem Selbstmord aus. Die Mutter des Verstorbenen ist jedoch anderer Meinung als ihr Mann und will unbedingt den Commissaire sprechen, und zwar heimlich in einem Kloster. Unmittelbar vor dem Treffen findet sie in einem geheimnisvollen Brunnen ihr Ende.

Die gefährlichen Recherchen führen den jungen und sympathischen Nicolas Le Floch diesmal in die Welt des Theaters, der Klöster und des Hofes von Versailles.

Format:Broschiert
Seiten:416
EAN:9783896675729

Rezensionen zu "Commissaire Le Floch und der Brunnen der Toten:"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 18. Jun 2018 

    Intrigen in Versailles

    Nicholas le Floch ist Commissaire in Paris. Das Wohlwollen des Königs ruht auf ihm, er verfügte persönlich die Ernennung. Nicholas ist ehrgeizig, jung und vor allem mit einem unbestechlichen Blick ausgezeichnet. Er selbst ist der uneheliche Spross eines Adligen und wuchs bei einem Vormund auf, der ihm eine gute Erziehung ermöglichte. Der Weg zu einer Karriere im Beamtenapparat Ludwig des XV ist mit Intrigen gepflastert.

    Als er eines Abends in der Oper auf die königliche Tochter Adelaide achten soll, wird er zu einem Todesfall gerufen. Der Sohn des Comte de Ruissec liegt in seiner von innen verschlossenen Bibliothek, die Pistole scheint ihm aus der Hand gefallen, das Gesicht von der Schussverletzung entstellt. Selbsttötung ist im französischen, katholischen Königreich ein Kapitalverbrechen und würde der Familie Ruissec schaden. Aber das ist es nicht allein, was le Floch stutzig macht, er findet Anzeichen für ein Verbrechen und ist mehr als verwundert, dass der alte Graf davon nichts wissen möchte und jede Untersuchung behindert. Als die Gräfin um ein geheimes Treffen bittet, wird sie ebenfalls getötet.

    Le Floch ist auf sich gestellt, zwar halten seine Vorgesetzten eine schützende Hand über ihn, aber er weiß, wenn er sich zu weit vorwagt, steht er für sich allein. Die politischen Ränken und Intrigen in Versailles sind allgewärtig. Sogar die Maitresse Madame de Pompadour scheint mit zu mischen und umschmeichelt le Floch.

    Die Figur des jungen le Floch hat mir sehr gut gefallen. Um ihn herum stellt der Autor in seinem zweiten Roman eine Reihe historischen Figuren, die sehr gut in die Handlung eingepasst wurden. Sehr detailreich und immer unglaublich interessant ersteht ein Bild der Zeit vor meinen Augen. Versailles, die Welt der Theater und Oper in Paris, die großen Boulevards der Stadt, das alles wird farbig und lebendig beschrieben. Ich bin richtig in diesen Roman versunken, der dicht und stimmungsvoll erzählt ist. So stelle ich mir einen gelungen historischen Krimi vor und meine Erwartungen sind übererfüllt worden.

    Ein ausführliches Personenregister rundet das Buch ab. Ich habe das als richtiges Bonusmaterial empfunden und französische Geschichte aufgefrischt.
    Da ich inzwischen weiß, dass es in Frankreich schon mehrere Bände gibt, bin ich sehr gespannt auf weitere Bücher um le Floch und werde in der Zwischenzeit den ersten Band nachholen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Mär 2018 

    Das verschlossene Zimmer

    Commissaire Le Floch soll als Vertreter der Polizei in der Oper für die Sicherheit der königlichen Familie sorgen. Deshalb ist er sofort zur Stelle als ein Bote in der königlichen Loge eine offensichtlich besorgniserregende Nachricht überbringt. Le Floch eilt zum Wohnsitz des Comte de Ruissec, wo er in der Lage ist, die Tür zu den Räumen des Sohnes der Familie zu öffnen. Der junge Mann liegt tot in seinen Gemächern. Die Umstände scheinen auf einen Selbstmord hinzuweisen. Das ist im Jahr 1762 allerdings eines der schlimmsten Vergehen, die ein Mensch begehen kann. Die Familie versucht daher den Todesfall als Unfall darzustellen.

    Die Untersuchungen des Commissaire Le Floch erweisen sich als schwierig. Polizeipräfekt Sartine erscheint etwas desinteressiert, was den jungen Ermittler ebenso misstrauisch macht wie die Spuren, die er an der Leiche gefunden hat. Natürlich macht er sich unter diesem Umständen um so hartnäckiger auf die Suche nach der Wahrheit. Gemeinsam mit seinem treuen Wachtmeister Bourdeau gelingt es Le Floch ein Komplott ungeahnten Ausmaßes aufzudecken. Gibt es etwa Zusammenhänge mit der politischen Situation des Jahres 1762 oder handelt es sich um ein rein familiäres Ereignis der de Ruissecs? Je tiefer Le Floch gräbt, desto verworrener werden die Hinweise. Schon bald gibt es eine weitere Leiche.

    In seinem zweiten Fall vermag Commissaire Le Floch ebenso zu überzeugen wie in seinem ersten. Der Autor versteht es aufs Beste das Paris des 18. Jahrhunderts zu beschreiben. Man hört die Kutschen, die Pferde, das Gemurmel der Menschen auf den Straßen, man meint die meist nicht gerade angenehmen Gerüche wahrzunehmen, die in den Gassen wabern. Man spürt die anheimelnde Atmosphäre, wenn Nicolas Le Floch im Kreise seiner Gönner und Freunde weilt. Man nimmt teil an den höfischen Intrigen und an der Tragödie der Familie de Ruissec. Nach und nach entfalten sich die Zusammenhänge. Geschickt werden die Handlungsstränge zunächst verflochten und dann wieder entwirrt. Dabei ist das höfische Leben und dessen Auswirkungen auf die öffentliche Ordnung immer gegenwärtig.

    Ein ruhiger Kriminalroman, der das Leben in Paris um 1762 detailliert und so lebendig beschreibt, dass man fast glaubt, es könne tatsächlich so zugegangen sein.

    Denjenigen, die des Französischen mächtig sind, kann gewiß auch die TV-Serie empfohlen werden, mit der bereits die ersten zwölf Teile der Reihe verfilmt worden sind.