Club der Romantiker: Das Rätsel um Laureen Mills

Rezensionen zu "Club der Romantiker: Das Rätsel um Laureen Mills"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Nov 2018 

    Raffinierter Krimi

    Peter Becker kommt vor 24 Jahren zum ersten Mal nach Oxford, mit einem Stipendium fürs renommierte Jesus College. Die Begegnung mit der faszinierenden Kommilitonin Louise bringt ihn in den „Club der Romantiker“, dort werden Gedichte rezitiert und einiges mehr. Diese Begegnung sollte für Peter weitreichende Folgen haben.
    24 Jahre später trifft Peter zu einem Ehemaligentreffen in Oxford ein, die er bisher gemieden hat, aber kürzlich wurde die Leiche der mehr als zwei Jahrzehnte vermissten Laureen Mills gefunden, die nun beigesetzt wird. Peter will zu dieser Beerdigung, denn mit Laureen verbindet ihn eine alte Schuld.
    Auf diesen zwei Zeitebenen spielt dieser Oxford Roman. Man kann mit dem Frischling Peter in die Studentenwelt Oxfords eintauchen, über die seltsamen Rituale dieser berühmten Universitätsstadt lächeln oder sich wundern. Obwohl Peter schon bald in die Studentenclique aufgenommen wird, bleibt er doch auch Außenseiter, ein Stipendiat aus Europa – schon damals zählten sich manche Briten nicht dazu – außerdem fehlt ihm der familiäre und finanzielle Background.
    Im Wechsel dazu die Handlung in der Gegenwart. Inspector Osmer sitzt über den Akten im Fall Mills. Wurde damals etwas übersehen? Zusammen mit seinem Kollegen Irvine beginnt er stochern und siehe da, er scheint die Ehemaligen ganz schön nervös zu machen.
    Wer englische Romane und ganz besonders die Oxford Krimis um Inspektor Morse und die TV Serie Lewis liebt, wird an diesem Buch seine helle Freude haben, denn Osmer ist auch eine Hommage des Autors an Colin Dexters Kriminalisten. Oxford als Handlungsort ist für mich immer ein Muss und hier habe ich ganz besonders die Beschreibung der studentischen Welt genossen. Das Ambiente stimmt. Das ist ein intelligenter Kriminalroman mit ausgefeilten Psychogrammen seiner Protagonisten und einer sehr genauen Milieustudie. Gut gefallen haben mir auch die kleinen Seitenhiebe zum Brexit und zur „Splendid Isolation“, die die Briten so gern zelebrieren.
    Ein wenig Geduld braucht man am Anfang, die Handlung baut ihre Spannung sehr allmählich auf, aber das habe ich nicht als Nachteil empfunden.
    Für Englandfans eine echte Empfehlung.

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 18. Nov 2018 

    Ein elitärer Club und ein gefährliches Geheimnis

    Niemand außer uns weiß, was damals geschah. (Zitat Seite 194)

    Inhalt:
    In Oxford wird eine Tote entdeckt. Es ist eine ehemalige Bibliothekarin des UnivCollege, Laureen Mills, die vor mehr als 24 Jahren spurlos verschwunden war. Eigentlich sollte Inspector Osmer den Fall zu den Akten der ungelösten Fälle legen, da jedoch die Beerdigung mit einem Ehemaligentreffen zusammenfällt, beginnt er, sich umzusehen und Fragen zu stellen. Wissen die Mitglieder des elitären „Club der Romantiker“ mehr über diesen Fall, die im Jahr 1992 in Oxford studiert hatten und jetzt für dieses Treffen wieder nach Oxford gekommen sind?

    Thema und Genre:
    Dieser Roman ist eine Verbindung aus Kriminalroman und einer modernen Form eines Entwicklungsromans. Der deutsche Geologiestudent Peter Becker aus Primstal kann durch ein Stipendium ein Jahr an der berühmten Universität Oxford studieren. Es wird der Studentenalltag in den frühen 90ern geschildert mit Spannerparties als einem der Höhepunkte des elitären Studentenlebens. Die politischen und sozialen Aspekte, die Clubs und der Zusammenhalt trotz der sozialen Unterschiede spielen ebenfalls eine Rolle. Es geht auch um Schuld, Gewissen und den Einfluss auf das weitere Leben der betreffenden Personen.

    Charaktere:
    Die unterschiedlichen Mitglieder des Club der Romantiker sind sehr gut geschildert und es findet sich eine Vielfalt an unterschiedlichen Charakteren, wie sie an jeder Universität zu finden sind, schrullige Professoren inklusive. Natürlich Engländer, aber auch Schotten und Waliser, die darauf Wert legen, nicht als Engländer bezeichnet zu werden, Russen und Peter Becker, der Sohn einer deutschen Bergarbeiterfamilie. Sie alle haben ihre Eigenheiten und Geheimnisse, das macht sie interessant.

    Handlung und Schreibstil:
    Die Sprache ist eine angenehme Mischung zwischen locker, packend und beschreibend, man fühlt sich sofort ins Oxforder Studentenleben der frühen 90er Jahre versetzt. Mit humorvollem Augenzwinkern lässt der Autor den Hauptprotagonisten Peter seine Vergleiche zwischen dem ländlichen Bergbaudorf Primstal und dem elitären Oxford ziehen. Für die beiden Handlungsstränge Vergangenheit und heute auch unterschiedliche Erzählperspektiven (Ich, Peter, in der Vergangenheit und 3. Person Jetztzeit) zu verwenden, ist genial, denn so weiß man als Leser sofort, in welchem Handlungsstrang man gerade liest, ohne dass weitere Zeitangaben notwendig sind. Den dritten Handlungsstrang bilden die Ermittlungen von Inspector Osmer. Diese drei Erzählstränge wechseln einander ab und sind dicht verflochten. Dies gibt dem Roman die Spannung und das Lesen macht Freude.

    Fazit:
    Ein Kriminalroman, eine amüsante Schilderung des Studentenlebens in Oxford mit sehr einprägsamen, authentischen Beschreibungen, in denen auch die englische Literatur der Romantik eine Rolle spielt. Drei unterschiedliche, aber immer wieder ineinander greifende Erzählstränge geben der Handlung die Spannung und machen das Lesen packend und unterhaltsam.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 19. Sep 2018 

    Spannend, witzig, überzeugend

    Frank P. Meyer hat in der letzten Woche seinen neuen Roman in der Bücherhütte in Wadern vorgestellt. Druckfrisch durfte ich sein neues Werk mit nach Hause nehmen und habe es mit Begeisterung gelesen.

    Während in seinen bisher veröffentlichten Erzählungen und Romanen der Handlungsschauplatz meistens das beschauliche Dorf Primstal ist, verlässt er in seinem neuen Werk die saarländische, ländliche Idylle und schickt seinen Protagonisten nach Oxford - zum Studium und 24 Jahre später zu einem Ehemaligen-Treffen.

    Worum geht es?

    "Natürlich wird er zur Beerdigung gehen, immerhin war er es gewesen, der sie erschossen hatte. Die Beerdigung ist der eigentliche Grund. Nur wegen des Ehemaligentreffens würde er nicht nach Oxford fahren. Seit 24 Jahren hat er es vermieden, dorthin zurückzukehren. Jetzt will er doch hin, um endlich mit dem Unglück abschließen zu können, das ihm damals widerfuhr." (9)

    Gleich zu Beginn werden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die Hauptfigur, Peter Becker aus Primstal, während seines Studienjahres in Oxford Laureen Mills erschossen hat. Inzwischen ist er Dorfschullehrer in Wales, in 2.Ehe verheiratet und Vater zweier Kinder. Nach 24 Jahren taucht nun die Leiche von Laureen Mills auf, die als verschwunden galt.

    Im Rückblick, der aus der Ich-Perspektive Peters erzählt wird, erfahren wir zunächst von dessen Ankunft in Oxford im Jesus-College. Das "Land-Ei" sieht sich plötzlich in eine andere Welt versetzt, in der es sich erst zurechtfinden muss.
    Hilfe erhält er dabei vom Russen Sergej, der auch im Staircase XX wohnt, einem Genie in "Theorrrätische Physiieek (30)", mit dem er gemeinsam einmal wöchentlich unter Zufuhr von Wodka ein "Heilsaufen" veranstaltet, um das Heimweh zu ertränken.
    Oder von Alex, dem exzentrischen homosexuellen Studenten mit einem Faible für die Kellner im Restaurant gegenüber, auf deren Ankleideraum man von Peters Zimmer einen hervorragenden Blick werfen kann.
    Im Stockwerk über ihm wohnt Branwen, auch Brandy genannt, mit ihr verbindet ihn die Tatsache, dass sie
    "genauso wenig englisch [ist wie er]. Kapiert? Ich bin Waliserin. Und Europäerin." (31)

    Ed lernt er auf dem Freshers´ Flair kennen, das ist
    "eine Art Messe der studentischen Clubs und Vereine, ein Markt der Möglichkeiten für die Frischlinge." (44)

    Dort wird er auf den Club der Romantiker aufmerksam, in den er eintritt, weil er von der liebreizenden Louise Buckwood dazu aufgefordert wird und weil Rudern als Sportart nicht das ist, was er erwartet hat.

    Umso mehr kann er den Stocherkähnen, den Punts etwas abgewinnen
    - "eine wichtige Oxforder Schlüsselqualifikation [...] Louise zum Beispiel liebte es, auf dem Cherwell gepuntet zu werden." (42)

    Beim ersten Clubtreffen fordert der Vorsitzende Gareth De´Ath, Gaz genannt, Peter auf, ein Originaldokument Percey Shelleys zu beschaffen, der in Oxford ebenfalls studiert hat. Das ist die Voraussetzung für die Aufnahme in den erlesenen Zirkel der Liebhaber romantischer Literatur.
    Und da kommt die Bibliothekarin Laureen Mills ins Spiel...

    Ein Vierteljahrhundert später ermittelt die Polizei im alten Fall Laureen Mills.

    "Niemand erwartet von Detective Chief Inspector Osmer ernsthaft, dass er diesen Fall löst, und er selbst hat auch nicht vor, sich länger mit diesen alten Knochen zu befassen." (22)

    Die Handlung wechselt kontinuierlich zwischen der personalen Perspektive des Detective Osmer, der die Ermittlungen leitet, der seiner ehemaligen Kommilitonen sowie den Rückblicken aus der Ich-Perspektive Peters, der offenkundig "zur falschen Zeit am falschen Ort" (25) (gewesen) ist.

    Daher bemühen sich die ehemaligen Studienfreunde und Club-Mitglieder Peter in Oxford zu "kontrollieren", damit das Verbrechen unaufgeklärt bleibt.

    Die spannende Frage, die sich beim Lesen stellt, ist, wie dieser unschuldige, sympathische junge Mann, der beim "Heilsaufen" witzige Geschichten aus Primstal zum Besten gibt, einen Mord begehen konnte. So viel sei verraten, die Handlung wartet mit einigen überraschenden Wendungen auf - die ein oder andere Figur erscheint plötzlich in einem anderen Licht.

    Bewertung
    Ein witziger Kriminalroman, in dem der Fokus darauf liegt, wie der Mord geschehen konnte und wie sich der Fall 24 Jahre später darstellt. Müssen die Erinnerungen umgeschrieben werden?
    Die sympathischen, teilweise skurrilen Figuren, wie Detective Osmer, der "No Osmer" genannt wird, weil er - außer bei schönen Frauen - immer "Nein" sagt, wachsen einem ans Herz und viele Szenen laden zum Lachen ein - umso mehr, wenn Frank P. Meyer sie selbst vorliest.
    Die unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen erfordern wie der letztlich doch recht komplizierte Tathergang Aufmerksamkeit beim Lesen, genau so sollte ein guter Krimi sein.
    Und nebenbei werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des studentischen Oxford, das arrogant auf Cambridge schaut und sich in seinem wissenschaftlichen Glanz sonnt. Ob alles Gold ist?

    Eine klare Lese-Empfehlung!