Bühlerhöhe

Buchseite und Rezensionen zu 'Bühlerhöhe' von Brigitte Glaser
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Rosa Silbermann wird 1952 mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe geschickt. Die in den 1930ern aus Köln nach Palästina emigrierte Jüdin arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher. Die musste 1945 das Elsass verlassen und sucht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Beide haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Keine von ihnen vertraut der beschaulichen´Landschaft des Schwarzwalds. Und beide wissen von einem geplanten Attentat auf Bundeskanzler Adenauer, wobei jede ihre eigenen Pläne verfolgt. Zwei Frauen in einer Männerwelt, in der es um Macht, Geschäfte und alte Seilschaften geht – und irgendwann um Leben und Tod.

Format:Kindle Edition
Seiten:448
EAN:

Rezensionen zu "Bühlerhöhe"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Aug 2016 

    Frauen mit Vergangenheit

    Brigitte Glaser kann nicht nur Krimi! Mit „Bühlerhöhe“ hat sie einen Roman geschrieben, der spannend und realistisch ist, dabei auch Zeitgeschichte kenntnisreich und gut recherchiert vermittelt.

    „ Die Weltgeschichte klopft bei jedem an, doch als Torwächter herrscht immer der Zufall.“

    Das renommierte Hotel im Schwarzwald war Anfang der 50iger Jahre Urlaubsdomizil für Kanzler Adenauer, dort erholte er sich, traf aber auch immer wieder mit Politikern und Wirtschaftsbossen zusammen. Jetzt will er auch die letzten Zweifel für das Wiedergutmachungsgesetz ausräumen, die dem jungen Staat Israel finanzielle Entschädigung zusichert. Das passt nicht jedem, weder in der jungen Bundesrepublik, in der die Anschauungen der Nazi noch sehr lebendig sind, noch in Israel. Zwar ist der neu gegründete Staat Israel dringend auf die deutschen Gelder angewiesen, aber es gibt genug Israelis, die auf keinen Fall Blutgeld annehmen wollen. Der Mossad fürchtet ein Attentat auf Adenauer und damit das Scheitern des Gesetzes. Deshalb schickt er die junge Rosa Silbermann in den Schwarzwald. Rosa , eine junge überzeugte Kibbuznik, stammt aus Deutschland, kennt die Bühlerhöhe aus Kinderzeiten, ist also prädestiniert undercover eine Auge auf die Vorgänge zu haben.

    In bin in unsere jüngere Vergangenheit eingetaucht, als ob ich dabei gewesen wäre. So lebendig und so nah ist mir Geschichte nicht oft gekommen. Sicher liegt es an am erzählerischen Talent von Brigitte Glaser und wie sie ihre Figuren entwickelt. Von der traumatisierten Schwarzwälder Bauerntochter, die die französischen Besatzer von ihrer übelsten Seite kennengelernt hat, bis hin zu Sophie Reisacher, die hartherzig und nur auf ihren Vorteil bedacht, jederzeit ihre Anschauung den Gegebenheiten anpasst. Dann Rosa Silbermann, Holocaustüberlebende, die in Israel ein neues Zuhause gefunden hat. Besonders die Frauenfiguren sind interessant und großartig dargestellt. Jede Figur ist plastisch und psychologisch vielschichtig beschrieben, fast bin ich versucht an echte Vorbilder zu glauben.
    Ich bin begeistert, wie die Autorin die wahren Geschichten mit dem (fiktiven) Attentatsplan auf der Bühler Höhe verbindet und wie es ihr gelingt, die bundesdeutsche Stimmung der frühen Fünfziger Jahre einzufangen. Genau so lebendig wie sie die Aufbruchsstimmung des jungen Staates Israel schildert.

    Dieses Buch habe ich in einem Zug gelesen und meine Fantasie lieferte mir fast kinoreife Bilder dazu, was sicher auch an der Sprache und dem Können von Brigitte Glaser liegt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Aug 2016 

    Spannendes über eine Zeit, über die ich nicht viel wusste

    Vorab muss ich schon einmal eins sagen, das Buch ist keines für zwischendurch. Wenn man sich darauf einlässt, lässt einen die Spannung und das Geschehen nicht mehr los. Und doch ist da noch vieles mehr.

    Rosa, eine junge Deutsche, wird in den fünfziger Jahren vom Mossad aus Israel wieder nach Deutschland geschickt. Sie soll ein geplantes Attentat auf Adenauer verhindern. Rosa ist keine Agentin. Ihre Qualifikation besteht lediglich darin, früher in dem Nobelhotel "Bühlerhöhe" mit ihren Eltern und Großeltern im Urlaub gewesen zu sein und die deutsche Sprache perfekt zu beherrschen. Ihr zu Seite wird Ari gestellt, ein erfahrener Agent, der die Aktion leiten und überwachen wird.

    Nur Ari erscheint nicht am vereinbarten Treffpunkt. Auch am nächsten und übernächsten Tag keine Spur von ihm. Rosa ist gezwungen sich allein der Situation zu stellen. Ihr schlägt einiges an Misstrauen entgegen, sie muss auf der Hut sein und gleichzeitig versucht sie Spuren bzw. Anzeichen für das Attentat zu finden. Und nichts läuft nach Plan. Lest selbst, ob es Rosa gelingt, ein mögliches Attentat zu verhindern.

    Brigitte Glaser hat hier ein Buch geschrieben, dass durch die vielen kleinen Details und Spuren beeindruckt. Man muss schon sehr aufmerksam lesen um die Zusammenhänge zu erfassen. Interessant ist auch der Umgang mit der Vergangenheit, wie sich diese im Deutschland nach dem Krieg auswirkt. Insgesamt gelingt es der Autorin die Spannung, die sich während des Lesens aufbaut, fortwährend zu steigern. Dieses Buch ist nicht nur ein Thriller, sondern auch ein Spionageroman und beinhaltet auch sehr viel Geschichtliches. Es ist auch ein Stück Heimatbuch.

    Mir hat es gefallen, über diese Zeit wusste ich sogar nichts. Von mir eine Leseempfehlung und verdiente fünf Lesesterne.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Aug 2016 

    Ein sehr lesenswerter Roman

    Klappentext
    Rosa Silbermann wird 1952 mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe geschickt. Die in den 1930ern aus Köln nach Palästina emigrierte Jüdin arbeitet für den israelischen Geheimdienst. Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher. Die musste 1945 das Elsass verlassen und sucht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Beide haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Keine von ihnen vertraut der beschaulichen´Landschaft des Schwarzwalds. Und beide wissen von einem geplanten Attentat auf Bundeskanzler Adenauer, wobei jede ihre eigenen Pläne verfolgt. Zwei Frauen in einer Männerwelt, in der es um Macht, Geschäfte und alte Seilschaften geht – und irgendwann um Leben und Tod.

    Die Autorin
    Geboren 1955 in Offenburg. 1974 Abitur in Achern. 1975-1980 Studium der Diplom-Sozialpädagogik in Freiburg. 1980 Wechsel nach Köln. Dort Arbeit in der offenen Jugendarbeit, im Medienbereich und in der Erwachsenbildung. 1996 erscheint mit „Kölsch für eine Leiche“ der erste Krimi, 2001-2008 „Tatort Veedel – Orlando & List ermitteln“ eine Kurzkrimi-Serie im Kölner Stadtanzeiger, 2003 mit „Leichenschmaus“, der erste Katharina-Schweitzer-Krimi, 2010 mit „Schreckschüsse“, das erste Jugendbuch, 2016 mit „Bühlerhöhe“ erster Roman.
    Seit 2008 freie Schriftstellerin in Köln.

    Meine Meinung

    Story

    1952 Bundeskanzler Konrad Adenauer verbringt ein paar Tage auf der Brühler Höhe im Schwarzwald. Es ist die Zeit, als gerade um das Entschädigungsgesetz entschieden wird. Adenauer, der das Gesetzt will, macht sich dadurch Feinde. Für Israel ist das Gesetzt von Fundamentaler Bedeutung. Als der Mossad Hinweise bekommt dass Adenauer ermordet werden soll, schicken sie die ortskundige, aber vollkommen unerfahrene Agentin Rosa Silbermann auf die Brühler Höhe. Trotz ihrer Unerfahrenheit stellt sie schnell fest, dass nahezu jeder Verdächtig ist. Ein wirres Katz und Mausspiel beginnt.

    Der Ort Bühlerhöhe
    Die Geschichte spielt auf der Brühlerhöhe an der Schwarzwaldhochstraße. Das Hotel Bühlerhöhe gibt es wirklich. Erst als Krankenhaus gedacht, wurde es später zu einem First-class-Hotel. .Adenauer hat tatsächlich dort Ferien gemacht, aber auch zahlreiche Promis beherbergte das Hotel. Nachdem ein Investor das Hotel kaufte und nicht zahlen konnte steht es nun leer.

    Schreibstil
    Das Buch ist leicht zu lesen und wechselt zwischen diversen Zeiten und Orten immer wieder ab. Der Roman beinhaltet reale Fakten neben fiktiven. Die Autorin bringt, ohne sich in lange Erklärungen zu verlieren, die damalige Zeit näher. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt.

    Charaktere
    Es sind nicht wenige Charaktere, die die Geschichte beleben. Ein wenig Aufmerksamkeit ist geboten um die Vielzahl einzuordnen. Dennoch wirkt jeder Charakter echt, der Leser kann sich gut in sie hineinversetzten.

    Mein Fazit

    Brigitte Glaser hat mit Brühlerhohe ein schönes, vielfältiges Buch geschrieben. Man darf es auf keinen Fall auf einen Agententhriller reduzieren, denn es ist ein Stück deutsch Geschichte. Die Autorin schafft es viel Wissenswertes in eine spannende Geschichte zu verpacken. Auch fängt sie die Stimmung der damaligen Zeit sehr gut ein. Für geschichtsinteressierte Leser ein MUSS. Am Ende des Buches erklärt die Autorin was real und was Fiktion ist. Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Ich vergebe volle fünf von fünf Leseratten / Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Aug 2016 

    Wiedergutmachung

    Im Sommer 1952 wird Rosa Silbermann, die mit ihrer Schwester dem Naziregime entfliehen konnte und sich im Kibbuz ein neues Leben aufbauen wollte, zurück nach Deutschland geschickt. Als Gast getarnt soll sie im Hotel Bühlerhöhe dabei helfen, einen Anschlag auf den Bundeskanzler zu verhindern. Adenauer, der dort Urlaub machen will und sich einer Frischzellenkur unterziehen. Es heißt, der Israelisch Irgun wolle das geplante Wiedergutmachungsgesetz durch diesen Anschlag verhindern. Und so soll Rosa als jüdische Agentin den deutschen Kanzler vor einem jüdischen Attentäter schützen helfen. Wie eine Gegenspielerin Rosas wirkt die Hausdame Sophie Reisacher, die aber ganz eigene Ziele verfolgt und dabei vor keiner Bespitzelung halt macht.

    Zwei Frauen wie sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Sophie Reisacher, beruflich mitten im Leben stehend hat sie sich nach dem Krieg eine Position geschaffen. Als Hausdame führt sie das Regiment über die Bühlerhöhe. Ihr Ziel ist es, ihre Existenz zu sichern. Eine gute Heirat darf es gerne sein. Rosa Silbermann, die durch die Nazis außer ihrer geliebten Schwester alles verloren hat, möchte von Deutschland nichts mehr wissen. Als Kind allerdings hat sie die Ferien hier verbracht und ihre Ortskenntnis soll dem weiteren Agenten dienlich sein, auf den sie wartet. Viel lieber wäre Rosa allerdings in Israel geblieben, um beim Aufbau dieses jungen Staates ihre Frau zu stehen.

    Vor der Kulisse des Schwarzwaldes ist es Brigitte Glaser gelungen, ein beeindruckendes Bild der frühen 1950er Jahre in Deutschland zu zeichnen. Der Krieg ist vorbei und die schwersten Nachkriegsjahre sind überstanden. Die Kriegsgeschehnisse und die unsäglichen Greueltaten, die man den jüdischen Mitbürgern angetan hat, werden am liebsten verdrängt. Das Wiedergutmachungsgesetz findet keine ungeteilte Zustimmung. Und nun soll der Kanzler ausgerechnet von jüdischen Agenten beschützt werden. Wunderbar vielschichtig wird den handelnden Personen Leben eingehaucht. Da sind die einzelnen Schicksale, da ist die Stimmung im Lande, die Kleinbürgerlichkeit und auch die erste kleine Rebellion, die kleinen Genüsse der noch neuen Meinungsfreiheit. Die Vergangenheit ist noch längst nicht überwunden und dennoch will und muss man in die Zukunft schauen.

    Das alles verpackt in einen geschichtlichen Spannungsroman, genau die richtige Mischung aus Agententhriller und Darstellung des Zeitgeschehens. Ausgesprochen lesenswert.
    4,5 Sterne