City of Girls: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'City of Girls: Roman' von Gilbert, Elizabeth
3.65
3.7 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "City of Girls: Roman"

Format:Broschiert
Seiten:496
Verlag:
EAN:9783100024763

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Rezensionen zu "City of Girls: Roman"

  1. Turbulentes Leben mit wechselndem Tempo

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 29. Jun 2020 

    “Die Welt folgt keinem Plan. Menschen haben ein bestimmtes Wesen, so ist das nun mal.“

    Vivian kommt als junges, recht naives Mädchen zum ersten Mal nach New York und genießt das aufregende Künstler- und Nachtleben der Stadt, fernab von ihrem betuchten Elternhaus. Ihre Fähigkeiten als Schneiderin darf sie recht bald unter Beweis stellen, menschlich muss sie aber noch viel dazulernen.

    Dieses Buch zu bewerten fällt mir recht schwer, da es sich ein bisschen so anfühlt, als bestünde es nicht aus einer Geschichte, sondern aus mehreren. Insbesondere das Tempo variiert so stark, dass es kaum als ein Ganzes zu bewerten ist.

    Die Geschichte von Vivian liest sich wie eine Autobiographie und wird aus der Sicht der Ich-Erzählerin in Briefform einer unbekannten „Angela“ erzählt, deren Identität erst ganz am Schluss geklärt wird. Eigentlich funktioniert dieser Stil ganz gut, da die ältere Vivian häufig selbstkritisch Situationen Revue passieren lässt. Der Leser erfährt viel über das New York Anfang der 40er Jahre – einschließlich dem Leben am Broadway, Theater und von Schauspielern im Allgemeinen. Auch allgemeine gesellschaftliche Themen und die Einflüsse des 2. Weltkriegs in den USA kommen nicht zu kurz, was ich auch als sehr interessant empfand. An vielen Stellen ist das Buch auch eine Liebeserklärung an die Stadt New York: „Wir fuhren über die stille, gebieterische Brücke […] und kamen in die Stadt. Dieser dichte Ort. Dieser bedeutsame Ort. Die großartigste Metropole der Welt […].“

    Bis zum in der Zusammenfassung angedeuteten Skandal ist die Geschichte sehr temporeich und auch unterhaltsam, flacht dann aber stark ab und fühlt sich eher wie eine Aneinanderreihung von autobiographischen Anekdoten an.

    Erst das letzte Viertel des Buches, als Vivian mit ihrer Freundin endlich die Boutique für Hochzeitskleider eröffnet, konnte mich wieder mehr begeistern, da das Ende wieder persönlicher und emotionaler wird.

    Insgesamt würde ich sagen, dass die Geschichte sehr viel Potenzial hat, trotz oder gerade wegen des sehr eigenen Stils der Erzählerin. Leider wurde dieses aber nicht ausgeschöpft und durch den Aufbau des Buches fiel es mir zwischenzeitlich doch etwas schwer, nicht das Interesse an Vivians Lebensgeschichte zu verlieren.

  1. eine sehr eigene Frau

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Jun 2020 

    Irgendwie hat mich dieses Buch angesprungen. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob es denn wirklich was für mich ist, hatte ich unterbewusst das Gefühl dieses Buch lesen zu müssen. Gut, dass ich es getan habe, ich hätte doch etwas verpasst.

    Das Buch wird aus der Sicht von Vivian geschildert, die neunzigjährig einen Brief an eine Angela schreibt, um ihr zu erklären, was ihr Vater für sie bedeutet hat.

    Vivian kam mit knapp zwanzig nach New York, zu ihrer Tante Peg, nachdem sie auf dem College durch alle Prüfungen gefallen war. Bei Peg gelten nun keine Regeln mehr wie zu Hause, denn Peg besitzt ein kleines Theater, das sich mit billigen Revuen am Leben erhält. Vivian bekommt hier die Gelegenheit ihre schneiderischen Künste an den Kostümen zu beweisen und ansonsten das Leben zu genießen. D.h. vor allem ausgehen, sich betrinken und mit jedem verfügbaren Mann ins Bett steigen. Vivian erlebt dieses eine Jahr wie im Rausch und genießt es. Doch dann gerät sie in einen Skandal, der ihr Bleiben in New York fürs erste unmöglich macht. Zu Hause bei ihren Eltern versucht sie in ein Leben zu finden, wie es sich ihre Eltern für sie erträumen. Mann, Kinder, Haushalt...

    Doch eines Tages steht Peg wieder vor der Tür und holt Vivian zurück nach New York. Dort baut sie sich langsam aber sicher ein Leben auf, zusammen mit Peg und ihrer Freundin Marjorie, in dem Männer zwar noch eine Rolle spielen, ihr Leben aber nicht mehr bestimmen. Und auch Angelas Vater tritt in ihr Leben um es zu bereichern.

    Anfangs hatte ich ein wenig Probleme ins Buch zu kommen. Vivian erscheint in ihrer ersten Zeit in New York wie ein Kind, dass sich von allem nimmt, aber wenig lernt. Wobei das tatsächlich erst im Nachhinein so richtig klar wird. Ab dem Skandal, in den sie verwickelt wird, merkt man, dass es besser wird und richtig erwachsen wird sie erst bei ihrer Rückkehr in die Stadt.

    Der zweite Teil des Buches ist dann ganz zauberhaft und am Ende fiel es mir schwer Abschied zu nehmen. Vivian ist eine Protagonistin, die es einem nicht leicht macht sie zu mögen. Sie ist extrem direkt und hält auch mit unangenehmen Wahrheiten nicht hinter den Berg. Allerdings merkt man der Erzählerin an, dass sie aus ihren Fehlern gelernt und irgendwann sich selbst gefunden hat. Das macht die Sache authentisch.

    Alles in allem war es trotz des etwas schwierigen Anfangs ein tolles Buch, das ich gerne gelesen und ungerne am Ende aus der Hand gelegt habe. Daher von mir eine Leseempfehlung!

  1. Ein unterhaltsamer Roman

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Jun 2020 

    Vivian, die in einer Provinz aufgewachsen ist, wird nach New York geschickt. Dort taucht sie in die Glamourwelt der Vierziger ein und erlebt turbulente Zeiten mit Musicals, Bars, Jazz und Gangstern. Als sie einen schweren Fehler begeht, kommt es zu einem Skandal.

    An diesem Buch hat mich zuerst das Cover angesprochen, das mich sehr neugierig machte. Als ich dann die beschreibung gelesen habe, war klar, dass ich diesen Roman sehr gerne lesen möchte.
    Ich bin sehr gut in das Buch hinein gekommen und fand den Schreibstil sehr angenehm. Ich konnte mir die Geschehnisse, die unterschiedlichen Szenen und die Personen sehr gut vorstellen.
    Vivian mochte ich sofort und mir gefiel es, dass sie nicht perfekt war und Fehler beging. Das machte sie menschlich und sehr sympathisch. Ich hatte dadurch viel Freude, sie zu begleiten und an ihrem Leben teilzuhaben. Auch die weiteren Charaktere wirkten stimmig und passend in der Geschichte.
    Ich habe es beim Lesen genossen, in die Vierziger einzutauchen. Auch wenn ich gerne bzw. lieber in der heutigen Zeit lebe, fand ich diese Reise in die Vergangenheit absolut gelungen. Insbesondere die geschichtlichen Ereignisse, die in die Geschichte eingeflossen sind, gefielen mir prima. Ich war sehr gespannt, was Vivian alles erlebt und wie sie sich entwickelt. Dabei blieb sie sich immer treu, was ich toll fand.

    Ein gelungener und unterhaltsamer Roman, der mir gut gefallen hat. Ich vergebe 4 von 5 Sternen. 

  1. Lädchenbuch für Fortgeschrittene

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 03. Jun 2020 

    Kurzmeinung: Das Thema der weiblichen Promiskuität im Lädchenbuch ist schon ... mal was anderes.

    Elizabeth Gilbert entführt ihre Leser ins Theatermilieu. Nicht ins Metropolitan, nicht an den Broadway, nicht dorthin, wo Produzenten, Regisseure, Autoren und Schauspieler im Zenit ihrer Karriere angekommen sind, sondern ins Tingeltangel, dorthin, wo man sich abstrampelt, wo der mittelmässige oder auch der sich bis jetzt nur noch nicht ins Rampenlicht des Ruhms vorgekämpfte Künstler lebt und wirkt.

    Das Mileu von Puder, Schminke, billiger Garderobe des Lilyplayhouse in New York überzeugt zunächst einmal. Marf zusehen wie aus einer Mischung von Genie, Wahnsinn und vielen glücklichen Zufällen ein erfolgversprechendes Musical entsteht. Immer entlang von Vivians ausschweifendem Liebesleben führt Gilbert Regie in ihrem Doppel: es entsteht im Roman „City of Girls" das Musical „City of Girls“. Insoweit ist der Roman amüsant, die künstlerische Freiheit alles so zu richten, damit es passt, nehme ich der Autorin nicht übel.

    Das Personal ist freilich aus der Restekiste. Schablonen und Muster ohne Wert. Die Banalität mit der die Protagonisten gezeichnet werden, ist schon manchmal peinlich.

    Dennoch gelingt es Elizabeth Gilbert in deren Interaktionen mindestens eine interessante Schlüsselszene zu inszenieren. Eine Diva putzt „unsere Vivian“ , eine neunzehnjährige aufsässige, promiskuitive Göre aus der Provinz herunter. Sie teilt Menschen in wertvolle und weniger wertvolle Klassen ein. Und obwohl Vivian durchaus verdient hat, dass ihr der Kopf gewaschen wird, geht Diva zu weit. Man kann Menschen verbal vernichten. Und das ist Unrecht. Gilbert ist also durchaus moralisch. Moralisch im positiven Sinn. Ihr Buch stellt heraus, wie sehr man sich als junger Mensch von den falschen Dingen blenden lassen kann.

    Anschließend verlassen wir leider das Theatermileu und begeben uns ins Brautmodengeschäft. Alsdann, im verkappten Lädchenbuch gefangen, schaltet die geneigte Leserin ab. Rührselige Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg tunken den Roman vollens in den Klischeetopf ein.

    Fazit: Für einen Roman, der sich in der zweiten Hälfte als leidiges Lädchenbuch enttarnt, ist „City of Girls“ gar nicht so übel. Der Roman setzt sich mit dem Thema der weiblichen Promiskuität auseinander, was ungewöhnlich ist. Allerdings ist der Roman mit seinen cirka 500 Seiten schrecklich weitschweifig und hätte stark gekürzt gehört.

    Verlag: S. Fischer
    Kategorie: Lädchenbuch

  1. Eine authentische Reise zurück in die 1940er in New York

    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Mai 2020 

    „Denn zunächst möchte ich sagen, dass sich das Lily Playhouse von allen Welten, die ich bis dahin bewohnt hatte, ganz und gar unterschied. Es war die elektrisierende Verkörperung von Glamour, Wagemut, Chaos und Spaß – mit anderen Worten, eine Welt voller Erwachsener, die sich wie Kinder benahmen.“ (Zitat Pos. 659)

    Inhalt
    Vivian Louise Morris wächst behütet und gelangweilt in einer vermögenden Familie auf und sie will auf keinen Fall übergangslos in einer ebenso behüteten Ehe enden. Ratlos schicken ihre Eltern sie 1940 schließlich zu ihrer Tante Peg nach New York. Dieser gehört eine Theaterkompanie in New York City, das Lily Playhouse. Vivian ist neunzehn Jahre alt und im Gepäck hat sie ihre Nähmaschine. Ihre große Begabung und Leidenschaft für Mode machen sie rasch zur kreativen Kostümbildnerin in Pegs Theater. Vivian ist jung und sie will alles vom Leben. Erfahrungen sammelt sie in den wilden Nächten der Clubs und Bars der schillernden Großstadt New York, bis sie durch ihre Gedankenlosigkeit in einen Skandal verwickelt wird und zu ihren Eltern zurückkehren muss. Im Sommer 1942 holt Peg sie zurück nach New York, doch es dauert noch viele Jahre, bis Vivian ihren Weg findet.

    Thema und Genre
    Dieser Roman, in dessen Mittelpunkt Frauen stehen, ist kein typischer Frauenroman. Es geht um das glitzernde, turbulente Leben im New York der Vierzigerjahre, um die Welt der kleinen Theater, Musik, um Mode und Frauen, die ein unabhängiges, selbst gestaltetes Leben wollen. Auch Männer, Familie, Freundschaft und die Liebe in allen Facetten sind ein Thema.

    Charaktere
    Vivian hält ihre privilegierte, finanziell abgesicherte, Herkunft viele Jahre lang für selbstverständlich. Ihre naive, gedankenlose Ziellosigkeit macht sie als Figur nicht immer sympathisch, erst in den Jahren nach dem Krieg findet sie bewusst zu einem Leben, das sich für sie richtig anfühlt. Peg, Olive, Edna und Marjorie sind großartige Frauenfiguren, facettenreich und immer authentisch.

    Handlung und Schreibstil
    Es ist Vivian selbst, die 2010 rückblickend ihre Lebensgeschichte in einem Brief erzählt. Sie schreibt ihre Erinnerungen chronologisch nieder, ergänzt durch Details, die sie nicht wissen konnte, aber durch Gespräche mit Beteiligten erfahren hat. Die Handlung ist spannend und interessant. Das Leben im New York der Vierzigerjahre und später in der Nachkriegszeit ist sehr lebendig und wirklichkeitsnah geschildert, besonders auch die Situation der kleinen Theater. Die Seele der Geschichte jedoch sind die tiefen, ehrlichen Frauenfreundschaften und die Lebensfreude, die sich durch die gesamte Handlung zieht. Die Sprache ist humorvoll, beschwingt und angenehm zu lesen.

    Fazit
    Ein einfühlsam erzählter, charmanter Roman über Frauen, Männer, die Liebe und das Leben, in dem Dinge einfach so passieren, denn „Die Welt folgt keinem Plan“ (Zitat Pos. 6642).

  1. Schmierentheater

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 27. Mai 2020 

    Ich habe sehr begeistert „Das Wesen Der Dinge und der Liebe“ gelesen. Ich dachte, wow, das ist eine Autorin, die ich im Auge behalte, die wundervoll formuliert, mit Humor und liebevoll gezeichneten Figuren und die mit Einfühlungsvermögen gut recherchierte historische Romane schreibt. „City of Girls“ muss jemand anderes geschrieben haben. Das Buch hat nichts von diesen Vorzügen, gar nichts!

    Hier berichtet die steinalte Vivian von ihrem Leben, dessen einzig bemerkenswerter Punkt ist, dass sie in den 40er Jahren in New York am Revuetheater ihrer Tante mitgearbeitet hat. Sie war die begabteste Schneiderin, die je gesehen wurde und nähte die Kostüme. Sie konnte aus dem Stoff eines alten Sofas einen Königsmantel zaubern. Und so geht es weiter.
    Wir schnuppern Theaterluft, treffen Revuegirls, Schauspieler und Autoren und lassen dabei kein einziges Klischee aus. Man ist so begabt, so wunderschön, so lebenslustig. Alkohol, bewusstseinserweiternde Substanzen und Männer werden hemmungslos konsumiert, das Leben ist famos, die Kollegen fabelhaft, bis wir auf die Nase fallen und zur Besinnung kommen und warum? Weil plötzlich in der Zeitung steht, dass wir uns daneben benommen haben, wie peinlich. Es war also ganz ok, so lange niemand darüber sprach?

    Dieses Buch ist ein Desaster. Weder der Plot, noch die Figuren, noch die Sprache überzeugen, knapp 500 Seiten Langeweile, gespickt mit Stereotypen und Plattitüden.
    „Der Roman, von den Medien als betörender Mix aus Charme und Witz gefeiert, stand nach Erscheinen monatelang auf der »New York Times«-Bestsellerliste.“

    Das behauptet die Buchbeschreibung, leider ist mir weder Witz noch Charme aufgefallen. Betört es ausreichend, wenn man sich im Theatermilieu tummelt, das so realistisch wirkt wie Disney Land?

    „Ein Roman wie »Diamanten in Champagner.«
    Washington Post“

    Das trifft es vielleicht eher. Diamanten in Champagner: Hübsch, leider nicht prickelnd, kapriziös und schwer verdaulich.